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09.01.2013

Herbstzug 2012 - die 2. Zughälfte

Hallo und frohes neues Jahr an alle Leser!

Nach 2010 auch 2012 wieder gefangen: Eine Rotdrossel (Turdus iliacus)
Wie schon mehrfach versprochen hier die Zusammenfassung der 2. Zughälfte (Mitte September bis Ende November) inklusive der noch ausstehenden Monatszusammenfassung. Den entsprechenden Beitrag zur 1. Zughälfte finden Sie hier.


Allgemein: Aus wenig Zeit viel herausgeholt

Die zweite Hälfte Herbstzug war 2012 deutlich besser zeitlich abgedeckt als die ersten beiden Monate, dennoch war der Stationsbetrieb weit von dem Maß der Jahre 2009 und 2010 entfernt. Da eigentlich jeder in unserem Team mittlerweile berufstätig ist und nicht mehr die berühmten Semesterferien hat, mussten wir zeitlich doch Einschnitte machen. Aber wann immer es sich einrichten ließ, wurde doch mal einen Vormittag oder auch abends mal beringt. Da jedoch in den wenigsten Fällen ganztägig beringt wurde, kann dies die erhobenen Daten etwas verfälschen, doch dazu später mehr.

Immerhin ein Bergfink (Fringilla montifringilla)
konnte 2012 auf dem Herbstzug beringt werden
Das Wetter war besser als im Vorjahr, so war der Wasserstand lange Zeit recht günstig und die Zugbedingungen an manchen Tagen sehr gut, mit einem besonders hohen Aufkommen am 10. Oktober. Eine beständige Wetterlage um diese Zeit ließ aber den in anderen Jahren häufiger auftretenden "Zugstau" ausbleiben: Bei instabilem Wetter bleibt der Vogelzug an manchen Tagen fast ganz aus und konzentriert sich auf die Tage mit guten Bedingungen.

Erfreulich in die hohe Zahl der gefangenen Arten mit 76, was das drittbeste Ergebnis aller Jahre ist und um ganze 11 Arten höher liegt als noch 2011. Desweiteren kam mit der Feldlerche die bislang 108. beringte Art für das IKEA-Biotop hinzu, bei allen Lerchenaktionen kamen insgesamt 72 Fänge dieser Art zusammen.


Häufige Arten: Abnahme bei der Rohrammer?

Rohrammern (Emberiza schoeniclus) (l.) sind 2012 weniger häufig
gefangen worden als im Mittel 2006-2011. (KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
In jedem Jahr stehen die vier stärksten Arten eigentlich schon fest, mit dem Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus), der Rohrammer (Emberiza schoeniclus), dem Rotkehlchen (Erithacus rubecula) und der Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla). Dies war auch 2012 nicht anders, allerdings gab es bei den Rohrammern einen großen Einbruch in den Fangzahlen, so dass diese Art zum ersten Mal seit Beginn der Beringung im IKEA-Biotop nur auf dem vierten Platz landet. Ursache für diese Entwicklung könnte entweder ein schlechtes Brutjahr sein (was sich bei uns vor Ort ganz ähnlich andeutete), oder es könnte ein Methodikproblem vorliegen: Rohrammern sind typische Tagzieher, die zwischen Sonnenauf- und -untergang mehr oder weniger den ganzen Tag unterwegs sind und an geeigneter Stelle zwischendurch kurz rasten. Weil wir aber häufig nicht ganztägig vor Ort waren, sind aus diesem Grund wohl auch zahlreiche Rohrammern einfach nicht erfasst worden, denn gerade an guten Tagen können über 100 Exemplare an einem Tag zusammenkommen. Aufschluss kann an dieser Stelle also nur der Vergleich mit den Daten anderer Beringergemeinschaften geben.
  

Mittelhäufige Arten: Licht und Schatten

Grund zum Jubeln: Rekordjahr bei Gimpeln (Pyrrhula pyrrhula)
Von den späten Ziehern gibt es erfreuliche Zahlen insbesondere bei Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola), Kernbeißern (Coccothraustes coccothraustes) und Gimpeln (Pyrrhula pyrrhula), von denen die letzten beiden Arten sogar in Rekord-Häufigkeit auftraten. Auch Erlenzeisige (Carduelis spinus), typische Invasionsvögel, waren häufig vertreten im IKEA-Biotop.

Den umgekehrten Trend bemerkten wir vor allem bei Beutelmeisen (Remiz pendulinus), mit lediglich 16 beringten Individuen. Dies ist das niedrigste Ergebnis seit Beginn der systematischen Beringung 2006. Ursache könnte analog zu den Rohrammern auch das vermehrte Auftreten der Beutelmeisen in der Mittagszeit sein, die von uns kaum abgedeckt wurde, oder aber in Veränderungen in Biotop bzw. Bestand zu begründen sein. Gerade die von Beutelmeisen oft aufgesuchten Rohrkolbenbestände sind im IKEA-Biotop in den letzten Jahren stark zurückgegangen.


Highlights: Taiga-Birkenzeisig, sonst nix...

Männchen des Taiga-Birkenzeisigs (Carduelis [flammea] flammea)
Nachdem in den letzten Jahren doch eigentlich immer ein echtes Jahreshighlight zu vermelden war, wurde 2012 lediglich ein mehr oder weniger besonderer Fang gemacht, mit einem Taiga-Birkenzeisig (Carduelis [flammea] flammea). Diese Unterart des Birkenzeisigs, die in Nordeuropa brütet, überwintert zwar alljährlich in Deutschland, aber kommt nur in den wenigsten Jahren Jahren so weit südlich vor, dass man sie auch im Saarland beobachten kann. Dieser Fang war entsprechend auch eine positive Überraschung und ein Erstnachweis der Unterart für das Gebiet.


Phänologie: Keine Extremwerte doch so mancher Unterschied

Vom zeitlichen Verlauf des Zuges her gab es wenige Überraschungen. Insgesamt waren nur sehr wenige "Nachzügler" zu vermelden, die größte Überraschung war der Fang einer sehr späten Rauchschwalbe (Hirundo rustica) im Oktober.
Bei einigen Arten ließ sich eine mehr oder weniger starke Verschiebung des Zugs bemerken, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Besonders deutlich wurde dies bei den Mönchsgrasmücken, die 2012 etwa 10 Tage später zogen als sonst.


Phänomen: Invasionsmeisen und -drosseln

Invasion: Absolutes Rekordjahr mit etwa 450 Fängen
bei den Blaumeisen (Parus caeruleus)
Sehr bemerkenswert ist das enorme Aufkommen von Blau- und Kohlmeise (Parus caeruleus bzw. Parus major) sowie Amsel und Singdrossel (Turdus merula bzw. Turdus philomelos), die in deutlich höherer Fangzahl als im Vorjahr vorkamen. Zumindest bei den Meisen war dieses Invasionsphänomen auch von anderen Beobachtern zu verfolgen, weil die ziehenden Kohlmeisen durch einen charakteristischen Ruf in weiten Teilen Deutschlands auf sich aufmerksam machten. An unserem Standort war ein ähnliches Bild auch bei den Drosseln der Fall, insbesondere Singdrosseln waren 2012 so häufig wie nie zuvor mit 150 Fängen, das sind mehr als dreimal so viele Individuen wie im Vorjahr.

(KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
Enorme Fangzahlen bei Meisen (l.) und Drosseln (r.) 2012
im Vergleich mit dem Durchschnitt 2006-2011

Nachtrag: Monatszusammenfassung November


Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch

09.12.2012

Nachtrag: Monatszusammenfassung Oktober

Hallo zusammen!


Feldlerche (Alauda arvensis) - Die 108. Art, die von uns beringt werden konnte
Wie bereits angekündigt, ist die Beringung des Herbstzugs 2012 am 30.11. abgeschlossen worden. Während ich aktuell bereits an der Auswertung der Daten arbeite und definitiv in den nächsten Wochen eine erste kurze Veröffentlichung an dieser Stelle plane, gibt es vorab noch die Monatszusammenfassung für den Oktober. Parallel läuft übrigens auch noch die Beringung der Wintergäste an einer im Biotop eingerichteten Futterstelle, sofern Zeit und Wetter das erlauben.

Rauchschwalbe (Hirundo rustica) (27.10.2012)
Für den Oktober gibt es leider kein großes Highlight zu vermelden, aber immerhin die 108. Art, die im IKEA-Biotop beringt werden konnte: Die Feldlerche (Alauda arvensis). Bislang gelang noch kein Fang dieser recht häufigen Art, vor allem, weil geeignete Rastflächen im Biotop fehlten. Nun wurde gezielt ein ca. 15x15 Meter großes Areal umgestaltet, um diese Art und andere Offenlandbewohner anzulocken. Im Rahmen mehrerer nächtlicher Fangaktionen konnten insgesamt 72 Lerchen gefangen werden, am 10.10.2012 wurde dabei mit 56 gefangenen Individuen ein erstes Rekordergebnis aufgestellt.
 

 
Eine kleine Überraschung gab es noch am 27.10. mit der spätesten Rauchschwalbe (Hirundo rustica), die je in Lisdorf beringt werden konnte. Eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer und so ist auch diese kein Indikator für einen späten Zug oder ein gutes Brutergebnis. Man kann sie lediglich als Zufallsfang verbuchen, nicht zuletzt deswegen, weil Beobachtungen Ende Oktober im Saarland regelmäßig gemacht werden.
  
(Alpen-)Birkenzeisig (Carduelis [flammea] cabaret)
Nach 2010 dieses Jahr wieder auf dem Herbstzug gefangen
Mehr Details zur zweiten Zughälfte und zur Gesamtauswertung folgen dann schon bald, ebenso die Monatszusammenfassung November. Hier nun die Fangzahlen für den Oktober:


Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch

06.11.2012

Nachtrag: Monatszusammenfassung September

Hallo zusammen!

Wiesenpieper (Anthus pratensis) - Zum ersten Mal seit 4 Jahren wieder gefangen



Schon länger haben wir nichts mehr von uns hören lassen, das heißt aber nicht, dass die Beringung ruht. Im Gegenteil, trotz der sehr knappen Zeit versuchen wir, so oft es geht vor Ort zu sein. Leider bleibt im Zuge dessen auch nur sehr wenig Zeit, mal wieder etwas auszuwerten und zu schreiben. Ein umfassender Bericht wird daher auf die Zeit nach der Herbstzugberingung verschoben. Diese ist voraussichtlich Ende des Monats November beendet (abhängig vom Wetter und dem Zugverhalten).

An dieser Stelle daher nur die kurz die Zusammenfassung für den September. Durchaus erfreulich: Es gab mehr Arten und Individuen als 2011! Leider aber keine großen Besonderheiten.

Viele Grüße,
Sebastian Kiepsch

24.09.2012

Herbstzug 2012 - Ein Zwischenbericht

Hallo zusammen!

Auch 2012 wieder gefangen: Ein Gelbspötter (Hippolais icterina) - Im Saarland ein seltener Anblick!
Die Beringung des Herbstzugs 2012, die von Anfang August bis Mitte November statt findet, hat nun etwa Halbzeit erreicht. Das bietet die Zeit, mal zurückzublicken auf die bisherigen Ergebnisse der Beringungsaktionen.

Allgemein: Wenig Zeit - viele Arten!

Bekassine (Gallinago gallinago) - schon der zweite Fang 2012
Leider bleibt unserem ehrenamtlichen Team nicht so viel Zeit wie in den Vorjahren, um die Beringung tagtäglich durchzuführen. Bislang wurde aber versucht, doch an mindestens 2-3 Tagen in der Woche vor Ort zu sein. Natürlich wirkt sich dies erheblich auf die Gesamtberingungszahlen aus, die wohl auch in diesem Jahr wie schon 2011 nicht weit über die 5000 Individuen kommen werden, aber immerhin: Die Artenvielfalt ist da! Schon jetzt wurde das Vorjahresergebnis von 65 beringten Arten übertroffen mit bislang 68 beringten Arten und dabei fehlen noch einige fast sichere Arten, die erst später auf dem Zug auftreten.


Phänologie: Wo bleiben die Mönche?

(KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
Fangstatistik für Mönchsgrasmücken (MGM) und Teichrohrsänger (TRS),
aufgetragen nach der Zeit in Monatsdritteln (z.B. A1: 01.-10. August)
Bemerkenswert in diesem Jahr ist der relativ späte Zug der Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla), der fast 10 Tage später als sonst eintrat. Im Vergleich mit den Teichrohrsängern (Acrocephalus scirpaceus), die ihren Zughöhepunkt vergleichbar mit den Vorjahren erreichten, fällt bei den Mönchsgrasmücken ein großer Unterschied auf. Interessant wird sein, ob der Zug auch länger anhält, oder ob es ein kurzer, heftiger Durchzug dieser Art wird.

Rastvögel: Drosselrohrsänger weg, alle anderen da!

Die juvenilen Weibchen des Blaukehlchens (Luscinia svecica)
zeigen noch nicht die namensgebende Brustzeichnung. Die rot-
schwarzen Schwanzfedern sind aber auch hier schon vorhanden!
Während im letzten Jahr zu den länger anwesenden Gästen auch mehrere Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) zählten, fehlen diese 2012 komplett. Gegen Ende der Brutzeit wurden noch Durchzügler gefangen, aber auf dem Herbstzug konnte kein einziges Exemplar nachgewiesen werden. Im Gegensatz dazu sind die bislang 12 Blaukehlchen (Luscinia svecica) und 3 Rohrschwirle (Locustella luscinioides) umso erfreulicher. Bemerkenswert sind auch die durchweg langen Aufenthaltszeiten der Blaukehlchen mit teilweise mehreren Wochen! Das Gebiet scheint dieser Art also genügend Nahrung zu bieten, vielleicht rückt eine Brut im IKEA-Biotop in den Bereich des Möglichen.

Durchzügler: Gewinner und Verlierer 

In diesem Jahr seltener als in den Vorjahren:
Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus)
Neben den hochkarätigen Gästen treten in diesem Jahr Arten wie Feldschwirl (Locustella naevia), Fitis (Phylloscopus trochilus) und Nachtigall (Luscinia megarhynchos) mit leicht gesteigerter Zahl auf (+10-20%).
Gartengrasmücken (Sylvia borin), Gartenrotschwänze (Phoenicurus phoenicurus) und Wendehälse (Jynx torquilla) sind 2012 nahezu genauso häufig wie 2011.
Eingebrochen sind die Fangzahlen hingegen bei Schilfrohrsängern (Acrocephalus schoenobaenus), Neuntötern (Lanius collurio) und Dorngrasmücken (Sylvia communis), mit einem Wert von jeweils nur etwa 40% des Erwartungswerts aus den Vorjahren. Ob dies ein Effekt der wenigen Beringungstage ist oder auf ein schlechtes Brutergebnis hindeutet, kann nicht eindeutig gesagt werden, interessant ist also, ob an anderen Standorten ähnliche Ergebnisse auftreten.

Highlights: Kein Seggenrohrsänger, dafür Gelbkopfschafstelze


Gelbkopf-Schafstelze (Motacilla [flava] flavissima) - Zweitnachweis im Gebiet

Tja, auch in diesem Jahr konnte am "Saarländischen Tag des Seggenrohrsängers" (10.08., an diesem Datum konnten 2009 und 2010 insgesamt 3 Exemplare beringt werden ) wieder kein Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) gefangen werden. Bislang lässt dieser sehr seltene Vertreter der Rohrsänger auch auf sich warten. Nachdem im letzten Jahr aber Ende September noch ein Fang erfolgen konnte, haben wir die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben.
Erfreulich hingegen ist der Zweitnachweis der Gelbkopfschafstelze (Motacilla [flava] flavissima) im IKEA-Biotop. Nach 2009 konnte diese Unterart der Schafstelze, die auf den Britischen Inseln und in Holland brütet, zum zweiten Mal beringt werden. Die große Zeit der Highlights kommt aber erst: In der zweiten Zughälfte ist verstärkt mit dem Auftreten sogenannter "Irrflügler" zu rechnen, die von ihrer eigentlichen Zugstrecke abweichen und nach Mitteleuropa verdriftet werden. Mal sehen, was da noch so kommt...

Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch


Monatszusammenfassung August:


04.12.2011

Monatszusammenfassung November

Hallo an alle Leser!

In diesem Jahr seltener: Der Stieglitz (Carduelis carduelis) - auch Distelfink genannt
Nach dreieinhalb spannenden und erfolgreichen Monaten ist die Herbstzugberingung 2011 nun zu Ende gegangen. Der Monat November, der klimatisch durch die extreme Trockenheit und die milden Temperaturen in Erinnerung bleiben wird, konnte leider mit den letzten Monaten nicht ganz mithalten. Im Vergleich mit dem Jahr 2010 fällt der frühere Zugverlauf, der sich bereits in den Vormonaten andeutete, sehr ins Gewicht. Viele Arten, die im letzten Jahr noch stark auf dem Zug waren, z.B. Rotkehlchen (Erithacus rubecula), waren dieses Jahr deutlich seltener unterwegs. Andere Arten, die nur noch vereinzelt gefangen werden konnten, allen voran der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus), blieben 2011 gänzlich aus. Dennoch gelang uns der Fang einiger Arten, die ihren Zug bereits abgeschlossen haben sollten, so z.B. des Zilpzalps (Phylloscopus collybita). Für die Phänologie, also die wissenschaftliche Untersuchung des jahreszeitlichen Auftretens natürlicher Ereignisse, sind gerade diese Nachweise interessant.

Im letzten Jahr gefangen: Die Lachmöwe (Larus ridbundus)
ging vor allem bei starkem Nebel ins Netz
Sollte man in diesem Monat Highlights benennen, so wären es ohne Frage die große Zahl der noch ziehenden Beutelmeisen (Remiz pendulinus), die auf ein erfolgreiches Brutjahr 2011 hindeutet. Außerdem ging der späteste Eisvogel (Alcedo atthis) aller Zeiten in die Netze der Beringungsstation, neben einem Kontrollfang eines Altvogels am gleichen Tag. Speziell letzterer Fang könnte eventuell ein Hinweis auf ein neues Revier in der Nähe des Biotops sein. Wir sind gespannt, ob es weitere Funde dieses Individuums geben wird.

Der Bergfink (Fringilla montifringilla) (M links; W rechts)
konnte in diesem Jahr noch nicht beobachtet werden
Im letzten Jahr fiel vor allem der starke Einflug von Waldvögeln auf, allen voran Kohlmeisen (Parus major) und Blaumeisen (Parus caeruleus). Dieses Jahr blieb eine vergleichbare Migrationsbewegung aus, dies macht sich natürlich auch in den Fangzahlen der Waldarten bemerkbar. Die für Arten wie Erlenzeisig (Carduelis spinus), Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) und Bergfink (Fringilla montifringilla) typischen, invasionsartigen Einflüge sind in diesem Jahr wohl auch wegen der milden Temperaturen bislang noch nicht im Saarland vorgekommen. Speziell Bergfinken konnten im Biotopsumfeld auch noch nicht ziehend gesichtet werden. Doch es gibt auch eine Art, die stärker als im Vorjahreszeitraum vertreten war: Die Rotdrossel (Turdus iliacus). Diese Drosselart schaffte es zwar, an keinem Tag in die Netze zu gehen, aber an den Beringungstagen waren in der Morgendämmerung fast immer die typischen Rufe zu hören.

Hier die Statistik der Neuberingungen des Monats November:


Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch

02.11.2011

Monatszusammenfassung Oktober

Hallo an alle ornithologisch Interessierten!

Rolf Klein mit der gerade gefangenen Zwergammer (Emberiza pusilla).
Diese Art wurde erst zum zweiten Mal im Saarland nachgewiesen.
Nun ist also auch der dritte Monat der Herbstzugberingung 2011 abgeschlossen. Unser Team blickt durchaus positiv auf den vergangenen Monat zurück, vor allem aufgrund des sensationellen Fangs einer Zwergammer (Emberiza pusilla) an einem der stärksten Zugtage, die im Biotop je registriert wurden.

Die Rohrammer (Emberiza schoeniclus) ist die häufigste Art
des letzten Monats mit über 700 Neuberingungen
Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten: Viele Arten, die im letzten Jahr noch häufig gefangen wurden, sind in diesem Jahr selten oder gar nicht vertreten, insbesondere sämtliche Waldarten, die aus unerfindlichen Gründen 2010 in artfremde Biotope ausflogen. Andere Arten, wie der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) und die Gartengrasmücke (Sylvia borin) sind in diesem Jahr bereits abgezogen, was vermutlich auf das durchweg passable Wetter zurückzuführen ist. Die Rohrammer (Emberiza schoeniclus) scheint nach schwachen Fangzahlen im Vorjahr augenscheinlich wieder auf das übliche Niveau zurückgekehrt zu sein, die statistische Beurteilung ist jedoch durch die geringere Zahl der Fangtage erschwert.

Kohlmeisen (Parus major) und andere typische
Waldbewohner sind in diesem Jahr nur selten im Gebiet
Das IKEA-Biotop zeichnet sich in diesem Jahr vor allem durch den enorm hohen Wasserstand aus. Umso erstaunlicher ist es, dass dennoch eine Wasserralle (Rallus aquaticus) und 2 Bekassinen (Gallinago gallinago) beringt werden konnten. Leider ist in diesem Jahr die Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus) ausgeblieben, die sonst eigentlich regelmäßig gefangen werden konnte. Darüber hinaus scheinen Disteln und Erlen, die bevorzugten Nahrungsquellen der Stieglitze (Carduelis carduelis) und Erlenzeisige (Carduelis spinus), in diesem Jahr nur wenig Samen zu tragen, die beiden Arten kommen daher nur in geringerer Zahl vor.

An dieser Stelle wurde im letzten Monat auch das Massensterben der Amseln (Turdus merula) thematisiert. Auch heute gilt noch, was auch letzten Monat galt: Bislang wurde von uns keine Amsel mit Symptomen einer Usutu-Infektion gefangen. Die geringeren Fangzahlen im Vergleich mit 2010 sind vor allem auf die geringere Zahl der Beringungstage zurückzuführen.

Auch in diesem Monat möchten wir mit einer guten Nachricht schließen: Endlich konnte der Bergpieper (Anthus spinoletta) wieder auf dem Herbstzug beringt werden, was zuletzt 2008 gelang. Wie man sieht, ist der eine oder andere gute Fang noch drin! Dies hängt aber vor allem vom Wetter in den nächsten Wochen ab: Solange kein morgentlicher Frost zu befürchten ist und das schöne Wetter anhält, werden wir weiterhin beringen.

Hier die Statistik der Neuberingungen des Monats Oktober:


Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

01.10.2011

Monatszusammenfassung September

Hallo zusammen!

Erst der vierte Nachweis dieser Art im Saarland (23.09.2011)
Der Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola)
Auch der zweite Herbstzugmonat 2011 ist vorüber. Die Trends des Vormonats wurden dabei weitgehend bestätigt, mit Qualität vor Quantität. Die beiden herausragenden Fänge im September waren dabei der Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) und der Rohrschwirl (Locustella luscinioides), welche im Vorjahr nur im August beringt werden konnten. Vergleicht man den Zugverlauf mit 2010 fällt vor allem das Fehlen der Waldarten auf (z.B. Meisen), die im letzten Jahr ungewöhnlich stark auf dem Zug waren. Im großen Ganzen ist keine große Verschiebung der Zugzeiten zu bemerken, was auch anhand des Eintreffens der Beutelmeisen einen Tag vor dem Erstfang im Vorjahr zu belegen ist. Doch auch diesen Monat macht sich das seltenere Beringen im Vergleich zu 2010 bemerkbar, viele häufige Arten wurden daher in deutlich seltenerer Zahl gefangen, andere Arten, die oftmals durch Zufall gefangen werden, gar nicht.

Ging im September am häufigsten ins Netz
Die Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)
Der Wasserstand ist im Vergleich zum August wegen der Schönwetterperiode etwas zurückgegangen, aber wohl leider zu spät, um noch ziehende Watvögel anzulocken, auch die Tüpfelralle (Porzana porzana), die zuletzt 2009 gefangen werden konnte, blieb aus. Umso erfreulicher, dass der Fang einer Wasserralle (Rallus aquaticus) gelungen ist. Mal sehen, ob sich da im nächsten Monat noch etwas positiv entwickelt, im Hinblick auf den Fang von Zwergschnepfen (Lymnocryptes minimus) und anderer spät durchziehender Arten.


Nach Rekordzahlen 2010 dieses Jahr seltener
Die Singdrossel (Turdus philomelos)
Nach deutschlandweiten Berichten über die Erkrankung und ein "Massensterben" aufgrund der Infektion mit dem Usutu-Virus müssen einige Fangzahlen besonders sensibel betrachtet werden. Betroffen sind vor allem Amseln (Turdus merula), aber auch andere Drosseln, Stare (Sturnus vulgaris) und weitere Arten. Dennoch sind alle betroffenen Arten noch im Biotop vorhanden, jeden Morgen sind mehrere Amseln rufend nachzuweisen und es wurde noch kein Individuum mit Krankheitssymptomen gefangen. Der "Einbruch" der Fangzahlen der Drosseln im Vergleich zum Vorjahreszeitraum liegt aus unserer Sicht weniger an schwacher Population 2010 als an starker Population 2011 - sowohl Amsel als auch Singdrossel (Turdus philomelos) wurden letztes Jahr in Rekordzahl gefangen!

Die gute Nachricht des Monats ist die hohe Zahl an Eisvögeln (Alcedo atthis) und Beutelmeisen (Remiz pendulinus) im Gebiet. Ein großer Gewinner sind auch die Zilpzalpe (Phylloscopus collybita), die offenbar ein sehr starkes Brutjahr hatten.

Hier die Statistik der Neuberingungen in aller Ausführlichkeit:


Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

02.09.2011

Monatszusammenfassung August

Hallo zusammen!

Zwergdommel (Ixobrychus minutus) - beringt 2010, wiedergefangen 2011
Der erste Herbstzugmonat 2011 ist beendet. Die Ergebnisse können sich dabei durchaus sehen lassen, mit einigen Besonderheiten und zahlreichen Arten war der August ein sehr zufriedenstellender Monat. Der beste Fang des Monats war dabei eindeutig die beringte Zwergdommel (Ixobrychus minutus), welche im vergangenen Jahr von uns an gleicher Örtlichkeit beringt wurde. Zum Zugverlauf gibt es vor allem zu sagen, dass viele Arten den Weg ins Winterquartier deutlich früher antreten, als es in den letzten Jahren der Fall war, vor allem Rotkehlchen (Erithacus rubecula). Insgesamt fällt aber auch auf, dass in diesem Jahr mit etwas geringerer Intensität beringt wird, die Gesamtfangzahl ist etwas niedriger als im vorigen Jahr.

Die Grünfinken (Carduelis chloris) sind nach dem
riesigen Bruterfolg 2010 in diesem Jahr nicht so häufig
Der hohe Wasserstand aufgrund der starken Regenfälle im Juli macht uns aber etwas zu schaffen, insbesondere Watvögel und Rallen, die fast ausschließlich in Bodenfallen auf den Schlickflächen gefangen werden, bleiben aus, da Schlickflächen momentan kaum vorhanden sind. Andere Arten sind in diesem Jahr deutlich seltener vorhanden, so wurde z.B. auf dem Herbstzug noch kein Rohrschwirl (Locustella luscinioides) gefangen, der sonst regelmäßig in die Netze geht. Auch Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla) blieben in diesem Jahr bislang aus, in den vergangenen Jahren wurden hingegen stets einige Exemplare gefangen. Die Grünfinken (Carduelis chloris), welche im letzten Jahr mit über 600 Gesamtfängen ein Sensationsjahr hatten, sind zum Niveau der Vorjahre zurückgekehrt. Ein großer Verlierer sind auch Drosseln wie Amsel (Turdus merula) und Singdrossel (Turdus philomelos).

Die Wasserralle (Rallus aquaticus) konnte dieses Jahr aufgrund
des hohen Wasserstands leider noch nicht gefangen werden
Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass Arten wie Wendehals (Jynx torquilla), Blaukehlchen (Luscinia svecica) und Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) in schöner Regelmäßigkeit gefangen wurden, trotz der geringeren Zahl der Beringungstage.

Hier die Statistik der Neuberingungen in aller Ausführlichkeit:


Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch