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05.09.2019

Buschspötter - Saarländischer Erstnachweis an der NABU-Beringungsstation

Hallo zusammen!

Buschspötter (Iduna caligata), 1.KJ, Erster Nachweis für das Saarland
durch Fang und Beringung im IKEA-Biotop am 05.09.2019
(Foto: Sebastian Kiepsch)
 Aus aktuellem Anlass eine kurze Neuigkeit der Beringerinnen und Beringer aus dem IKEA-Biotop:

Fangstandort des Buschspötters inmitten des Schilfgürtels.
(Foto: Sebastian Kiepsch)
Heute wurde gegen 08:00 Uhr ein junger Buschspötter (Iduna caligata) im IKEA-Biotop gefangen und beringt. Für die Art ist dies der erste Nachweis überhaupt im Saarland.

Der Vogel hing auf einem der morgentlichen Rundgänge in einem Fangnetz inmitten eines Schilfbestands und wurde vom Team um Thorin Hoffmeister sofort am Netz als auffällig erkannt.




Busch oder Steppe - Das ist hier die Frage

Buschspötter - zu erkennen sind die warm braune Oberseite und
der deutlich ausgedehnte Überaugenstreif.
Ebenfalls die für Spötter typischen, hellen Schwanzaußenkanten.
(Foto: Sebastian Kiepsch)
Als kleiner brauner Vogel ist der Buschspötter in Gesellschaft einiger sehr ähnlicher Arten, die sich nur in Details unterscheiden, wie z.B. geringen Farbabweichungen in der Gefiederzeichnung, kleinen Unterschieden in Kopfform und Schnabelform bzw. auch in der Flügelform.

Eine sehr nahe verwandte Art, der Steppenspötter (Iduna rama) muss daher auch bei der Bestimmung sicher ausgeschlossen werden. Für Buschspötter spricht im Falle dieses Vogels das sehr rundliche Kopfprofil, die warm braune Oberseite und die deutliche Ausdehnung des hellen Überaugenstreifs. Untypisch sind hingegen die einfarbigen Beine ohne deutlich abgesetzte Füße sowie die recht kräftige Schnabelform und helle Schnabelfärbung. Doch gerade bei Hornteilen ist bei jungen Vögeln noch eine abweichende Färbung möglich, so dass zumindest dieser Zweifel weitgehend unbegründet scheint.

Buschspötter beim Wiegen. Deutlich zu erkennen sind
hier die – untypisch für die Art – einfarbigen Beine.
(Foto: Sebastian Kiepsch)
In der Summe handelt es sich aufgrund der Vielzahl passender Merkmale daher nach unserer Beurteilung um einen Buschspötter, wir sind aber natürlich offen für weitere Einschätzungen. Letztendlich planen wir aber auch, an entnommenen Federproben eine genetische Untersuchung durchzuführen. Das wird uns dann absolute Klarheit geben.


Vielen Dank an dieser Stelle auch an alle, die uns spontan mit ihren Bestimmungshinweisen geholfen haben!






Buschspötter - Seltener Irrflügler aus dem Osten

Flügel des Buschspötters. Bestimmungsrelevant ist u.a.
die Länge der äußersten langen Handschwinge (rechts)
im Vergleich mit den restlichen Flügelfedern.
(Foto: Sebastian Kiepsch)
Der Buschspötter ist eigentlich eine Brutvogelart Westasiens und überwintert in Indien. Zurzeit dehnt sich die Verbreitung Richtung Westen aus, der Buschspötter brütet bereits in Ostfinnland und im Baltikum. Auf seiner gewohnten Zugroute käme der Buschspötter eigentlich niemals in Westeuropa vor, dennoch gibt es gelegentlich auch Herbstnachweise in Deutschland, zuletzt am 13.09.2018 auf Helgoland. Allerdings ist die Art alles andere als regelmäßig vorzufinden und wird bei weitem nicht jedes Jahr festgestellt.

Bei diesen Irrgästen handelt es sich möglicherweise um genetisch fehlgeprägte Vögel, die einen sogenannten "Spiegelzug" in die falsche Himmelsrichtung durchführen. Beim Buschspötter, wie bei vielen anderen ziehenden Kleinvogelarten, werden Zugwege und -zeitpunkte nicht von Altvögeln erlernt, sondern durch ein "genetisches Gedächtnis" vererbt. Hier kann es durch zufällige Mutationen zu Fehlern kommen, so dass sich entweder eine Verschiebung oder sogar eine Umkehr von Zugrouten ergibt. In vielen Fällen endet dies für die Vögel leider tödlich, da keine geeigneten Rast- und Überwinterungsbiotope auf der falschen Route zu finden sind. Bei anderen Arten (wie z.B. Gelbbrauen-Laubsängern) wird aber auch diskutiert, ob sich auf diese Art und Weise eine neue Zugroute etablieren kann.


Herbstzug 2019 - Zusammenfassung in aller Kürze

Ein kurzes Update zur momentanen Herbstzugsaison sei an dieser Stelle auch noch erlaubt: Bislang gab es einige wirklich starke Tagen mit vielen Rohrsängern, unter anderem wurde sogar der Tagesrekord mit 535 gefangenen Vögeln am 17.08.2019 gebrochen. Außerdem sind auch schon einige weitere Höhepunkte an Arten zu verzeichnen. Gleich drei neue Erstberingungen mit dem Flussregenpfeifer, dem Pirol und dem Habicht, die alle noch nie zuvor gefangen wurden konnten. Außerdem gelangen noch zwei Zweitfänge für das Gebiet mit dem Ortolan und der Sperbergrasmücke. Letztere wurde erst zum zweiten Mal im Saarland nachgewiesen (nach unserem Fang 2014).

Auf alle Fälle ist der Buschspötter unser bislang spannendster Fang 2019. Wir hoffen natürlich auf weitere Highlights, einige spannende Wochen stehen uns noch bevor!

Im Namen der gesamten Beringungs-AG,
Sebastian Kiepsch

17.06.2018

Seidensänger - Erstnachweis im IKEA-Biotop

Hallo zusammen!

Nach langer Sendepause gibt es heute aus aktuellem Anlass eine kurze aber spannende Meldung.

Seidensänger (Cettia cetti), adultes Weibchen - gefangen und beringt am 17.06.2018.
Die mittlerweile 179. Art im IKEA-Biotop.

Gegen 9:00 Uhr heute morgen konnte im IKEA-Biotop ein Seidensänger gefangen und beringt werden. Für die Art ist das der Erstnachweis im IKEA-Biotop und die erste Feststellung im Saarland seit 1990. Damit steigt die Zahl der nachgewiesenen Arten im Biotop auf 179, von denen 119 auch gefangen und beringt werden konnten.

Hier war er drin: Der Fangstandort des Seidensängers,
im Randbereich des Schilfbestands des IKEA-Biotops.
Der Seidensänger ist eine vorwiegend in Südeuropa beheimatete Art, die in Feuchtgebieten, gerne in Gewässernähe in dichter und hoher Vegetation brütet (z.B. Gebüschen) und sich vor allem von Kleininsekten ernährt. Seidensänger sind vorwiegend Jahresvögel, die ganzjährig in den Brutgebieten verbleiben und kaum Zugbewegungen durchführen. In den letzten Jahren wurde aber zu eine stetige Arealausweitung nach Norden festgestellt, insbesondere in den Niederlanden sind in wenigen Jahren zahlreiche neue Reviere entdeckt worden. Derzeit steht die Art an der deutsch-niederländischen Grenze und ist kurz davor, auch die Region am Niederrhein zu besiedeln. Ein Zusammenhang zwischen dieser Ausbreitung und den meist milden Wintern der letzten Jahre wird angenommen. Man vermutet, dass der Seidensänger einer der Profiteure von einem anhaltenden Klimawandel ist.

Bereits in der Vergangenheit war der Seidensänger im Saarland sehr wahrscheinlich Brutvogel. In den 1970er und Anfang der 80er Jahre gab es in mehrere konkrete Hinweise auf Bruten in verschiedenen Feuchtgebieten des Saarlands. Unser "Altmeister" Lothar Hayo konnte 1975 bei Blieskastel im Südosten des Saarlands ein Revierpaar über die komplette Brutzeit feststellen und sowohl ein Männchen, als auch ein Weibchen dort fangen und beringen. Auch der letzte im Saarland dokumentierte Seidensänger wurde 1990 von ihm beringt.

Sichtlich gezeichnet: Seidensänger unterscheiden sich von
vielen anderen Singvögeln auch darin, dass sie generell zwei
Schwanzfedern weniger besitzen - 10 statt 12.
Bei diesem Individuum fehlte aber noch eine weitere Feder, die
wohl kürzlich erst ausgefallen ist. Auch der Rest des Schwanzes
und der Unterschwanzdecken war sehr abgenutzt.
Die Herkunft "unseres" Fänglings ist absolut unklar. Fakt ist, dass es es sich um ein adultes Weibchen mit Brutfleck handelt, das in dieser Saison also wohl einen Brutversuch unternommen hat. Ebenso ist klar, dass im IKEA-Biotop sehr wahrscheinlich keine Brut übersehen wurde, dazu wird zu intensiv und regelmäßig kontrolliert. Denkbar ist hingegen eine Herkunft aus dem lokalen Umland, einige Fluss- und Bachtäler im Saarland bieten potentiell geeignete Lebensräume. Doch auch ein Abzug aus weiter entfernten Brutgebien ist möglich. Kleinvögel sind in der Lage, Distanzen von hunderten Kilometern problemlos in wenigen Tagen zu überbrücken. Das stark abgenutzte Gefieder des Seidensänger-Weibchens könnte ebenfalls ein Zeichen für einen weiten Zugweg sein. Diese "Ausflüge" während der Brutzeit sind auch nicht ungewöhnlich, so gab es 2014 z.B. eine Brutzeitfeststellung eines Sprosser-Weibchens mit Brutfleck.

Eines aber zeigt dieser Fang sehr deutlich: Alle Beobachter im Saarland und in ganz Westdeutschland sollten diese Art auf dem Schirm haben und mit Gesang und Aussehen vertraut sein. Es besteht die historische Chance, diese Einwanderung von Anfang an zu dokumentieren!

Im Namen des gesamten Teams der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

01.06.2016

Jahresbericht 2015

Hallo zusammen!

Zwergammer, beringt am 07.11.2015 - eines der Highlights des Jahres 2015.
Dritter Nachweis im Saarland nach den beiden Fängen 2001 bzw. 2011.
Mit einiger Verspätung, aber dafür umso umfangreicher folgt der angekündigte Jahresbericht 2015 der NABU-Beringungsstation. Wir blicken zurück auf eines der erfolgreichsten Jahre unserer Arbeit, das nur durch den ehrenamtlichen Einsatz zahlreicher Personen möglich war. Neben der Fortsetzung unserer langjährigen Erfassungsprogramme stand 2015 im Zeichen einiger Veranstaltungen an der Beringungsstation. Auch die pädagogische Arbeit, seit jeher ein großes Anliegen unseres Teams, konnte erfolgreich fortgesetzt werden.


Überblick über die Tätigkeit 2015

Netzschneise mit einigen gefangenen Vögeln.
An Massentagen des Herbstzugs sind 20 Fänglinge pro
Netz möglich. Bei 40 Netzen sollten idealerweise 6-7
Personen mithelfen. Nur selten war dies 2015 gegeben.
Die personelle Lage an der NABU Beringungsstation "Mittleres Saartal" war zum Jahreswechsel 2014/15 äußerst angespannt. Der Kern der NABU Beringungs-AG, welche die Station betreut, ist auf sechs Personen geschrumpft, von denen drei nur noch selten die Zeit für lange Beringungsaktionen aufbringen können. Dementsprechend fehlten bis zu fünf Beringungshelfer, was sich insbesondere an den stärksten Tagen des Jahres zeigte. Die Zielsetzung 2015 lag aus diesem Grund auch primär auf der bestmöglichen Fortführung der drei Erfassungsprogramme (Brutzeit, Frühjahrszug, Herbstzug), mit einem Fokus auf dem Herbstzug, der die individuenstärkste und artenreichste Phase des Jahres ist.

Das Ergebnis eines einzigen Rundgangs im August:
Ca. 150 Fänglinge warten in Stoffsäckchen an der
Beringungsstation auf die Beringung.
Insgesamt wurde an 141 Tagen des Jahres beringt, an den meisten davon nicht ganztägig. Der gesamte Zeitaufwand betrug zusammengerechnet ca. 1.700 Stunden, was in Vorjahren oft deutlich übertroffen wurde.Trotz der reduzierten zeitlichen Abdeckung gelang das zweitstärkste Fangergebnis nach dem Rekordjahr 2010. Dies lässt sich nicht zuletzt durch die große Anzahl an Massenzugtagen begründen. Ganze zehn Mal wurde die Marke von 250 Neuberingungen an einem Tag geknackt, fünf Mal davon waren es sogar über 300 Individuen. Der stärkste Fangtag im vergangenen Jahr war der 29.08.2015 mit 385 gefangenen Individuen (Beringungen + Kontrollfänge). Erwähnenswert ist hier auch eine extrem starke Zugwelle Ende Oktober, was in dieser Ausprägung so bislang einmalig war: 327 Individuen konnten z.B. am 24.10.2015 gefangen werden, der stärkste Tag, der je im Oktober registriert wurde.

Hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse des letzten Jahres:
  • 10.088 Individuen beringt
  • 83 Arten beringt
  • 2.730 Kontrollfänge bereits beringter Vögel
  • 274 Altfänge (beringt vor 2015) 
  • 34 Fremdfänge anderer Beringer) u.a. aus Schweden, Norwegen, Finland, Litauen, u.v.a.


Veranstaltungen/Pädagogische Arbeit 2015

Bei den ca. 20 Beringungsvorführungen 2015 konnten vor
allem Kinder und Jugendliche einen Einblick in die
Artenvielfalt im IKEA-Biotop gewinnen
Seit Bestehen der NABU Beringungsstation wird neben der wissenschaftlichen Tätigkeit vor allem auch Umweltpädagogik betrieben, um insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ein Bewusstsein für die heimische Natur und Artenvielfalt zu schaffen. Doch auch Erwachsene wurden im Rahmen der ca. 20 (!) Beringungsvorführungen des vergangenen Jahres über die Arbeit unseres Teams informiert. Darüber hinaus sind einige Veranstaltungen erwähnenswert, an denen das Team der Beringungsstation mitwirkte bzw. die direkt von uns organisiert wurden:

Hoher Besuch zum Tag der Artenvielfalt 2015:
Der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (r.) stattete
der Beringungsstation einen Besuch ab.
Den Anfang machte der GEO Tag der Artenvielfalt vom 26.06.-27.06.2015, wir berichteten. Diese alljährliche Veranstaltung, organisiert durch die Delattinia (Naturforschende Gesellschaft des Saarlands), fand 2015 in Saarlouis statt, der ornithologische Teil wurde an der Beringungsstation ausgegliedert. Erwähnenswert ist auch die Durchführung eines Erlebniscamps für Kinder und Jugendliche, an dem das Team der Beringungsstation mitwirkte.

Die einzige Veranstaltung außerhalb der Beringungsstation fand am 22.07.2015 im Rosseltal bei Großrosseln statt. Dieses ehemals durch die Folgeschäden des Bergbaus geprägte Flusstal wurde bis 2005 aufwendig durch die RAG AG in Kooperation mit NABU und dem Umweltministerium des Saarlands renaturiert. Zum 10-jährigen Jubiläum des erfolgreichen Abschlusses der Arbeiten wurde im Rahmen einiger Vorführungen die wieder vorhandene Artenvielfalt gefeiert. Das Team der Beringungsstation beteiligte sich mit einer mobilen Beringungsaktion.

Bei einer mobilen Beringungsaktion im Rosseltal zwischen
Ludweiler und Großrosseln gelang u.a. auch ein Kontrollfang
eines in Saarlouis-Lisdorf beringten Eisvogels.
Wie in den Vorjahren gab es auch am 30.08.2015 wieder einen Tag der offenen Tür der Beringungsstation, an dem trotz Temperaturen von über 35 °C knapp 200 Besucher den Weg zu uns fanden, siehe auch unser Bericht dazu. Auch 2016 ist wieder ein Tag der offenen Tür geplant.

Ein Novum gab es am 10. und 11.10.2015 mit einem Seminar für Beringer. In Kooperation mit dem Proring e.V. wurde unter dem Titel "Alters- und Geschlechtsbestimmung an Singvögeln" ein praktischer Workshop an der Beringungsstation veranstaltet, zu dem eine kleine Gruppe von 10 Beringern aus ganz Deutschland angereist war. Einen Bericht zu dieser Veranstaltung gibt es hier.


Zum Zustand des IKEA-Biotops

Die 2014 umgestaltete Flachwasserzone entwickelte
sich zunehmend positiv. Bei fallendem Wasserstand
wurden zahlreiche Vögel bei der Nahrungssuche an den
Schlickflächen und Wasserlachen beobachtet.
Die NABU Beringungs-AG betreut neben der Beringungsstation auch das dazugehörige Projektgebiet des sogenannten IKEA-Biotops, welches in das "Natura 2000"-Schutzgebietsnetz integriert ist. Neben der Begutachtung des Zustands werden auch Pflegemaßnahmen durchgeführt, die den Charakter des Gebiets erhalten sollen.

Seit der Schaffung des IKEA-Biotops 1997 ist das Gebiet einem stetigen Wandel unterworfen. Das ursprüngliche Konzept einer offenen Wasserfläche mit Schilf- und Seggenflächen ist bis heute noch in weiten Teilen erhalten geblieben, jedoch gibt es auch Probleme, die auf längerfristige Sicht diesen Zustand gefährden: Verlandung und Sukzession (= Fortschreiten der Vegetation).

Bruchwasserläufer, beringt am 22.08.2015
Durch lange Trockenheit fielen große Teile der Wasserfläche
trocken, was für Watvögel jedoch auch eine willkommene
Rastmöglichkeit darstellte.
Durch Biomasseeintrag und fliegende Sedimente nahe gelegener Baustellen verlandete die Wasserfläche über Jahre hinweg zusehends. Das IKEA-Biotop als künstlich geschaffene Ausgleichsfläche ist ferner auch nicht den natürlichen Hochwässern unterworfen, diese werden durch die Kanalisierung der Saar und die nahe gelegene Staustufe verhindert. Daraus resultierend sank die Wassertiefe in gerade einmal fünf Jahren von ehemals ca. 1,50 m auf nur noch 1 m ab. Besonders deutlich wurde dies zum extrem niederschlagsarmen Hochsommer 2015, als zum ersten Mal seit Bestehen des Gebiets große Teile der Wasserfläche trocken fielen. Aus unserer Sicht ist hier in absehbarer Zeit ein Eingriff mit schwerem Gerät unausweichlich, um durch Abtrag von Erdmassen die Wasserfläche wieder zu vertiefen.

Das IKEA-Biotop im Juni 2015 - Speziell in den trockeneren Bereichen des
Schilfgürtels sind in den vergangenen Jahren vermehrt Weiden herangewachsen,
die es in den kommenden Jahren in Pflegemaßnahmen zu entfernen gilt.
Die Vegetation im IKEA-Biotop ist naturgemäß äußerst vielseitig, da im Gebiet lokal die Bedingungen in Feuchtigkeit, Nährstoffreichtum und Exposition stark variieren. Neben Schilf und Feuchtgräsern gibt es auch trockenere Wiesenflächen, Hecken und Gebüsche sowie auwaldähnliche Bereiche mit Erlen und Weiden. Speziell in den letzten Jahren ist mit der zunehmenden Verlandung auch ein deutlicher Aufwuchs von Gehölzen inmitten des Schilfs zu bemerken. Einige Teile des Schilfgürtels wurden sukzessive von Weiden verdrängt, auch die einzige große Rohrkolbenfläche des Gebiets ist durch neu aufwachsende Jungweiden bedroht. Eine dauerhafte pflegerische Betreuung der betroffenen Bereiche ist aus unserer Sicht die einzig sinnvolle Maßnahme, um einen Strukturverlust zu verhindern. (Anm.: Anfang 2016 wurde wieder eine Pflegemaßnahme durch das Team der Beringungsstation durchgeführt!)

Umgeknickter Altschilf im Februar 2015
Die Folgen dieser wetterbedingten Schäden waren noch bis
zum Herbstzug anhand der Beringungsdaten messbar.
Weiterhin wurden im Winter 2014/15 massive Schäden am Bestand des Altschilfs festgestellt. Offenbar durch Stürme und Frost waren knapp 20% der Schilffläche in Bodennähe abgeknickt, was mit einem Verlust an Nist- und Rastplätzen für Feuchtgebietsvögel einherging (siehe wissenschaftliche Ergebnisse). Im Laufe des Jahres regenerierte sich der Schilfgürtel wieder deutlich, so dass wir keine Folgeschäden für die nächsten Jahre erwarten.


Wissenschaftliche Ergebnisse

Besondere Nachweise 2015

Die Krickente konnte erst zum zweiten Mal
im IKEA-Biotop gefangen werden
Unter den mehr als 10.000 neu beringten Vögeln des vergangenen Jahres waren auch zahlreiche Seltenheiten. Wir freuen uns vor allem über zwei Drittnachweise und zwei Viertnachweise für das Saarland und einen interessanten Hybriden.

Beginnen möchten wir diesen Abschnitt jedoch mit zwei eigentlich recht häufigen Arten, die jedoch beide erst ein einziges Mal von uns beringt werden konnten: Die Krickente und der Mittelspecht. Bei beiden gelang 2015 der jeweils zweite Fang im Gebiet. Der Mittelspecht als Bewohner älterer Laubwälder wurde als biotopfremde Art 2007 erst ein einziges Mal im Gebiet nachgewiesen, damals ebenfalls durch Fang und Beringung. Krickenten sind zwar häufiger im Biotop zu beobachten, werden aber aufgrund ihrer Größe in aller Regel nicht gefangen.

Hybrid Rauch- X Mehlschwalbe
Ein Massenzugtag der Rauchschwalbe bescherte ein weiteres Highlight des vergangenen Jahres. Am 28.08. konnte die Rekordzahl von 243 Rauchschwalben beim Schlafplatzanflug gefangen und beringt werden, soviele wie nie zuvor an einem einzigen Tag. Darunter befand sich neben einen Fremdfang der Vogelwarte Brüssel auch ein Hybrid aus Rauch- X Mehlschwalbe. Dieser Mischling zeigt intermediäre Maße und Merkmale beider Arten, wie den braunen Kehlfleck der Rauchschwalbe und den weißen Bürzelfleck sowie die befiederten Füße der Mehlschwalbe. Dieser Hybrid ist in der Literatur bereits bekannt und tritt regelmäßig, aber nur in geringer Zahl auf. Im IKEA-Biotop ist dies bislang aber der einzige Nachweis.

Sprosser, beringt am 22.08.2015. An diesem Tag konnten
sogar beide Individuen im Biotop nachgewiesen werden.
Mit gleich zwei Sprossern gelangen im vergangenen Jahr der Dritt- und Viertnachweis dieser Art für das Saarland (16.08., 22.08.). Dieser östliche Verwandte der Nachtigall wurde bereits zwei Mal im IKEA-Biotop gefangen und beringt, 2015 gab es nun sogar zwei Exemplare in einem Jahr. Besonders interessant war auch die lange Verweildauer eines Individuums im Saarland, das von 16.08.-08.09. anwesend war. Der Einflug dieser östlichen Art war auch überregional zu bemerken, z.B. konnte ebenfalls am 22.08. in Schifflange/Luxemburg ein Sprosser gefangen und beringt werden, ein Erstnachweis für das Großherzogtum.

Gelbbrauen-Laubsänger, beringt am 11.10.2015
Nach den beiden Nachweisen des letzten Jahres das
dritte Exemplar für die NABU Beringungsstation
Ein weiterer saarländischer Drittnachweis gelang unerwartet fast schon zum Saisonende am 07.11.2015 mit einer Zwergammer (Foto s.o.). Nach den beiden Fängen 2001 und 2011 ist dies schon der dritte Nachweis dieser Art für das IKEA-Biotop.

Last but not least wurde am 11.10.2015 erneut ein Gelbbrauen-Laubsänger gefangen. Nach den beiden Fängen 2014 ist dies der dritte Nachweis im Gebiet und der vierte Nachweis für das Saarland - allesamt durch Beringung erbracht!


Häufige Arten - Gewinner und Verlierer

Seit jeher sind häufige Arten im IKEA-Biotop von großem wissenschaftlichen Interesse, da diese Daten weniger methodischen Schwankungen zwischen den Jahren unterworfen sind. Daraus resultierend lassen sich Fangzahlen sehr häufiger Arten als Indikator für Veränderungen des Gebiets heranziehen. Der kurzfristige Verlust an Schilfgebieten im Winter 2014/15, aber auch der langfristige Wandel in der Vegetation (siehe "Zum Zustand des Biotops") schlugen sich im vergangenen Jahr  deutlich auf die Beringungszahlen dieser Arten nieder.

Die Top-4-Arten 2015 - Gewinner und Verlierer:
Teichrohrsänger (o.l.) und Rohrammer (M; o.r.) nehmen ab,
Mönchsgrasmücke (M&W; u.l.) und Rotkehlchen (u.r.) mit
Zugewinnen gegenüber 2014
Die bemerkenswerteste Entwicklung gab es aus unserer Sicht an der Spitze: Zum ersten Mal seit Beginn der Beringungstätigkeit im Gebiet ist die häufigste Art des Jahres keine Feuchtgebietsart! Diesen Titel gibt es 2015 für die Mönchsgrasmücke, welche den Teichrohrsänger, der knapp 20% der Fangzahl gegenüber 2014 einbüßt, auf Platz zwei verdrängt.

Auf den Plätzen drei und vier landen das Rotkehlchen und die Rohrammer. Auch hier ist zu bemerken, dass die Rohrammer enorme Verluste zum Vorjahr zeigt, was jedoch auch teilweise durch die geringere Zahl an Fangtagen 2015 zu begründen ist.

Bereits seit Jahren beobachten wir die starke Zunahme von Grasmücken im IKEA-Biotop. In der Saison 2015 setzte sich dieser Trend fort und es gab wieder Rekordzahlen bei Mönchs-, Dorn- und Klappergrasmücken. Die vorwiegende Ursache ist hier wohl ebenfalls die eingangs erwähnte Sukzession:  Grasmücken bevorzugen Lebensräume mit Hecken, auch für ihre Rast. Mit dem Aufkommen immer größerer Gebüsche steigt auch die Zahl der rastenden Grasmücken. Die gleiche Entwicklung deutet sich im Übrigen auch im Brutbestand des IKEA-Biotops an (siehe Ergebnisse Brutzeit).

Fangzahlen der vier Grasmückenarten im IKEA-Biotop und Trends (rot: Jahresrekord)
Die Fotos zeigen Mönchsgrasmücke (M; o.l.), Garten-, Dorn- und Klappergrasmücke (u., v.l.n.r.)

Mittelhäufige Arten - Ein Überblick 
 
Waldarten wie der Waldbaumläufer zeigten 2015 einen
überdurchschnittlich starken Zug im IKEA-Biotop.
Für viele Arten zeigte sich 2015 keine signifikante Abweichung zu den Vorjahren, bemerkenswert war jedoch das invasionsartige Auftreten zahlreicher Waldvogelarten im IKEA-Biotop. Nachdem 2010 bereits ein Einflug von typischen Waldvögeln dokumentiert wurde, gab es im vergangenen Jahr ebenfalls ein solches Phänomen. Allen voran die oben erwähnten Rotkehlchen, aber auch Blau-/Kohl- und Tannenmeisen wurden zum Herbstzug von Mitte September bis Ende Oktober in großer Zahl beobachtet und teils auch gefangen und beringt. Auch ganze vier Waldbaumläufer konnten beringt werden, mehr als in allen vorangegangenen Jahren zusammen. Interessant in diesem Kontext war auch der Fremdfang einer Kohlmeise aus Litauen, der aufzeigt, welche Zugstrecken von diesen teilziehenden Populationen zurückgelegt werden.

Das häufige Auftreten der Beutelmeise 2015 deutet auf ein
gutes Brutjahr dieser Art in den Brutgebieten hin. Im
Saarland ist diese Art nur noch zur Zugzeit anzutreffen.
Ein herausragendes Fangjahr konnte bei den Beutelmeisen verzeichnet werden, mit 103 Neuberingungen. Die Beutelmeise ist im IKEA-Biotop die Art mit der höchsten Quote an Fremdfängen, im Schnitt ist eine von 14 Beutelmeisen bereits anderenorts beringt worden, was in dieser Höhe einmalig ist! Auch 2015 wurden neben den Neuberingungen ganze 13 Fremdfänge (11x Paris, 2x Hiddensee) registriert. Wir vermuten hinter der hohen Zahl an Fänglingen einen guten Bruterfolg dieser Art im vergangenen Jahr.

Eisvögel sind mittlerweile fast ganzjährig im IKEA-Biotop
anzutreffen. An Spitzentagen wurden 2015 bis zu sieben
verschiedene Individuen festgestellt.
Eine weitere Art mit erstaunlichen Zugewinnen ist der Eisvogel, der ganze 62 Mal beringt werden konnte. Teilweise wurden sieben verschiedene Exemplare an einem Tag im gerade mal fünf Hektar großen Gebiet festgestellt. Dies demonstriert eindrucksvoll die Bedeutung des IKEA-Biotops für diese Art. Interessant war auch der Kontrollfang eines von uns beringten Eisvogels während der mobilen Beringungsaktion im Rosseltal, was die noch vorhandene Vernetzung der punktuellen Feuchtgebiete im größtenteils durch Siedlung und Industrie geprägten Saartal aufzeigt.

Ein weniger erfreulich Bild zeigte sich bei der Uferschwalbe, einem der größten Verlierer der letzten Jahre. Bereits seit 2011 verzeichnen wir einen kontinuierlichen Abfall der Fangzahlen bei vergleichbarer Fangintensität. Die Gründe dahinter liegen wohl im bundesweiten Trend dieser Art, die überall mit starken Abnahmen im Bestand zu kämpfen hat, nicht zuletzt durch Lebensraumverlust. Im vergangenen Jahr wurden an der Beringungsstation lediglich drei Individuen gefangen!

Fangzahl der Uferschwalbe seit 2009

Projektarten Feldlerche und Fitis

Bei den Feldlerchen gab es das zweitstärkste Fangjahr
seit Beginn der systematischen Erfassung 2012.
Auch den ersten Wiederfund gibt es zu verzeichnen.
Die seit 2012 laufende Erfassung des Herbstzugs der Feldlerche wurde auch 2015 fortgeführt. Mit 103 beringten Individuen wurde dabei die zweitstärkste Saison registriert. Die stärkste Zugnacht des vergangenen Jahres fiel auf den 23. und 24.10. mit 57 Fängen. Mit zwei Jahren Verzögerung erreichte uns auch die erste Fundmeldung des Projekts, die einen knappen Monat nach der Beringung im IKEA-Biotop in SW-Frankreich tot aufgefunden wurde.

Fitis, ssp. trochilus, adult.
Trotz weißem Bauch sind deutlich gelbe Strichelan
der Unterseite zu erkennen.
Im vergangenen Jahr widmete sich die Beringungsstation besonders der Projektart Fitis, da hier eine große Diskrepanz in der Altersstruktur offensichtlich wurde: Gewöhnlich ist der überwiegende Teil der Fänglinge im Herbst Jungvögel, da pro Brutpaar in der Regel mehr als zwei Jungvögel flügge werden. Beim Fitis zeigt sich jedoch ein umgekehrtes Bild, mehr Alt- als Jungvögel. Wir vermuteten dahinter zum Teil auch einen Fehler unsererseits bei der Altersbestimmung: Diese wird beim Fitis vor allem an der Färbung der Unterseite festgemacht, es gilt: Helle Unterseite: adult, gelbe Unterseite: juvenil. Die Gefahr bei dieser Form der Altersbestimmung: Auch die nordische Unterart acredula zeigt eine aufgehellte Unterseite! Ob und wie häufig sie auftritt war eine Fragestellung des Projekts.

Einer von ca. 10 Fitissen mit Merkmalen der ssp. acredula
Gefangen und beringt am 26.09.2015.
Die Unterseite wirkt hier fast weiß, die Kehle ist nur leicht
gelblich überhaucht, ohne Strichelung.
Weiterhin waren auch die genauen Zugzeiten des Fitis im Saarland interessant, speziell im Hinblick auf das Ende des Durchzugsfensters. Hier gab es in der Vergangenheit einige Meldungen später Fitisse Mitte bis Ende Oktober, hinter denen wir jedoch blasse Zilpzalpe (Unterarten abietinus/tristis) vermuten. In aller Regel liefern die Beringungsdaten der Station die spätesten Nachweise einer Art im Saarland, bislang konnten von uns jedoch keine Exemplare nach dem 10. Oktober festgestellt werden.

Die Ergebnisse des Fitis-Projekts sind aus unserer Sicht sehr erfreulich: Ganze 190 Individuen konnten 2015 gefangen und beringt werden, darunter ca. 10 Individuen mit Merkmalen der Unterart acredula. Zur endgültigen Beurteilung sollen die angefertigten Dokumentationsaufnahmen noch Experten vorgelegt werden. Bezüglich der Zugzeiten bestätigte das Projekt die Vermutungen der Vorjahre: Der 10. Oktober ist eine magische Grenze für das Auftreten dieser Art. Spätere Beobachtungen sollten daher ohne Dokumentation kritisch beurteilt werden.

Fangzahl von Fitis und Zilpzalp nach Monatsdekade und relativer Anteil beider Arten.
Ab Mitte Oktober (OK2) wurden keine Fitisse mehr festgestellt.
(Datengrundlage 2006-2015)

Brutzeit 2015 - Kurzergebnisse

Zwergtaucher im Prachtkleid
2015 gab es Brutverdacht für diese Art im IKEA-Biotop
Die seit 2007 laufende, systematische Erfassung des Brutbestands im IKEA-Biotop wurde auch 2015 wieder durchgeführt. Fragestellungen dieses Projekts sind vor allem die Artzusammensetzung und genaue Revierzahlen der Brutvögel, daneben sind auch Bruterfolg und Standorttreue der Brutvögel von Bedeutung. Die Methodik der Brutzeiterfassung richtet sich größtenteils nach den Standards des Integrierten Monitorings von Singvogelpopulationen (IMS), zur Auswertung der Daten im Hinblick auf Revierzahlen wird eine selbst definierte Methodik herangezogen, wie hier beschrieben.

Im vergangenen Jahr wurden dabei durch Beringung und Beobachtung 25 sicher brütende Arten im und um das IKEA-Biotop festgestellt. Für 10 weitere Arten besteht Brutverdacht. Das Artenspektrum wurde dabei durch den Zwergtaucher als brutverdächtige Art um eine Art erweitert. Der Feldschwirl hingegen, der bis 2013 noch alljährlicher Brutvogel im Gebiet war, konnte auch 2015 wie schon 2014 nicht mehr als Brutvogel nachgewiesen werden.

Orpheusspötter zeigen eine Reaktion auf die fortschreitende
Vegetation im IKEA-Biotop: Ihre Reviere verschieben sich
Ähnlich der Fangzahlen von Rastvögeln zum Zug zeigen auch die Brutbestandszahlen vieler Arten  im vergangenen Jahr einen eindeutigen Trend an: Das IKEA-Biotop verbuscht. Zum ersten Mal  überholten die "Heckenbewohner" die typischen Feuchtgebietsarten in der Zahl der Reviere (siehe auch die letzte Grafik des verlinkten Beitrags). Auch hieran lässt sich wieder dokumentieren, wie stark sich der Wandel in der Vegetationsstruktur im IKEA-Biotop fortsetzt. 

Eine interessante Art zur Dokumentation dieses Prozesses ist auch der Orpheusspötter, der im Saartal ein mittelhäufiger Brutvogel ist. Er bevorzugt ein gewisses Sukzessionsstadium einer Gebüschlandschaft als Brutplatz und gibt ein Revier auf, wenn die Vegetation zu hoch und dicht wird. Im IKEA-Biotop gibt es traditionell 2-4 Reviere pro Jahr, die sich gerade in den letzten Jahren deutlich räumlich verschieben. Auch dies belegt die andauernde Entwicklung im Gebiet.
Ferner gab es bei den Teichrohrsängern einen Bestandseinbruch auf 15 Paare, dem tiefsten Stand seit Beginn der Erfassung. Diese kurzfristige Entwicklung lässt sich durch die Schädigung des Altschilfs (s.o.) erklären, da Teichrohrsänger zum Nestbau auf vorhandene Altschilfbestände angewiesen sind.

Brutbestand des Teichrohrsängers im IKEA-Biotop
2015 wurde mit 15 Brutpaaren der niedrigste Stand verzeichnet.
Dies ist vorwiegend durch die Winterschäden am Altschilf zu begründen.

Fazit

Die NABU Beringungsstation "Mittleres Saartal" hat 2015 in tausenden ehrenamtlichen Stunden wieder wertvolle Daten zum Bestand der Vogelwelt im Saarland wie auch überregional erhoben. Die Station ist im Verbund der Beringer Deutschlands mittlerweile eine etablierte Größe und die größte ehrenamtlich geleitete Station Deutschlands. Der Fortbestand dieses Monitoringprojekts für die Vogelwelt ist unser vorrangiges Ziel für die nächsten Jahre.

Die 2015 erhobenen Daten konnten dabei sowohl subjektive Bestandseindrücke bestätigen, aber vor allem auch einige Wissenslücken schließen, z.B. bzgl. des Fitis. Ähnliche Projekte in der Zukunft sind geplant. In den kommenden Jahren sollen die bislang gewonnenen Ergebnisse auch in Form mehrerer Publikationen veröffentlicht werden.

Trotz der Freude über das vergangene Beringungsjahr und die interessanten Fänge und Ergebnisse muss auch auf die Probleme im IKEA-Biotop hingewiesen werden: Das Gebiet verändert sich rasant und läuft Gefahr, in wenigen Jahren seine Gestalt radikal zu verändern. Wir hoffen, in Kooperation mit den Behörden den gesetzlich verankerten Schutz des Schilfgebiets durch zielgerichtete Pflege- und Gestaltungsmaßnahmen gewährleisten zu können. Hierbei sind wir jedoch auch auf behördliche Unterstützung und Finanzierung angewiesen.

Auch 2016 wird die Arbeit an der Station fortgeführt, mit hoffentlich ebenfalls spannenden Ergebnissen.

DANKE

Das Team der NABU-Beringungsstation
(V.l.n.r.: Marius Nicklas, Sebastian Kiepsch, Katharina Klein,
Pierre Geller, "Altmeister" Lothar Hayo und Rolf Klein)
An dieser Stelle möchten wir nur noch ein großes Dankeschön sagen: Allen Beringern und Beringungshelfern, allen Freunden und Förderern, allen Spendern und Geldgebern, allen Fürsprechern und Unterstützern des Projekts und allen, die egal wie im letzten Jahr zur Arbeit an der Station beigetragen haben. Ohne eure Unterstützung wäre dieses Projekt nicht möglich!

Namentlich seien hier der NABU Landesverband Saar e.V., der Ornithologische Beobachterring Saar e.V., SaarToto und das Zentrum für Biodokumentation genannt.

Im Namen der gesamten Beringungs-AG,

Sebastian Kiepsch

09.11.2015

Zwergammer - Saarländischer Drittnachweis

Hallo zusammen!

Diesjährige Zwergammer - Drittnachweis für das IKEA-Biotop und das Saarland
Früher als erwartet melden wir uns mit sehr erfreulichen Nachrichten: Eine Zwergammer konnte am Samstag, 07.11.2015, von uns gefangen und beringt werden. Dieser Fang stellt den dritten Nachweis der Art im Saarland dar. Auch Erst- und Zweitnachweis wurden im IKEA-Biotop durch Fang und Beringung erbracht (2001 bzw. 2011).

10.000 Neuberingungen 2015


Außerdem wurde am Samstag auch die magische Marke von 10.000 neu beringten Vögeln geknackt, was zuletzt 2010 gelang. Hinter dieser Zahl stecken unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden, lange Tage und kurze Nächte und vor allem der kontinuierliche und intensive Einsatz des gesamten Teams. An dieser Stelle sei daher schonmal ein vorgezogenes Dankeschön an alle Helfer für die erfolgreiche Saison erlaubt.


Zwergammer - ein kurzes Portrait

Zwerg- (l.) im Vergleich mit Rohrammer (r.)
Wie der Name schon andeutet, ist die Zwergammer ein kleiner Vertreter der Familie der Ammern. Sie ist in ihrer Größe vergleichbar mit kleineren Finken und damit deutlich kleiner als z.B. die Rohrammer (siehe Foto). Die Gesichtszeichnung unterscheidet sich ebenfalls deutlich von der vergleichbaren Art, mit rostbraunen Wangen und einem hellen Ohrfleck. Auch wirkt der Schwanz deutlich zierlicher und kürzer.

Die Zwergammer ist ein Brutvogel der
Deutsche Nachweise der Zwergammer 2011-2015
(Gezählt sind Meldungen, nicht Individuen)
Quelle: ornitho.de
arktischen Tundra, der in Nordrussland und dem nördlichen Skandinavien heimisch ist. Dort besiedelt sie gewässernahe Standorte mit holzigen Gebüschen, wo sie in Bodennähe ihr Nest baut. Wie die Rohrammer bevorzugt sie als Hauptnahrungsquelle Sämereien.

Im Winter ziehen Zwergammern aus den Brutgebieten entlang der Ostroute in ihr Winterquartier nach Indien, Südostasien und China. Dennoch werden jedes Jahr (ähnlich zum Gelbbrauen-Laubsänger) auch einzelne Individuen in Mitteleuropa festgestellt. Diese Irrflügler, die oft mit Rohrammern vergesellschaftet sind, werden aber vergleichsweise selten nachgewiesen (siehe Karte mit Nachweisen). Wie bei vielen fehlgeleiteten Zugvögeln fallen die meisten auf Inseln oder in Küstenregionen auf, wo sie an natürliche Zughindernisse stoßen. Nachweise im Binnenland sind umso seltener, die meisten davon werden durch systematische Beringung erbracht.



Schlusswort - Saisonende ???

Eigentlich gingen wir schon von einem baldigen Ende der Zugsaison aus und dann flattert noch so ein Highlight herein. Dennoch endet am 20.11. die systematische Herbszugerfassung. Danach wird die Beringung zwar nicht eingestellt, aber im Rahmen der Wintergasterfassung deutlich weniger intensiv durchgeführt. Ziel ist es dann, die anwesenden Wintergäste zu beringen, um im nächsten Jahr feststellen zu können, wem die Überwinterung gelang.Weitere 10.000 Vögel werden es dabei wohl nicht mehr werden, aber vielleicht erleben wir auch im Winter noch die eine oder andere Überraschung!

Im Namen des gesamten Teams der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

13.10.2015

Gelbbrauen-Laubsänger / Bericht zum ProRing Praxisseminar

Hallo zusammen!

Gelbbrauen-Laubsänger - Nach 2014 auch 2015 wieder gefangen und beringt!
Die wichtigste Nachricht kurz vorweggenommen: Uns gelang auch in diesem Jahr wieder der Fang eines Gelbbrauen-Laubsängers! Am Sonntag, 11.10. gegen 11:00 Uhr wurde ein Vertreter dieser Sibirischen Art inmitten einer Schilfzone gefangen. Nach den beiden Fängen vom 19.10. des vergangenen Jahres ist dies erst der 3. Nachweis der Art im IKEA-Biotop. Der kleine, nur ca. 7 Gramm schwere Vogel wurde im Beisein eines deutschlandweiten Praxisseminars des ProRing e.V. von unserem Team beringt und war natürlich das absolute Highlight des Tages.


Kurzbericht zum ProRing Praxisseminar 

Die Teilnehmer des ProRing Praxisseminars 2015
Zum ersten Mal überhaupt fand  ein ProRing Praxisseminar im Saarland statt, von 10.-11.10.2015 an der NABU Beringungsstation "Mittleres Saartal" nahe Saarlouis. Der zweitägige Workshop stand unter dem Motto "Fang, Alters- und Geschlechtsbestimmung von Kleinvögeln" und war mit insgesamt 10 Teilnehmern aus allen Teilen der Bundesrepublik auch sehr gut besucht. Unter ihnen waren sowohl alte Hasen der Beringung, aber auch angehende Beringer, die zum ersten Mal einen praktischen Einblick in Fang und Beringung gewinnen wollten - eben ein bunt gemischtes Publikum.


Beutelmeise, adultes Männchen
regelmäßiger Durchzügler im IKEA-Biotop
Im "IKEA-Biotop" wurden an beiden Tagen insgesamt 524 Vögel gefangen aus 28 Arten, darunter 475 Neuberingungen und 49 Kontrollfänge. Mit einem Gelbbrauen-Laubsänger war unter ihnen sogar eine deutschlandweite Seltenheit, sehr zur Freude aller Beteiligten. Als weitere Highlights sind noch zwei Eisvögel, eine Wasserralle und ganze 11 Beutelmeisen zu nennen.


Pierre Geller (am Tisch, l.) und Rolf Klein (am Tisch, r.)
zeigen Alters- und Geschlechtsbestimmung am Objekt
Samstag Mittag wurde zunächst die Unterkunft im ca. 15 km entfernten Naturfreundehaus Ludweiler bezogen, anschließend gab es eine kurze theoretische Einführung über das Biotop, die Station, die Arbeitsweise und auch einen kurzen Abriss über die Ergebnisse der ehrenamtlichen Beringungsarbeit. Danach ging es auch sofort zur Beringungsstation, wo neben einem mittäglichen Snack (Vielen Dank an dieser Stelle an IKEA!) auch bereits die ersten Vögel zur Beringung warteten. Unter der Anleitung der Stationsmitarbeiter wurden dann bis zum Einbruch der Dunkelheit in Kleingruppen Rundgänge durchgeführt, bei denen die Kursteilnehmer Erfahrungen beim Befreien der Vögel sammeln konnten. Bei der gemeinsamen Beringung wurde dann allerhand  Wissenswertes zu Geschlechts- und Altersbestimmung der gefangenen Arten gezeigt. Natürlich durften die Teilnehmer auch selbst Hand anlegen! Die Beringung im IKEA-Biotop steht Anfang Oktober auch im Zeichen der Rohrammern, welche zur nächtlichen Rast ins Gebiet einfallen. Immerhin 131 Stück konnten an beiden Tagen auch gefangen werden, darunter auch ein Exemplar mit spanischem Ring. Neben der Ornithologie gab es Samstag Abend auch einen kulinarischen Exkurs mit einem gemeinsamen "Schwenken" - der saarländischen Variante des Grillens. Währenddessen bestand auch die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch untereinander.

Interessant für die Experten:
Der Gelbbrauen-Laubsänger zeigte eine Mausergrenze, was ein
Indiz für einen Jungvogel ist. Das innerste Paar Steuerfedern
hatte eine dunklere Grundfärbung und dichtere Federstruktur
Auch war die Schnabelbasis noch sehr frisch und zeigte Reste
der Schnabelwulst, welche bei Jungvögeln auftritt.
Sonntag morgens ging es bereits früh los, denn insbesondere kurz nach Sonnenaufgang ist das Aufkommen an Fänglingen besonders hoch. Nach einer Nacht mit milden Temperaturen und Nordostwind gab es zum ersten Rundgang auch alle Hände voll zu tun, insbesondere Rotkehlchen (>100 Exemplare !) und Mönchsgrasmücken waren zahlreich. Gegen 11:00 Uhr dann gab es den herausragendsten Fang des Wochenendes: Ein Gelbbrauen-Laubsänger, der bereits dritte für das IKEA-Biotop, wurde inmitten des Schilfgebiets gefangen. Nach dieser angenehmen Überraschung lief der Workshop entspannt aus mit einem gemeinsamen Mittagessen.

Auch eine Wasserralle konnte gefangen werden
Hier zeigt Sebastian Kiepsch (l.) die Geschlechtsbestimmung
An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an alle Teilnehmer für die lockere, sehr angenehme und freundliche Atmosphäre und die interessanten Gespräche. Über euer Feedback zum Seminar würden wir uns sehr freuen (Was war gut/schlecht? Was hättet ihr euch noch gewünscht?). Ansonsten hoffen wir, auch im nächsten Jahr wieder ein Seminar bei uns anbieten zu können.


ProRing? Praxisseminar?

ProRing e.V. ist ein deutschlandweiter Verein der Freunde und Förderer der Vogelberingung, dem auch einige Mitarbeiter der Beringungsstation "Mittleres Saartal" angehören. Der Verein bietet Beringern, Beringungshelfern und Interessierten an der wissenschaftlichen Vogelberingung eine Plattform zum Lernen, zum Erfahrungsaustausch und einfach auch zum gegenseitigen Kennenlernen. Im Rahmen der Vereinstätigkeit werden neben Fachtagungen jedes Jahr auch mehrere so genannte "Praxisseminare" organisiert, bei denen die Teilnehmer einen bestimmten Teilbereich der Vogelberingung unter Anleitung von Experten erlernen können. Wer mehr über den Verein und seine Arbeit erfahren möchte sei an www.proring.de verwiesen.


Schlusswort - Brutzeitbericht kommt bald!
 
Damit wollen wir vorerst auch schließen. Bald folgt der schon beim letzten Mal versprochene Bericht zur Brutzeiterfassung, bis dahin gibt es aber noch einiges zu beringen im IKEA-Biotop, denn die planmäßige Herbstzugerfassung läuft noch bis 20. November. Wir hoffen natürlich noch auf die eine oder andere Überraschung!

Im Namen des gesamten Teams der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch


20.10.2014

Gelbbrauen-Laubsänger - jetzt auch im IKEA-Biotop

Hallo zusammen!

Gelbbrauen-Laubsänger (Phylloscopus inornatus)
Eines von 2 beringten Ex. am 19.10.2014 im IKEA-Biotop.
Erster Nachweis dieser Art für das Biotop!
2014 scheint das Jahr der Seltenheiten zu werden. Nach dem Fang des Gelbbrauen-Laubsängers auf unserer Vergleichsfläche "Kleins Garten" in Biringen konnte diese Art nun auch endlich im IKEA-Biotop gefangen und beringt werden, und das gleich ZWEIMAL an einem Tag (13:00 Uhr bzw. 17:30 Uhr). Der Gelbbrauen-Laubsänger ist damit die 112. von uns im IKEA-Biotop beringte Art und die 173. Art, die für das Gebiet insgesamt nachgewiesen ist.



Selten / häufig - was denn jetzt?

Aktuelle Verbreitung der Meldungen von
Gelbbrauen-LS in Deutschland für 2014
(Quelle: ornitho.de)
So schnell kann's gehen. Da wartet man über 5 Jahre auf den ersten Fang dieser Art und dann plötzlich sind es 3 Fänge in 3 Wochen. Dies zeigt, dass eine unserer Vermutungen sich zu bewahrheiten scheint: Der Gelbbrauen-Laubsänger ist im Saarland viel häufiger, als es den Anschein hat. Einzig der Nachweis der Art scheint schwer zu fallen.
Im Feld sind die kleinen Gelbbrauen-LS  sehr unscheinbar: Sie suchen in Büschen und Bäumen nach Nahrung (Insekten) und bewegen sich sehr flink. Im Verhalten unterscheiden sie sich kaum von Zilpzalp, Fitis und den ca. 10 ähnlichen seltenen Laubsängerarten, die es von den Gelbbrauen-LS zu unterscheiden gilt. Man muss einen Laubsänger schon unter ziemlich guten Bedingungen sehen, damit man diese Art zweifelsfrei erkennen kann. Die beste Möglichkeit der Identifikation bieten wohl die charakteristischen Rufe, die auch im Herbst zu hören sind.



Seltenheiten im Doppelpack - alles schon gesehen!

Lothar Hayo mit den 2 am 10.08.2010 gefangenen
Seggenrohrsängern (Acrocephalus paludicola)
Dass seltene Vogelarten auch mehrfach auftreten können hatte unser Team schon einmal so erlebt, als am 10.08.2010 auf einem Rundgang 2 Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) an unterschiedlichen Stellen im Netz hingen. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt dass Vogelarten die bei Nacht ziehen (zu denen auch Seggenrohrsänger und Gelbbrauen-LS gehören) nach momentanem Kenntnisstand einzeln und nicht wie viele tagziehende Vogelarten in Trupps unterwegs sind. Gerade im Fall der Gelbbrauen-LS sind aber Ansammlungen von mehreren Individuen bis hin zu einigen zig Individuen aus den Küstenregionen von Nord- und Ostsee bekannt. Insbesondere im letzten Jahr gab es auf Helgoland einen massiven Einflug dieser Art mit über 50 Exemplaren an einem Tag (Quelle: ornitho.de)! Warum also nicht auch mal zwei im Binnenland?


Und jetzt?

Na weitermachen natürlich! Wir haben noch einige Arten auf der Liste, die auch so spät im Jahr noch potentiell auftreten können. Vielleicht können wir uns nächste Woche schon mit der nächsten Sensation melden, man weiß ja nie!

Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch

30.09.2014

Gelbbrauen-Laubsänger - Erstnachweis (?) für das Saarland

Hallo zusammen!

Diesjähriger Gelbbrauen-Laubsänger (Phylloscopus inornatus)
Erstnachweis mit Fragezeichen, aber in jedem Fall ein absolutes Highlight!

Wenn's läuft, dann läuft's! Das gilt in diesem Jahr auch für die Beringung im Saarland. Nachdem der Fang der Sperbergrasmücke (Silvia nisoria) nun gerade mal 9 Tage zurück liegt, folgte mit einem Gelbbrauen-Laubsänger (Phylloscopus inornatus) am gestrigen Montag (29.09.2014) direkt die nächste Seltenheit!

 
Darf ich vorstellen - Gelbbrauen-Laubsänger

Kleiner Vogel - großes Interesse!
(v.l.n.r: Sebastian Kiepsch, Rudi Reiter, Lothar Hayo,
Fabian Feß, Rolf Klein, Robin Speicher, Pierre Geller)

Der gerade mal ca. 10 cm lange und etwa 7 Gramm schwere Gelbbrauen-Laubsänger ist Brutvogel im Norden Russlands bis Sibirien und überwintert in Südostasien, Trotz dieser Artbeschreibung gibt es jährlich zahlreiche Nachweise aus Nord- und Mitteleuropa, vor allem auf den Inseln in Nord- und Ostsee sowie im Küstenbereich. Mitunter tritt dieser Vertreter der Laubsänger-Gattung auch weiter im Binnenland auf, so unter anderem 2012 in Luxemburg.

Seit Jahren wird bereits diskutiert, ob ein Teil der Population auch neue Winterquartiere im Westen Afrikas erschlossen hat, bislang kann dies noch nicht durch Ringfunde bestätigt werden. Ein von der Zentrale Helgoland beringter Gelbbrauen-LS wurde im letzten Winter auf den kanarischen Insen wiederentdeckt, was diese Diskussion erneut angefacht hatte! Es ist auf jeden Fall eine sehr aktuelle Fragestellung der wissenschaftlichen Ornithologie, zu deren Aufklärung die Beringung eine entscheidende Rolle spielt.


Fang mit Ansage - aber an neuer Örtlichkeit!


Beringungsstation Klein's Garten - Ein Streuobstbestand mit
Hecken und einigen Nadelbäumen (hier nicht im Bild)
Da hatten wir ja ganz gut orakelt! Im letzten Post wurde er noch als heißer Kandidat für die Beringung gehandelt, jetzt gelingt der Fang. Auch hier gilt aber wieder: Über 50.000 Vögel wurden in den letzten 10 Jahren im Saarland gefangen - ohne einen Gelbbrauen-Laubsänger Es steckt also ein gewaltiger Arbeitsaufwand hinter dem Nachweis, der ohne den kontinuierlichen Einsatz vieler Helfer so nicht möglich wäre.

Ein Gruß an dieser Stelle auch an die Tagungsteilnehmer des Proring-Seminars in Dessau! Dort hatten wir am vergangenen Wochenende neben zahlreichen interessanten Vorträgen auch viele nette Beringer aus anderen Teilen der Republik kennen gelernt. Oft kamen wir auch auf seltene Arten zu sprechen und stets sagten wir, dass unser nächster Fang ein Gebbrauen-LS wird. Falls ihr uns also die Daumen gedrückt habt - es hat sofort genutzt!

Im Gegensatz zur Sperbergrasmücke wurde dieser Vogel aber nicht im IKEA-Biotop gefangen, sondern auf einer Vergleichsfläche ("Klein's Garten") in Biringen (Gemeinde Rehlingen-Siersburg). Gelbbrauen-Laubsänger sind in den Rastgebieren gerne mit Wintergoldhähnchen (Regulus regulus) vergesellschaftet - einer Art, die im IKEA-Biotop nur äußerst selten gefangen wird. Da sieht es in Klein's Garten durch einige Nadelbäume etwas anders aus.


Klein's Garten - was ist das?

Fast das Tageshighlight gestern - Steinkauz (Athene noctua)
Ebenfalls gefangen in Klein's Garten
Seit Ende 2013 betreiben wir eine kleine Beringungsaktion auf einer Streuobstwiese, die zum Grundstück von Rolf Klein gehört. Die Idee zur Beringung auf dieser Fläche kam während des letzten Herbstzugs: Wind und Wetter beeinflussen den Vogelzug extrem. Wenn sich in den Niederungen des Saartals herbstlicher Nebel breit macht, sind die höheren Lagen für durchziehende Vögel attraktiver - so lautet unsere Hypothese. Um diese zu testen, wurde eine Vergleichsfläche zum IKEA-Biotop erschlossen, nur mit deutlich weniger Netzen. Desweiteren soll auf dieser Fläche eine jährliche Wintergasterfassung zur Ermittlung der Standorttreue von Wintervögeln durchgeführt werden.
Aktuell läuft ein Probejahr der Beringung vor Ort, im nächsten Jahr soll die Erfassung dann in systematischer Art und Weise ablaufen. Angesichts dieser Ergebnisse sind wir sehr gespannt!


Wirklich Erstnachweis?

Verbreitung des Gelbbrauen-LS seit 01.08.2014
So weit im Binnenland war bislang noch keiner!
(Quelle: ornitho.de)
Für uns eindeutig: JA!

Schaut man aber in die Literatur, so findet man für das Saarland einen Nachweis des Gelbbrauen-Laubsängers aus dem Dezember 1963, als ein Exemplar angeblich an einem Futterhaus in einem Auwald beobachtet wurde (Anm. 07.10.: Nach Durchsicht der alten Mitteilungen von 1963 war die Beobachtung nicht an einer Futterstelle). Der Nachweis wurde damals durch eine Komission bearbeitet und bestätigt, jedoch ohne jegliche Dokumentation durch Bilder, Tonaufnahmen oder ähnliches.
Zur damaligen Zeit war das Wissen über diese Art aber noch wesentlich geringer und die Nachweisquote in Mitteleuropa auch deutlich seltener. Heute ist bekannt, dass der Gelbbrauen-Laubsänger ein "Durchzugsfenster" von Ende September bis Ende Oktober aufweist und Nachweise außerhalb dieser Zeit höchst unwahrscheinlich sind. Außerdem tritt die Art praktisch nie an Futterstellen mit Körner-/Fettfutter auf, sondern ähnlich den hierzulande überwinternden Zilpzalpen an Orten, wo sie auch im Winter Insekten finden.
Unabhängig von unserem Fang bedarf es der kritischen Beurteilung von Erstnachweisen durch die saarländische Seltenheitenkomission (AKSL) - nicht nur für diese Art! Das Wissen in den letzten Jahrzehnten hat sich für zahlreiche Arten enorm weiterentwickelt, daher sollte man alte Dokumentationen umso genauer unter die Lupe nehmen.



So kann es jedenfalls weitergehen, von unserer Seite steht ein langes Wochenende mit etwas Zeit zum Beringen an - mal schauen, welche Seltenheit sich als nächstes zu uns verfliegt!



Viele Grüße im Namen des gesamten Beringungs-Teams,
Sebastian Kiepsch