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01.10.2013

Zwischenbericht vom Herbstzug 2013


Der Herbstzug 2013 ist im IKEA-Biotop bereits im vollen Gange und für einige Arten bereits so gut wie vorüber, es ist an der Zeit schon einmal zurückzublicken auf die Ergebnisse der letzten Wochen.


Wetter: Viel Sonnenschein im August und Rekordregenmengen im September

Neuntöter (Lanius collurio)
Ein Jungvögel aus der Brut 2013, der ersten Brut des
Neuntöters im IKEA-Biotop seit über 10 Jahren
Das Wetter war in dieser ersten Zughälfte überwiegend positiv. Von Ende Juli bis Anfang September sank durch lange und beständige Phasen mit Sonnenschein der Wasserstand immer weiter ab, die Schlickflächen lagen offen. Das Nahrungsangebot für die im Biotop brütenden, bodenbewohnenden Rallen und durchziehende Watvögel war ausgezeichnet und so konnten zahlreiche Fänge und Beobachtungen von Vertretern beider Artengruppen verzeichnet werden. Auch spät brütende Arten, die Ende Juli noch mit der Jungenaufzucht beschäftigt sind, profitierten vom guten Wetter - so z.B. auch das im Biotop brütende Neuntöter-Paar, das mindestens 2 ausgeflogene Jungvögel hervorbrachte.

Das Kontrastprogramm zum freundlichen Wetter im Juli und August folgte Anfang bis Mitte September: Ein Sturmtief brachte nach langer Hochdruckphase über zwei Wochen hinweg viel Regen. Den traurigen Höhepunkt dieser Phase stellte eine Gewitterfront dar, die ausgerechnet in der Nacht auf unseren Tag der offenen Tür am 08.09. ankommen musste und mit ca. 30 l/m² das Gebiet regelrecht überflutete, aber im Gegensatz dazu die Besucherflut in Grenzen hielt.


Tag der offenen Tür: Es gibt kein schlechtes Wetter...

...nur schlechte Ausrüstung: Das erste Opfer des ankommenden Gewitters war ein Pavillon, der gegen 02:00 Uhr unter der Last extremer Regenmengen in kürzester Zeit zusammen brach und irreparabel beschädigt wurde. Dieser wurde kurzerhand morgens in ein "Sonnensegel" umfunktioniert.

Wendehals (Jynx torquilla)
Ohne Zweifel der Publikumsliebling des Tages
Noch im letzten Jahr beklagten sich einige Besucher über die extreme Hitze bei strahlendem Sonnenschein bei über 30 °C. Dieses Problem hatten wir in diesem Jahr definitiv nicht. Bis zuletzt sorgte sich unser gesamtes Team, ob man angesichts des Regens überhaupt die Netze aufmachen und fangen könnte. Zum Glück war aber mit dem ausgerufenen Beginn um 9:00 Uhr auch das Gröbste überstanden und der Beringungsbetrieb konnte regulär weiterlaufen. Über den Tag hielt das Wetter dann erstaunlich lange und lockte speziell am Nachmittag auch den einen oder anderen Interessierten ins IKEA-Biotop.

Insgesamt war der 4. Tag der offenen Tür im IKEA-Biotop einigermaßen erfolgreich und wer kam, konnte auch einige beeindruckende Fänge bestaunen, darunter eine Lachmöwe, ein Kleinspecht, mehrere Blaukehlchen und ein Wendehals.

An dieser Stelle sei nochmals allen Helfern gedankt, die zu diesem Tag beigetragen haben! Ohne euch wäre der Tag der offenen Tür nicht möglich!


Allgemeine Ergebnisse: Früher Start der Erfassung

Der Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris)
verbringt gerade einmal 3 Monate in Mitteleuropa
In diesem Jahr begann die Herbstzugerfassung bereits am 21. Juli. Dies sollte insbesondere den Zug der Sumpfrohrsänger genauer aufschlüsseln, einer der sehr früh ziehenden Arten. In den letzten Jahren lief die Brutzeiterfassung stets bis Ende Juli, erst ab August wurde mit der zeitlich intensiveren Herbstzugberingung begonnen. Zu diesem Zeitpunkt ist aber der Zughöhepunkt der Sumpfrohrsänger fast schon erreicht. Es konnte also kein verlässlicher Zeitpunkt für den Zugbeginn im Saarland angegeben werden. Ähnlich verhält es sich auch bei anderen Arten, die schon früh aufbrechen.

Gartengrasmücke (Sylvia borin)
Der Zug ins Winterquartier beginnt für sie schon im Juli
Das Ziel der Juli-Aktion lag aber auch in der Aufklärung, ob sich das Artenspektrum während des sehr frühen Zugs im Juli sich von dem im August unterscheidet. In der Vergangenheit wurde anhand großer Fangzahlen gegen Ende der Brutzeit schon vermutet, dass ein beachtlicher Teil des Zuges sozusagen "übersehen" wird. Auch die Brutzeitfänge zweier Karmingimpel 2010 und 2012 zeigten, dass mit dem Auftreten ungewöhnlicher Arten zu rechnen ist.

Was die frühe Erfassung zeigte: Große Überraschungen gab es keine, aber einige kleine. So ist der Zug bei Watvögeln wie dem Flussuferläufer und dem Waldwasserläufer gegen Ende Juli schon sehr ausgeprägt. Auch je ein Wendehals und Eisvogel wurden gefangen, die sonst erst Mitte August ihren Zug antreten.


Häufige Arten: Viele Grasmücken und späte Rohrsänger

Dorngrasmücke (Sylvia communis)
Wie die anderen Grasmücken auch frisst sie Ende August
sehr häufig an den Brombeersträuchern im IKEA-Biotop
Auffallend  waren in diesem Jahr an allererster Stelle die enormen Fangzahlen bei Dorn- und Gartengrasmücke, mit einem Rekordergebnis von jeweils über 300 Exemplaren! Insbesondere im Vergleich mit dem Mittelwert der Vorjahre sticht 2013 hervor. Die Ursachen liegen wohl in zwei Gründen: Zum Einen war der Bruterfolg 2013 für spät brütende Arten groß, da das Wetter in der zweiten Hälfte der Brutzeit sehr stabil war. Zum anderen spielt auch der Wandel der Vegetation im Biotop eine Rolle, denn gerade die sich ausbreitenden Brombeergebüsche werden von Grasmücken bei der Nahrungssuche angeflogen.

(KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
Zahl der Neuberingungen für Dorn- und Gartengrasmücke pro Tag
von Ende Juli (JL3) bis Ende Oktober (OK3), in Dekaden (10-Tages-Intervalle).
Man beachte die im Verhältnis gewaltigen Zahlen Ende August (AU3)
Trotz geringerer Beringungstätigkeit: Nach 2009 und 2010 konnten erneut über 2.500 Teichrohrsänger beringt werden und der Zug ist noch nicht ganz beendet! Sogar die Rekordzahl scheint noch in greifbarer Nähe zu sein. Dies zeigt einerseits, dass der Bruterfolg in diesem Jahr offenbar recht gut war, andererseits aber auch, dass das Gebiet den Massen rastender Rohrsänger (teils über 200 pro Tag auf 5 Hektar) genügend Nahrung bietet. Der Zug der Teichrohrsänger scheint dabei im Vergleich mit den Daten der Vorjahre zeitlich etwas nach hinten verschoben zu sein, was eventuell für eine große Zahl später Bruten sprechen könnte.
(KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
Zahl pro Tag neu beringter Teichrohrsänger, aufgetragen in Dekaden (10-Tages-Intervalle)
von Ende Juli (JL3) bis Ende Oktober (OK3). 2013 setzte der Zug später ein als im Mittel 2006-2012

Mittelhäufige Arten: Gewinner und Verlierer

Rekordfangzahl beim Eisvogel (Alcedo atthis)
Bisher wurden 2013 bereits 20 Exemplare beringt
Wie bereits im letzten Beitrag beschrieben ist die natürliche Sukzession (die Entwicklung der Vegetation im Biotop) ein Hauptgrund für die Veränderungen in Fangzahlen und Artenspektrum. Große Abnahmen konnten wir vor allem bei Neuntötern und Orpheusspöttern feststellen, die offene Landschaften mit einzelnen Gebüschen bevorzugen. Außer dem Neuntöter- Brutpaar und seinem Nachwuchs wurden nur wenige weitere Durchzügler gefangen. Ähnlich bei den Orpheusspöttern, der Art, die offenbar am stärksten auf die Veränderungen im Biotop reagiert.

Einen anhaltend negativen Trend sieht man bei der Rauchschwalbe, die seit Jahren immer seltener im Biotop wird. Die Schwalben suchen das Gebiet abends als Schlafplatz auf, jedoch war dieser 2013 nicht jeden Tag besetzt. Ob dies der Entwicklung des Biotops oder dem bundesweit abnehmendem Trend dieser Art geschuldet ist, bleibt offen.

Der Schilfrohrsänger, der im letzten Jahr einen Einbruch der Fangzahl um 60% zeigte, ist 2013 wieder auf den Stand der Vorjahre zurückgekehrt. Die genauen Gründe für die Entwicklung im letzten Jahr sind unklar. Vermutlich spielt auch die frühe Zugphase im Juli eine große Rolle für den Schilfrohrsänger, was die Fangzahlen dieses Jahres zeigen.

Feldschwirl (Locustella naevia)
Optisch unscheinbar, akustich unverkennbar:
Sein Gesang ähnelt den Lauten von Heuschrecken.
Steigende Trends sind vor allem bei den Arten zu erkennen, die dichtere und höhere Vegetation bevorzugen: Die Nachtigallen zeigen im Vergleich mit den Vorjahren leicht höhere Fangzahlen, der Fitis hat sogar ein Rekordergebnis erzielt (ca. 150 Beringungen). Ebenfalls Rekord-Fangzahlen stellten daneben  auch der Eisvogel (>20 Beringungen), der Wendehals, der Feldschwirl und das Blaukehlchen auf. Insbesondere bei letzterer Art spielt dabei aber wahrscheinlich auch die bundesweite Bestandsentwicklung eine Rolle, die in den letzten Jahren sehr positiv ist.

Erfreulich ist 2013 auch die Bilanz bei Teich- und Wasserrallen. Durch den niedrigen Wasserstand konnten diese Bodenbewohner, die öfter laufen als fliegen, besonders häufig gefangen werden. Gerade die späten Bruten scheinen dabei sehr erfolgreich gewesen zu sein, was der hohe Anteil noch nicht ausgewachsener Jungvögel belegt.


Seltene Arten: Wieder Zwergdommeln und Tüpfelrallen auf dem Herbstzug!

Vorab sei gesagt: Extreme Raritäten sind in diesem Jahr bislang leider keine aufgetreten, dennoch gab es einige äußerst interessante Fänge bei den Arten, die im Biotop nur selten gefangen werden.
Juvenile Zwergdommel (Ixobrychus minutus)
Erst die 3. Beringung dieser Art im IKEA-Biotop.
Man beachte die vereinzelten Flaumfedern in Kopf- und Körpergefieder
Der bemerkenswerteste Fang bestand in gleich 2 Zwergdommeln, der kleinsten einheimischen Reiherart. Die eine - ein Jungvogel - zeigte noch einige Flaumfedern im Gefieder, die Vermutung liegt daher nahe, dass dieser Jungvogel einer nahe gelegenen (übersehenen) Brut entstammt, was für das Saarland ein wertvoller Nachweis wäre! Die andere, ein adultes Weibchen, ist uns bereits sehr gut bekannt: Sie wurde 2010 beringt und tauchte auch 2011 bereits zur Zugzeit wieder auf. In diesem Jahr blieb sie für mehrere Wochen im Gebiet und wurde desöfteren gefangen. Ihr Gewicht hat sie dabei innerhalb weniger Tage um ca. 50% erhöht, ein Indiz für ein gutes Nahrungsangebot. Eine solche Standorttreue bei der Rast der Zwergdommel (außerhalb ihres eigentlichen Brutgebiets) ist unseres Wissens in der Form noch nicht festgestellt worden.

Tüpfelralle (Porzana porzana)
Nach 2010 endlich wieder Nachweise beim Herbstzug!
Ebenfalls erfreulich: Die Tüpfelralle ist nach 2010 endlich wieder auf dem Herbstzug nachgewiesen worden - und das gleich in Rekordzahl: Ganze 5 Jungvögel wurden gefangen und beringt. Dieser Bodenbewohner brütet nicht im Saarland und wird nur selten rastend beobachtet. Der Großteil der Nachweise der letzten Jahre, meist 1-2 jährlich, gelang unserem Team durch Fang und Beringung. Dass im IKEA-Biotop aber ein so reger Durchzug der Tüpfelralle herrscht, hätten auch wir nicht vermutet.


Aus saarländischer Sicht selten: Auch der Rohrschwirl war 2013 mit 5 Fängen während des Herbstzugs wieder vertreten. Diese und die beiden während des Frühjahrszugs gefangenen Rohrschwirle sind gleichzeitig laut ornitho.de die einzigen im Saarland beobachteten Vertreter ihrer Art im Jahr 2013. Definitiv eine Art, die ohne die Beringungstätigkeit übersehen bliebe.

Flussuferläufer (Actitis hypoleucos)
Im Saarland kein Brutvogel, nur auf dem Zug zu sehen
Eine echte Überraschung in diesem Jahr sind die Fangzahlen bei Limikolen (Watvögeln), allen voran ganze 7 Flussuferläufer. Vor 2013 gab es gerade mal 2 Fänge dieser Art! Ebenfalls überraschend: Unter ihnen war ein beringtes Exemplar, das mit einem Ring der Vogelwarte Stockholm gekennzeichnet wurde. Woher genau der Vogel stammt, erfahren wir aber leider erst mit Zeitverzögerung. Angesichts der wenigen Gesamtfänge dieser Art aber sehr spannend!


Schlusswort: Noch ist vieles drin...

Die bisherige Beringung 2013 war erfolgreich, aber brachte noch keine extremen Besonderheiten, wie in manch einem der Vorjahre. Doch die zweite Zughälfte ist berüchtigt für Irrflügler aller Art, die z.B. einfach in die falsche Richtung fliegen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Sibirische Arten in Mitteleuropa auftauchen. Gerade die bei Tag ziehenden Rohrammern (Ende September bis Ende Oktober) sind häufiger mit nordischen Seltenheiten vergesellschaftet. Insofern heißt es einfach dran bleiben!

Im Namen des gesamten Teams der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

22.07.2013

Brutzeiterfassung 2013


Grauspecht (Picus canus), Weibchen, die 110. im IKEA-Biotop beringte Art
Die Brutzeit 2013 ist für viele Arten abgeschlossen und auch wir haben unsere Erfassung des Brutvogelbestands im IKEA-Biotop beendet. Wie in jedem Jahr wurde pro 10-Tage-Intervall ("Dekade") eine Beringungsaktion durchgeführt, bei der ab Sonnenaufgang über 6 Stunden gefangen wurde. Diese Intensität entspricht der Empfehlung der Vogelwarte, um dem Brutvogelbestand vor Ort keinen Schaden zuzufügen und dennoch eine möglichst genaue Bestandsermittlung zu gewährleisten.

Ausgerechnet am letzten Erfassungstag wurde "zur Belohnung" eine neue Art für das IKEA-Biotop nachgewiesen und konnte auch gefangen und beringt werden: Der Grauspecht. Dieser Laubwaldbewohner, der nur in Ausnahmefällen außerhalb der Wälder anzutreffen ist, wurde völlig überraschend in einem der Auwaldbereiche gefangen. Die Artenzahl im Biotop steigt damit auf 170, davon 110 Arten, die auch beringt werden konnten.



Das Wetter - von Hagelsturm bis Sonnenschein 

Blick vom Beobachtungsturm ins IKEA-Biotop
Nach dem Rekordwinter 2012/13, der auch im IKEA-Biotop der Vogelwelt zu schaffen machte, zeigte sich das Wetter in der Kernbrutzeit erneut von seiner hässlichen Seite. Der Mai brachte im Saartal in kurzer Zeit enorme Regenmengen und im Juni gab es zwei orkanartige Stürme mit Hagel und Starkregen, bei denen sogar einzelne Bäume im Biotop umgestürzt sind. Die Auswirkungen auf den Bruterfolg können im Augenblick noch nicht vollständig abgeschätzt werden, sicher ist aber, dass manche Arten einen Brutverlust oder Teilverluste hinnehmen mussten. Während des Herbstzugs wird man dann spätestens sehen, ob diese auch deutschlandweit ähnlichen Verhältnisse einen signifikanten Einfluss haben.
Als Kontrast zu diesen stürmischen Zeiten war der Juli ein extrem sonniger und trockener Monat mit sehr stabilem Wetter, was vielleicht für Spätbrüter positive Auswirkungen hat. Wenn sich diese Bedingungen bis zur Zugzeit nicht ändern, ist das Gebiet mit dem aktuell niedrigen Wasserstand außerdem prädestiniert für die Rast von Watvögeln.



Erste Ergebnisse - Biotopentwicklung und ihre Folgen

Eine kleine Randnotiz vorab:. Neben diesen Ergebnissen werden im Rahmen der Brutzeitberingung auch Gesangsaktivität und Beobachtungen nicht gefangener Brutvögel erfasst, was einen noch genaueren Einblick in Reviere und Brutgeschehen ermöglicht. Dabei zeigt sich vor allem ein großer Trend: Die natürliche Entwicklung der Vegetationsstruktur (Sukzession)  hat gerade im Vergleich mit dem letzten Jahr große Auswirkungen auf das Artenspektrum der Brutvögel.

Orpheusspötter (Hippolais polyglotta)
Für die Orpheusspötter im IKEA-Biotop ist die aktuelle Entwicklung ungünstig. Die wärmeliebenden Vögel bevorzugen halbhohe Hecken und Gebüsche, die meist in einem Zwischenstadium der Sukzession auftreten. Nachdem in den Vorjahren stets mindestens 4 Brutpaare festgestellt werden konnten, ist der Bestand in diesem Jahr um die Hälfte zurückgegangen. Der Orpheusspötter, der erst ab Mitte der 1980er Jahre von Südwesten nach Deutschland eingewandert ist, ist bundesweit selten und in seinem Vorkommen auf Südwestdeutschland beschränkt. Das Saarland beherbergt dabei den Großteil des deutschen Brutbestands.

Goldammer (Emberiza citrinella), links W, rechts M
Während dieser Trend von uns kritisch beobachtet wird, hat er einer Art doch genutzt. In diesem Jahr besteht starker Brutverdacht für den Neuntöter. Im Randbereich des IKEA-Biotops hat der "Greifvogel unter den Singvögeln" wohl sein Nest in einer großen Brombeerhecke gebaut. Leider konnte der Verdacht (noch) nicht durch weitere Fänge oder Beobachtungen bestätigt werden. Neuntöter erbeuten große Insekten und sogar kleine Mäuse, die sie ähnlich einer Vorratskammer auf Dornen oder Stacheldraht aufspießen.

UPDATE 04.08.2013: 
Das Neuntöter-Paar konnte Ende Juli mit frisch ausgeflogenen Jungen fütternd beobachtet werden, das Weibchen und mindestens ein Jungvogel der Brut konnten auch gefangen und beringt werden. Dies bedeutet den Brutnachweis für den Neuntöter im Gebiet!
 
Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus)
Im Zuge der Biotopentwicklung ist es von großer Wichtigkeit, dass die Spezialisten des IKEA-Biotops nicht negativ beeinflusst werden. Viele von ihnen sind auf spezielle Lebensräume innerhalb des Feuchtgebiets angewiesen und reagieren schnell auch auf kleinste Veränderungen. Gerade in diesem Zusammenhang ist es erfreulich, dass auch 2013 wieder zwei singende Drosselrohrsänger festgestellt wurden. Auch wenn diese im Saarland seltenen Schilfbewohner wie auch 2012 erneut unverpaart blieben und nicht brüteten, zeigt die Anwesenheit eines Männchens von Mai bis Anfang Juli doch, dass das Gebiet zumindest für diese Art noch hervorragend geeignet ist.



Highlights der Brutzeit - Grauspecht & Watvögel

Sperber (Accipiter nisus), Männchen
Neben den üblichen Verdächtigen gab es in diesem Jahr die eine oder andere kleine und große Überraschung. Den Anfang machten ein Rohrschwirl Anfang Mai, sowie ein zweiter Zwergtaucher Ende Mai, nachdem dieses Jahr auf dem Frühjahrszug der erste Fang seit 1999 gelang. Für den Zwergtaucher bestand kurzzeitig Brutverdacht, vermutlich verhinderte das widrige Wetter im Mai und Juni aber eine Brut im IKEA-Biotop.

Der Höhepunkt des Monats Juni war ein adultes Sperber-Männchen, das bei der Jagd ins Netz ging. Diese Greifvögel jagen überwiegend Kleinvögel und gehen dabei auch manchmal in die Netze. Zum letzten Mal war dies 2010 der Fall, damals gab es sogar drei Fänge dieser Art über das gesamte Jahr.


Der Juli schließlich war neben dem Erstnachweis des Grauspechts geprägt von Watvögeln, den sog. Limikolen. Der Herbstzug für einige Arten in dieser Artengruppe beginnt schon ab Mitte Juni. Wir konnten seitdem mit 1 Waldwasserläufer und 3 Flussuferläufern so viele fangen wie in keinem Jahr zuvor - das heißt, bisher! Der Limikolenzug erstreckt sich noch geraume Zeit und der Wasserstand ist günstig.

Waldwasserläufer (Tringa ochropus)

Ausblick - Vorfreude auf den Herbstzug


Das war also wieder die Brutzeiterfassung, doch diese geht nahtlos über in die Herbstzugberingung, die in diesem Jahr testweise schon eine Woche früher startet. Gerade die Zeit Ende Juli ist für manche Arten schon Hauptzugzeit, allerdings wurde in der Vergangenheit häufig erst Anfang August beringt. Ob das ein Fehler war und welche Überraschungen es noch geben wird, sehen wir dann in den nächsten Wochen.



Anhang - Statistik

(vgl. auch 2012)
Die Unterschiede in Fangzahlen begründen sich durch mehr Termine im letzten Jahr, als Anfang Mai noch außerplanmäßige Fangtage zur Erfassung des späten Frühjahrszugs angesetzt wurden. Außerdem wurde der letzte planmäßige Julitermin sehr spät durchgeführt, so dass bereits reges Zuggeschehen herrschte. Die absoluten Zahlen können somit nicht als Indikator für ein gutes oder schlechtes Brutjahr genutzt werden, die Rohdaten müssen noch genauer ausgewertet werden.


Nicht gefangene Brutvogelarten:

Teichhuhn - sichere Brut
Blässhuhn - sichere Brut
Stieglitz - Brutverdacht im Umfeld


24.09.2012

Herbstzug 2012 - Ein Zwischenbericht

Hallo zusammen!

Auch 2012 wieder gefangen: Ein Gelbspötter (Hippolais icterina) - Im Saarland ein seltener Anblick!
Die Beringung des Herbstzugs 2012, die von Anfang August bis Mitte November statt findet, hat nun etwa Halbzeit erreicht. Das bietet die Zeit, mal zurückzublicken auf die bisherigen Ergebnisse der Beringungsaktionen.

Allgemein: Wenig Zeit - viele Arten!

Bekassine (Gallinago gallinago) - schon der zweite Fang 2012
Leider bleibt unserem ehrenamtlichen Team nicht so viel Zeit wie in den Vorjahren, um die Beringung tagtäglich durchzuführen. Bislang wurde aber versucht, doch an mindestens 2-3 Tagen in der Woche vor Ort zu sein. Natürlich wirkt sich dies erheblich auf die Gesamtberingungszahlen aus, die wohl auch in diesem Jahr wie schon 2011 nicht weit über die 5000 Individuen kommen werden, aber immerhin: Die Artenvielfalt ist da! Schon jetzt wurde das Vorjahresergebnis von 65 beringten Arten übertroffen mit bislang 68 beringten Arten und dabei fehlen noch einige fast sichere Arten, die erst später auf dem Zug auftreten.


Phänologie: Wo bleiben die Mönche?

(KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
Fangstatistik für Mönchsgrasmücken (MGM) und Teichrohrsänger (TRS),
aufgetragen nach der Zeit in Monatsdritteln (z.B. A1: 01.-10. August)
Bemerkenswert in diesem Jahr ist der relativ späte Zug der Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla), der fast 10 Tage später als sonst eintrat. Im Vergleich mit den Teichrohrsängern (Acrocephalus scirpaceus), die ihren Zughöhepunkt vergleichbar mit den Vorjahren erreichten, fällt bei den Mönchsgrasmücken ein großer Unterschied auf. Interessant wird sein, ob der Zug auch länger anhält, oder ob es ein kurzer, heftiger Durchzug dieser Art wird.

Rastvögel: Drosselrohrsänger weg, alle anderen da!

Die juvenilen Weibchen des Blaukehlchens (Luscinia svecica)
zeigen noch nicht die namensgebende Brustzeichnung. Die rot-
schwarzen Schwanzfedern sind aber auch hier schon vorhanden!
Während im letzten Jahr zu den länger anwesenden Gästen auch mehrere Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) zählten, fehlen diese 2012 komplett. Gegen Ende der Brutzeit wurden noch Durchzügler gefangen, aber auf dem Herbstzug konnte kein einziges Exemplar nachgewiesen werden. Im Gegensatz dazu sind die bislang 12 Blaukehlchen (Luscinia svecica) und 3 Rohrschwirle (Locustella luscinioides) umso erfreulicher. Bemerkenswert sind auch die durchweg langen Aufenthaltszeiten der Blaukehlchen mit teilweise mehreren Wochen! Das Gebiet scheint dieser Art also genügend Nahrung zu bieten, vielleicht rückt eine Brut im IKEA-Biotop in den Bereich des Möglichen.

Durchzügler: Gewinner und Verlierer 

In diesem Jahr seltener als in den Vorjahren:
Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus)
Neben den hochkarätigen Gästen treten in diesem Jahr Arten wie Feldschwirl (Locustella naevia), Fitis (Phylloscopus trochilus) und Nachtigall (Luscinia megarhynchos) mit leicht gesteigerter Zahl auf (+10-20%).
Gartengrasmücken (Sylvia borin), Gartenrotschwänze (Phoenicurus phoenicurus) und Wendehälse (Jynx torquilla) sind 2012 nahezu genauso häufig wie 2011.
Eingebrochen sind die Fangzahlen hingegen bei Schilfrohrsängern (Acrocephalus schoenobaenus), Neuntötern (Lanius collurio) und Dorngrasmücken (Sylvia communis), mit einem Wert von jeweils nur etwa 40% des Erwartungswerts aus den Vorjahren. Ob dies ein Effekt der wenigen Beringungstage ist oder auf ein schlechtes Brutergebnis hindeutet, kann nicht eindeutig gesagt werden, interessant ist also, ob an anderen Standorten ähnliche Ergebnisse auftreten.

Highlights: Kein Seggenrohrsänger, dafür Gelbkopfschafstelze


Gelbkopf-Schafstelze (Motacilla [flava] flavissima) - Zweitnachweis im Gebiet

Tja, auch in diesem Jahr konnte am "Saarländischen Tag des Seggenrohrsängers" (10.08., an diesem Datum konnten 2009 und 2010 insgesamt 3 Exemplare beringt werden ) wieder kein Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) gefangen werden. Bislang lässt dieser sehr seltene Vertreter der Rohrsänger auch auf sich warten. Nachdem im letzten Jahr aber Ende September noch ein Fang erfolgen konnte, haben wir die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben.
Erfreulich hingegen ist der Zweitnachweis der Gelbkopfschafstelze (Motacilla [flava] flavissima) im IKEA-Biotop. Nach 2009 konnte diese Unterart der Schafstelze, die auf den Britischen Inseln und in Holland brütet, zum zweiten Mal beringt werden. Die große Zeit der Highlights kommt aber erst: In der zweiten Zughälfte ist verstärkt mit dem Auftreten sogenannter "Irrflügler" zu rechnen, die von ihrer eigentlichen Zugstrecke abweichen und nach Mitteleuropa verdriftet werden. Mal sehen, was da noch so kommt...

Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch


Monatszusammenfassung August:


24.06.2012

Brutvogelerfassung und neue Highlights!

Hallo!

Karmingimpel (Carpodacus erythrinus) - Zweitnachweis im IKEA-Biotop!

Nachdem wir schon länger nicht mehr haben von uns hören lassen, gibt es endlich wieder sehr erfreuliche Neuigkeiten zu berichten: Heute Morgen gelang der Fang und die Beringung eines vorjährigen Karmingimpel-Männchens (Carpodacus erythrinus). Diese Art wurde erst zum zweiten Mal nach 2010 von uns beringt und ist im Saarland nur äußerst selten zu Gast. Während die adulten Männchen dieser Art durch ihr leuchtend rotes Gefieder an Kopf und Brust unverwechselbar sind, sind die Weibchen und jungen Männchen unscheinbar bräunlich gefärbt.

Doch auch neben diesem Sensationsfang sind die letzten Monate nicht untätig geblieben. Zum Einen wurde der Frühjahrszug bis Ende April konsequent erfasst mit immerhin 449 Neuberingungen aus 39 Arten. Die gegenüber dem Herbstzug geringeren Fangzahlen sind durch die hohe Sterblichkeitsrate von Jungvögeln auf dem Zug und den breiter angelegten Heimzug zu erklären. Im Vergleich mit den Vorjahren ist dieses Ergebnis sehr erfreulich!

Neuntöter-Männchen (Lanius collurio) - Brütet im Biotopumfeld
Ab Mai haben wir dann mit der Brutvogelerfassung begonnen, einem jährlich standardisiert durchgeführten Programm, das der Überwachung dieses Brutgebiets und der Feststellung von Bestandstrends und klimatischen bzw. Gebietsveränderungen dienen soll. Dabei ist die Intensität der Beringung mit einem Termin pro 10 Tage viel geringer als zur Zugzeit. Dies geschieht vor allem, um brütende Altvögel und noch nicht voll entwickelte Jungvögel nicht unnötig zu stören. Da die einzelnen Brutvogelarten zeitlich gestaffelt eintreffen bzw. auch mehrfach brüten, läuft dieses Programm von Anfang Mai bis Ende Juli.

Kleinspecht (Dendrocopos minor) - hat ein Brutrevier im
nahe gelegenen Wald bei Lisdorf
Neben dem oben erwähnten Karmingimpel, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht in der Umgebung brütet, waren weitere erwähnenswerte Fänge ein junger Kleinspecht (Dendrocopos minor), ein Neuntöter-Paar (Lanius collurio) und 4 Drosselrohrsänger-Männchen (Acrocephalus arundinaceus), von denen einer sich auch längere Zeit im Gebiet aufhielt und durch seinen Gesang die Hoffnung auf eine Brut aufkommen ließ. Ab Anfang  Juni war dann aber alles still.  

Alles in allem kann man bis dato sehr zufrieden sein. Mit bislang 52 gefangenen Arten im Jahr 2012 - und das vor dem Herbstzug - ist dieses Jahr sehr erfolgreich angelaufen. Wir hoffen natürlich, dass das auch so weiter geht!

An dieser Stelle wieder der Hinweis: Tagesaktuelle Fanglisten gibts bei ornitho.de unter der Koordinate 'Beringungsstation "Mittleres Saartal"'.

Bis zum nächsten Mal,
das Team der Beringungsstation.

12.08.2011

Die Neuntöter kommen!

Hallo allerseits!

Die zweite Beringungsaktion des Herbstzuges 2011 wurde durchaus erfolgreich abgeschlossen.

Rolf Klein mit beringtem juv. Neuntöter (Lanius collurio)
Trotz eines zwischenzeitlichen Stromausfalls aufgrund von Bauarbeiten am IKEA-Komplex wurde vom 08.08.-12.08. fleißig beringt, insgesamt kamen diesmal 450 Vögel aus 29 Arten zusammen. Unangefochtener Spitzenreiter war (wie immer) der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) mit ca. 180 Exemplaren, aber auch 18 Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) waren unter den Neuberingungen.

In den Zeitraum dieser Beringungsaktion fiel auch der von uns gekürte "saarländische Tag des Seggenrohrsängers", der 10. August. An genau diesem Tag wurde der seltene Vogel in den vergangenen beiden Jahren gefangen, mit 1 Exemplar 2009 und 2 weiteren Exemplaren 2010. Die schlechte Nachricht vorweg: In diesem Jahr setzte sich diese Erfolgsserie leider nicht fort. Doch auch ohne Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) gab es einige schöne Fänge, vor allem die große Zahl von 7 beringten Neuntötern über die gesamte Aktion ist erfreulich.

beringter juv. Eisvogel (Alcedo atthis) - Eisvögel fliegen nicht auf, wenn sie auf dem Rücken liegen

Zwei weitere Fremdfänge gingen ebenfalls in die Netze, dies waren ein Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) mit Ring der Beringungszentrale Brüssel und ein Teichrohrsänger mit Ring "ICONA Madrid". Interessant ist, dass dies bereits der dritte "spanische" Rohrsänger in diesem Jahr ist, der von uns wiedergefangen wurde.

Hier noch ein Überblick über die Highlights der einzelnen Tage:

Orpheusspötter (Hippolais polyglotta)
08.08.:
2 junge Schafstelzen (Motacilla flava spec.)

09.08.:
2 Orpheusspötter (Hippolais polyglotta)


10.08.:
1 Grünspecht (Picus viridis)
2 Neuntöter (Lanius collurio)
1 Orpheusspötter

11.08.:
1 Eisvogel (Alcedo atthis)
2 Neuntöter


Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch