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13.02.2016

Interessante Ringfundmeldungen

Hallo zusammen!


Das IKEA-Biotop und die Beringungsstation im Februar 2016
Der Winter ist traditionell die ruhigste Jahreszeit an der NABU Beringungsstation: Im Gegensatz zu den Hunderten Durchzüglern pro Tag, die zwischen August und Oktober das IKEA-Biotop zur Rast aufsuchen, herrscht von Dezember bis März eine fast ungewohnte Ruhe. Statt Gewusel im Schilf und Gesängen und Rufen aus allen Ecken des Gebiets sind kaum Vögel zu sehen und hören, mit Ausnahme einiger wenige Wintergäste, die zum Schlafen oder zur Suche nach der nun spärlichen Nahrung einfallen. Aus diesem Grund ist auch die Beringungstätigkeit im Winter auf wenige Aktionen beschränkt, bei denen es hauptsächlich um die Erfassung der einzelnen Individuen geht. Das Ziel ist es dabei, die standorttreuen Überwinterer genauer zu studieren.
Der Winter ist aber auch eine Zeit der Auswertung und Analyse der Daten des Vorjahres. Einen Einblick in diese Tätigkeit haben wir ja bereits bezüglich der Brutzeiterfassung gegeben, ein weiteres sehr interessantes Feld soll Thema dieses Beitrags sein: Ringfundmeldungen


Hintergrund: Koordination durch Beringungszentralen

Eines der großen Ziele der Vogelberingung ist es, über Wiederfunde beringter Vögel das Wissen über Zugbewegungen, Ökologie und Verhaltensmuster zu erweitern. Die NABU-Beringungsstation ist zu diesem Zweck eingegliedert in ein grenzüberschreitendes Netz von Vogelberingungszentralen und dabei der Vogelwarte Radolfzell unterstellt. Diese ist zuständig für Süddeutschland, während der Nordwesten der Bundesrepublik durch die Vogelwarte Helgoland, sowie die neuen Bundesländer durch die Vogelwarte Hiddensee betreut werden. Die Beringungszentralen erfüllen dabei nicht nur eine Verwaltungsaufgabe, sondern sind vor allem zuständig für die Ausgabe der individuell numerierten Vogelringe an die Beringer. Im Gegenzug liefern die Beringer sämtliche erfassten Daten jährlich bei der zuständigen Vogelwarte ab, welche ein zentrales Archiv führt. Weiterhin dienen die Vogelwarten auch als Anlaufstelle für Meldungen zu beringten Vögeln, die neben den jährlichen Datensätzen der Beringer natürlich auch von Privatpersonen stammen.

Beringtes Rotkehlchen
Wenn Sie einen beringten Vogel ablesen
können oder tot auffinden, melden Sie bitte
die Daten unter www.ring.ac an die
zuständige Beringungszentrale.
JEDE MELDUNG ZÄHLT!
Wer einen beringten Vogel abliest oder tot auffindet, kann die entsprechenden Daten mittlerweile europaweit zentralisiert unter www.ring.ac eingeben. von dort werden sie an die Beringungszentralen weitergeleitet, die dann den Findern und Beringern einen Lebenslauf des Vogels übermitteln. Im Falle der NABU Beringungsstation fallen im Schnitt knapp 50 solche Ringfundmeldungen im Jahr an, die entweder von uns beringte Vögel an anderen Orten betreffen, oder aber Informationen zu von uns gefangenen Vögeln mit fremden Ringen beinhalten. Der Wermutstropfen an diesem Verfahren ist der enorme Zeitaufwand, bis alle beteiligten Personen und Institutionen kommuniziert haben: Im Schnitt dauert es vom Fang zur Fundmeldung mehrere Jahre! Aktuell sind wieder etliche Meldungen, vor allem aus den Jahren 2013 und 2014 aufgelaufen, die wir nun genauer unter die Lupe genommen haben. Darunter einige überaus interessante Fälle...


Saarlouiser Blaumeise in Ungarn

Auch Blaumeisen sind teilweise Zugvögel, die nördlichen
Populationen überwintern in Mittel- und Südeuropa
Blaumeisen gelten gemeinhin als Standvögel, was für mitteleuropäische Vögel auch weitgehend wahr ist. Was aber die Wenigsten wissen: Die nördlichen Populationen Skandinaviens und Osteuropas führen im Herbst einen ausgeprägten Zug durch. Im Saarland findet der Hauptdurchzug der Blaumeise meist Ende Oktober oder Anfang November statt. Ein solcher Durchzügler, ein Weibchen, welches am 31.10.2011 im IKEA-Biotop beringt wurde, ist am 23.10.2014 nach knapp drei Jahren von anderen Beringern wieder gefangen worden, allerdings ca. 1.100 km entfernt in Ost-Ungarn. Auch hier ist davon auszugehen, dass es sich um eine Station ihres Herbstzugs handelt.


Feldlerche in Frankreich tot aufgefunden

Seit 2012 konnten im IKEA-Biotop knapp 400 Feldlerchen
beringt werden. 2013 gab es den ersten Wiederfund.
In unserem Projekt zum Herbstzug der Feldlerche ist der erste Ringfund geglückt, leider handelt es sich jedoch um einen Totfund. Das Lerchen-Weibchen wurde von uns am 18.10.2013 beringt und wurde einen knappen Monat später, am 08.11.2013 in Trensacq - ca. 100 km südlich von Bordeaux - tot aufgefunden. Ein Vermerk bei der Beringung deutet auf eine mögliche Todesursache hin: Die Lerche hatte nur geringfügige Fettreserven. Bei einem anstrengenden Zug, insbesondere bei ungünstigen Wetterbedingungen, kann dies für das Individuum natürlich fatal enden. Wir hoffen aber in den nächsten Jahren auf weitere Wiederfunde dieser Art.


Schilfrohrsänger ziehen über Italien

Wiederfunde und Herkunft fremdberingter Schilfrohrsänger.
blau: Beringungsorte anderenorts beringter Individuen
grün: Wiederfunde von uns beringter Individuen
rot: Die Beringungsstation "Mittleres Saartal"
(Quelle: Google earth)
Bei der Beringung im IKEA-Biotop ist der Schilfrohrsänger eine der interessantesten Arten: Zum Einen ist er sehr unscheinbar und wird fast ausschließlich durch Beringung im Saarland nachgewiesen - ca. 5 Beobachtungen jährlich stehen knapp 100 Fängen bei der Beringung gegenüber! Zum Anderen ist die Quote von Wiederfunden und fremdberingten Vögeln verhältnismäßig hoch mit einem von 34 Individuen. Über die Jahre offenbart dies ein interessantes Bild über die Zugroute der Art: Die Schilfrohrsänger, die das Saarland überfliegen, scheinen zum Großteil eine Route über Italien zu wählen. Damit sind sie an der NABU Beringungsstation echte Exoten, die meisten Arten folgen der Westroute über die Iberische Halbinsel. Ein am 14.04.2013 gefangenes Schilfrohrsänger-Männchen bestätigt diese Vermutung wieder: Er trug beim Fang im IKEA-Biotop bereits einen italienischen Ring, beringt wurde er als Altvogel im August 2010 nahe Bologna.


Standorttreue Beutelmeisen
Bei einem Durchmesser von gerade einmal 2,3 mm ist
der Ring der Beutelmeise fast nur in der Hand ablesbar.
Ein Fotograf in der Schweiz hat nun das Gegenteil bewiesen.
Die Art mit der höchsten Quote an Ringfunden ist mit weitem Abstand die Beutelmeise. Im Schnitt ist jede zwölfte Beutelmeise entweder bereits anderenorts beringt worden, oder wird erneut in einem anderen Gebiet gefangen. Eine aktuelle Wiederfundmeldung ist dabei aufgrund der Umstände besonders eindrucksvoll: Eine von uns 2010 beringte Beutelmeise wurde 2014 am Genfer See wiederentdeckt - anhand eines Fotos! Die Ablesung des Rings gelang dabei nur teilweise, dennoch konnten die Buchstaben & Ziffern in Kombination mit dem Schriftzug "Radolfzell" eindeutig diesem Individuum zugeordnet werden. 

Besonders bemerkenswert ist auch die Bindung der Beutelmeisen an ihre Rastgebiete. Ganze 19 Funde der im IKEA-Biotop beringten Individuen stammen aus einem einzigen französischen Feuchtgebiet an der Gironde (Departement Charente-Maritime), umgekehrt konnten wir bereits sechs dort beringte Beutelmeisen fangen. Auch bei den aktuellen Ringfundmeldungen waren wieder zwei Mitteilungen aus diesem Gebiet zu finden. Daneben gibt es noch weitere Standorte mit mehreren Wiederfunden der Beutelmeise, z.B. den Rietzer See in Brandenburg. Nur durch die Beringung konnte diese europaweite Vernetzung von Feuchtgebieten gezeigt werden!


Mönchsgrasmücke auf Abwegen?
Dass Zugwege sich über die Jahre auch verändern können, zeigt die Mönchsgrasmücke ganz aktuell. Seit Jahren ist bekannt, dass ein Teil der Mönchsgrasmücken im Herbst nicht mehr gen Südeuropa zieht, sondern statt dessen in Großbritannien überwintert. Dieses neue Überwinterungsgebiet, wohl begünstigt durch den fortschreitenden Klimawandel, hat sich dabei mehr und mehr etabliert. Ein aktueller Wiederfund einer "saarländischen" Grasmücke passt dabei ebenfalls in dieses Bild: Von uns beringt im September 2013 wurde sie einen knappen Monat später in Nordbelgien erneut gefangen. Falls die Grasmücke diesen Kurs beibehalten hat, führte sie ihr Zug wohl zum Überwintern nach England.


Flussuferläufer aus Schweden

Die Strecke vom schwedischen Öland bis ins Saarland
(1.000 km Luftlinie) schaffte der Flussuferläufer in 4 Tagen
(Quelle: Google Maps)
Zu guter Letzt noch eine Ringfundmeldung, auf die wir schon seit Jahren gewartet haben - und das Warten hat sich gelohnt!
Im Sommer 2013 gelang der Fang eines jungen Flussuferläufers mit schwedischem Ring, wir berichteten. Dies war der erste Fremdfang für diese Watvogelart, die ohnehin bis heute erst 17 Mal im IKEA-Biotop beringt wurde. Noch spektakulärer wurde der Fang durch die Ringfundmeldung: Der Flussuferläufer wurde als Durchzügler in der 1.000 km entfernten Ottenby Vogelstation an der Südspitze Ölands (siehe Karte) beringt, sage und schreibe vier Tage vor unserem Fang. Dies beweist eindrucksvoll, zu welchen Leistungen Zugvögel im Stande sind - insbesondere auch Jungvögel, die erst 2-3 Monate alt sind.

Mit diesen spannenden Ergebnissen möchten wir diesen Bericht abschließen, schon bald soll an dieser Stelle auch der Jahresbericht 2015 erscheinen. Auch die Arbeit im IKEA-Biotop wird bald wieder aufgenommen, bis zum Frühjahr sind noch Pflegemaßnahmen im Gebiet geplant, bevor die Frühjahrszugberingung dann Mitte März startet.

Im Namen des gesamten Beringungs-Teams,
Sebastian Kiepsch

20.04.2015

Das war 2014 - ein Rückblick

Hallo zusammen!

Sperbergrasmücke, Jungvogel - Saarländischer Erstnachweis 2014

Mit Superlativen sollte man ja bekanntermaßen immer vorsichtig sein, aber das vergangene Jahr 2014 war für die Beringung im Saarland eines der spannendsten Jahre seit Beginn der systematischen Beringungstätigkeit.Wir möchten daher kurz Bilanz ziehen und die interessantesten Entwicklungen und Fänge vorstellen.


2014 - Das war Masse UND Klasse!
Bartmeise, Männchen - zuletzt 2010 gefangen
Mit dem Beginn der Vergleichsdatenerfassung in "Klein's Garten" in Biringen und der durchgehenden und intensiven Erfassung im IKEA-Biotop lagen die Beringungszahlen im vergangenen Jahr über 12.000 Individuen - so viele Vögel wurden von unserem Team in einem Jahr noch nie beringt. Speziell im IKEA-Biotop gab es 2014 drei der zehn fangstärksten Beringungstage aller Zeiten, darunter den stärksten jemals registrierten Tag mit 510 Gesamtfängen!


Masse und Klasse schließen sich dabei auch nicht gegenseitig aus: An beiden Fangplätzen gab es extrem artenreiche Jahre. In Klein's Garten gab es insgesamt 55 Arten, ein mehr als beachtliches Ergebnis! Im IKEA-Biotop wurden 80 verschiedene Arten beringt - nur das Jahr 2010, in dem beinahe durchgehend erfasst wurde, übertrifft mit 86 Arten dieses Ergebnis. Zählt man beide Standorte zusammen, wurde diese Bestmarke sogar mit exakt 90 Arten übertroffen.

Besonders erfreulich waren natürlich auch die großen Highlights 2014, mit der Sperbergrasmücke  und den gleich 3 Gelbbrauen-Laubsängern. Daneben gab es mit einem Sprosser auch noch einen unerwarteten Zweitnachweis für das Saarland mitten in der Brutzeit und das größte Aufkommen an Zwergdommeln im IKEA-Biotop.

Steinkauz - gefangen in "Klein's Garten"
Darüber hinaus gab es auch einige Arten, die nicht jedes Jahr gefangen werden, z.B. 5 Bartmeisen und einen Kuckuck. Speziell erstgenannte Art konnte im Saarland zuletzt 2010 nachgewiesen werden, ebenfalls durch Beringung im IKEA-Biotop.

Am Standort "Klein's Garten" ging neben dem Gelbbrauen-Laubsänger auch ein Steinkauz in die Netze, sowie zahlreiche Arten, die im IKEA-Biotop fehlen, z.B. zahlreiche Wacholder- und Misteldrosseln und gleich 3 Mittelspechte.



Häufige Arten - So häufig wie nie zuvor!

2014 war das erste Jahr seit Beginn der Erfassung, in dem die vier häufigsten Arten des IKEA-Biotops (Teichrohrsänger, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen, Rohrammer) allesamt über 1000 Neuberingungen verzeichnen konnten. Neben der intensiven Erfassung ist aus unserer Sicht dabei vor allem auch die herausragende Brutsaison 2014 ein Faktor.

Rohrammer, Männchen
Insbesondere bei den Rohrammern kam in den vergangenen Jahren die Frage auf, ob diese aufgrund von Biotopsveränderungen seltener im IKEA-Biotop rasten. Diese Frage können wir nun mit "Nein" beantworten. Gerade der abfallende Trend in den Fangzahlen von 2009-2013 ist durch die Ergebnisse der letzten Fangperiode gebrochen. Wie schon im letzten Jahr vermutet, ist also wahrscheinlich die zeitliche Abdeckung des Rohrammerzuges das Problem: Der Hauptdurchzug der Rohrammern erstreckt sich von 01.-25. Oktober. Dies ist verglichen mit den anderen häufigen Arten das schmalste zeitliche Zugfenster. An jedem Fangtag in dieser Periode können potentiell große Zahlen an Rohrammern auftreten, teilweise über 100 Individuen pro Tag. Wenn gerade dann aus zeitlichen Gründen oder wegen der Wetterbedingungen die Beringung ausfällt, schlägt sich das unmittelbar auf die Fangzahlen nieder. Genau dieses methodische Problem bewirkte auch den "Pseudo-Trend" 2009-2013.

Vermutliche östliche Klappergrasmücke
Neben der Zeichnung der Schwanzfedern sprechen auch
Gesamteindruck, Flügelform und Augenfarbe gegen die
normalerweise in Mitteleuropa brütende Unterart curruca
Neben den Top-4 sind es vor allem die anderen Grasmücken, die 2014 auffallen. Wie schon im Herbst 2013 gibt es erneut Jahreshöchstzahlen bei Dorn-, Garten- und Klappergrasmücke zu vermelden. Insbesondere die Klappergrasmücke konnte im IKEA-Biotop fast doppelt so oft gefangen werden wie im Vorjahr. Diese Arten gehören auch zum häufigen Artenspektrum der Vergleichsfläche "Klein's Garten". Eine der dort gefangenen Klappergrasmücken war dabei besonders interessant: Aufgrund des optischen Eindrucks liegt die Vermutung nahe, dass sie einer der östlichen Unterarten (Südrussland) angehört. Die Bestimmung ist dabei ein großes Problem, auch wegen der Variabilität und eventueller Vermischung zwischen den Unterarten. Anhand einer entnommenen Federprobe soll jetzt mittels genetischer Untersuchung festgestellt werden, ob unser Verdacht hier richtig ist.


Mittelhäufige Arten - Stabiler Trend


Schilfrohrsänger - Eine von wenigen Arten, die 2014 einen
negativen Trend zeigten
Bei vielen mittelhäufigen Arten (z.B. Nachtigall, Beutelmeise, Orpheusspötter, ...) liegt 2014 auf dem Niveau der Vorjahre, mit teilweise sehr geringen Abweichungen in beide Richtungen. Aus zeitlicher Sicht konnte auch keine signifikante Abweichung des Zugs dieser Arten gegenüber dem langjährigen Mittel festgestellt werden.

Eine einzige Art (der Schilfrohrsänger) zeigt deutlich geringere Fangzahlen, jedoch sind hier in den Vorjahren schon immer starke Schwankungen aufgetreten, so dass man diesen Effekt nicht überbewerten sollte.


Eisvogel, Weibchen - Rekordjahr 2014
Eine sehr positive Entwicklung gab es 2014 bei den Eisvögeln. Mit 55 beringten Exemplaren wurde ein neues Jahres-Allzeithoch festgestellt (zuvor 27 Ex. 2013). Zeitweise konnten bis zu 7 Eisvögel an einem Tag gefangen werden, was für das Nahrungsangebot im Gebiet spricht.

Interessant ist auch der Fang von gleich 2 Individuen mit fremden Ringen (beide Vogelwarte Helgoland). Wir sind gespannt, aus welchem Teil des Einzugsgebiets (ganz NW-Deutschland bis Hessen) diese stammen.

Dass Eisvögel auch längere Zugstrecken überwinden können, zeigte ein Wiederfund eines von uns beringten Eisvogel-Weibchens, das in Nordspanien von anderen Beringern erneut gefangen wurde. Ebenfalls konnte schon ein in Thüringen beringter Eisvogel im IKEA-Biotop wiedergefangen werden.
 
Rotdrossel - Hübscher Beifang zu den Feldlerchen
Der seit 2012 durchgeführte Feldlerchenfang verlief 2014 äußerst erfolgreich, mit insgesamt 133 Fängen an beiden Standorten. Zum ersten Mal wurde damit die magische Marke von 100 Gesamtfängen geknackt. Klein's Garten hat sich dabei allerdings als wenig geeignet herausgestellt, mit gerade einmal 4 Fängen bei mehreren Aktionen. Interessant war dabei auch der nächtliche Fang einer Rotdrossel im IKEA-Biotop, die wohl mit den Feldlerchen unterwegs war.

Kernbeißer, Weibchen - Nur einer dieser typischen Wintergäste
ging 2014 im IKEA-Biotop in die Netze
Die späten Durchzügler (Heckenbraunelle, Zaunkönig, Amsel, Blau- und Kohlmeise), welche in der Vergangenheit schon mehrmals durch invasionsartige Ansammlungen aufgefallen sind, waren letztes Jahr allesamt nur durchschnittlich vertreten. Dies repräsentiert ganz gut den Wetterverlauf im Spätherbst 2014, der sehr mild ausfiel und nur wenige Frostnächte brachte, so dass viele Kurzstreckenzieher bereits nördlich des Saarlands ihr Winterquartier bezogen. Dadurch waren auch typische Wintergäste nur selten oder gar nicht aufgetreten: Gerade mal 1 Kernbeißer und 6 Erlenzeisige konnten im Herbst gefangen werden, Birkenzeisige und Bergfinken sind (zumindest im IKEA-Biotop) ganz ausgeblieben.


Seltene Arten - Erstnachweise, Zweitnachweise und mehr! 

Gelbbrauen-Laubsänger - Nicht 1, nicht 2, gleich 3 beringte
Exemplare dieser bundesweit seltenen Art gab es 2014
an beiden Fangstandorten.
Dass 2014 für uns auch das Jahr der großen Sensationen war, konnte man ja schon den letzten 3 Posts entnehmen.

Die Sensation 2014 war der nunmehr 5. Saarländische Erstnachweis an der Beringungsstation mit der Sperbergrasmücke. Sie war eine Art, die seit Beginn der systematischen Beringung unter den heißen Kandidaten vermutet und nun endlich nachgewiesen werden konnte - ein enormer Erfolg für das ganze Team!
 
Am "grünen Tisch" wird wohl über einen weiteren vermeintlichen Erstnachweis für das Saarland diskutiert werden müssen: Gleich 3 (!!!) Gelbbrauen-Laubsänger waren 2014 unter den Fänglingen. Den Anfang machte ein Fang in "Klein's Garten" am 29.09., was eigentlich schon Grund genug zur Freude ist. Aber das Team IKEA konnte knapp 3 Wochen später mit gleich 2 Fängen an einem Tag nachlegen. Im Saarland gab es vorher einen (aus unserer Sicht) zweifelhaften Nachweis aus den 60er Jahren, der vor allem zeitlich vollkommen aus dem Rahmen fällt. Zur damaligen Zeit war aber noch extrem wenig über diese in Mitteleuropa selten auftretende Art bekannt, so dass der Nachweis akzeptiert wurde. Wahrscheinlich muss die Avifaunistische Kommission des Saarlandes (AKSL), welche die zuständige wissenschaftliche Instanz ist, diesen Fall erneut aufrollen. Bis dahin werden wir unsere Fänge selbstverständlich als Zweit-, Dritt- und Viertnachweis führen.


Sprosser, Weibchen - Saarländischer Zweitnachweis,
mit Brutfleck und in aktiver Handschwingen-Mauser
Ein definitiver Zweitnachweis gelang uns schon in der Brutzeit mit einem Sprosser, dem östlichen Verwandten der Nachtigall. Gerade die bizarren Umstände dieses Fangs machen ihn aber umso interessanter: Ein adultes Weibchen ging mitten in der Brutzeit ins Netz. Es waren noch Reste des sogenannten "Brutflecks" zu erkennen, einer kahlen Stelle am Bauch, an denen brütende Vögel sich Federn ausrupfen, um das Gelege besser wärmen zu können. Außerdem führte der Vogel eine Großgefiedermauser durch, es fehlten zahlreiche Schwingen im Handflügel, sowie der komplette Schwanz, die Flugfähigkeit war dadurch erheblich eingeschränkt. Soweit wäre das nicht unbedingt überraschend, wäre nicht das Brutgebiet ca. 600 km Luftlinie entfernt. Aus unserer Sicht sind 2 Szenarien denkbar: Entweder es gab eine Brutaufgabe im angestammten Gebiet und der Vogel ist von dort abgewandert und begann anderenorts die Mauser; oder es gab in der Umgebung des Biotops eine (missglückte) Mischbrut von Nachtigall und Sprosser. Was zutrifft, lässt sich (noch) nicht abschließend klären. Da Brutvögel aber dazu neigen, einen angestammten Brutplatz im nächsten Jahr wieder aufzusuchen, sind wir gespannt ob wir 2015 vielleicht den beringten Sprosser erneut fangen.


Zwergdommel, Jungvogel - 1 von 4 Exemplaren 2014
in arttypischer Schreckhaltung ("Pfahlstellung")
Gegenüber diesen extremen Ausnahmeerscheinungen sind die anderen Seltenheiten fast zur Nebensächlichkeit verkommen. Sicherlich nicht verdient haben das aber die vier (!!) juvenilen Zwergdommeln, welche im August und September 2014 im IKEA-Biotop beringt werden konnten. Diese Anzahl stellt nicht nur einen Jahresrekord dar, sondern übertrifft auch die Summe aller zuvor beringten Zwergdommeln (3) im Gebiet. Dies zeigt unmittelbar, dass auch nicht im Gebiet brütende Vogelarten enorm von der Fläche profitieren. Der Aufwärtstrend bei der Zwergdommel lässt auch auf eine mittelfristige Ansiedelung hoffen.


Schlusswort - Das bringt 2015

Schönes Wetter beim vorletzten Tag der offenen Tür 2012,
hoffentlich auch wieder 2015!
Das kommende Jahr wird kein einfaches Jahr an der Beringungsstation sein. Die Intensität der Beringung, wie sie 2014 vorherrschte, wird in dieser Form nicht mehr durchführbar sein. Der größte Segen 2014 wird in Zukunft auch der größte Fluch sein: Hohe Fangzahlen erfordern mehr Beringungshelfer. An Spitzentagen müssen durchgehend mindestens 4 gut ausgebildete Personen vor Ort sein, um das Aufkommen an Vögeln zu bewältigen. Die große Frage steht im Raum, wie man wissenschaftliche Erfassung mit kleinerem Aufwand betreiben kann oder wie man weitere Leute für diese Art der ehrenamtlichen Tätigkeit im wissenschaftlichen Naturschutz motivieren kann.


Nicht zuletzt deshalb wird es 2015 nach dem Ausfall im letzten Jahr wieder einen Tag der offenen Tür geben. Ziel ist es, das Projekt der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Doch auch aus dem Kreis der Beringer und der Aktiven im Naturschutz möchten wir deutschlandweit zur Mitarbeit aufrufen: Wer sich dafür interessiert, an der Station ehrenamtlich auszuhelfen (1 Tag, 1 Wochenende, 1 Woche, ...) sollte nicht zögern und uns kontaktieren. Wir würden uns freuen, insbesondere andere Beringer begrüßen zu können.


Wir hoffen jedenfalls auf ein spannendes und artenreiches 2015!

Im Namen der Beringungs-AG,
Sebastian Kiepsch

22.02.2014

Herbstzug 2013 - die zweite Zughälfte

Hallo an alle Leser!

Raubwürger (Lanius [excubitor] homeyeri(?)) - Das Highlight 2013?
Mehr Infos siehe Text
Der Winter ist traditionell die Zeit, in der die Beringung im IKEA-Biotop zur Ruhe kommt. Die Netze sind sicher eingelagert, das Biotop ist sich selbst und den dort einkehrenden Wintergästen überlassen. In diesem Jahr will der Winter das Saarland aber (zumindest bis jetzt) eher umgehen und so lagen die Temperaturen bis auf wenige Ausnahmen eher auf herbstlichem Niveau und was eigentlich Schnee ist, das haben die meisten Saarländer sowieso schon ganz vergessen.
Für uns bedeutet diese Zeit aber auch, auf das vergangene Jahr zurückzublicken und die angesammelten Daten etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Den Anfang macht heute die (überfällige) Zusammenfassung der zweiten Herbstzughälfte.


Allgemein - Erfassung mit Unterbrechung

Basstölpel (Morus bassanus), Helgoland 2013
Das beliebteste Ziel deutscher Ornithologen!
Die zweite Zughälfte reicht von Anfang Oktober bis ca. Ende November, wobei diese Phase je nach Wetterlage mal kürzer und mal länger andauert und auch in der Intensität stark variiert. Die zweite Hälfte des Herbstzugs ist die Hälfte mit geringeren Fangzahlen, da einfach viele früh ziehende Arten schon weg sind. Außerdem war gerade Anfang Oktober 2013 die Zeit, in der unser Team geschlossen zu den Helgoländer Vogeltagen gefahren ist: Ein Erlebnis, dass man allen begeisterten Hobbyornithologen nur immer wieder empfehlen kann. Neben dem maritimen Artenspektrum treten dort im Herbst nämlich zahlreiche extrem seltene Irrgäste auf, die anderenorts in Deutschland noch nicht nachgewiesen wurden.

Für unsere Erfassung bedeutet das eine "Datenlücke" von einer Woche, in der die Beringung geruht hat. Obwohl wir so gut wie möglich versucht haben, das unbearbeitete Zeitfenster zu minimieren (am Tag vor der Abreise noch eine Aktion), gibt es natürlich dadurch statistische Auswirkungen. Eine weitere Verzerrung der Daten entsteht durch die typischen Beringungszeiten. Als ehrenamtliche Tätigkeit findet die Beringung neben unserer regulären Arbeit (vorher bzw. hinterher) statt, dadurch ist der tageszeitliche Bereich vom späten Vormittag bis zum frühen Abend unterrepräsentiert. Doch dazu später mehr.


Feldlerche (Alauda arvensis)
Seit dem Vorjahr nehmen wir ab Anfang Oktober auch an einer bundesweiten Feldlerchen-Beringung teil, bei der in der Nacht Feldlerchen mit spezieller Fangtechnik auch in eigentlich ungeeignete Biotope gelenkt werden. Auch 2013 wurden immerhin 74 Stück gefangen (davon ganze 62 in einer sehr klaren Vollmondnacht!), eine gute Bilanz (vgl. 2012: 84 Ex.).



Häufige Arten - Rohrammern seltener?

Bei den häufigen Arten gibt es hauptsächlich 2 Arten, die ihren Hauptdurchzug in der späten Zugphase haben: Rohrammern und Rotkehlchen. In den vergangenen Jahren stets zwei der vier häufigsten Arten im IKEA-Biotop. Die anderen beiden Top-4-Arten, Teichrohrsänger und Mönchsgrasmücke, lassen ihren Zug bis Ende Oktober hin ausklingen, Fänge im November sind aber nicht untypisch. Auch die sehr häufigen Zilpzalpe ziehen in der zweiten Zughälfte stark.

Was fiel 2013 auf: Nun, für die Rotkehlchen nicht viel, der Herbstbestand 2013 lag mit 674 Ex. in etwa in der Größenordnung der Vorjahre (2012: 705 Ex.).
Phänologiediagramm der Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)
Im Vergleich dazu die Vorjahre. Man erkennt deutlich,
dass die Fangzahlen enorm nach oben abweichen, sowie eine
zeitliche Verschiebung zu späterem Zug, wie auch schon 2012
Doch für die anderen Top-4 gab es große Abweichungen: Mönchsgrasmücken und Teichrohrsänger waren viel häufiger als im Vorjahr: Für die anderen Grasmückenarten hat sich das ja bereits in der ersten Herbstzughälfte angedeutet, auch bei den Mönchen lagen die Fangzahlen mit 1075 Ex. (2012: 620 Ex.) sehr deutlich über den Ergebnissen der Vorjahre. 2013 war für die Mönchsgrasmücke das Jahr mit den meisten Fängen seit Beginn der Beringungsarbeit im IKEA-Biotop.


Der Teichrohrsänger als häufigste Art des Gebiets kann dieses Ergebnis aber locker übertreffen: Mit 2530 gefangenen Individuen 2013 (2012: 1586 Ex.) war der Herbstzug 2014 fast so stark wie die Rekordsaison 2010. Ein besonders interessanter Vertreter seiner Art ging uns noch am 26.11. ins Netz. Dies macht ihn nicht nur zum spätesten je im IKEA-Biotop nachgewiesenen Teichrohrsänger, er war auch noch mit einem holländischen Ring markiert! Es wird interessant sein zu erfahren, wann und wo er dort gefangen wurde.

Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus), beringt von Zentrale Arnhem (NED)
Gefangen am 26.11.2013 und damit der späteste je von uns nachgewiesene Teichrohrsänger

Fangzahlen der Rohrammer (Emberiza schoeniclus)
Dazu im Vergleich Zahl der Beringungstage jeweils
von 11.09. - 20.11. des Jahres (Hauptdurchzug).
Die Diskrepanzen 2012 bzw. 2013 könnten auf
Populationsrückgang oder Methodikprobleme hinweisen
Was die Rohrammern angeht, sieht die Saison 2013 weniger erfreulich aus. Zum ersten Mal seit Beginn der Beringung im IKEA-Biotop schafft es die Rohrammer nicht unter die vier Arten mit den stärksten Fangzahlen und wird von Sumpfrohrsänger und Zilpzalp auf Platz 6 verwiesen. Schon seit 2009 sieht man bei der Rohrammer einen kontinuierlichen Abwärtstrend. Doch dies sollte man noch nicht überbewerten, da die angesprochenen statistischen Verzerrungen (Datenlücke im Hauptdurchzugsfenster und um die Mittagszeit der Beringungstage) die Fangzahlen zumindest bei uns enorm verfälschen. Fakt ist, dass gerade in den letzten beiden Jahren enorme Rückgänge zu verzeichnen sind. Die interessante Frage wird sein, ob andere Beringer einen ähnlichen Trend sehen.

Rangfolge der Arten nach Zahl der Neuberingungen 2013 im Vergleich mit 2012


Mittelhäufige Arten - von ausbleibenden Invasionen

Der Spätherbst ist üblicherweise die Zeit, in der auch ungewöhnliche Zugbewegungen festgestellt werden. So war z.B. 2010 ein Jahr, in dem viele Waldvögel im Saarland in untypischen Biotopen gesichtet (und von uns auch gefangen) wurden. Das Jahr 2012 war geprägt von invasionsartigem Auftreten von Singdrosseln, Blau- und Kohlmeisen, bei denen insbesondere letztere durch ihre fremdartigen Rufe auch an vielen anderen Stellen Deutschlands auffielen (vgl. avesrares.wordpress.com - "freaky great tits"). Die vergangene Beringungssaison war dagegen was diese Arten angeht vergleichsweise ruhig, die erzielten Fangzahlen fielen zurück auf den durchschnittlichen Stand der Vorjahre.
Auch die sonst im Saartal in großer Zahl auftretenden Erlenzeisige blieben wohl aufgrund des milderen Wetters größtenteils in nördlicheren Gefilden. Gerade einmal zwei Vertreter dieser Art konnten im Herbst 2013 beringt werden (2012: 42 Ex.).

Alpen-Birkenzeisig (Carduelis [flammea] cabaret)
Eine späte kleine Invasion konnte aber bei den verwandten Birkenzeisigen (Unterart cabaret) festgestellt werden. Speziell Ende November und Anfang Dezember waren diese kleinen Finken an vielen Stellen im Saartal in teilweise recht großen Trupps auf Nahrungssuche bzw. als Durchzügler feststellbar. Auch bei der Beringung konnten immerhin 4 Individuen gefangen werden (2012: 2 Ex., darunter auch 1 Ex. der nordischen Unterart flammea), ein Trupp von ca. 20 Birkenzeisigen konnte daneben über mehrere Tage hinweg beobachtet werden.



Seltene Arten - Spätes Glück und Bestimmungsproblematik


Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus)
Das erste Highlights kurz vorweggenommen: Endlich konnte nach zwei erfolglosen Jahren wieder eine Zwergschnepfe gefangen werden! Zuletzt war uns diese Art 2010 in die Netze gegangen. Zwergschnepfen, die übrigens sehr nahe mit der Bekassine - dem Vogel des Jahres 2013 - verwandt sind, rasten fast alljährlich im IKEA-Biotop. Die wenigen Tiere treten aber meist dort auf, wo sie ungestört sind - also weit von den Netzen entfernt. Für unser Team war dieser Fang insofern sehr erfreulich.

Nach dem erneuten Ausbleiben der ganz großen Highlights bis Ende September haben wir schon fast die Hoffnung auf Sensationen aufgegeben, doch pünktlich zu Beginn der 2. Zughälfte wurden wir am Abend des 02.10. von einem seltenen Anblick im Netz überrascht: Der oben gezeigte Raubwürger hing inmitten des höchsten Schilfbestands des Gebiets im Netz, eigentlich ein Vegetationstyp, der so gar nicht zu dieser Art passt, die sonst in Offenlandbereichen ihre Nahrung jagt: Großinsekten, Mäuse, etc. In der Vergangenheit wurden bereits zwei Raubwürger an anderen Stellen im IKEA-Biotop gefangen, also insofern auch keine große Sache, sollte man meinen.

Raubwürger (Lanius [excubitor] homeyeri(?)) - Schwanzzeichnung
Zwei vollständig weiße äußere Schwanzfedern!
Erst bei genauerem Hinsehen fiel dann auf, dass die Merkmale dieses speziellen Raubwürgers sehr gut zur östlichen Unterart homeyeri passen, die im Bereich des Kaukasus bis Sibirien vorkommt. Die beschriebenen Merkmale dieser Unterart umfassen ein durchschnittlich helleres Erscheinungsbild mit ausgedehnten Weißzeichnungen im Flügel und vor allem im Schwanzmuster. Kann das sein? Vieles spricht dafür... doch es gibt einen Haken: Die Variation dieser Spezies. In der Fachliteratur gibt es keine Übereinstimmung über die Abgrenzung der Unterart homeyeri zu unseren heimischen excubitor-Raubwürgern und viele Feldornithologen warten derzeit auf eine Veröffentlichung zu dieser Thematik. Unser Team kam dann zu dem Schluss, die Dokumentationsaufnahmen anerkannten Experten zur Verfügung zu stellen und bis zum Urteil der Fachwelt bei der Bestimmung als homeyeri zu bleiben. Nichts desto trotz muss diese Unterart aufgrund ihrer Seltenheit in Deutschland bei der Deutschen Avifaunistischen Kommision (DAK) dokumentiert werden wird hier von angesehenen Ornithologen überprüft. Bis zur abschließenden Bewertung ist dieser Fang also noch mit einem Fragezeichen zu versehen.


Sibirischer Zilpzalp (Phylloscopus [collybita] tristis)
mit verklebtem Gefieder um den Schnabel
Ähnlich verlief es bei einem weiteren späten Fang: Ein (vermutlicher) Sibirischer Zilpzalp der Unterart tristis konnte Mitte November überraschend gefangen und beringt werden. Auch hier muss die Bewertung zwar abschließend durch die DAK erfolgen, doch aus unserer Sicht ist der Fall hier etwas klarer. Bereits 2009 wurde ein mittlerweile bestätigter tristis-Zilpzalp im IKEA-Biotop gefangen, mit sehr ähnlichen Merkmalen. Im Vergleich mit den bei uns brütenden collybita wirkt der tristis-Zilpzalp wesentlich heller und zeigt kaum Gelbtöne in der Gefiederfärbung. Seine Beine sind sehr dunkel und vor allem - was wir zum Glück nach meheren Minuten Wartezeit auch feststellen konnten - hat er einen speziellen Ruf. Auch die Bilder sprechen aus unserer Sicht Bände.

Der direkte Vergleich - Sibirischer Zilpzalp (Phylloscopus [collybita] tristis) (l.)
und sein mitteleuropäischer Verwandter, Zilpzalp (Phylloscopus [collybita] collybita) (r.)


Schlusswort: 2014 steht bevor

Das alte Beringungsjahr ist Geschichte, ein neues bricht an. Auch 2014 werden wir wieder so gut es geht versuchen, Beringungsaktionen durchzuführen, beginnend mit der Erfassung des Frühjahrszugs.

Doch zunächst werden wir noch in anderer Mission aktiv: Im IKEA-Biotop wurde eine kleine aber feine Umgestaltungsmaßnahme bewilligt, die durch großzügige und tatkräftige Unterstützung des Tiefbauamts der Stadt Saarlouis in den nächsten Tagen durchgeführt wird. Es soll eine neue Flachwasserzone und ein abgetrenntes Tiefgewässer entstehen, welche das Angebot an Nahrung und Rastplätzen für Brut- und Zugvögel erweitern. Daneben soll ein Graben an der Grenze des Biotops gezogen werden, der Störungen z.B. durch unbefugtes Betreten verhindern soll. Wir sind gespannt, welche Auswirkungen diese Maßnahme auf das Artenspektrum und den Bestand haben wird.

Wir freuen uns schon auf neue spannende Fänge und Geschichten!

Im Namen der Beringungs-AG,
Sebastian Kiepsch

09.12.2012

Nachtrag: Monatszusammenfassung Oktober

Hallo zusammen!


Feldlerche (Alauda arvensis) - Die 108. Art, die von uns beringt werden konnte
Wie bereits angekündigt, ist die Beringung des Herbstzugs 2012 am 30.11. abgeschlossen worden. Während ich aktuell bereits an der Auswertung der Daten arbeite und definitiv in den nächsten Wochen eine erste kurze Veröffentlichung an dieser Stelle plane, gibt es vorab noch die Monatszusammenfassung für den Oktober. Parallel läuft übrigens auch noch die Beringung der Wintergäste an einer im Biotop eingerichteten Futterstelle, sofern Zeit und Wetter das erlauben.

Rauchschwalbe (Hirundo rustica) (27.10.2012)
Für den Oktober gibt es leider kein großes Highlight zu vermelden, aber immerhin die 108. Art, die im IKEA-Biotop beringt werden konnte: Die Feldlerche (Alauda arvensis). Bislang gelang noch kein Fang dieser recht häufigen Art, vor allem, weil geeignete Rastflächen im Biotop fehlten. Nun wurde gezielt ein ca. 15x15 Meter großes Areal umgestaltet, um diese Art und andere Offenlandbewohner anzulocken. Im Rahmen mehrerer nächtlicher Fangaktionen konnten insgesamt 72 Lerchen gefangen werden, am 10.10.2012 wurde dabei mit 56 gefangenen Individuen ein erstes Rekordergebnis aufgestellt.
 

 
Eine kleine Überraschung gab es noch am 27.10. mit der spätesten Rauchschwalbe (Hirundo rustica), die je in Lisdorf beringt werden konnte. Eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer und so ist auch diese kein Indikator für einen späten Zug oder ein gutes Brutergebnis. Man kann sie lediglich als Zufallsfang verbuchen, nicht zuletzt deswegen, weil Beobachtungen Ende Oktober im Saarland regelmäßig gemacht werden.
  
(Alpen-)Birkenzeisig (Carduelis [flammea] cabaret)
Nach 2010 dieses Jahr wieder auf dem Herbstzug gefangen
Mehr Details zur zweiten Zughälfte und zur Gesamtauswertung folgen dann schon bald, ebenso die Monatszusammenfassung November. Hier nun die Fangzahlen für den Oktober:


Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch