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13.02.2016

Interessante Ringfundmeldungen

Hallo zusammen!


Das IKEA-Biotop und die Beringungsstation im Februar 2016
Der Winter ist traditionell die ruhigste Jahreszeit an der NABU Beringungsstation: Im Gegensatz zu den Hunderten Durchzüglern pro Tag, die zwischen August und Oktober das IKEA-Biotop zur Rast aufsuchen, herrscht von Dezember bis März eine fast ungewohnte Ruhe. Statt Gewusel im Schilf und Gesängen und Rufen aus allen Ecken des Gebiets sind kaum Vögel zu sehen und hören, mit Ausnahme einiger wenige Wintergäste, die zum Schlafen oder zur Suche nach der nun spärlichen Nahrung einfallen. Aus diesem Grund ist auch die Beringungstätigkeit im Winter auf wenige Aktionen beschränkt, bei denen es hauptsächlich um die Erfassung der einzelnen Individuen geht. Das Ziel ist es dabei, die standorttreuen Überwinterer genauer zu studieren.
Der Winter ist aber auch eine Zeit der Auswertung und Analyse der Daten des Vorjahres. Einen Einblick in diese Tätigkeit haben wir ja bereits bezüglich der Brutzeiterfassung gegeben, ein weiteres sehr interessantes Feld soll Thema dieses Beitrags sein: Ringfundmeldungen


Hintergrund: Koordination durch Beringungszentralen

Eines der großen Ziele der Vogelberingung ist es, über Wiederfunde beringter Vögel das Wissen über Zugbewegungen, Ökologie und Verhaltensmuster zu erweitern. Die NABU-Beringungsstation ist zu diesem Zweck eingegliedert in ein grenzüberschreitendes Netz von Vogelberingungszentralen und dabei der Vogelwarte Radolfzell unterstellt. Diese ist zuständig für Süddeutschland, während der Nordwesten der Bundesrepublik durch die Vogelwarte Helgoland, sowie die neuen Bundesländer durch die Vogelwarte Hiddensee betreut werden. Die Beringungszentralen erfüllen dabei nicht nur eine Verwaltungsaufgabe, sondern sind vor allem zuständig für die Ausgabe der individuell numerierten Vogelringe an die Beringer. Im Gegenzug liefern die Beringer sämtliche erfassten Daten jährlich bei der zuständigen Vogelwarte ab, welche ein zentrales Archiv führt. Weiterhin dienen die Vogelwarten auch als Anlaufstelle für Meldungen zu beringten Vögeln, die neben den jährlichen Datensätzen der Beringer natürlich auch von Privatpersonen stammen.

Beringtes Rotkehlchen
Wenn Sie einen beringten Vogel ablesen
können oder tot auffinden, melden Sie bitte
die Daten unter www.ring.ac an die
zuständige Beringungszentrale.
JEDE MELDUNG ZÄHLT!
Wer einen beringten Vogel abliest oder tot auffindet, kann die entsprechenden Daten mittlerweile europaweit zentralisiert unter www.ring.ac eingeben. von dort werden sie an die Beringungszentralen weitergeleitet, die dann den Findern und Beringern einen Lebenslauf des Vogels übermitteln. Im Falle der NABU Beringungsstation fallen im Schnitt knapp 50 solche Ringfundmeldungen im Jahr an, die entweder von uns beringte Vögel an anderen Orten betreffen, oder aber Informationen zu von uns gefangenen Vögeln mit fremden Ringen beinhalten. Der Wermutstropfen an diesem Verfahren ist der enorme Zeitaufwand, bis alle beteiligten Personen und Institutionen kommuniziert haben: Im Schnitt dauert es vom Fang zur Fundmeldung mehrere Jahre! Aktuell sind wieder etliche Meldungen, vor allem aus den Jahren 2013 und 2014 aufgelaufen, die wir nun genauer unter die Lupe genommen haben. Darunter einige überaus interessante Fälle...


Saarlouiser Blaumeise in Ungarn

Auch Blaumeisen sind teilweise Zugvögel, die nördlichen
Populationen überwintern in Mittel- und Südeuropa
Blaumeisen gelten gemeinhin als Standvögel, was für mitteleuropäische Vögel auch weitgehend wahr ist. Was aber die Wenigsten wissen: Die nördlichen Populationen Skandinaviens und Osteuropas führen im Herbst einen ausgeprägten Zug durch. Im Saarland findet der Hauptdurchzug der Blaumeise meist Ende Oktober oder Anfang November statt. Ein solcher Durchzügler, ein Weibchen, welches am 31.10.2011 im IKEA-Biotop beringt wurde, ist am 23.10.2014 nach knapp drei Jahren von anderen Beringern wieder gefangen worden, allerdings ca. 1.100 km entfernt in Ost-Ungarn. Auch hier ist davon auszugehen, dass es sich um eine Station ihres Herbstzugs handelt.


Feldlerche in Frankreich tot aufgefunden

Seit 2012 konnten im IKEA-Biotop knapp 400 Feldlerchen
beringt werden. 2013 gab es den ersten Wiederfund.
In unserem Projekt zum Herbstzug der Feldlerche ist der erste Ringfund geglückt, leider handelt es sich jedoch um einen Totfund. Das Lerchen-Weibchen wurde von uns am 18.10.2013 beringt und wurde einen knappen Monat später, am 08.11.2013 in Trensacq - ca. 100 km südlich von Bordeaux - tot aufgefunden. Ein Vermerk bei der Beringung deutet auf eine mögliche Todesursache hin: Die Lerche hatte nur geringfügige Fettreserven. Bei einem anstrengenden Zug, insbesondere bei ungünstigen Wetterbedingungen, kann dies für das Individuum natürlich fatal enden. Wir hoffen aber in den nächsten Jahren auf weitere Wiederfunde dieser Art.


Schilfrohrsänger ziehen über Italien

Wiederfunde und Herkunft fremdberingter Schilfrohrsänger.
blau: Beringungsorte anderenorts beringter Individuen
grün: Wiederfunde von uns beringter Individuen
rot: Die Beringungsstation "Mittleres Saartal"
(Quelle: Google earth)
Bei der Beringung im IKEA-Biotop ist der Schilfrohrsänger eine der interessantesten Arten: Zum Einen ist er sehr unscheinbar und wird fast ausschließlich durch Beringung im Saarland nachgewiesen - ca. 5 Beobachtungen jährlich stehen knapp 100 Fängen bei der Beringung gegenüber! Zum Anderen ist die Quote von Wiederfunden und fremdberingten Vögeln verhältnismäßig hoch mit einem von 34 Individuen. Über die Jahre offenbart dies ein interessantes Bild über die Zugroute der Art: Die Schilfrohrsänger, die das Saarland überfliegen, scheinen zum Großteil eine Route über Italien zu wählen. Damit sind sie an der NABU Beringungsstation echte Exoten, die meisten Arten folgen der Westroute über die Iberische Halbinsel. Ein am 14.04.2013 gefangenes Schilfrohrsänger-Männchen bestätigt diese Vermutung wieder: Er trug beim Fang im IKEA-Biotop bereits einen italienischen Ring, beringt wurde er als Altvogel im August 2010 nahe Bologna.


Standorttreue Beutelmeisen
Bei einem Durchmesser von gerade einmal 2,3 mm ist
der Ring der Beutelmeise fast nur in der Hand ablesbar.
Ein Fotograf in der Schweiz hat nun das Gegenteil bewiesen.
Die Art mit der höchsten Quote an Ringfunden ist mit weitem Abstand die Beutelmeise. Im Schnitt ist jede zwölfte Beutelmeise entweder bereits anderenorts beringt worden, oder wird erneut in einem anderen Gebiet gefangen. Eine aktuelle Wiederfundmeldung ist dabei aufgrund der Umstände besonders eindrucksvoll: Eine von uns 2010 beringte Beutelmeise wurde 2014 am Genfer See wiederentdeckt - anhand eines Fotos! Die Ablesung des Rings gelang dabei nur teilweise, dennoch konnten die Buchstaben & Ziffern in Kombination mit dem Schriftzug "Radolfzell" eindeutig diesem Individuum zugeordnet werden. 

Besonders bemerkenswert ist auch die Bindung der Beutelmeisen an ihre Rastgebiete. Ganze 19 Funde der im IKEA-Biotop beringten Individuen stammen aus einem einzigen französischen Feuchtgebiet an der Gironde (Departement Charente-Maritime), umgekehrt konnten wir bereits sechs dort beringte Beutelmeisen fangen. Auch bei den aktuellen Ringfundmeldungen waren wieder zwei Mitteilungen aus diesem Gebiet zu finden. Daneben gibt es noch weitere Standorte mit mehreren Wiederfunden der Beutelmeise, z.B. den Rietzer See in Brandenburg. Nur durch die Beringung konnte diese europaweite Vernetzung von Feuchtgebieten gezeigt werden!


Mönchsgrasmücke auf Abwegen?
Dass Zugwege sich über die Jahre auch verändern können, zeigt die Mönchsgrasmücke ganz aktuell. Seit Jahren ist bekannt, dass ein Teil der Mönchsgrasmücken im Herbst nicht mehr gen Südeuropa zieht, sondern statt dessen in Großbritannien überwintert. Dieses neue Überwinterungsgebiet, wohl begünstigt durch den fortschreitenden Klimawandel, hat sich dabei mehr und mehr etabliert. Ein aktueller Wiederfund einer "saarländischen" Grasmücke passt dabei ebenfalls in dieses Bild: Von uns beringt im September 2013 wurde sie einen knappen Monat später in Nordbelgien erneut gefangen. Falls die Grasmücke diesen Kurs beibehalten hat, führte sie ihr Zug wohl zum Überwintern nach England.


Flussuferläufer aus Schweden

Die Strecke vom schwedischen Öland bis ins Saarland
(1.000 km Luftlinie) schaffte der Flussuferläufer in 4 Tagen
(Quelle: Google Maps)
Zu guter Letzt noch eine Ringfundmeldung, auf die wir schon seit Jahren gewartet haben - und das Warten hat sich gelohnt!
Im Sommer 2013 gelang der Fang eines jungen Flussuferläufers mit schwedischem Ring, wir berichteten. Dies war der erste Fremdfang für diese Watvogelart, die ohnehin bis heute erst 17 Mal im IKEA-Biotop beringt wurde. Noch spektakulärer wurde der Fang durch die Ringfundmeldung: Der Flussuferläufer wurde als Durchzügler in der 1.000 km entfernten Ottenby Vogelstation an der Südspitze Ölands (siehe Karte) beringt, sage und schreibe vier Tage vor unserem Fang. Dies beweist eindrucksvoll, zu welchen Leistungen Zugvögel im Stande sind - insbesondere auch Jungvögel, die erst 2-3 Monate alt sind.

Mit diesen spannenden Ergebnissen möchten wir diesen Bericht abschließen, schon bald soll an dieser Stelle auch der Jahresbericht 2015 erscheinen. Auch die Arbeit im IKEA-Biotop wird bald wieder aufgenommen, bis zum Frühjahr sind noch Pflegemaßnahmen im Gebiet geplant, bevor die Frühjahrszugberingung dann Mitte März startet.

Im Namen des gesamten Beringungs-Teams,
Sebastian Kiepsch

13.10.2015

Gelbbrauen-Laubsänger / Bericht zum ProRing Praxisseminar

Hallo zusammen!

Gelbbrauen-Laubsänger - Nach 2014 auch 2015 wieder gefangen und beringt!
Die wichtigste Nachricht kurz vorweggenommen: Uns gelang auch in diesem Jahr wieder der Fang eines Gelbbrauen-Laubsängers! Am Sonntag, 11.10. gegen 11:00 Uhr wurde ein Vertreter dieser Sibirischen Art inmitten einer Schilfzone gefangen. Nach den beiden Fängen vom 19.10. des vergangenen Jahres ist dies erst der 3. Nachweis der Art im IKEA-Biotop. Der kleine, nur ca. 7 Gramm schwere Vogel wurde im Beisein eines deutschlandweiten Praxisseminars des ProRing e.V. von unserem Team beringt und war natürlich das absolute Highlight des Tages.


Kurzbericht zum ProRing Praxisseminar 

Die Teilnehmer des ProRing Praxisseminars 2015
Zum ersten Mal überhaupt fand  ein ProRing Praxisseminar im Saarland statt, von 10.-11.10.2015 an der NABU Beringungsstation "Mittleres Saartal" nahe Saarlouis. Der zweitägige Workshop stand unter dem Motto "Fang, Alters- und Geschlechtsbestimmung von Kleinvögeln" und war mit insgesamt 10 Teilnehmern aus allen Teilen der Bundesrepublik auch sehr gut besucht. Unter ihnen waren sowohl alte Hasen der Beringung, aber auch angehende Beringer, die zum ersten Mal einen praktischen Einblick in Fang und Beringung gewinnen wollten - eben ein bunt gemischtes Publikum.


Beutelmeise, adultes Männchen
regelmäßiger Durchzügler im IKEA-Biotop
Im "IKEA-Biotop" wurden an beiden Tagen insgesamt 524 Vögel gefangen aus 28 Arten, darunter 475 Neuberingungen und 49 Kontrollfänge. Mit einem Gelbbrauen-Laubsänger war unter ihnen sogar eine deutschlandweite Seltenheit, sehr zur Freude aller Beteiligten. Als weitere Highlights sind noch zwei Eisvögel, eine Wasserralle und ganze 11 Beutelmeisen zu nennen.


Pierre Geller (am Tisch, l.) und Rolf Klein (am Tisch, r.)
zeigen Alters- und Geschlechtsbestimmung am Objekt
Samstag Mittag wurde zunächst die Unterkunft im ca. 15 km entfernten Naturfreundehaus Ludweiler bezogen, anschließend gab es eine kurze theoretische Einführung über das Biotop, die Station, die Arbeitsweise und auch einen kurzen Abriss über die Ergebnisse der ehrenamtlichen Beringungsarbeit. Danach ging es auch sofort zur Beringungsstation, wo neben einem mittäglichen Snack (Vielen Dank an dieser Stelle an IKEA!) auch bereits die ersten Vögel zur Beringung warteten. Unter der Anleitung der Stationsmitarbeiter wurden dann bis zum Einbruch der Dunkelheit in Kleingruppen Rundgänge durchgeführt, bei denen die Kursteilnehmer Erfahrungen beim Befreien der Vögel sammeln konnten. Bei der gemeinsamen Beringung wurde dann allerhand  Wissenswertes zu Geschlechts- und Altersbestimmung der gefangenen Arten gezeigt. Natürlich durften die Teilnehmer auch selbst Hand anlegen! Die Beringung im IKEA-Biotop steht Anfang Oktober auch im Zeichen der Rohrammern, welche zur nächtlichen Rast ins Gebiet einfallen. Immerhin 131 Stück konnten an beiden Tagen auch gefangen werden, darunter auch ein Exemplar mit spanischem Ring. Neben der Ornithologie gab es Samstag Abend auch einen kulinarischen Exkurs mit einem gemeinsamen "Schwenken" - der saarländischen Variante des Grillens. Währenddessen bestand auch die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch untereinander.

Interessant für die Experten:
Der Gelbbrauen-Laubsänger zeigte eine Mausergrenze, was ein
Indiz für einen Jungvogel ist. Das innerste Paar Steuerfedern
hatte eine dunklere Grundfärbung und dichtere Federstruktur
Auch war die Schnabelbasis noch sehr frisch und zeigte Reste
der Schnabelwulst, welche bei Jungvögeln auftritt.
Sonntag morgens ging es bereits früh los, denn insbesondere kurz nach Sonnenaufgang ist das Aufkommen an Fänglingen besonders hoch. Nach einer Nacht mit milden Temperaturen und Nordostwind gab es zum ersten Rundgang auch alle Hände voll zu tun, insbesondere Rotkehlchen (>100 Exemplare !) und Mönchsgrasmücken waren zahlreich. Gegen 11:00 Uhr dann gab es den herausragendsten Fang des Wochenendes: Ein Gelbbrauen-Laubsänger, der bereits dritte für das IKEA-Biotop, wurde inmitten des Schilfgebiets gefangen. Nach dieser angenehmen Überraschung lief der Workshop entspannt aus mit einem gemeinsamen Mittagessen.

Auch eine Wasserralle konnte gefangen werden
Hier zeigt Sebastian Kiepsch (l.) die Geschlechtsbestimmung
An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an alle Teilnehmer für die lockere, sehr angenehme und freundliche Atmosphäre und die interessanten Gespräche. Über euer Feedback zum Seminar würden wir uns sehr freuen (Was war gut/schlecht? Was hättet ihr euch noch gewünscht?). Ansonsten hoffen wir, auch im nächsten Jahr wieder ein Seminar bei uns anbieten zu können.


ProRing? Praxisseminar?

ProRing e.V. ist ein deutschlandweiter Verein der Freunde und Förderer der Vogelberingung, dem auch einige Mitarbeiter der Beringungsstation "Mittleres Saartal" angehören. Der Verein bietet Beringern, Beringungshelfern und Interessierten an der wissenschaftlichen Vogelberingung eine Plattform zum Lernen, zum Erfahrungsaustausch und einfach auch zum gegenseitigen Kennenlernen. Im Rahmen der Vereinstätigkeit werden neben Fachtagungen jedes Jahr auch mehrere so genannte "Praxisseminare" organisiert, bei denen die Teilnehmer einen bestimmten Teilbereich der Vogelberingung unter Anleitung von Experten erlernen können. Wer mehr über den Verein und seine Arbeit erfahren möchte sei an www.proring.de verwiesen.


Schlusswort - Brutzeitbericht kommt bald!
 
Damit wollen wir vorerst auch schließen. Bald folgt der schon beim letzten Mal versprochene Bericht zur Brutzeiterfassung, bis dahin gibt es aber noch einiges zu beringen im IKEA-Biotop, denn die planmäßige Herbstzugerfassung läuft noch bis 20. November. Wir hoffen natürlich noch auf die eine oder andere Überraschung!

Im Namen des gesamten Teams der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch


09.01.2013

Herbstzug 2012 - die 2. Zughälfte

Hallo und frohes neues Jahr an alle Leser!

Nach 2010 auch 2012 wieder gefangen: Eine Rotdrossel (Turdus iliacus)
Wie schon mehrfach versprochen hier die Zusammenfassung der 2. Zughälfte (Mitte September bis Ende November) inklusive der noch ausstehenden Monatszusammenfassung. Den entsprechenden Beitrag zur 1. Zughälfte finden Sie hier.


Allgemein: Aus wenig Zeit viel herausgeholt

Die zweite Hälfte Herbstzug war 2012 deutlich besser zeitlich abgedeckt als die ersten beiden Monate, dennoch war der Stationsbetrieb weit von dem Maß der Jahre 2009 und 2010 entfernt. Da eigentlich jeder in unserem Team mittlerweile berufstätig ist und nicht mehr die berühmten Semesterferien hat, mussten wir zeitlich doch Einschnitte machen. Aber wann immer es sich einrichten ließ, wurde doch mal einen Vormittag oder auch abends mal beringt. Da jedoch in den wenigsten Fällen ganztägig beringt wurde, kann dies die erhobenen Daten etwas verfälschen, doch dazu später mehr.

Immerhin ein Bergfink (Fringilla montifringilla)
konnte 2012 auf dem Herbstzug beringt werden
Das Wetter war besser als im Vorjahr, so war der Wasserstand lange Zeit recht günstig und die Zugbedingungen an manchen Tagen sehr gut, mit einem besonders hohen Aufkommen am 10. Oktober. Eine beständige Wetterlage um diese Zeit ließ aber den in anderen Jahren häufiger auftretenden "Zugstau" ausbleiben: Bei instabilem Wetter bleibt der Vogelzug an manchen Tagen fast ganz aus und konzentriert sich auf die Tage mit guten Bedingungen.

Erfreulich in die hohe Zahl der gefangenen Arten mit 76, was das drittbeste Ergebnis aller Jahre ist und um ganze 11 Arten höher liegt als noch 2011. Desweiteren kam mit der Feldlerche die bislang 108. beringte Art für das IKEA-Biotop hinzu, bei allen Lerchenaktionen kamen insgesamt 72 Fänge dieser Art zusammen.


Häufige Arten: Abnahme bei der Rohrammer?

Rohrammern (Emberiza schoeniclus) (l.) sind 2012 weniger häufig
gefangen worden als im Mittel 2006-2011. (KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
In jedem Jahr stehen die vier stärksten Arten eigentlich schon fest, mit dem Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus), der Rohrammer (Emberiza schoeniclus), dem Rotkehlchen (Erithacus rubecula) und der Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla). Dies war auch 2012 nicht anders, allerdings gab es bei den Rohrammern einen großen Einbruch in den Fangzahlen, so dass diese Art zum ersten Mal seit Beginn der Beringung im IKEA-Biotop nur auf dem vierten Platz landet. Ursache für diese Entwicklung könnte entweder ein schlechtes Brutjahr sein (was sich bei uns vor Ort ganz ähnlich andeutete), oder es könnte ein Methodikproblem vorliegen: Rohrammern sind typische Tagzieher, die zwischen Sonnenauf- und -untergang mehr oder weniger den ganzen Tag unterwegs sind und an geeigneter Stelle zwischendurch kurz rasten. Weil wir aber häufig nicht ganztägig vor Ort waren, sind aus diesem Grund wohl auch zahlreiche Rohrammern einfach nicht erfasst worden, denn gerade an guten Tagen können über 100 Exemplare an einem Tag zusammenkommen. Aufschluss kann an dieser Stelle also nur der Vergleich mit den Daten anderer Beringergemeinschaften geben.
  

Mittelhäufige Arten: Licht und Schatten

Grund zum Jubeln: Rekordjahr bei Gimpeln (Pyrrhula pyrrhula)
Von den späten Ziehern gibt es erfreuliche Zahlen insbesondere bei Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola), Kernbeißern (Coccothraustes coccothraustes) und Gimpeln (Pyrrhula pyrrhula), von denen die letzten beiden Arten sogar in Rekord-Häufigkeit auftraten. Auch Erlenzeisige (Carduelis spinus), typische Invasionsvögel, waren häufig vertreten im IKEA-Biotop.

Den umgekehrten Trend bemerkten wir vor allem bei Beutelmeisen (Remiz pendulinus), mit lediglich 16 beringten Individuen. Dies ist das niedrigste Ergebnis seit Beginn der systematischen Beringung 2006. Ursache könnte analog zu den Rohrammern auch das vermehrte Auftreten der Beutelmeisen in der Mittagszeit sein, die von uns kaum abgedeckt wurde, oder aber in Veränderungen in Biotop bzw. Bestand zu begründen sein. Gerade die von Beutelmeisen oft aufgesuchten Rohrkolbenbestände sind im IKEA-Biotop in den letzten Jahren stark zurückgegangen.


Highlights: Taiga-Birkenzeisig, sonst nix...

Männchen des Taiga-Birkenzeisigs (Carduelis [flammea] flammea)
Nachdem in den letzten Jahren doch eigentlich immer ein echtes Jahreshighlight zu vermelden war, wurde 2012 lediglich ein mehr oder weniger besonderer Fang gemacht, mit einem Taiga-Birkenzeisig (Carduelis [flammea] flammea). Diese Unterart des Birkenzeisigs, die in Nordeuropa brütet, überwintert zwar alljährlich in Deutschland, aber kommt nur in den wenigsten Jahren Jahren so weit südlich vor, dass man sie auch im Saarland beobachten kann. Dieser Fang war entsprechend auch eine positive Überraschung und ein Erstnachweis der Unterart für das Gebiet.


Phänologie: Keine Extremwerte doch so mancher Unterschied

Vom zeitlichen Verlauf des Zuges her gab es wenige Überraschungen. Insgesamt waren nur sehr wenige "Nachzügler" zu vermelden, die größte Überraschung war der Fang einer sehr späten Rauchschwalbe (Hirundo rustica) im Oktober.
Bei einigen Arten ließ sich eine mehr oder weniger starke Verschiebung des Zugs bemerken, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Besonders deutlich wurde dies bei den Mönchsgrasmücken, die 2012 etwa 10 Tage später zogen als sonst.


Phänomen: Invasionsmeisen und -drosseln

Invasion: Absolutes Rekordjahr mit etwa 450 Fängen
bei den Blaumeisen (Parus caeruleus)
Sehr bemerkenswert ist das enorme Aufkommen von Blau- und Kohlmeise (Parus caeruleus bzw. Parus major) sowie Amsel und Singdrossel (Turdus merula bzw. Turdus philomelos), die in deutlich höherer Fangzahl als im Vorjahr vorkamen. Zumindest bei den Meisen war dieses Invasionsphänomen auch von anderen Beobachtern zu verfolgen, weil die ziehenden Kohlmeisen durch einen charakteristischen Ruf in weiten Teilen Deutschlands auf sich aufmerksam machten. An unserem Standort war ein ähnliches Bild auch bei den Drosseln der Fall, insbesondere Singdrosseln waren 2012 so häufig wie nie zuvor mit 150 Fängen, das sind mehr als dreimal so viele Individuen wie im Vorjahr.

(KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
Enorme Fangzahlen bei Meisen (l.) und Drosseln (r.) 2012
im Vergleich mit dem Durchschnitt 2006-2011

Nachtrag: Monatszusammenfassung November


Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch

04.12.2011

Monatszusammenfassung November

Hallo an alle Leser!

In diesem Jahr seltener: Der Stieglitz (Carduelis carduelis) - auch Distelfink genannt
Nach dreieinhalb spannenden und erfolgreichen Monaten ist die Herbstzugberingung 2011 nun zu Ende gegangen. Der Monat November, der klimatisch durch die extreme Trockenheit und die milden Temperaturen in Erinnerung bleiben wird, konnte leider mit den letzten Monaten nicht ganz mithalten. Im Vergleich mit dem Jahr 2010 fällt der frühere Zugverlauf, der sich bereits in den Vormonaten andeutete, sehr ins Gewicht. Viele Arten, die im letzten Jahr noch stark auf dem Zug waren, z.B. Rotkehlchen (Erithacus rubecula), waren dieses Jahr deutlich seltener unterwegs. Andere Arten, die nur noch vereinzelt gefangen werden konnten, allen voran der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus), blieben 2011 gänzlich aus. Dennoch gelang uns der Fang einiger Arten, die ihren Zug bereits abgeschlossen haben sollten, so z.B. des Zilpzalps (Phylloscopus collybita). Für die Phänologie, also die wissenschaftliche Untersuchung des jahreszeitlichen Auftretens natürlicher Ereignisse, sind gerade diese Nachweise interessant.

Im letzten Jahr gefangen: Die Lachmöwe (Larus ridbundus)
ging vor allem bei starkem Nebel ins Netz
Sollte man in diesem Monat Highlights benennen, so wären es ohne Frage die große Zahl der noch ziehenden Beutelmeisen (Remiz pendulinus), die auf ein erfolgreiches Brutjahr 2011 hindeutet. Außerdem ging der späteste Eisvogel (Alcedo atthis) aller Zeiten in die Netze der Beringungsstation, neben einem Kontrollfang eines Altvogels am gleichen Tag. Speziell letzterer Fang könnte eventuell ein Hinweis auf ein neues Revier in der Nähe des Biotops sein. Wir sind gespannt, ob es weitere Funde dieses Individuums geben wird.

Der Bergfink (Fringilla montifringilla) (M links; W rechts)
konnte in diesem Jahr noch nicht beobachtet werden
Im letzten Jahr fiel vor allem der starke Einflug von Waldvögeln auf, allen voran Kohlmeisen (Parus major) und Blaumeisen (Parus caeruleus). Dieses Jahr blieb eine vergleichbare Migrationsbewegung aus, dies macht sich natürlich auch in den Fangzahlen der Waldarten bemerkbar. Die für Arten wie Erlenzeisig (Carduelis spinus), Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) und Bergfink (Fringilla montifringilla) typischen, invasionsartigen Einflüge sind in diesem Jahr wohl auch wegen der milden Temperaturen bislang noch nicht im Saarland vorgekommen. Speziell Bergfinken konnten im Biotopsumfeld auch noch nicht ziehend gesichtet werden. Doch es gibt auch eine Art, die stärker als im Vorjahreszeitraum vertreten war: Die Rotdrossel (Turdus iliacus). Diese Drosselart schaffte es zwar, an keinem Tag in die Netze zu gehen, aber an den Beringungstagen waren in der Morgendämmerung fast immer die typischen Rufe zu hören.

Hier die Statistik der Neuberingungen des Monats November:


Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch

22.11.2011

Die Saison neigt sich dem Ende entgegen

Hallo zusammen!

Die Rotkehlchen (Erithacus rubecula) sind eine der letzten Arten auf dem Zug

Nach 2 weiteren Wochen der Beringung geben wir mal wieder ein Lebenszeichen ab. Alles in allem ist ein Großteil des Zuges abgeschlossen, nur noch wenige Individuen werden pro Beringungstag gefangen. Insgesamt waren dies noch 120 Vögel aus 15 Arten, dabei liegen die Rotkehlchen (Erithacus rubecula) mit 35 Neuberingungen abermals auf Platz 1, gefolgt von 31 Rohrammern (Emberiza schoeniclus) und einem geteilten dritten Platz mit je 13 Amseln (Turdus merula) und Zaunkönigen (Troglodytes troglodytes).

Alte Eisvögel (Alcedo atthis) fallen durch den
besonders glänzenden Blauton ihres Gefieders auf
Natürlich wurden auch wieder späte Durchzügler häufiger Arten gefangen: Neben 2 Singdrosseln (Turdus philomelos) ist vor allem ein weiterer Zilpzalp (Phylloscopus collybita) zu nennen. Als echtes Highlight ging auch ein weiterer junger Eisvogel (Alcedo atthis) in die Netze. In diesem Zusammenhang gibt es auch einen interessanten Wiederfang eines im letzten Jahr beringten Eisvogels zu vermelden. Bei der sehr niedrigen Wiederfangquote dieser Tiere ein erfreuliches Ereignis, zumal die Altvögel mit dem kräftigen Blauton und den strahlend orangen Beinen auch ein schöner Anblick sind.

Weiterhin wurden noch 4 Beutelmeisen (Remiz pendulinus) beringt. Hierbei fallen vor allem große Unterschiede im Entwicklungsstadium der Jungvögel auf. Während einige Beutelmeisen optisch kaum von Altvögeln zu unterscheiden sind, haben manche die für diese Art typische, schwarze Maske noch nicht ausgebildet. Es bleibt fraglich, ob dies auf unterschiedliche Populationen oder Mehrfachbruten zurückzuführen ist.
Zwei junge Beutelmeisen (Remiz pendulinus) in unterschiedlichen
Stadien der Gefiederentwicklung.
Doch was die Fangzahlen nicht vermuten lassen: Es geht weiterhin rund im kleinen IKEA-Biotop. Neben den obligatorischen Trupps von Erlenzeisigen (Carduelis spinus) und Stieglitzen (Carduelis carduelis) sind nun vermehrt auch Schwanzmeisen (Aegithalos caudatus), insbesondere nachmittags zu hören und zu sehen. Im letzten Jahr gelang bei letzterer Art auch der Fang von 6 Exemplaren der nordischen Unterart Aegithalos [caud.] caudatus, die mit ihrem schneeweißen Kopfgefieder sehr auffällig sind. In diesem Jahr ist ein vergleichbarer Einflug der Skandinavier aber bislang ausgeblieben.

Schwanzmeisen (Aegithalos caudatus) sind stets in kleinen
Trupps unterwegs, die sich lautstark bemerkbar machen
Und auch die eine oder andere Überraschung war uns noch vorbehalten: Über mehrere Tage hielt sich eine Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus) im Gebiet auf, die aufgrund der geringen Fluchtdistanz dieser Art mehrmals aus nächster Nähe beobachtet werden konnte. Leider ging auch sie nicht ins Netz. Der absolute Höhepunkt dieser Aktion war jedoch die Beobachtung eines spät durchziehenden Weißstorchs (Ciconia ciconia), der am 19.11. in geringer Höhe über dem Gebiet kreiste. Nach kurzer Zeit wurde dieser dann von einem herannahenden Wanderfalken (Falco peregrinus) in der Luft attackiert und machte sich daraufhin schnell aus dem Staub. Bei einem so spät durchziehenden Individuum ist fraglich, ob er überhaupt den Zugweg bis Afrika einschlägt, oder sich einer der kleinen, in Europa überwinternden Teilpopulationen anschließt. So oder so eine in allen Belangen interessante Beobachtung.

Noch ein Wort für eine gute Sache:
Die Beringungsstation meldet ab sofort auch in dem vom DDA neu geschaffenen Portal www.ornitho.de und lädt alle interessierten Leser ein, sich an diesem einmaligen Projekt zur systematischen Erfassung sämtlicher Beobachtungen von Vögeln zu beteiligen. Von der Amsel bis zur Zwergammer kann alles online und punktgenau gemeldet werden, die Teilnahme ist natürlich kostenlos. Helfen Sie mit ihren Beobachtungen mit, die Vogelwelt besser zu verstehen! Unsere interessanten Fänge sind unter der Ortsbezeichnung "Beringungsstation Mittleres Saartal" zu finden, die Beobachtungen im Gebiet unter "IKEA-Biotop" - und das meist schon kurz nach dem Fang oder der Beobachtung. Schauen Sie doch mal rein!
 
Hier wie gewohnt alle interessanten Fänge im Überblick:

10.11.
3 Beutelmeisen (Remiz pendulinus)

11.11.
1 Zilpzalp (Phylloscopus collybita)

19.11.
1 Eisvogel (Alcedo atthis) + 1 Kontrollfang, beringt 2010
1 Beutelmeise
 
Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch

05.11.2011

Neuer Monat, neues Glück

Hallo zusammen!

Rotdrossel (Turdus iliacus) - 2010 wurde auch 1 Ex. beringt
Nun ist also der November angebrochen, der letzte Monat der Herbstzugberingung 2011. Der November ist weniger geprägt durch große Zahlen, weder im Artenspektrum, noch bei Individuenzahlen. Der Fokus in diesem Monat liegt hauptsächlich in der Phänologie, also dem zeitlichen Verlauf des Zugs. Interessant ist hierbei vor allem, welche Arten noch so spät unterwegs sind, denn für viele Vogelarten ist der Zug hierzulande eigentlich bereits abgeschlossen. Daneben ziehen natürlich weiterhin nordische Arten zum Überwinterungsgebiet, wie z.B. Rotdrosseln (Turdus iliacus) und Bergfinken (Fringilla montifringilla). Im letzten Jahr konnten neben diesen beiden Arten auch zahlreiche Waldvögel beringt werden, welche zum Winter hin zur Nahrungssuche in offenere Landstriche ausfliegen. Außerdem besteht immer noch die Chance auf extreme Seltenheiten, denn gerade jetzt ziehen noch Vögel aus den Brutgebieten im extremen Norden und Nordosten Europas durch. Man darf also auch in diesem Monat gespannt sein, was denn da noch so kommen mag.

Erlenzeisig (Carduelis spinus) - junges Männchen
 Natürlich wurde im November auch bereits beringt. In der letzten Woche wurden insgesamt 174 Individuen aus 14 Arten beringt. Unangefochtener Spitzenreiter sind die Rotkehlchen (Erithacus rubecula), die mit 114 Exemplaren noch stark auf dem Zug sind, gefolgt von der Rohrammer (Emberiza schhoeniclus) mit 18 und der Heckenbraunelle (Prunella modularis) mit 10 Neuberingungen. Man sieht, die Fangzahlen vieler Arten werden immer geringer. Interessante Nachweise für den November gelangen bereits mit einem Zilpzalp (Phylloscopus collybita) und 3 Mönchsgrasmücken (Sylvia atricapilla).

Junge Teichralle (Gallinula chloropus),
häufig auch "Teichhuhn" genannt
Auch die ersten Highlights konnten für diesen Monat schon verzeichnet werden. Neben einer weiteren Beutelmeise (Remiz pendulinus) und 2 Erlenzeisigen (Carduelis spinus) gelang auch der Fang einer Teichralle (Gallinula chloropus) in einer Bodenfalle, trotz des hohen Wasserstands. Ein weiterer Fremdfang war uns auch noch vergönnt, dabei handelt es sich um eine Rohrammer mit Ring aus Paris.
 
Man kann nur hoffen, dass dieser Monat so weiter geht. Sollten die milden Temperaturen anhalten, werden wir natürlich auch weiterhin beringen. Wie immer gibts hier noch die Auflistung aller interessanten Fänge:

01.11.
1 Beutelmeise (Remiz pendulinus)

02.11.
1 Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)
1 Zilpzalp (Phylloscopus collybita)

05.11.
2 Erlenzeisige (Carduelis spinus)
2 Mönchsgrasmücken
1 Teichralle (Gallinula chloropus)
Rohrammer (Emberiza schoeniclus) - Fremdfang Paris

Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

31.10.2011

Der Oktober geht vorüber


Hallo zusammen!

Adulter Bergpieper (Anthus spinoletta) - Erste Herbstberingung seit 2008

Leider hat uns das mobile Internet auf Helgoland einen Strich durch die Rechnung gemacht, daher heute  nach einer weiteren Beringungswoche die verspätete Meldung. Ein Reisebericht wird aber definitiv noch folgen!

Auch 5 Feldsperlinge (Passer montanus) konnten
bei dieser Aktion beringt werden.
In der letzten Oktoberwoche wurden insgesamt 391 Vögel aus 21 Arten beringt, für diese Zugphase ist diese Anzahl an Neuberingungen überraschend gut, was nicht zuletzt auf das milde Klima zurückzuführen ist. Stärkste Art der Beringungsaktion ist erwartungsgemäß das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) mit 187 Exemplaren, vor der Rohrammer (Emberiza schoeniclus) mit 75 gefangenen Individuen und einem geteilten dritten Platz mit je 21 Staren (Sturnus vulgaris) und Zaunkönigen (Troglodytes troglodytes). Für diese Zeit des Jahres überraschend stark vertreten war auch die Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) mit 5 Neuberingungen. Dennoch scheint der Zug vieler Arten in diesem Jahr bereits früher als im vergangenen Jahr abgeschlossen zu sein.

Stare (Sturnus vulgaris) suchen momentan fast alltäglich
in großen Trupps die Schilfgürtel als Schlafplatz auf
Neben den häufigen Arten wurden auch dieses Mal wieder einige sehr erfreuliche Fänge gemacht. Neben einer weiteren Beutelmeise (Remiz pendulinus), einer Bekassine (Gallinago gallinago) und einer Wasserralle (Rallus aquaticus) war vor allem ein Bergpieper (Anthus spinoletta) der Star dieser Aktion. Es wurde zwar bereits im Frühjahr ein Bergpieper auf dem Zug ins Brutgebiet beringt, dieser Fang ist aber die erste Herbstberingung dieser Art seit 2008. Insgesamt geht diese Art trotz zahlreicher Durchzügler sehr selten ins Netz, da als Rastbiotope Schilfgebiete eher gemieden werden.

Ein weiterer Fremdfang ist zu verbuchen: Dabei handelt es sich um eine Rohrammer mit Ring aus Stockholm. Eine weitere interessante Beobachtung aus dem Gebiet waren 2 Waldwasserläufer (Tringa ochropus), welche am 31.10. bei einem Rundgang aufflogen und leider abzogen, bevor sie gefangen werden konnten.

Hier noch einmal alle Highlights im Überblick:

25.10.
1 Wasserralle (Rallus aquaticus)

27.10.
1 Beutelmeise (Remiz pendulinus)

28.10.
1 Bekassine (Gallinago gallinago)
Rohrammer (Emberiza schoeniclus) - Wiederfang Stockholm

29.10.
1 Bergpieper (Anthus spinoletta)

Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

16.10.2011

Ein Tag wie kein anderer!

Hallo zusammen!

Die nächste Rarität konnte beringt werden:

Zwergammer (Emberiza pusilla) - Zweitnachweis für das Saarland
Nach der letzten, ruhigen Woche überschlugen sich die Ereignisse in den letzten Tagen geradezu! Durch den Wetterumschwung und die sonnigen Tage ist der Zug so richtig in Fahrt gekommen. Insbesondere der 13.10. war nicht nur quantitativ in diesem Jahr der stärkste Tag mit 325 Neuberingungen, sondern lieferte mit der oben abgebildeten Zwergammer (Emberiza pusilla) auch noch den bisher interessantesten Fang des Jahres. Diese Art brütet in Nordskandinavien und Russland und zieht gewöhnlich in ihr Winterquartier nach Indien und Südostasien. Dieser Vogel hat sich aber vermutlich einem Rohrammern-Trupp angeschlossen und fand so seinen Weg nach Mitteleuropa, ein echter Irrflügler also! Die Zwergammer konnte zuvor lediglich 2001 im Saarland nachgewiesen werden, damals ebenfalls durch eine Beringung im IKEA-Biotop.

Singdrossel (Turdus philomelos)
Insgesamt wurden von 12.10.-15.10. 747 Vögel aus 18 Arten neu beringt, absoluter Spitzenreiter war die Rohrammer (Emberiza schoeniclus) mit 413 Fängen + einem Fremdfang mit Ring aus Paris, gefolgt von 166 Rotkehlchen (Erithacus rubecula) und 47 Heckenbraunellen (Prunella modularis). Interessant ist auch die enorm hohe Zahl von 19 neu beringten Singdrosseln (Turdus philomelos). Der Zug dieser Arten ist also im vollen Gange, doch auch vereinzelte Mönchsgrasmücken (Sylvia atricapilla) und Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) konnten in diesen Tagen beringt werden. Im vergangenen Jahr wurde der letzte Teichrohrsänger übrigens noch im November beringt!

junger Erlenzeisig (Carduelis spinus)
Die oben gezeigte Zwergammer ist keineswegs der einzige erwähnenswerte Fang, daneben konnten auch die ersten beiden Erlenzeisige (Carduelis spinus) des Jahres gefangen werden. Als typische Wintergäste treffen diese jetzt nach und nach ein und suchen im Biotop in den namensgebenden Erlen nach Samen, von denen sie sich im Winter ernähren. Die Zahl der jährlich beringten Erlenzeisige ist dabei sehr variabel (von 0 bis über 300 Stück!), je nach Nahrungsangebot halten sich mehr oder weniger Zeisige im Gebiet auf.

Desweiteren konnte eine spezielle Unterart des Zilpzalps (Phylloscopus collybita abietinus) beringt werden, die vorwiegend in Skandinavien heimisch ist. Die Bestimmung dieser Unterart ist hierbei recht schwierig, da sie der einheimischen Unterart collybita sehr ähnlich sieht. Auch 7 weitere Beutelmeisen (Remiz pendulinus) sind unter den Neuberingungen, daneben konnten wir drei weitere Fremdfänge (aus Madrid, Hiddensee und Paris) dieser Art verbuchen.

In der nächsten Woche wird die Beringung pausieren, denn ein Großteil der Beringungs-AG macht eine mehrtägige Exkursion nach Helgoland! Sofern es die Zeit erlaubt, werden wir uns jedoch von dort mit einem kleinen Reisebericht melden. Wir hoffen auf schöne Beobachtungen und spannende Helgoländer Vogeltage!

In der Zwischenzeit hier nochmal die Highlights als Liste:

13.10.
bisher stärkster Fangtag des Jahres mit 325 Neuberingungen
3 Beutelmeisen (Remiz pendulinus)
223 Rohrammern (Emberiza schoeniclus) + 1 Fremdfang Paris, so viele wie nie zuvor an einem einzigen Tag!
1 Zwergammer (Emberiza pusilla)


14.10.
3 Beutelmeisen + 2 Wiederfänge aus Hiddensee und Madrid
2 Erlenzeisige (Carduelis spinus)
1 abietinus-Zilpzalp (Phylloscopus collybita abietinus)

15.10.
1 Beutelmeise + 1 Wiederfang aus Paris

Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch

28.09.2011

Und das nächste Highlight!

Hallo allerseits!

junger Rohrschwirl (Locustella luscinioides)
Auch der September neigt sich dem Ende entgegen und er verabschiedet sich mit einem schon länger erwarteten Gast: Endlich wurde der erste Rohrschwirl (Locustella luscinioides) des Herbstzugs gefangen. In diesem Jahr wurde zwar bereits ein Exemplar zum Frühjahrszug beringt, allerdings waren in den vorigen Jahren auch stets einige Individuen im Herbst (dabei vor allem Ende August) gefangen worden. Das dabei stärkste Jahr war 2009 mit insgesamt 9 beringten Rohrschwirlen. Das nun gefangene Exemplar ist dabei ein recht später Nachweis der Art im Saarland.

Ansonsten wurden bei der letzten Aktion des Monats am 27.09. und 28.09.  insgesamt 116 Vögel aus 17 Arten beringt, der Spitzenreiter ist dabei zum ersten Mal die Rohrammer (Emberiza schoeniclus) mit 32 Tieren, gefolgt von 23 Rotkehlchen (Erithacus rubecula) und 18 Zilpzalpen (Phylloscopus collybita). Doch auch der Rohrsängerdurchzug ist nicht ganz beendet, immerhin 8 weitere Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) und 1 Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) konnten gefangen werden.

Das IKEA-Biotop im Herbst 2011 - (vgl. Sommer 2011)
Die weiteren Besonderheiten der Aktion waren 6 neu beringte Beutelmeisen (Remiz pendulinus) und 1 Eisvogel (Alcedo atthis). Bei den Beutelmeisen gibt es zudem den ersten Fremdfang dieser Art für das Jahr 2011, ein altes Männchen mit Ring aus Paris machte heute Station im Biotop. Mal schauen ob sich der Trend der hohen Fremdfangquote dieser Art auch in diesem Jahr wieder fortsetzt.


Hier noch die Zusammenfassung der bedeutenden Fänge:

28.09.
6 Beutelmeisen (Remiz pendulinus) + 1 Fremdfang Paris
1 Eisvogel (Alcedo atthis)
1 Rohrschwirl (Locustella luscinioides)
1 Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus)


Viele Grüße,
Sebastian Kiepsch

23.09.2011

Ein Prosit auf den Seggenrohrsänger 2011 - und Beutelmeisen!

Der Titel verrät es:

Junger Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) - beringt am 23.09.2011
Der seltenste Singvogel Europas ist uns endlich auch in diesem Jahr wieder in die Netze gegangen. Am heutigen Morgen gegen 7:30 Uhr wurde ein diesjähriger Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) gefangen und beringt. Nachdem in den letzten beiden Jahren der Nachweis dieser seltenen Art jeweils am 10. August gelang - und nur an diesem Tag - erscheint dieser Fang Ende September recht spät. Im benachbarten Luxemburg gab es in der Vergangenheit jedoch bereits Fänge im Oktober. Für das Saarland ist dies erst der vierte Nachweis der seltenen Art - allesamt durch Fänge der Beringungsstation.

Nach dieser kleinen Sensation erstmal ein Hallo an alle Leser!

Es geht rund im kleinen IKEA-Biotop! An den insgesamt vier Beringungstagen zwischen 19.09. und 23.09. wurden zwar nur 203 Vögel aus 19 Arten beringt, es sind aber die Highlights, welche diese Aktion so besonders machen. Die drei Spitzenreiter der Aktion waren die Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) mit 53 Tieren, das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) mit 42 Exemplaren und der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) mit immerhin noch 34 neu beringten Individuen. Interessanterweise konnte kein weiterer Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) neu beringt werden!

Beutelmeise (Remiz pendulinus) - Männchen
Unter den hervorhebenswerten Neuberingungen sind zwei weitere Eisvögel (Alcedo atthis), der oben erwähnte Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) und die ersten 9 Beutelmeisen (Remiz pendulinus) des Herbstzugs 2011. Letztere Art, die Mitte des letzten Jahrzehnts noch im Saarland brütete, ist mittlerweile lediglich auf dem Zug noch zu beobachten. Im IKEA-Biotop werden jährlich bis zu 100 Beutelmeisen beringt. Dort suchen sie meist die Rohrkolbenbestände in Gewässernähe auf, von deren Sämereien sie sich vorwiegend ernähren. Der Name "Beutel"-Meise rührt von den imposanten Nestbauten, eine Verwandtschaft zu den "echten" Meisen (Paridae) wie z.B. Blaumeise (Parus caeruleus) oder Kohlmeise (Parus major) besteht aber nicht. Interessant an Beutelmeisen ist auch die hohe Wiederfangquote: In den letzten Jahren war im Schnitt eine von 5 gefangenen Beutelmeisen bereits mit einem fremden Ring versehen - im Vergleich zu 1 aus 200 Tieren beim Teichrohrsänger. In diesem Zusammenhang gibt es noch einen Fremdfang zu melden: Ein adulter Teichrohrsänger mit Ring aus Paris wurde am 19.09. gefangen.

Mal sehen, was die nächste Woche uns an Überraschungen noch beschert! In der Zwischenzeit gibt es hier noch die Highlights dieser Woche in der Zusammenfassung:

Der Eisvogel (Alcedo atthis) hatte wohl ein gutes Brutjahr!
19.09.
Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) - Fremdfang Paris

20.09.
1 Eisvogel (Alcedo atthis)

22.09.
1 Eisvogel
9 Beutelmeisen (Remiz pendulinus)

23.09.
1 Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola)

Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch