Posts mit dem Label mönchsgrasmücke werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label mönchsgrasmücke werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

13.02.2016

Interessante Ringfundmeldungen

Hallo zusammen!


Das IKEA-Biotop und die Beringungsstation im Februar 2016
Der Winter ist traditionell die ruhigste Jahreszeit an der NABU Beringungsstation: Im Gegensatz zu den Hunderten Durchzüglern pro Tag, die zwischen August und Oktober das IKEA-Biotop zur Rast aufsuchen, herrscht von Dezember bis März eine fast ungewohnte Ruhe. Statt Gewusel im Schilf und Gesängen und Rufen aus allen Ecken des Gebiets sind kaum Vögel zu sehen und hören, mit Ausnahme einiger wenige Wintergäste, die zum Schlafen oder zur Suche nach der nun spärlichen Nahrung einfallen. Aus diesem Grund ist auch die Beringungstätigkeit im Winter auf wenige Aktionen beschränkt, bei denen es hauptsächlich um die Erfassung der einzelnen Individuen geht. Das Ziel ist es dabei, die standorttreuen Überwinterer genauer zu studieren.
Der Winter ist aber auch eine Zeit der Auswertung und Analyse der Daten des Vorjahres. Einen Einblick in diese Tätigkeit haben wir ja bereits bezüglich der Brutzeiterfassung gegeben, ein weiteres sehr interessantes Feld soll Thema dieses Beitrags sein: Ringfundmeldungen


Hintergrund: Koordination durch Beringungszentralen

Eines der großen Ziele der Vogelberingung ist es, über Wiederfunde beringter Vögel das Wissen über Zugbewegungen, Ökologie und Verhaltensmuster zu erweitern. Die NABU-Beringungsstation ist zu diesem Zweck eingegliedert in ein grenzüberschreitendes Netz von Vogelberingungszentralen und dabei der Vogelwarte Radolfzell unterstellt. Diese ist zuständig für Süddeutschland, während der Nordwesten der Bundesrepublik durch die Vogelwarte Helgoland, sowie die neuen Bundesländer durch die Vogelwarte Hiddensee betreut werden. Die Beringungszentralen erfüllen dabei nicht nur eine Verwaltungsaufgabe, sondern sind vor allem zuständig für die Ausgabe der individuell numerierten Vogelringe an die Beringer. Im Gegenzug liefern die Beringer sämtliche erfassten Daten jährlich bei der zuständigen Vogelwarte ab, welche ein zentrales Archiv führt. Weiterhin dienen die Vogelwarten auch als Anlaufstelle für Meldungen zu beringten Vögeln, die neben den jährlichen Datensätzen der Beringer natürlich auch von Privatpersonen stammen.

Beringtes Rotkehlchen
Wenn Sie einen beringten Vogel ablesen
können oder tot auffinden, melden Sie bitte
die Daten unter www.ring.ac an die
zuständige Beringungszentrale.
JEDE MELDUNG ZÄHLT!
Wer einen beringten Vogel abliest oder tot auffindet, kann die entsprechenden Daten mittlerweile europaweit zentralisiert unter www.ring.ac eingeben. von dort werden sie an die Beringungszentralen weitergeleitet, die dann den Findern und Beringern einen Lebenslauf des Vogels übermitteln. Im Falle der NABU Beringungsstation fallen im Schnitt knapp 50 solche Ringfundmeldungen im Jahr an, die entweder von uns beringte Vögel an anderen Orten betreffen, oder aber Informationen zu von uns gefangenen Vögeln mit fremden Ringen beinhalten. Der Wermutstropfen an diesem Verfahren ist der enorme Zeitaufwand, bis alle beteiligten Personen und Institutionen kommuniziert haben: Im Schnitt dauert es vom Fang zur Fundmeldung mehrere Jahre! Aktuell sind wieder etliche Meldungen, vor allem aus den Jahren 2013 und 2014 aufgelaufen, die wir nun genauer unter die Lupe genommen haben. Darunter einige überaus interessante Fälle...


Saarlouiser Blaumeise in Ungarn

Auch Blaumeisen sind teilweise Zugvögel, die nördlichen
Populationen überwintern in Mittel- und Südeuropa
Blaumeisen gelten gemeinhin als Standvögel, was für mitteleuropäische Vögel auch weitgehend wahr ist. Was aber die Wenigsten wissen: Die nördlichen Populationen Skandinaviens und Osteuropas führen im Herbst einen ausgeprägten Zug durch. Im Saarland findet der Hauptdurchzug der Blaumeise meist Ende Oktober oder Anfang November statt. Ein solcher Durchzügler, ein Weibchen, welches am 31.10.2011 im IKEA-Biotop beringt wurde, ist am 23.10.2014 nach knapp drei Jahren von anderen Beringern wieder gefangen worden, allerdings ca. 1.100 km entfernt in Ost-Ungarn. Auch hier ist davon auszugehen, dass es sich um eine Station ihres Herbstzugs handelt.


Feldlerche in Frankreich tot aufgefunden

Seit 2012 konnten im IKEA-Biotop knapp 400 Feldlerchen
beringt werden. 2013 gab es den ersten Wiederfund.
In unserem Projekt zum Herbstzug der Feldlerche ist der erste Ringfund geglückt, leider handelt es sich jedoch um einen Totfund. Das Lerchen-Weibchen wurde von uns am 18.10.2013 beringt und wurde einen knappen Monat später, am 08.11.2013 in Trensacq - ca. 100 km südlich von Bordeaux - tot aufgefunden. Ein Vermerk bei der Beringung deutet auf eine mögliche Todesursache hin: Die Lerche hatte nur geringfügige Fettreserven. Bei einem anstrengenden Zug, insbesondere bei ungünstigen Wetterbedingungen, kann dies für das Individuum natürlich fatal enden. Wir hoffen aber in den nächsten Jahren auf weitere Wiederfunde dieser Art.


Schilfrohrsänger ziehen über Italien

Wiederfunde und Herkunft fremdberingter Schilfrohrsänger.
blau: Beringungsorte anderenorts beringter Individuen
grün: Wiederfunde von uns beringter Individuen
rot: Die Beringungsstation "Mittleres Saartal"
(Quelle: Google earth)
Bei der Beringung im IKEA-Biotop ist der Schilfrohrsänger eine der interessantesten Arten: Zum Einen ist er sehr unscheinbar und wird fast ausschließlich durch Beringung im Saarland nachgewiesen - ca. 5 Beobachtungen jährlich stehen knapp 100 Fängen bei der Beringung gegenüber! Zum Anderen ist die Quote von Wiederfunden und fremdberingten Vögeln verhältnismäßig hoch mit einem von 34 Individuen. Über die Jahre offenbart dies ein interessantes Bild über die Zugroute der Art: Die Schilfrohrsänger, die das Saarland überfliegen, scheinen zum Großteil eine Route über Italien zu wählen. Damit sind sie an der NABU Beringungsstation echte Exoten, die meisten Arten folgen der Westroute über die Iberische Halbinsel. Ein am 14.04.2013 gefangenes Schilfrohrsänger-Männchen bestätigt diese Vermutung wieder: Er trug beim Fang im IKEA-Biotop bereits einen italienischen Ring, beringt wurde er als Altvogel im August 2010 nahe Bologna.


Standorttreue Beutelmeisen
Bei einem Durchmesser von gerade einmal 2,3 mm ist
der Ring der Beutelmeise fast nur in der Hand ablesbar.
Ein Fotograf in der Schweiz hat nun das Gegenteil bewiesen.
Die Art mit der höchsten Quote an Ringfunden ist mit weitem Abstand die Beutelmeise. Im Schnitt ist jede zwölfte Beutelmeise entweder bereits anderenorts beringt worden, oder wird erneut in einem anderen Gebiet gefangen. Eine aktuelle Wiederfundmeldung ist dabei aufgrund der Umstände besonders eindrucksvoll: Eine von uns 2010 beringte Beutelmeise wurde 2014 am Genfer See wiederentdeckt - anhand eines Fotos! Die Ablesung des Rings gelang dabei nur teilweise, dennoch konnten die Buchstaben & Ziffern in Kombination mit dem Schriftzug "Radolfzell" eindeutig diesem Individuum zugeordnet werden. 

Besonders bemerkenswert ist auch die Bindung der Beutelmeisen an ihre Rastgebiete. Ganze 19 Funde der im IKEA-Biotop beringten Individuen stammen aus einem einzigen französischen Feuchtgebiet an der Gironde (Departement Charente-Maritime), umgekehrt konnten wir bereits sechs dort beringte Beutelmeisen fangen. Auch bei den aktuellen Ringfundmeldungen waren wieder zwei Mitteilungen aus diesem Gebiet zu finden. Daneben gibt es noch weitere Standorte mit mehreren Wiederfunden der Beutelmeise, z.B. den Rietzer See in Brandenburg. Nur durch die Beringung konnte diese europaweite Vernetzung von Feuchtgebieten gezeigt werden!


Mönchsgrasmücke auf Abwegen?
Dass Zugwege sich über die Jahre auch verändern können, zeigt die Mönchsgrasmücke ganz aktuell. Seit Jahren ist bekannt, dass ein Teil der Mönchsgrasmücken im Herbst nicht mehr gen Südeuropa zieht, sondern statt dessen in Großbritannien überwintert. Dieses neue Überwinterungsgebiet, wohl begünstigt durch den fortschreitenden Klimawandel, hat sich dabei mehr und mehr etabliert. Ein aktueller Wiederfund einer "saarländischen" Grasmücke passt dabei ebenfalls in dieses Bild: Von uns beringt im September 2013 wurde sie einen knappen Monat später in Nordbelgien erneut gefangen. Falls die Grasmücke diesen Kurs beibehalten hat, führte sie ihr Zug wohl zum Überwintern nach England.


Flussuferläufer aus Schweden

Die Strecke vom schwedischen Öland bis ins Saarland
(1.000 km Luftlinie) schaffte der Flussuferläufer in 4 Tagen
(Quelle: Google Maps)
Zu guter Letzt noch eine Ringfundmeldung, auf die wir schon seit Jahren gewartet haben - und das Warten hat sich gelohnt!
Im Sommer 2013 gelang der Fang eines jungen Flussuferläufers mit schwedischem Ring, wir berichteten. Dies war der erste Fremdfang für diese Watvogelart, die ohnehin bis heute erst 17 Mal im IKEA-Biotop beringt wurde. Noch spektakulärer wurde der Fang durch die Ringfundmeldung: Der Flussuferläufer wurde als Durchzügler in der 1.000 km entfernten Ottenby Vogelstation an der Südspitze Ölands (siehe Karte) beringt, sage und schreibe vier Tage vor unserem Fang. Dies beweist eindrucksvoll, zu welchen Leistungen Zugvögel im Stande sind - insbesondere auch Jungvögel, die erst 2-3 Monate alt sind.

Mit diesen spannenden Ergebnissen möchten wir diesen Bericht abschließen, schon bald soll an dieser Stelle auch der Jahresbericht 2015 erscheinen. Auch die Arbeit im IKEA-Biotop wird bald wieder aufgenommen, bis zum Frühjahr sind noch Pflegemaßnahmen im Gebiet geplant, bevor die Frühjahrszugberingung dann Mitte März startet.

Im Namen des gesamten Beringungs-Teams,
Sebastian Kiepsch

22.02.2014

Herbstzug 2013 - die zweite Zughälfte

Hallo an alle Leser!

Raubwürger (Lanius [excubitor] homeyeri(?)) - Das Highlight 2013?
Mehr Infos siehe Text
Der Winter ist traditionell die Zeit, in der die Beringung im IKEA-Biotop zur Ruhe kommt. Die Netze sind sicher eingelagert, das Biotop ist sich selbst und den dort einkehrenden Wintergästen überlassen. In diesem Jahr will der Winter das Saarland aber (zumindest bis jetzt) eher umgehen und so lagen die Temperaturen bis auf wenige Ausnahmen eher auf herbstlichem Niveau und was eigentlich Schnee ist, das haben die meisten Saarländer sowieso schon ganz vergessen.
Für uns bedeutet diese Zeit aber auch, auf das vergangene Jahr zurückzublicken und die angesammelten Daten etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Den Anfang macht heute die (überfällige) Zusammenfassung der zweiten Herbstzughälfte.


Allgemein - Erfassung mit Unterbrechung

Basstölpel (Morus bassanus), Helgoland 2013
Das beliebteste Ziel deutscher Ornithologen!
Die zweite Zughälfte reicht von Anfang Oktober bis ca. Ende November, wobei diese Phase je nach Wetterlage mal kürzer und mal länger andauert und auch in der Intensität stark variiert. Die zweite Hälfte des Herbstzugs ist die Hälfte mit geringeren Fangzahlen, da einfach viele früh ziehende Arten schon weg sind. Außerdem war gerade Anfang Oktober 2013 die Zeit, in der unser Team geschlossen zu den Helgoländer Vogeltagen gefahren ist: Ein Erlebnis, dass man allen begeisterten Hobbyornithologen nur immer wieder empfehlen kann. Neben dem maritimen Artenspektrum treten dort im Herbst nämlich zahlreiche extrem seltene Irrgäste auf, die anderenorts in Deutschland noch nicht nachgewiesen wurden.

Für unsere Erfassung bedeutet das eine "Datenlücke" von einer Woche, in der die Beringung geruht hat. Obwohl wir so gut wie möglich versucht haben, das unbearbeitete Zeitfenster zu minimieren (am Tag vor der Abreise noch eine Aktion), gibt es natürlich dadurch statistische Auswirkungen. Eine weitere Verzerrung der Daten entsteht durch die typischen Beringungszeiten. Als ehrenamtliche Tätigkeit findet die Beringung neben unserer regulären Arbeit (vorher bzw. hinterher) statt, dadurch ist der tageszeitliche Bereich vom späten Vormittag bis zum frühen Abend unterrepräsentiert. Doch dazu später mehr.


Feldlerche (Alauda arvensis)
Seit dem Vorjahr nehmen wir ab Anfang Oktober auch an einer bundesweiten Feldlerchen-Beringung teil, bei der in der Nacht Feldlerchen mit spezieller Fangtechnik auch in eigentlich ungeeignete Biotope gelenkt werden. Auch 2013 wurden immerhin 74 Stück gefangen (davon ganze 62 in einer sehr klaren Vollmondnacht!), eine gute Bilanz (vgl. 2012: 84 Ex.).



Häufige Arten - Rohrammern seltener?

Bei den häufigen Arten gibt es hauptsächlich 2 Arten, die ihren Hauptdurchzug in der späten Zugphase haben: Rohrammern und Rotkehlchen. In den vergangenen Jahren stets zwei der vier häufigsten Arten im IKEA-Biotop. Die anderen beiden Top-4-Arten, Teichrohrsänger und Mönchsgrasmücke, lassen ihren Zug bis Ende Oktober hin ausklingen, Fänge im November sind aber nicht untypisch. Auch die sehr häufigen Zilpzalpe ziehen in der zweiten Zughälfte stark.

Was fiel 2013 auf: Nun, für die Rotkehlchen nicht viel, der Herbstbestand 2013 lag mit 674 Ex. in etwa in der Größenordnung der Vorjahre (2012: 705 Ex.).
Phänologiediagramm der Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)
Im Vergleich dazu die Vorjahre. Man erkennt deutlich,
dass die Fangzahlen enorm nach oben abweichen, sowie eine
zeitliche Verschiebung zu späterem Zug, wie auch schon 2012
Doch für die anderen Top-4 gab es große Abweichungen: Mönchsgrasmücken und Teichrohrsänger waren viel häufiger als im Vorjahr: Für die anderen Grasmückenarten hat sich das ja bereits in der ersten Herbstzughälfte angedeutet, auch bei den Mönchen lagen die Fangzahlen mit 1075 Ex. (2012: 620 Ex.) sehr deutlich über den Ergebnissen der Vorjahre. 2013 war für die Mönchsgrasmücke das Jahr mit den meisten Fängen seit Beginn der Beringungsarbeit im IKEA-Biotop.


Der Teichrohrsänger als häufigste Art des Gebiets kann dieses Ergebnis aber locker übertreffen: Mit 2530 gefangenen Individuen 2013 (2012: 1586 Ex.) war der Herbstzug 2014 fast so stark wie die Rekordsaison 2010. Ein besonders interessanter Vertreter seiner Art ging uns noch am 26.11. ins Netz. Dies macht ihn nicht nur zum spätesten je im IKEA-Biotop nachgewiesenen Teichrohrsänger, er war auch noch mit einem holländischen Ring markiert! Es wird interessant sein zu erfahren, wann und wo er dort gefangen wurde.

Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus), beringt von Zentrale Arnhem (NED)
Gefangen am 26.11.2013 und damit der späteste je von uns nachgewiesene Teichrohrsänger

Fangzahlen der Rohrammer (Emberiza schoeniclus)
Dazu im Vergleich Zahl der Beringungstage jeweils
von 11.09. - 20.11. des Jahres (Hauptdurchzug).
Die Diskrepanzen 2012 bzw. 2013 könnten auf
Populationsrückgang oder Methodikprobleme hinweisen
Was die Rohrammern angeht, sieht die Saison 2013 weniger erfreulich aus. Zum ersten Mal seit Beginn der Beringung im IKEA-Biotop schafft es die Rohrammer nicht unter die vier Arten mit den stärksten Fangzahlen und wird von Sumpfrohrsänger und Zilpzalp auf Platz 6 verwiesen. Schon seit 2009 sieht man bei der Rohrammer einen kontinuierlichen Abwärtstrend. Doch dies sollte man noch nicht überbewerten, da die angesprochenen statistischen Verzerrungen (Datenlücke im Hauptdurchzugsfenster und um die Mittagszeit der Beringungstage) die Fangzahlen zumindest bei uns enorm verfälschen. Fakt ist, dass gerade in den letzten beiden Jahren enorme Rückgänge zu verzeichnen sind. Die interessante Frage wird sein, ob andere Beringer einen ähnlichen Trend sehen.

Rangfolge der Arten nach Zahl der Neuberingungen 2013 im Vergleich mit 2012


Mittelhäufige Arten - von ausbleibenden Invasionen

Der Spätherbst ist üblicherweise die Zeit, in der auch ungewöhnliche Zugbewegungen festgestellt werden. So war z.B. 2010 ein Jahr, in dem viele Waldvögel im Saarland in untypischen Biotopen gesichtet (und von uns auch gefangen) wurden. Das Jahr 2012 war geprägt von invasionsartigem Auftreten von Singdrosseln, Blau- und Kohlmeisen, bei denen insbesondere letztere durch ihre fremdartigen Rufe auch an vielen anderen Stellen Deutschlands auffielen (vgl. avesrares.wordpress.com - "freaky great tits"). Die vergangene Beringungssaison war dagegen was diese Arten angeht vergleichsweise ruhig, die erzielten Fangzahlen fielen zurück auf den durchschnittlichen Stand der Vorjahre.
Auch die sonst im Saartal in großer Zahl auftretenden Erlenzeisige blieben wohl aufgrund des milderen Wetters größtenteils in nördlicheren Gefilden. Gerade einmal zwei Vertreter dieser Art konnten im Herbst 2013 beringt werden (2012: 42 Ex.).

Alpen-Birkenzeisig (Carduelis [flammea] cabaret)
Eine späte kleine Invasion konnte aber bei den verwandten Birkenzeisigen (Unterart cabaret) festgestellt werden. Speziell Ende November und Anfang Dezember waren diese kleinen Finken an vielen Stellen im Saartal in teilweise recht großen Trupps auf Nahrungssuche bzw. als Durchzügler feststellbar. Auch bei der Beringung konnten immerhin 4 Individuen gefangen werden (2012: 2 Ex., darunter auch 1 Ex. der nordischen Unterart flammea), ein Trupp von ca. 20 Birkenzeisigen konnte daneben über mehrere Tage hinweg beobachtet werden.



Seltene Arten - Spätes Glück und Bestimmungsproblematik


Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus)
Das erste Highlights kurz vorweggenommen: Endlich konnte nach zwei erfolglosen Jahren wieder eine Zwergschnepfe gefangen werden! Zuletzt war uns diese Art 2010 in die Netze gegangen. Zwergschnepfen, die übrigens sehr nahe mit der Bekassine - dem Vogel des Jahres 2013 - verwandt sind, rasten fast alljährlich im IKEA-Biotop. Die wenigen Tiere treten aber meist dort auf, wo sie ungestört sind - also weit von den Netzen entfernt. Für unser Team war dieser Fang insofern sehr erfreulich.

Nach dem erneuten Ausbleiben der ganz großen Highlights bis Ende September haben wir schon fast die Hoffnung auf Sensationen aufgegeben, doch pünktlich zu Beginn der 2. Zughälfte wurden wir am Abend des 02.10. von einem seltenen Anblick im Netz überrascht: Der oben gezeigte Raubwürger hing inmitten des höchsten Schilfbestands des Gebiets im Netz, eigentlich ein Vegetationstyp, der so gar nicht zu dieser Art passt, die sonst in Offenlandbereichen ihre Nahrung jagt: Großinsekten, Mäuse, etc. In der Vergangenheit wurden bereits zwei Raubwürger an anderen Stellen im IKEA-Biotop gefangen, also insofern auch keine große Sache, sollte man meinen.

Raubwürger (Lanius [excubitor] homeyeri(?)) - Schwanzzeichnung
Zwei vollständig weiße äußere Schwanzfedern!
Erst bei genauerem Hinsehen fiel dann auf, dass die Merkmale dieses speziellen Raubwürgers sehr gut zur östlichen Unterart homeyeri passen, die im Bereich des Kaukasus bis Sibirien vorkommt. Die beschriebenen Merkmale dieser Unterart umfassen ein durchschnittlich helleres Erscheinungsbild mit ausgedehnten Weißzeichnungen im Flügel und vor allem im Schwanzmuster. Kann das sein? Vieles spricht dafür... doch es gibt einen Haken: Die Variation dieser Spezies. In der Fachliteratur gibt es keine Übereinstimmung über die Abgrenzung der Unterart homeyeri zu unseren heimischen excubitor-Raubwürgern und viele Feldornithologen warten derzeit auf eine Veröffentlichung zu dieser Thematik. Unser Team kam dann zu dem Schluss, die Dokumentationsaufnahmen anerkannten Experten zur Verfügung zu stellen und bis zum Urteil der Fachwelt bei der Bestimmung als homeyeri zu bleiben. Nichts desto trotz muss diese Unterart aufgrund ihrer Seltenheit in Deutschland bei der Deutschen Avifaunistischen Kommision (DAK) dokumentiert werden wird hier von angesehenen Ornithologen überprüft. Bis zur abschließenden Bewertung ist dieser Fang also noch mit einem Fragezeichen zu versehen.


Sibirischer Zilpzalp (Phylloscopus [collybita] tristis)
mit verklebtem Gefieder um den Schnabel
Ähnlich verlief es bei einem weiteren späten Fang: Ein (vermutlicher) Sibirischer Zilpzalp der Unterart tristis konnte Mitte November überraschend gefangen und beringt werden. Auch hier muss die Bewertung zwar abschließend durch die DAK erfolgen, doch aus unserer Sicht ist der Fall hier etwas klarer. Bereits 2009 wurde ein mittlerweile bestätigter tristis-Zilpzalp im IKEA-Biotop gefangen, mit sehr ähnlichen Merkmalen. Im Vergleich mit den bei uns brütenden collybita wirkt der tristis-Zilpzalp wesentlich heller und zeigt kaum Gelbtöne in der Gefiederfärbung. Seine Beine sind sehr dunkel und vor allem - was wir zum Glück nach meheren Minuten Wartezeit auch feststellen konnten - hat er einen speziellen Ruf. Auch die Bilder sprechen aus unserer Sicht Bände.

Der direkte Vergleich - Sibirischer Zilpzalp (Phylloscopus [collybita] tristis) (l.)
und sein mitteleuropäischer Verwandter, Zilpzalp (Phylloscopus [collybita] collybita) (r.)


Schlusswort: 2014 steht bevor

Das alte Beringungsjahr ist Geschichte, ein neues bricht an. Auch 2014 werden wir wieder so gut es geht versuchen, Beringungsaktionen durchzuführen, beginnend mit der Erfassung des Frühjahrszugs.

Doch zunächst werden wir noch in anderer Mission aktiv: Im IKEA-Biotop wurde eine kleine aber feine Umgestaltungsmaßnahme bewilligt, die durch großzügige und tatkräftige Unterstützung des Tiefbauamts der Stadt Saarlouis in den nächsten Tagen durchgeführt wird. Es soll eine neue Flachwasserzone und ein abgetrenntes Tiefgewässer entstehen, welche das Angebot an Nahrung und Rastplätzen für Brut- und Zugvögel erweitern. Daneben soll ein Graben an der Grenze des Biotops gezogen werden, der Störungen z.B. durch unbefugtes Betreten verhindern soll. Wir sind gespannt, welche Auswirkungen diese Maßnahme auf das Artenspektrum und den Bestand haben wird.

Wir freuen uns schon auf neue spannende Fänge und Geschichten!

Im Namen der Beringungs-AG,
Sebastian Kiepsch

24.09.2012

Herbstzug 2012 - Ein Zwischenbericht

Hallo zusammen!

Auch 2012 wieder gefangen: Ein Gelbspötter (Hippolais icterina) - Im Saarland ein seltener Anblick!
Die Beringung des Herbstzugs 2012, die von Anfang August bis Mitte November statt findet, hat nun etwa Halbzeit erreicht. Das bietet die Zeit, mal zurückzublicken auf die bisherigen Ergebnisse der Beringungsaktionen.

Allgemein: Wenig Zeit - viele Arten!

Bekassine (Gallinago gallinago) - schon der zweite Fang 2012
Leider bleibt unserem ehrenamtlichen Team nicht so viel Zeit wie in den Vorjahren, um die Beringung tagtäglich durchzuführen. Bislang wurde aber versucht, doch an mindestens 2-3 Tagen in der Woche vor Ort zu sein. Natürlich wirkt sich dies erheblich auf die Gesamtberingungszahlen aus, die wohl auch in diesem Jahr wie schon 2011 nicht weit über die 5000 Individuen kommen werden, aber immerhin: Die Artenvielfalt ist da! Schon jetzt wurde das Vorjahresergebnis von 65 beringten Arten übertroffen mit bislang 68 beringten Arten und dabei fehlen noch einige fast sichere Arten, die erst später auf dem Zug auftreten.


Phänologie: Wo bleiben die Mönche?

(KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
Fangstatistik für Mönchsgrasmücken (MGM) und Teichrohrsänger (TRS),
aufgetragen nach der Zeit in Monatsdritteln (z.B. A1: 01.-10. August)
Bemerkenswert in diesem Jahr ist der relativ späte Zug der Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla), der fast 10 Tage später als sonst eintrat. Im Vergleich mit den Teichrohrsängern (Acrocephalus scirpaceus), die ihren Zughöhepunkt vergleichbar mit den Vorjahren erreichten, fällt bei den Mönchsgrasmücken ein großer Unterschied auf. Interessant wird sein, ob der Zug auch länger anhält, oder ob es ein kurzer, heftiger Durchzug dieser Art wird.

Rastvögel: Drosselrohrsänger weg, alle anderen da!

Die juvenilen Weibchen des Blaukehlchens (Luscinia svecica)
zeigen noch nicht die namensgebende Brustzeichnung. Die rot-
schwarzen Schwanzfedern sind aber auch hier schon vorhanden!
Während im letzten Jahr zu den länger anwesenden Gästen auch mehrere Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) zählten, fehlen diese 2012 komplett. Gegen Ende der Brutzeit wurden noch Durchzügler gefangen, aber auf dem Herbstzug konnte kein einziges Exemplar nachgewiesen werden. Im Gegensatz dazu sind die bislang 12 Blaukehlchen (Luscinia svecica) und 3 Rohrschwirle (Locustella luscinioides) umso erfreulicher. Bemerkenswert sind auch die durchweg langen Aufenthaltszeiten der Blaukehlchen mit teilweise mehreren Wochen! Das Gebiet scheint dieser Art also genügend Nahrung zu bieten, vielleicht rückt eine Brut im IKEA-Biotop in den Bereich des Möglichen.

Durchzügler: Gewinner und Verlierer 

In diesem Jahr seltener als in den Vorjahren:
Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus)
Neben den hochkarätigen Gästen treten in diesem Jahr Arten wie Feldschwirl (Locustella naevia), Fitis (Phylloscopus trochilus) und Nachtigall (Luscinia megarhynchos) mit leicht gesteigerter Zahl auf (+10-20%).
Gartengrasmücken (Sylvia borin), Gartenrotschwänze (Phoenicurus phoenicurus) und Wendehälse (Jynx torquilla) sind 2012 nahezu genauso häufig wie 2011.
Eingebrochen sind die Fangzahlen hingegen bei Schilfrohrsängern (Acrocephalus schoenobaenus), Neuntötern (Lanius collurio) und Dorngrasmücken (Sylvia communis), mit einem Wert von jeweils nur etwa 40% des Erwartungswerts aus den Vorjahren. Ob dies ein Effekt der wenigen Beringungstage ist oder auf ein schlechtes Brutergebnis hindeutet, kann nicht eindeutig gesagt werden, interessant ist also, ob an anderen Standorten ähnliche Ergebnisse auftreten.

Highlights: Kein Seggenrohrsänger, dafür Gelbkopfschafstelze


Gelbkopf-Schafstelze (Motacilla [flava] flavissima) - Zweitnachweis im Gebiet

Tja, auch in diesem Jahr konnte am "Saarländischen Tag des Seggenrohrsängers" (10.08., an diesem Datum konnten 2009 und 2010 insgesamt 3 Exemplare beringt werden ) wieder kein Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) gefangen werden. Bislang lässt dieser sehr seltene Vertreter der Rohrsänger auch auf sich warten. Nachdem im letzten Jahr aber Ende September noch ein Fang erfolgen konnte, haben wir die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben.
Erfreulich hingegen ist der Zweitnachweis der Gelbkopfschafstelze (Motacilla [flava] flavissima) im IKEA-Biotop. Nach 2009 konnte diese Unterart der Schafstelze, die auf den Britischen Inseln und in Holland brütet, zum zweiten Mal beringt werden. Die große Zeit der Highlights kommt aber erst: In der zweiten Zughälfte ist verstärkt mit dem Auftreten sogenannter "Irrflügler" zu rechnen, die von ihrer eigentlichen Zugstrecke abweichen und nach Mitteleuropa verdriftet werden. Mal sehen, was da noch so kommt...

Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch


Monatszusammenfassung August:


05.11.2011

Neuer Monat, neues Glück

Hallo zusammen!

Rotdrossel (Turdus iliacus) - 2010 wurde auch 1 Ex. beringt
Nun ist also der November angebrochen, der letzte Monat der Herbstzugberingung 2011. Der November ist weniger geprägt durch große Zahlen, weder im Artenspektrum, noch bei Individuenzahlen. Der Fokus in diesem Monat liegt hauptsächlich in der Phänologie, also dem zeitlichen Verlauf des Zugs. Interessant ist hierbei vor allem, welche Arten noch so spät unterwegs sind, denn für viele Vogelarten ist der Zug hierzulande eigentlich bereits abgeschlossen. Daneben ziehen natürlich weiterhin nordische Arten zum Überwinterungsgebiet, wie z.B. Rotdrosseln (Turdus iliacus) und Bergfinken (Fringilla montifringilla). Im letzten Jahr konnten neben diesen beiden Arten auch zahlreiche Waldvögel beringt werden, welche zum Winter hin zur Nahrungssuche in offenere Landstriche ausfliegen. Außerdem besteht immer noch die Chance auf extreme Seltenheiten, denn gerade jetzt ziehen noch Vögel aus den Brutgebieten im extremen Norden und Nordosten Europas durch. Man darf also auch in diesem Monat gespannt sein, was denn da noch so kommen mag.

Erlenzeisig (Carduelis spinus) - junges Männchen
 Natürlich wurde im November auch bereits beringt. In der letzten Woche wurden insgesamt 174 Individuen aus 14 Arten beringt. Unangefochtener Spitzenreiter sind die Rotkehlchen (Erithacus rubecula), die mit 114 Exemplaren noch stark auf dem Zug sind, gefolgt von der Rohrammer (Emberiza schhoeniclus) mit 18 und der Heckenbraunelle (Prunella modularis) mit 10 Neuberingungen. Man sieht, die Fangzahlen vieler Arten werden immer geringer. Interessante Nachweise für den November gelangen bereits mit einem Zilpzalp (Phylloscopus collybita) und 3 Mönchsgrasmücken (Sylvia atricapilla).

Junge Teichralle (Gallinula chloropus),
häufig auch "Teichhuhn" genannt
Auch die ersten Highlights konnten für diesen Monat schon verzeichnet werden. Neben einer weiteren Beutelmeise (Remiz pendulinus) und 2 Erlenzeisigen (Carduelis spinus) gelang auch der Fang einer Teichralle (Gallinula chloropus) in einer Bodenfalle, trotz des hohen Wasserstands. Ein weiterer Fremdfang war uns auch noch vergönnt, dabei handelt es sich um eine Rohrammer mit Ring aus Paris.
 
Man kann nur hoffen, dass dieser Monat so weiter geht. Sollten die milden Temperaturen anhalten, werden wir natürlich auch weiterhin beringen. Wie immer gibts hier noch die Auflistung aller interessanten Fänge:

01.11.
1 Beutelmeise (Remiz pendulinus)

02.11.
1 Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)
1 Zilpzalp (Phylloscopus collybita)

05.11.
2 Erlenzeisige (Carduelis spinus)
2 Mönchsgrasmücken
1 Teichralle (Gallinula chloropus)
Rohrammer (Emberiza schoeniclus) - Fremdfang Paris

Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

31.10.2011

Der Oktober geht vorüber


Hallo zusammen!

Adulter Bergpieper (Anthus spinoletta) - Erste Herbstberingung seit 2008

Leider hat uns das mobile Internet auf Helgoland einen Strich durch die Rechnung gemacht, daher heute  nach einer weiteren Beringungswoche die verspätete Meldung. Ein Reisebericht wird aber definitiv noch folgen!

Auch 5 Feldsperlinge (Passer montanus) konnten
bei dieser Aktion beringt werden.
In der letzten Oktoberwoche wurden insgesamt 391 Vögel aus 21 Arten beringt, für diese Zugphase ist diese Anzahl an Neuberingungen überraschend gut, was nicht zuletzt auf das milde Klima zurückzuführen ist. Stärkste Art der Beringungsaktion ist erwartungsgemäß das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) mit 187 Exemplaren, vor der Rohrammer (Emberiza schoeniclus) mit 75 gefangenen Individuen und einem geteilten dritten Platz mit je 21 Staren (Sturnus vulgaris) und Zaunkönigen (Troglodytes troglodytes). Für diese Zeit des Jahres überraschend stark vertreten war auch die Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) mit 5 Neuberingungen. Dennoch scheint der Zug vieler Arten in diesem Jahr bereits früher als im vergangenen Jahr abgeschlossen zu sein.

Stare (Sturnus vulgaris) suchen momentan fast alltäglich
in großen Trupps die Schilfgürtel als Schlafplatz auf
Neben den häufigen Arten wurden auch dieses Mal wieder einige sehr erfreuliche Fänge gemacht. Neben einer weiteren Beutelmeise (Remiz pendulinus), einer Bekassine (Gallinago gallinago) und einer Wasserralle (Rallus aquaticus) war vor allem ein Bergpieper (Anthus spinoletta) der Star dieser Aktion. Es wurde zwar bereits im Frühjahr ein Bergpieper auf dem Zug ins Brutgebiet beringt, dieser Fang ist aber die erste Herbstberingung dieser Art seit 2008. Insgesamt geht diese Art trotz zahlreicher Durchzügler sehr selten ins Netz, da als Rastbiotope Schilfgebiete eher gemieden werden.

Ein weiterer Fremdfang ist zu verbuchen: Dabei handelt es sich um eine Rohrammer mit Ring aus Stockholm. Eine weitere interessante Beobachtung aus dem Gebiet waren 2 Waldwasserläufer (Tringa ochropus), welche am 31.10. bei einem Rundgang aufflogen und leider abzogen, bevor sie gefangen werden konnten.

Hier noch einmal alle Highlights im Überblick:

25.10.
1 Wasserralle (Rallus aquaticus)

27.10.
1 Beutelmeise (Remiz pendulinus)

28.10.
1 Bekassine (Gallinago gallinago)
Rohrammer (Emberiza schoeniclus) - Wiederfang Stockholm

29.10.
1 Bergpieper (Anthus spinoletta)

Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

01.10.2011

Monatszusammenfassung September

Hallo zusammen!

Erst der vierte Nachweis dieser Art im Saarland (23.09.2011)
Der Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola)
Auch der zweite Herbstzugmonat 2011 ist vorüber. Die Trends des Vormonats wurden dabei weitgehend bestätigt, mit Qualität vor Quantität. Die beiden herausragenden Fänge im September waren dabei der Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) und der Rohrschwirl (Locustella luscinioides), welche im Vorjahr nur im August beringt werden konnten. Vergleicht man den Zugverlauf mit 2010 fällt vor allem das Fehlen der Waldarten auf (z.B. Meisen), die im letzten Jahr ungewöhnlich stark auf dem Zug waren. Im großen Ganzen ist keine große Verschiebung der Zugzeiten zu bemerken, was auch anhand des Eintreffens der Beutelmeisen einen Tag vor dem Erstfang im Vorjahr zu belegen ist. Doch auch diesen Monat macht sich das seltenere Beringen im Vergleich zu 2010 bemerkbar, viele häufige Arten wurden daher in deutlich seltenerer Zahl gefangen, andere Arten, die oftmals durch Zufall gefangen werden, gar nicht.

Ging im September am häufigsten ins Netz
Die Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)
Der Wasserstand ist im Vergleich zum August wegen der Schönwetterperiode etwas zurückgegangen, aber wohl leider zu spät, um noch ziehende Watvögel anzulocken, auch die Tüpfelralle (Porzana porzana), die zuletzt 2009 gefangen werden konnte, blieb aus. Umso erfreulicher, dass der Fang einer Wasserralle (Rallus aquaticus) gelungen ist. Mal sehen, ob sich da im nächsten Monat noch etwas positiv entwickelt, im Hinblick auf den Fang von Zwergschnepfen (Lymnocryptes minimus) und anderer spät durchziehender Arten.


Nach Rekordzahlen 2010 dieses Jahr seltener
Die Singdrossel (Turdus philomelos)
Nach deutschlandweiten Berichten über die Erkrankung und ein "Massensterben" aufgrund der Infektion mit dem Usutu-Virus müssen einige Fangzahlen besonders sensibel betrachtet werden. Betroffen sind vor allem Amseln (Turdus merula), aber auch andere Drosseln, Stare (Sturnus vulgaris) und weitere Arten. Dennoch sind alle betroffenen Arten noch im Biotop vorhanden, jeden Morgen sind mehrere Amseln rufend nachzuweisen und es wurde noch kein Individuum mit Krankheitssymptomen gefangen. Der "Einbruch" der Fangzahlen der Drosseln im Vergleich zum Vorjahreszeitraum liegt aus unserer Sicht weniger an schwacher Population 2010 als an starker Population 2011 - sowohl Amsel als auch Singdrossel (Turdus philomelos) wurden letztes Jahr in Rekordzahl gefangen!

Die gute Nachricht des Monats ist die hohe Zahl an Eisvögeln (Alcedo atthis) und Beutelmeisen (Remiz pendulinus) im Gebiet. Ein großer Gewinner sind auch die Zilpzalpe (Phylloscopus collybita), die offenbar ein sehr starkes Brutjahr hatten.

Hier die Statistik der Neuberingungen in aller Ausführlichkeit:


Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

23.08.2011

Wenn die Wendehälse ziehen...

... dann aber richtig!



Damit willkommen zu unserem aktuellen Beringungsbericht!

Auch diese Woche waren wir wieder fleißig. Von 20.08. bis 23.08. wurden die Fangnetze gestellt und insgesamt 670 Vögel aus 32 Arten gefangen. Diese Aktion ist somit die bisher artenreichste auf diesem Herbstzug.

Das erste Braunkehlchen (Saxicola rubetra) für das Jahr 2011
Weiterhin anhaltend sind die hohen Fangzahlen von Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) mit 373 Individuen und Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) mit 21 Exemplaren, wobei für den Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) der Großteil schon durchgezogen ist, lediglich 28 Individuen wurden beringt.

Mönchsgrasmücken (Sylvia atricapilla)
Links Männchen, rechts Weibchen
An Intensität gewann auch vor allem der Grasmücken-Zug, insbesondere die Mönchsgrasmücken (Sylvia atricapilla) ziehen gerade verstärkt durch das Saarland, mit 119 beringten Exemplaren waren sie die zweithäufigste Art im Biotop. Der Höhepunkt dieses Zuges dürfte aber noch Anfang September bevorstehen, auch wenn die Phänologie dieses Jahr etwas verfrüht zu sein scheint.


Auffallend ist bei dieser Aktion die große Zahl der Wendehälse (Jynx torquilla), insgesamt 7 Stück konnten neu beringt werden. Alleine 5 davon gingen am 23.08. in die Netze - so viele wie noch nie zuvor an einem einzigen Tag!

Auch das erste Braunkehlchen (Saxicola rubetra) und der erste Baumpieper
(Anthus trivialis) des Jahres landeten in den Netzen.Weiterhin wurden noch 3 Blaukehlchen (Luscinia svecica), ein Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus), ein Neuntöter (Lanius collurio), ein Eisvogel (Alcedo atthis) und eine Schafstelze (Motacilla flava spec.) beringt.

Ein kleines saarländisches Highlight war ein junger Gelbspötter (Hippolais icterina): Der Gelbspötter als naher Verwandter des Orpheusspötters (Hippolais polyglotta) wurde aus dem Saarland als Brutvogel verdrängt, lediglich auf dem Zug treten auch Gelbspötter auf. Im IKEA-Biotop wurde bisher nur 2009 ein Exemplar gefangen.

Drei weitere Fremdfänge gibt es zu vermelden, darunter ein Schilfrohrsänger mit Brüsseler Ring, ein Teichrohrsänger mit Ring aus Litauen und ein weiterer Teichrohrsänger, der von der Beringungszentrale in Madrid gekennzeichnet wurde.

Kleinspecht (Dendrocopos minor), beringt 2010
Zwei interessante Beobachtungen über dem Gebiet gibt es noch zu melden: Am 22.08. konnte gegen 21:00 Uhr eine ziehende Mittelmeermöwe (Larus michahellis) gesichtet werden, sowie am 23.08. ein überfliegender Kleinspecht (Dendrocopos minor).

Und noch ein kleiner Nachtrag zur Brieftaube von letzter Woche: Das Tier wurde einem ortsansässigen Taubenzüchter übergeben und hat wohl schon den Heimweg angetreten - mit dem Auto! Wir hoffen, dass der Besitzer den "Irrflügler" wohlbehalten zurückbekommen hat.


Hier noch einmal alle Highlights im Überblick:

20.08.
1 Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) - Fremdfang Brüssel

21.08.
1 Blaukehlchen (Luscinia svecica)
1 Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus)
1 Eisvogel (Alcedo atthis)
1 Gelbspötter (Hippolais icterina)
1 Schafstelze (Motacilla flava spec.)
9 Schilfrohrsänger
1 Wendehals (Jynx torquilla)
Junge Schafstelze (Motacilla flava spec.)

22.08.
1 Blaukehlchen
9 Schilfrohrsänger
1 Wendehals

23.08.
1 Neuntöter (Lanius collurio)
3 Schilfrohrsänger
5 Wendehälse

Viele Grüße,
Sebastian Kiepsch