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20.10.2014

Gelbbrauen-Laubsänger - jetzt auch im IKEA-Biotop

Hallo zusammen!

Gelbbrauen-Laubsänger (Phylloscopus inornatus)
Eines von 2 beringten Ex. am 19.10.2014 im IKEA-Biotop.
Erster Nachweis dieser Art für das Biotop!
2014 scheint das Jahr der Seltenheiten zu werden. Nach dem Fang des Gelbbrauen-Laubsängers auf unserer Vergleichsfläche "Kleins Garten" in Biringen konnte diese Art nun auch endlich im IKEA-Biotop gefangen und beringt werden, und das gleich ZWEIMAL an einem Tag (13:00 Uhr bzw. 17:30 Uhr). Der Gelbbrauen-Laubsänger ist damit die 112. von uns im IKEA-Biotop beringte Art und die 173. Art, die für das Gebiet insgesamt nachgewiesen ist.



Selten / häufig - was denn jetzt?

Aktuelle Verbreitung der Meldungen von
Gelbbrauen-LS in Deutschland für 2014
(Quelle: ornitho.de)
So schnell kann's gehen. Da wartet man über 5 Jahre auf den ersten Fang dieser Art und dann plötzlich sind es 3 Fänge in 3 Wochen. Dies zeigt, dass eine unserer Vermutungen sich zu bewahrheiten scheint: Der Gelbbrauen-Laubsänger ist im Saarland viel häufiger, als es den Anschein hat. Einzig der Nachweis der Art scheint schwer zu fallen.
Im Feld sind die kleinen Gelbbrauen-LS  sehr unscheinbar: Sie suchen in Büschen und Bäumen nach Nahrung (Insekten) und bewegen sich sehr flink. Im Verhalten unterscheiden sie sich kaum von Zilpzalp, Fitis und den ca. 10 ähnlichen seltenen Laubsängerarten, die es von den Gelbbrauen-LS zu unterscheiden gilt. Man muss einen Laubsänger schon unter ziemlich guten Bedingungen sehen, damit man diese Art zweifelsfrei erkennen kann. Die beste Möglichkeit der Identifikation bieten wohl die charakteristischen Rufe, die auch im Herbst zu hören sind.



Seltenheiten im Doppelpack - alles schon gesehen!

Lothar Hayo mit den 2 am 10.08.2010 gefangenen
Seggenrohrsängern (Acrocephalus paludicola)
Dass seltene Vogelarten auch mehrfach auftreten können hatte unser Team schon einmal so erlebt, als am 10.08.2010 auf einem Rundgang 2 Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) an unterschiedlichen Stellen im Netz hingen. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt dass Vogelarten die bei Nacht ziehen (zu denen auch Seggenrohrsänger und Gelbbrauen-LS gehören) nach momentanem Kenntnisstand einzeln und nicht wie viele tagziehende Vogelarten in Trupps unterwegs sind. Gerade im Fall der Gelbbrauen-LS sind aber Ansammlungen von mehreren Individuen bis hin zu einigen zig Individuen aus den Küstenregionen von Nord- und Ostsee bekannt. Insbesondere im letzten Jahr gab es auf Helgoland einen massiven Einflug dieser Art mit über 50 Exemplaren an einem Tag (Quelle: ornitho.de)! Warum also nicht auch mal zwei im Binnenland?


Und jetzt?

Na weitermachen natürlich! Wir haben noch einige Arten auf der Liste, die auch so spät im Jahr noch potentiell auftreten können. Vielleicht können wir uns nächste Woche schon mit der nächsten Sensation melden, man weiß ja nie!

Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch

01.10.2011

Monatszusammenfassung September

Hallo zusammen!

Erst der vierte Nachweis dieser Art im Saarland (23.09.2011)
Der Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola)
Auch der zweite Herbstzugmonat 2011 ist vorüber. Die Trends des Vormonats wurden dabei weitgehend bestätigt, mit Qualität vor Quantität. Die beiden herausragenden Fänge im September waren dabei der Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) und der Rohrschwirl (Locustella luscinioides), welche im Vorjahr nur im August beringt werden konnten. Vergleicht man den Zugverlauf mit 2010 fällt vor allem das Fehlen der Waldarten auf (z.B. Meisen), die im letzten Jahr ungewöhnlich stark auf dem Zug waren. Im großen Ganzen ist keine große Verschiebung der Zugzeiten zu bemerken, was auch anhand des Eintreffens der Beutelmeisen einen Tag vor dem Erstfang im Vorjahr zu belegen ist. Doch auch diesen Monat macht sich das seltenere Beringen im Vergleich zu 2010 bemerkbar, viele häufige Arten wurden daher in deutlich seltenerer Zahl gefangen, andere Arten, die oftmals durch Zufall gefangen werden, gar nicht.

Ging im September am häufigsten ins Netz
Die Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)
Der Wasserstand ist im Vergleich zum August wegen der Schönwetterperiode etwas zurückgegangen, aber wohl leider zu spät, um noch ziehende Watvögel anzulocken, auch die Tüpfelralle (Porzana porzana), die zuletzt 2009 gefangen werden konnte, blieb aus. Umso erfreulicher, dass der Fang einer Wasserralle (Rallus aquaticus) gelungen ist. Mal sehen, ob sich da im nächsten Monat noch etwas positiv entwickelt, im Hinblick auf den Fang von Zwergschnepfen (Lymnocryptes minimus) und anderer spät durchziehender Arten.


Nach Rekordzahlen 2010 dieses Jahr seltener
Die Singdrossel (Turdus philomelos)
Nach deutschlandweiten Berichten über die Erkrankung und ein "Massensterben" aufgrund der Infektion mit dem Usutu-Virus müssen einige Fangzahlen besonders sensibel betrachtet werden. Betroffen sind vor allem Amseln (Turdus merula), aber auch andere Drosseln, Stare (Sturnus vulgaris) und weitere Arten. Dennoch sind alle betroffenen Arten noch im Biotop vorhanden, jeden Morgen sind mehrere Amseln rufend nachzuweisen und es wurde noch kein Individuum mit Krankheitssymptomen gefangen. Der "Einbruch" der Fangzahlen der Drosseln im Vergleich zum Vorjahreszeitraum liegt aus unserer Sicht weniger an schwacher Population 2010 als an starker Population 2011 - sowohl Amsel als auch Singdrossel (Turdus philomelos) wurden letztes Jahr in Rekordzahl gefangen!

Die gute Nachricht des Monats ist die hohe Zahl an Eisvögeln (Alcedo atthis) und Beutelmeisen (Remiz pendulinus) im Gebiet. Ein großer Gewinner sind auch die Zilpzalpe (Phylloscopus collybita), die offenbar ein sehr starkes Brutjahr hatten.

Hier die Statistik der Neuberingungen in aller Ausführlichkeit:


Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

23.09.2011

Ein Prosit auf den Seggenrohrsänger 2011 - und Beutelmeisen!

Der Titel verrät es:

Junger Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) - beringt am 23.09.2011
Der seltenste Singvogel Europas ist uns endlich auch in diesem Jahr wieder in die Netze gegangen. Am heutigen Morgen gegen 7:30 Uhr wurde ein diesjähriger Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) gefangen und beringt. Nachdem in den letzten beiden Jahren der Nachweis dieser seltenen Art jeweils am 10. August gelang - und nur an diesem Tag - erscheint dieser Fang Ende September recht spät. Im benachbarten Luxemburg gab es in der Vergangenheit jedoch bereits Fänge im Oktober. Für das Saarland ist dies erst der vierte Nachweis der seltenen Art - allesamt durch Fänge der Beringungsstation.

Nach dieser kleinen Sensation erstmal ein Hallo an alle Leser!

Es geht rund im kleinen IKEA-Biotop! An den insgesamt vier Beringungstagen zwischen 19.09. und 23.09. wurden zwar nur 203 Vögel aus 19 Arten beringt, es sind aber die Highlights, welche diese Aktion so besonders machen. Die drei Spitzenreiter der Aktion waren die Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) mit 53 Tieren, das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) mit 42 Exemplaren und der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) mit immerhin noch 34 neu beringten Individuen. Interessanterweise konnte kein weiterer Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) neu beringt werden!

Beutelmeise (Remiz pendulinus) - Männchen
Unter den hervorhebenswerten Neuberingungen sind zwei weitere Eisvögel (Alcedo atthis), der oben erwähnte Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) und die ersten 9 Beutelmeisen (Remiz pendulinus) des Herbstzugs 2011. Letztere Art, die Mitte des letzten Jahrzehnts noch im Saarland brütete, ist mittlerweile lediglich auf dem Zug noch zu beobachten. Im IKEA-Biotop werden jährlich bis zu 100 Beutelmeisen beringt. Dort suchen sie meist die Rohrkolbenbestände in Gewässernähe auf, von deren Sämereien sie sich vorwiegend ernähren. Der Name "Beutel"-Meise rührt von den imposanten Nestbauten, eine Verwandtschaft zu den "echten" Meisen (Paridae) wie z.B. Blaumeise (Parus caeruleus) oder Kohlmeise (Parus major) besteht aber nicht. Interessant an Beutelmeisen ist auch die hohe Wiederfangquote: In den letzten Jahren war im Schnitt eine von 5 gefangenen Beutelmeisen bereits mit einem fremden Ring versehen - im Vergleich zu 1 aus 200 Tieren beim Teichrohrsänger. In diesem Zusammenhang gibt es noch einen Fremdfang zu melden: Ein adulter Teichrohrsänger mit Ring aus Paris wurde am 19.09. gefangen.

Mal sehen, was die nächste Woche uns an Überraschungen noch beschert! In der Zwischenzeit gibt es hier noch die Highlights dieser Woche in der Zusammenfassung:

Der Eisvogel (Alcedo atthis) hatte wohl ein gutes Brutjahr!
19.09.
Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) - Fremdfang Paris

20.09.
1 Eisvogel (Alcedo atthis)

22.09.
1 Eisvogel
9 Beutelmeisen (Remiz pendulinus)

23.09.
1 Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola)

Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

12.08.2011

Die Neuntöter kommen!

Hallo allerseits!

Die zweite Beringungsaktion des Herbstzuges 2011 wurde durchaus erfolgreich abgeschlossen.

Rolf Klein mit beringtem juv. Neuntöter (Lanius collurio)
Trotz eines zwischenzeitlichen Stromausfalls aufgrund von Bauarbeiten am IKEA-Komplex wurde vom 08.08.-12.08. fleißig beringt, insgesamt kamen diesmal 450 Vögel aus 29 Arten zusammen. Unangefochtener Spitzenreiter war (wie immer) der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) mit ca. 180 Exemplaren, aber auch 18 Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) waren unter den Neuberingungen.

In den Zeitraum dieser Beringungsaktion fiel auch der von uns gekürte "saarländische Tag des Seggenrohrsängers", der 10. August. An genau diesem Tag wurde der seltene Vogel in den vergangenen beiden Jahren gefangen, mit 1 Exemplar 2009 und 2 weiteren Exemplaren 2010. Die schlechte Nachricht vorweg: In diesem Jahr setzte sich diese Erfolgsserie leider nicht fort. Doch auch ohne Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) gab es einige schöne Fänge, vor allem die große Zahl von 7 beringten Neuntötern über die gesamte Aktion ist erfreulich.

beringter juv. Eisvogel (Alcedo atthis) - Eisvögel fliegen nicht auf, wenn sie auf dem Rücken liegen

Zwei weitere Fremdfänge gingen ebenfalls in die Netze, dies waren ein Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) mit Ring der Beringungszentrale Brüssel und ein Teichrohrsänger mit Ring "ICONA Madrid". Interessant ist, dass dies bereits der dritte "spanische" Rohrsänger in diesem Jahr ist, der von uns wiedergefangen wurde.

Hier noch ein Überblick über die Highlights der einzelnen Tage:

Orpheusspötter (Hippolais polyglotta)
08.08.:
2 junge Schafstelzen (Motacilla flava spec.)

09.08.:
2 Orpheusspötter (Hippolais polyglotta)


10.08.:
1 Grünspecht (Picus viridis)
2 Neuntöter (Lanius collurio)
1 Orpheusspötter

11.08.:
1 Eisvogel (Alcedo atthis)
2 Neuntöter


Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch