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07.08.2019

Einladung zum Tag der offenen Tür 2019

Das Team der NABU-Beringungsstation lädt alle Interessierten herzlich ein zu unserem 9. Tag der offenen Tür:

Am Samstag, den 31.08.2019, von 08:30 Uhr bis 16:00 Uhr,
an der NABU-Beringungsstation „Mittleres Saartal“, 
Im Hader, Saarlouis-Lisdorf
hinter dem IKEA-Komplex, an der Lieferantenzufahrt. Parkmöglichkeiten bestehen vor Ort bzw. auf den IKEA-Parkplätzen (Link für Routenplaner)

Im Rahmen unseres Tags der offenen Tür bieten wir alljährlich der breiten Bevölkerung einen Blick hinter die Kulissen der Beringungsstation.

Beim Tag der offenen Tür 2018 beringter Kernbeißer (Bild T.Hoffmeister)


Programm:
08:30 Uhr - "Early-Bird"-Beringungsvorführung für Frühaufsteher mit verschiedensten Vögeln aus nächster Nähe (Dauer ca. 1-1,5 Stunden)
Je früher der Morgen, desto größer die Aktivität und Artenvielfalt im IKEA-Biotop. Wer die frühe Phase des Tages mal selbst miterleben und dem Team bei seiner Arbeit über die Schulter schauen möchte, sei herzlich zu einer Vorführung vor dem offiziellen Start eingeladen. Natürlich gibt es auch zahlreiche Vögel zu sehen (und zu fotografieren)!

10:00 Uhr - Offizielle Eröffnung mit großer Beringungsvorführung (Dauer ca. 1 Stunde)
Seit mittlerweile 10 Jahren gibt es die Beringungsstation, jedes Jahr werden mehr als 10.000 Vögel gefangen und beringt. Im Rahmen einer großen Beringungsvorführung möchten wir die Arbeit rund um Fang, Beringung und Datenerfassung vorstellen, die Geschichte des Biotops und der Station Revue passieren lassen und auch erste Ergebnisse der Arbeit präsentieren. Natürlich werden auch viele Vögel zu sehen sein!

Ab 12:00 Uhr - Stündliche Kurzvorführungen mit Vögeln aus nächster Nähe (Dauer ca. 30 Minuten)
An der Station wird zur Herbstzugzeit von Ende Juli bis November nach Möglichkeit jeden Tag von Sonnenauf- bis -untergang beringt. Alle Besucher haben die Möglichkeit, die Beringung der Vögel live mitzuerleben, die bei den stündlichen Rundgängen von den Beringungshelfern aus den Netzen befreit werden. Dabei ist auch Gelegenheit, verschiedene Vogelarten aus nächster Nähe zu sehen und zu fotografieren.

Zwischen den Vorführungen - Führungen mit Kleinstgruppen in das IKEA-Biotop (Teilnehmerzahl stark begrenzt, festes Schuhwerk nötig!)
Normalerweise ist das IKEA-Biotop zum Schutz der sensiblen Tier- und Pflanzenwelt nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Zum diesjährigen Tag der offenen Tür möchten wir der Bevölkerung die Chance bieten, das Gebiet auch bei einem kurzen Rundgang mal aus der Nähe kennenzulernen. Unter fachkundiger Führung in Kleingruppen erfahren Sie alles Wissenswerte zu Lebensräumen, typischen Arten (auch außerhalb der Vogelwelt) und der einzigartigen Lage des Biotops inmitten des städtischen Umfelds. Interessierte werden gebeten, festes Schuhwerk mitzubringen. Die Teilnehmerzahl ist auf maximal 20 Personen beschränkt, gutes Wetter vorbehalten.

Gegen 16:00 Uhr - Ende

Auch außerhalb der Vorführungen und Exkursion steht ihnen unser Team natürlich gerne Rede und Antwort.

Eintritt und die Teilnahme an Vorführungen und Exkursionen sind natürlich kostenlos. Für das leibliche Wohl ist auch wie immer gut gesorgt!


Wir hoffen auf zahlreiche Besucher, gutes Wetter und natürlich auch spannende Fänge.

Über Ihr Kommen würden wir uns sehr freuen!


Im Namen der gesamten Beringungs-AG,
Thorin Hoffmeister

20.04.2015

Das war 2014 - ein Rückblick

Hallo zusammen!

Sperbergrasmücke, Jungvogel - Saarländischer Erstnachweis 2014

Mit Superlativen sollte man ja bekanntermaßen immer vorsichtig sein, aber das vergangene Jahr 2014 war für die Beringung im Saarland eines der spannendsten Jahre seit Beginn der systematischen Beringungstätigkeit.Wir möchten daher kurz Bilanz ziehen und die interessantesten Entwicklungen und Fänge vorstellen.


2014 - Das war Masse UND Klasse!
Bartmeise, Männchen - zuletzt 2010 gefangen
Mit dem Beginn der Vergleichsdatenerfassung in "Klein's Garten" in Biringen und der durchgehenden und intensiven Erfassung im IKEA-Biotop lagen die Beringungszahlen im vergangenen Jahr über 12.000 Individuen - so viele Vögel wurden von unserem Team in einem Jahr noch nie beringt. Speziell im IKEA-Biotop gab es 2014 drei der zehn fangstärksten Beringungstage aller Zeiten, darunter den stärksten jemals registrierten Tag mit 510 Gesamtfängen!


Masse und Klasse schließen sich dabei auch nicht gegenseitig aus: An beiden Fangplätzen gab es extrem artenreiche Jahre. In Klein's Garten gab es insgesamt 55 Arten, ein mehr als beachtliches Ergebnis! Im IKEA-Biotop wurden 80 verschiedene Arten beringt - nur das Jahr 2010, in dem beinahe durchgehend erfasst wurde, übertrifft mit 86 Arten dieses Ergebnis. Zählt man beide Standorte zusammen, wurde diese Bestmarke sogar mit exakt 90 Arten übertroffen.

Besonders erfreulich waren natürlich auch die großen Highlights 2014, mit der Sperbergrasmücke  und den gleich 3 Gelbbrauen-Laubsängern. Daneben gab es mit einem Sprosser auch noch einen unerwarteten Zweitnachweis für das Saarland mitten in der Brutzeit und das größte Aufkommen an Zwergdommeln im IKEA-Biotop.

Steinkauz - gefangen in "Klein's Garten"
Darüber hinaus gab es auch einige Arten, die nicht jedes Jahr gefangen werden, z.B. 5 Bartmeisen und einen Kuckuck. Speziell erstgenannte Art konnte im Saarland zuletzt 2010 nachgewiesen werden, ebenfalls durch Beringung im IKEA-Biotop.

Am Standort "Klein's Garten" ging neben dem Gelbbrauen-Laubsänger auch ein Steinkauz in die Netze, sowie zahlreiche Arten, die im IKEA-Biotop fehlen, z.B. zahlreiche Wacholder- und Misteldrosseln und gleich 3 Mittelspechte.



Häufige Arten - So häufig wie nie zuvor!

2014 war das erste Jahr seit Beginn der Erfassung, in dem die vier häufigsten Arten des IKEA-Biotops (Teichrohrsänger, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen, Rohrammer) allesamt über 1000 Neuberingungen verzeichnen konnten. Neben der intensiven Erfassung ist aus unserer Sicht dabei vor allem auch die herausragende Brutsaison 2014 ein Faktor.

Rohrammer, Männchen
Insbesondere bei den Rohrammern kam in den vergangenen Jahren die Frage auf, ob diese aufgrund von Biotopsveränderungen seltener im IKEA-Biotop rasten. Diese Frage können wir nun mit "Nein" beantworten. Gerade der abfallende Trend in den Fangzahlen von 2009-2013 ist durch die Ergebnisse der letzten Fangperiode gebrochen. Wie schon im letzten Jahr vermutet, ist also wahrscheinlich die zeitliche Abdeckung des Rohrammerzuges das Problem: Der Hauptdurchzug der Rohrammern erstreckt sich von 01.-25. Oktober. Dies ist verglichen mit den anderen häufigen Arten das schmalste zeitliche Zugfenster. An jedem Fangtag in dieser Periode können potentiell große Zahlen an Rohrammern auftreten, teilweise über 100 Individuen pro Tag. Wenn gerade dann aus zeitlichen Gründen oder wegen der Wetterbedingungen die Beringung ausfällt, schlägt sich das unmittelbar auf die Fangzahlen nieder. Genau dieses methodische Problem bewirkte auch den "Pseudo-Trend" 2009-2013.

Vermutliche östliche Klappergrasmücke
Neben der Zeichnung der Schwanzfedern sprechen auch
Gesamteindruck, Flügelform und Augenfarbe gegen die
normalerweise in Mitteleuropa brütende Unterart curruca
Neben den Top-4 sind es vor allem die anderen Grasmücken, die 2014 auffallen. Wie schon im Herbst 2013 gibt es erneut Jahreshöchstzahlen bei Dorn-, Garten- und Klappergrasmücke zu vermelden. Insbesondere die Klappergrasmücke konnte im IKEA-Biotop fast doppelt so oft gefangen werden wie im Vorjahr. Diese Arten gehören auch zum häufigen Artenspektrum der Vergleichsfläche "Klein's Garten". Eine der dort gefangenen Klappergrasmücken war dabei besonders interessant: Aufgrund des optischen Eindrucks liegt die Vermutung nahe, dass sie einer der östlichen Unterarten (Südrussland) angehört. Die Bestimmung ist dabei ein großes Problem, auch wegen der Variabilität und eventueller Vermischung zwischen den Unterarten. Anhand einer entnommenen Federprobe soll jetzt mittels genetischer Untersuchung festgestellt werden, ob unser Verdacht hier richtig ist.


Mittelhäufige Arten - Stabiler Trend


Schilfrohrsänger - Eine von wenigen Arten, die 2014 einen
negativen Trend zeigten
Bei vielen mittelhäufigen Arten (z.B. Nachtigall, Beutelmeise, Orpheusspötter, ...) liegt 2014 auf dem Niveau der Vorjahre, mit teilweise sehr geringen Abweichungen in beide Richtungen. Aus zeitlicher Sicht konnte auch keine signifikante Abweichung des Zugs dieser Arten gegenüber dem langjährigen Mittel festgestellt werden.

Eine einzige Art (der Schilfrohrsänger) zeigt deutlich geringere Fangzahlen, jedoch sind hier in den Vorjahren schon immer starke Schwankungen aufgetreten, so dass man diesen Effekt nicht überbewerten sollte.


Eisvogel, Weibchen - Rekordjahr 2014
Eine sehr positive Entwicklung gab es 2014 bei den Eisvögeln. Mit 55 beringten Exemplaren wurde ein neues Jahres-Allzeithoch festgestellt (zuvor 27 Ex. 2013). Zeitweise konnten bis zu 7 Eisvögel an einem Tag gefangen werden, was für das Nahrungsangebot im Gebiet spricht.

Interessant ist auch der Fang von gleich 2 Individuen mit fremden Ringen (beide Vogelwarte Helgoland). Wir sind gespannt, aus welchem Teil des Einzugsgebiets (ganz NW-Deutschland bis Hessen) diese stammen.

Dass Eisvögel auch längere Zugstrecken überwinden können, zeigte ein Wiederfund eines von uns beringten Eisvogel-Weibchens, das in Nordspanien von anderen Beringern erneut gefangen wurde. Ebenfalls konnte schon ein in Thüringen beringter Eisvogel im IKEA-Biotop wiedergefangen werden.
 
Rotdrossel - Hübscher Beifang zu den Feldlerchen
Der seit 2012 durchgeführte Feldlerchenfang verlief 2014 äußerst erfolgreich, mit insgesamt 133 Fängen an beiden Standorten. Zum ersten Mal wurde damit die magische Marke von 100 Gesamtfängen geknackt. Klein's Garten hat sich dabei allerdings als wenig geeignet herausgestellt, mit gerade einmal 4 Fängen bei mehreren Aktionen. Interessant war dabei auch der nächtliche Fang einer Rotdrossel im IKEA-Biotop, die wohl mit den Feldlerchen unterwegs war.

Kernbeißer, Weibchen - Nur einer dieser typischen Wintergäste
ging 2014 im IKEA-Biotop in die Netze
Die späten Durchzügler (Heckenbraunelle, Zaunkönig, Amsel, Blau- und Kohlmeise), welche in der Vergangenheit schon mehrmals durch invasionsartige Ansammlungen aufgefallen sind, waren letztes Jahr allesamt nur durchschnittlich vertreten. Dies repräsentiert ganz gut den Wetterverlauf im Spätherbst 2014, der sehr mild ausfiel und nur wenige Frostnächte brachte, so dass viele Kurzstreckenzieher bereits nördlich des Saarlands ihr Winterquartier bezogen. Dadurch waren auch typische Wintergäste nur selten oder gar nicht aufgetreten: Gerade mal 1 Kernbeißer und 6 Erlenzeisige konnten im Herbst gefangen werden, Birkenzeisige und Bergfinken sind (zumindest im IKEA-Biotop) ganz ausgeblieben.


Seltene Arten - Erstnachweise, Zweitnachweise und mehr! 

Gelbbrauen-Laubsänger - Nicht 1, nicht 2, gleich 3 beringte
Exemplare dieser bundesweit seltenen Art gab es 2014
an beiden Fangstandorten.
Dass 2014 für uns auch das Jahr der großen Sensationen war, konnte man ja schon den letzten 3 Posts entnehmen.

Die Sensation 2014 war der nunmehr 5. Saarländische Erstnachweis an der Beringungsstation mit der Sperbergrasmücke. Sie war eine Art, die seit Beginn der systematischen Beringung unter den heißen Kandidaten vermutet und nun endlich nachgewiesen werden konnte - ein enormer Erfolg für das ganze Team!
 
Am "grünen Tisch" wird wohl über einen weiteren vermeintlichen Erstnachweis für das Saarland diskutiert werden müssen: Gleich 3 (!!!) Gelbbrauen-Laubsänger waren 2014 unter den Fänglingen. Den Anfang machte ein Fang in "Klein's Garten" am 29.09., was eigentlich schon Grund genug zur Freude ist. Aber das Team IKEA konnte knapp 3 Wochen später mit gleich 2 Fängen an einem Tag nachlegen. Im Saarland gab es vorher einen (aus unserer Sicht) zweifelhaften Nachweis aus den 60er Jahren, der vor allem zeitlich vollkommen aus dem Rahmen fällt. Zur damaligen Zeit war aber noch extrem wenig über diese in Mitteleuropa selten auftretende Art bekannt, so dass der Nachweis akzeptiert wurde. Wahrscheinlich muss die Avifaunistische Kommission des Saarlandes (AKSL), welche die zuständige wissenschaftliche Instanz ist, diesen Fall erneut aufrollen. Bis dahin werden wir unsere Fänge selbstverständlich als Zweit-, Dritt- und Viertnachweis führen.


Sprosser, Weibchen - Saarländischer Zweitnachweis,
mit Brutfleck und in aktiver Handschwingen-Mauser
Ein definitiver Zweitnachweis gelang uns schon in der Brutzeit mit einem Sprosser, dem östlichen Verwandten der Nachtigall. Gerade die bizarren Umstände dieses Fangs machen ihn aber umso interessanter: Ein adultes Weibchen ging mitten in der Brutzeit ins Netz. Es waren noch Reste des sogenannten "Brutflecks" zu erkennen, einer kahlen Stelle am Bauch, an denen brütende Vögel sich Federn ausrupfen, um das Gelege besser wärmen zu können. Außerdem führte der Vogel eine Großgefiedermauser durch, es fehlten zahlreiche Schwingen im Handflügel, sowie der komplette Schwanz, die Flugfähigkeit war dadurch erheblich eingeschränkt. Soweit wäre das nicht unbedingt überraschend, wäre nicht das Brutgebiet ca. 600 km Luftlinie entfernt. Aus unserer Sicht sind 2 Szenarien denkbar: Entweder es gab eine Brutaufgabe im angestammten Gebiet und der Vogel ist von dort abgewandert und begann anderenorts die Mauser; oder es gab in der Umgebung des Biotops eine (missglückte) Mischbrut von Nachtigall und Sprosser. Was zutrifft, lässt sich (noch) nicht abschließend klären. Da Brutvögel aber dazu neigen, einen angestammten Brutplatz im nächsten Jahr wieder aufzusuchen, sind wir gespannt ob wir 2015 vielleicht den beringten Sprosser erneut fangen.


Zwergdommel, Jungvogel - 1 von 4 Exemplaren 2014
in arttypischer Schreckhaltung ("Pfahlstellung")
Gegenüber diesen extremen Ausnahmeerscheinungen sind die anderen Seltenheiten fast zur Nebensächlichkeit verkommen. Sicherlich nicht verdient haben das aber die vier (!!) juvenilen Zwergdommeln, welche im August und September 2014 im IKEA-Biotop beringt werden konnten. Diese Anzahl stellt nicht nur einen Jahresrekord dar, sondern übertrifft auch die Summe aller zuvor beringten Zwergdommeln (3) im Gebiet. Dies zeigt unmittelbar, dass auch nicht im Gebiet brütende Vogelarten enorm von der Fläche profitieren. Der Aufwärtstrend bei der Zwergdommel lässt auch auf eine mittelfristige Ansiedelung hoffen.


Schlusswort - Das bringt 2015

Schönes Wetter beim vorletzten Tag der offenen Tür 2012,
hoffentlich auch wieder 2015!
Das kommende Jahr wird kein einfaches Jahr an der Beringungsstation sein. Die Intensität der Beringung, wie sie 2014 vorherrschte, wird in dieser Form nicht mehr durchführbar sein. Der größte Segen 2014 wird in Zukunft auch der größte Fluch sein: Hohe Fangzahlen erfordern mehr Beringungshelfer. An Spitzentagen müssen durchgehend mindestens 4 gut ausgebildete Personen vor Ort sein, um das Aufkommen an Vögeln zu bewältigen. Die große Frage steht im Raum, wie man wissenschaftliche Erfassung mit kleinerem Aufwand betreiben kann oder wie man weitere Leute für diese Art der ehrenamtlichen Tätigkeit im wissenschaftlichen Naturschutz motivieren kann.


Nicht zuletzt deshalb wird es 2015 nach dem Ausfall im letzten Jahr wieder einen Tag der offenen Tür geben. Ziel ist es, das Projekt der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Doch auch aus dem Kreis der Beringer und der Aktiven im Naturschutz möchten wir deutschlandweit zur Mitarbeit aufrufen: Wer sich dafür interessiert, an der Station ehrenamtlich auszuhelfen (1 Tag, 1 Wochenende, 1 Woche, ...) sollte nicht zögern und uns kontaktieren. Wir würden uns freuen, insbesondere andere Beringer begrüßen zu können.


Wir hoffen jedenfalls auf ein spannendes und artenreiches 2015!

Im Namen der Beringungs-AG,
Sebastian Kiepsch

16.04.2013

2013 - Was bisher geschah...

Hallo zusammen!

Waldohreule (Asio otus), Männchen - Die 109. von uns beringte Art!
Auch 2013 wird an der Beringungsstation natürlich wieder so gut es geht das Geschehen der Vogelwelt überwacht und die Wintergasterfassung sowie die erste Hälfte der Frühjahrszugerfassung sind bereits Geschichte.


Wintergasterfassung - Wenig Zeit, viele Finken
 
Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes), Männchen.
Diese Art wurde 2012 in Rekordzahl beringt
Über den Jahreswechsel 2012/13 wurde leider nur sporadisch beringt, zum einen wegen der kalten Witterung, zum anderen aber auch wegen Zeitmangels.
Was bei den wenigen Terminen jedoch deutlich wurde: Die typischen Wintergäste waren auch in diesem Jahr wieder anwesend, vor allem die Finken: Erlenzeisige (Carduelis spinus),  Buchfinken (Fringilla coelebs) und allen voran die Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) erreichten gute Fangzahlen.


Von Zugstau und Kälteflucht - der Frühjahrsanfang aus ornithologischer Sicht

Dieses schöne Wetter ließ lange auf sich warten...
Vor allem der Beginn des Frühjahrszugs ist in diesem aus meteorologischer Sicht herausragenden Jahr auch ornithologisch überaus interessant verlaufen: Die lange Kälte- und Frostperiode mit Nordostwind bis in den April zwang zahlreiche Vögel auf ihrem Zug zu einer mitunter mehrere Wochen andauernden Rast in Gebieten, die normalerweise schnell überflogen werden. Dieses als Zugstau bekannte Phänomen wurde allerorts durch große Ansammlungen Sing-, Rot- und Wacholderdrosseln (Turdus philomelos, T. iliacus, T. pilaris) sowie Kiebitzen (Vanellus vanellus) sichtbar, unter die sich die sonst im Saarland seltenen Goldregenpfeifer (Pluvialis apricaria) in enormer Häufigkeit gemischt hatten. Wieder andere Arten wie z.B. Kraniche (Grus grus) und Rotmilane (Milvus milvus) kehrten sogar ihre Zugrichtung um und flogen in Richtung Süden zurück, was als "Kälteflucht" bezeichnet wird.


Blaukehlchen und Laubsänger - Massenrast!

Blaukehlchen (Luscinia svecica), Männchen.
Während die Ereignisse unter den Großvögeln von Ornithologen saarlandweit einfach zu verfolgen waren, spielten sich auch in der Kleinvogelwelt im Verborgenen ähnliche Szenen ab: Der Zugstau zeigte sich im IKEA-Biotop besonders bei den sonst eher seltenen Blaukehlchen (Luscinia svecica), von denen bislang 30 Exemplare beringt und ein Weibchen mit spanischem Ring gefangen werden konnten. Dies sind für den Frühjahrszug nie dagewesene Dimensionen, in den Vorjahren wurden lediglich einzelne Blaukehlchen im Frühling nachgewiesen.


Auch bei den häufigen Zilpzalpen (Phylloscopus collybita) war die Fangzahl stark erhöht, bisher konnten 316 Exemplare beringt werden, darunter ganze vier Vertreter der nordöstlichen Unterart abietinus. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr 2012 wurden insgesamt 224 Zilpzalpe gefangen. Bei ihrem nahen Verwandten, dem Fitis (Phylloscopus trochilus), zeigte sich ein ähnliches Ausmaß: Bisher 81 Fitisse 2013 gegenüber 39 Exemplaren 2012.

Fitis (Phylloscopus trochilus, l.) und Zilpzalp (Ph. collybita, r.) im Vergleich.
Der Fitis wirkt etwas heller, hat hellere Beine und einen definierten Überaugenstreif.


Alle Vögel sind schon da...

Feldschwirl (Locustella naevia)
mit den für die Familie der Schwirle
typischen, langen Unterschwanzfedern.
So lange die Phase des Zugstaus auch dauerte, so schnell war sie vorüber. Bereits mehrere Feldschwirle (Locustella naevia) wurden gefangen, der früheste davon am 08. April - nach den in ornitho.de vorliegenden Daten wohl der Erstnachweis 2013 für Deutschland. Mit dem schönen Wetter der letzten Tage sind dann alle typischen Arten dieser Zugphase ins IKEA-Biotop zurückgekehrt: Drei Rohrsängerarten, Teich-, Schilf- und Drosselrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus, Acr. schoenobaenus, Acr. arundinaceus) konnten 2013 schon beringt werden, ebenso drei Vertreter der Grasmücken: Mönchs-, Dorn- und Klappergrasmücke (Sylvia atricapilla, S. communis, S. curruca) und mit Rauch- und Uferschwalbe (Hirundo rustica, Riparia riparia) auch schon zwei Schwalbenarten.


Highlights - Ein alter Bekannter und zwei neue Arten

Unter den herausragenden Fängen des noch jungen Jahres ist ein Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) zu nennen. Dieser "alte Bekannte" wurde zum ersten und einzigen Mal vor 14 Jahren, 1999, von Lothar Hayo im IKEA-Biotop beringt. Seitdem wird die Art zwar fast alljährlich beobachtet, aber ging nie wieder ins Netz - bis zu diesem Jahr.

Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) - Seit 1999 nicht mehr im Netz.
Mit dem Einflug der Goldregenpfeifer im März trieb es einen Vertreter seiner Art auch ins IKEA-Biotop, wo er einen Tag lang bei Schnee und Kälte rastete. Der Goldregenpfeifer ist damit die 168. Vogelart, die im IKEA-Biotop nachgewiesen werden konnte.

Ein Erstnachweis einer Art im Gebiet ist bereits bemerkenswert, zwei hingegen sind sensationell - zumal die zweite Art so gar nicht ins Biotop passt: Eine Waldohreule (Asio otus) konnte vollkommen überraschend gefangen und beringt werden. Es ist ungeklärt, woher das imposante Tier stammt oder ob es in der Nähe vielleicht sogar einen Brutplatz gibt, sicher ist nur, dass die Eule in den frühen Morgenstunden wohl bei der Jagd ins Netz ging. Sie ist damit die 169. Art des IKEA-Biotops und die 109., die von uns beringt wurde.


Mit diesen bisher überaus positiven Ergebnissen freuen wir uns auf das Beringungsjahr 2013, in dem hoffentlich noch weitere Überraschungen auf uns warten.


Im Namen des Teams der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

04.12.2011

Monatszusammenfassung November

Hallo an alle Leser!

In diesem Jahr seltener: Der Stieglitz (Carduelis carduelis) - auch Distelfink genannt
Nach dreieinhalb spannenden und erfolgreichen Monaten ist die Herbstzugberingung 2011 nun zu Ende gegangen. Der Monat November, der klimatisch durch die extreme Trockenheit und die milden Temperaturen in Erinnerung bleiben wird, konnte leider mit den letzten Monaten nicht ganz mithalten. Im Vergleich mit dem Jahr 2010 fällt der frühere Zugverlauf, der sich bereits in den Vormonaten andeutete, sehr ins Gewicht. Viele Arten, die im letzten Jahr noch stark auf dem Zug waren, z.B. Rotkehlchen (Erithacus rubecula), waren dieses Jahr deutlich seltener unterwegs. Andere Arten, die nur noch vereinzelt gefangen werden konnten, allen voran der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus), blieben 2011 gänzlich aus. Dennoch gelang uns der Fang einiger Arten, die ihren Zug bereits abgeschlossen haben sollten, so z.B. des Zilpzalps (Phylloscopus collybita). Für die Phänologie, also die wissenschaftliche Untersuchung des jahreszeitlichen Auftretens natürlicher Ereignisse, sind gerade diese Nachweise interessant.

Im letzten Jahr gefangen: Die Lachmöwe (Larus ridbundus)
ging vor allem bei starkem Nebel ins Netz
Sollte man in diesem Monat Highlights benennen, so wären es ohne Frage die große Zahl der noch ziehenden Beutelmeisen (Remiz pendulinus), die auf ein erfolgreiches Brutjahr 2011 hindeutet. Außerdem ging der späteste Eisvogel (Alcedo atthis) aller Zeiten in die Netze der Beringungsstation, neben einem Kontrollfang eines Altvogels am gleichen Tag. Speziell letzterer Fang könnte eventuell ein Hinweis auf ein neues Revier in der Nähe des Biotops sein. Wir sind gespannt, ob es weitere Funde dieses Individuums geben wird.

Der Bergfink (Fringilla montifringilla) (M links; W rechts)
konnte in diesem Jahr noch nicht beobachtet werden
Im letzten Jahr fiel vor allem der starke Einflug von Waldvögeln auf, allen voran Kohlmeisen (Parus major) und Blaumeisen (Parus caeruleus). Dieses Jahr blieb eine vergleichbare Migrationsbewegung aus, dies macht sich natürlich auch in den Fangzahlen der Waldarten bemerkbar. Die für Arten wie Erlenzeisig (Carduelis spinus), Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) und Bergfink (Fringilla montifringilla) typischen, invasionsartigen Einflüge sind in diesem Jahr wohl auch wegen der milden Temperaturen bislang noch nicht im Saarland vorgekommen. Speziell Bergfinken konnten im Biotopsumfeld auch noch nicht ziehend gesichtet werden. Doch es gibt auch eine Art, die stärker als im Vorjahreszeitraum vertreten war: Die Rotdrossel (Turdus iliacus). Diese Drosselart schaffte es zwar, an keinem Tag in die Netze zu gehen, aber an den Beringungstagen waren in der Morgendämmerung fast immer die typischen Rufe zu hören.

Hier die Statistik der Neuberingungen des Monats November:


Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch