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20.04.2015

Das war 2014 - ein Rückblick

Hallo zusammen!

Sperbergrasmücke, Jungvogel - Saarländischer Erstnachweis 2014

Mit Superlativen sollte man ja bekanntermaßen immer vorsichtig sein, aber das vergangene Jahr 2014 war für die Beringung im Saarland eines der spannendsten Jahre seit Beginn der systematischen Beringungstätigkeit.Wir möchten daher kurz Bilanz ziehen und die interessantesten Entwicklungen und Fänge vorstellen.


2014 - Das war Masse UND Klasse!
Bartmeise, Männchen - zuletzt 2010 gefangen
Mit dem Beginn der Vergleichsdatenerfassung in "Klein's Garten" in Biringen und der durchgehenden und intensiven Erfassung im IKEA-Biotop lagen die Beringungszahlen im vergangenen Jahr über 12.000 Individuen - so viele Vögel wurden von unserem Team in einem Jahr noch nie beringt. Speziell im IKEA-Biotop gab es 2014 drei der zehn fangstärksten Beringungstage aller Zeiten, darunter den stärksten jemals registrierten Tag mit 510 Gesamtfängen!


Masse und Klasse schließen sich dabei auch nicht gegenseitig aus: An beiden Fangplätzen gab es extrem artenreiche Jahre. In Klein's Garten gab es insgesamt 55 Arten, ein mehr als beachtliches Ergebnis! Im IKEA-Biotop wurden 80 verschiedene Arten beringt - nur das Jahr 2010, in dem beinahe durchgehend erfasst wurde, übertrifft mit 86 Arten dieses Ergebnis. Zählt man beide Standorte zusammen, wurde diese Bestmarke sogar mit exakt 90 Arten übertroffen.

Besonders erfreulich waren natürlich auch die großen Highlights 2014, mit der Sperbergrasmücke  und den gleich 3 Gelbbrauen-Laubsängern. Daneben gab es mit einem Sprosser auch noch einen unerwarteten Zweitnachweis für das Saarland mitten in der Brutzeit und das größte Aufkommen an Zwergdommeln im IKEA-Biotop.

Steinkauz - gefangen in "Klein's Garten"
Darüber hinaus gab es auch einige Arten, die nicht jedes Jahr gefangen werden, z.B. 5 Bartmeisen und einen Kuckuck. Speziell erstgenannte Art konnte im Saarland zuletzt 2010 nachgewiesen werden, ebenfalls durch Beringung im IKEA-Biotop.

Am Standort "Klein's Garten" ging neben dem Gelbbrauen-Laubsänger auch ein Steinkauz in die Netze, sowie zahlreiche Arten, die im IKEA-Biotop fehlen, z.B. zahlreiche Wacholder- und Misteldrosseln und gleich 3 Mittelspechte.



Häufige Arten - So häufig wie nie zuvor!

2014 war das erste Jahr seit Beginn der Erfassung, in dem die vier häufigsten Arten des IKEA-Biotops (Teichrohrsänger, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen, Rohrammer) allesamt über 1000 Neuberingungen verzeichnen konnten. Neben der intensiven Erfassung ist aus unserer Sicht dabei vor allem auch die herausragende Brutsaison 2014 ein Faktor.

Rohrammer, Männchen
Insbesondere bei den Rohrammern kam in den vergangenen Jahren die Frage auf, ob diese aufgrund von Biotopsveränderungen seltener im IKEA-Biotop rasten. Diese Frage können wir nun mit "Nein" beantworten. Gerade der abfallende Trend in den Fangzahlen von 2009-2013 ist durch die Ergebnisse der letzten Fangperiode gebrochen. Wie schon im letzten Jahr vermutet, ist also wahrscheinlich die zeitliche Abdeckung des Rohrammerzuges das Problem: Der Hauptdurchzug der Rohrammern erstreckt sich von 01.-25. Oktober. Dies ist verglichen mit den anderen häufigen Arten das schmalste zeitliche Zugfenster. An jedem Fangtag in dieser Periode können potentiell große Zahlen an Rohrammern auftreten, teilweise über 100 Individuen pro Tag. Wenn gerade dann aus zeitlichen Gründen oder wegen der Wetterbedingungen die Beringung ausfällt, schlägt sich das unmittelbar auf die Fangzahlen nieder. Genau dieses methodische Problem bewirkte auch den "Pseudo-Trend" 2009-2013.

Vermutliche östliche Klappergrasmücke
Neben der Zeichnung der Schwanzfedern sprechen auch
Gesamteindruck, Flügelform und Augenfarbe gegen die
normalerweise in Mitteleuropa brütende Unterart curruca
Neben den Top-4 sind es vor allem die anderen Grasmücken, die 2014 auffallen. Wie schon im Herbst 2013 gibt es erneut Jahreshöchstzahlen bei Dorn-, Garten- und Klappergrasmücke zu vermelden. Insbesondere die Klappergrasmücke konnte im IKEA-Biotop fast doppelt so oft gefangen werden wie im Vorjahr. Diese Arten gehören auch zum häufigen Artenspektrum der Vergleichsfläche "Klein's Garten". Eine der dort gefangenen Klappergrasmücken war dabei besonders interessant: Aufgrund des optischen Eindrucks liegt die Vermutung nahe, dass sie einer der östlichen Unterarten (Südrussland) angehört. Die Bestimmung ist dabei ein großes Problem, auch wegen der Variabilität und eventueller Vermischung zwischen den Unterarten. Anhand einer entnommenen Federprobe soll jetzt mittels genetischer Untersuchung festgestellt werden, ob unser Verdacht hier richtig ist.


Mittelhäufige Arten - Stabiler Trend


Schilfrohrsänger - Eine von wenigen Arten, die 2014 einen
negativen Trend zeigten
Bei vielen mittelhäufigen Arten (z.B. Nachtigall, Beutelmeise, Orpheusspötter, ...) liegt 2014 auf dem Niveau der Vorjahre, mit teilweise sehr geringen Abweichungen in beide Richtungen. Aus zeitlicher Sicht konnte auch keine signifikante Abweichung des Zugs dieser Arten gegenüber dem langjährigen Mittel festgestellt werden.

Eine einzige Art (der Schilfrohrsänger) zeigt deutlich geringere Fangzahlen, jedoch sind hier in den Vorjahren schon immer starke Schwankungen aufgetreten, so dass man diesen Effekt nicht überbewerten sollte.


Eisvogel, Weibchen - Rekordjahr 2014
Eine sehr positive Entwicklung gab es 2014 bei den Eisvögeln. Mit 55 beringten Exemplaren wurde ein neues Jahres-Allzeithoch festgestellt (zuvor 27 Ex. 2013). Zeitweise konnten bis zu 7 Eisvögel an einem Tag gefangen werden, was für das Nahrungsangebot im Gebiet spricht.

Interessant ist auch der Fang von gleich 2 Individuen mit fremden Ringen (beide Vogelwarte Helgoland). Wir sind gespannt, aus welchem Teil des Einzugsgebiets (ganz NW-Deutschland bis Hessen) diese stammen.

Dass Eisvögel auch längere Zugstrecken überwinden können, zeigte ein Wiederfund eines von uns beringten Eisvogel-Weibchens, das in Nordspanien von anderen Beringern erneut gefangen wurde. Ebenfalls konnte schon ein in Thüringen beringter Eisvogel im IKEA-Biotop wiedergefangen werden.
 
Rotdrossel - Hübscher Beifang zu den Feldlerchen
Der seit 2012 durchgeführte Feldlerchenfang verlief 2014 äußerst erfolgreich, mit insgesamt 133 Fängen an beiden Standorten. Zum ersten Mal wurde damit die magische Marke von 100 Gesamtfängen geknackt. Klein's Garten hat sich dabei allerdings als wenig geeignet herausgestellt, mit gerade einmal 4 Fängen bei mehreren Aktionen. Interessant war dabei auch der nächtliche Fang einer Rotdrossel im IKEA-Biotop, die wohl mit den Feldlerchen unterwegs war.

Kernbeißer, Weibchen - Nur einer dieser typischen Wintergäste
ging 2014 im IKEA-Biotop in die Netze
Die späten Durchzügler (Heckenbraunelle, Zaunkönig, Amsel, Blau- und Kohlmeise), welche in der Vergangenheit schon mehrmals durch invasionsartige Ansammlungen aufgefallen sind, waren letztes Jahr allesamt nur durchschnittlich vertreten. Dies repräsentiert ganz gut den Wetterverlauf im Spätherbst 2014, der sehr mild ausfiel und nur wenige Frostnächte brachte, so dass viele Kurzstreckenzieher bereits nördlich des Saarlands ihr Winterquartier bezogen. Dadurch waren auch typische Wintergäste nur selten oder gar nicht aufgetreten: Gerade mal 1 Kernbeißer und 6 Erlenzeisige konnten im Herbst gefangen werden, Birkenzeisige und Bergfinken sind (zumindest im IKEA-Biotop) ganz ausgeblieben.


Seltene Arten - Erstnachweise, Zweitnachweise und mehr! 

Gelbbrauen-Laubsänger - Nicht 1, nicht 2, gleich 3 beringte
Exemplare dieser bundesweit seltenen Art gab es 2014
an beiden Fangstandorten.
Dass 2014 für uns auch das Jahr der großen Sensationen war, konnte man ja schon den letzten 3 Posts entnehmen.

Die Sensation 2014 war der nunmehr 5. Saarländische Erstnachweis an der Beringungsstation mit der Sperbergrasmücke. Sie war eine Art, die seit Beginn der systematischen Beringung unter den heißen Kandidaten vermutet und nun endlich nachgewiesen werden konnte - ein enormer Erfolg für das ganze Team!
 
Am "grünen Tisch" wird wohl über einen weiteren vermeintlichen Erstnachweis für das Saarland diskutiert werden müssen: Gleich 3 (!!!) Gelbbrauen-Laubsänger waren 2014 unter den Fänglingen. Den Anfang machte ein Fang in "Klein's Garten" am 29.09., was eigentlich schon Grund genug zur Freude ist. Aber das Team IKEA konnte knapp 3 Wochen später mit gleich 2 Fängen an einem Tag nachlegen. Im Saarland gab es vorher einen (aus unserer Sicht) zweifelhaften Nachweis aus den 60er Jahren, der vor allem zeitlich vollkommen aus dem Rahmen fällt. Zur damaligen Zeit war aber noch extrem wenig über diese in Mitteleuropa selten auftretende Art bekannt, so dass der Nachweis akzeptiert wurde. Wahrscheinlich muss die Avifaunistische Kommission des Saarlandes (AKSL), welche die zuständige wissenschaftliche Instanz ist, diesen Fall erneut aufrollen. Bis dahin werden wir unsere Fänge selbstverständlich als Zweit-, Dritt- und Viertnachweis führen.


Sprosser, Weibchen - Saarländischer Zweitnachweis,
mit Brutfleck und in aktiver Handschwingen-Mauser
Ein definitiver Zweitnachweis gelang uns schon in der Brutzeit mit einem Sprosser, dem östlichen Verwandten der Nachtigall. Gerade die bizarren Umstände dieses Fangs machen ihn aber umso interessanter: Ein adultes Weibchen ging mitten in der Brutzeit ins Netz. Es waren noch Reste des sogenannten "Brutflecks" zu erkennen, einer kahlen Stelle am Bauch, an denen brütende Vögel sich Federn ausrupfen, um das Gelege besser wärmen zu können. Außerdem führte der Vogel eine Großgefiedermauser durch, es fehlten zahlreiche Schwingen im Handflügel, sowie der komplette Schwanz, die Flugfähigkeit war dadurch erheblich eingeschränkt. Soweit wäre das nicht unbedingt überraschend, wäre nicht das Brutgebiet ca. 600 km Luftlinie entfernt. Aus unserer Sicht sind 2 Szenarien denkbar: Entweder es gab eine Brutaufgabe im angestammten Gebiet und der Vogel ist von dort abgewandert und begann anderenorts die Mauser; oder es gab in der Umgebung des Biotops eine (missglückte) Mischbrut von Nachtigall und Sprosser. Was zutrifft, lässt sich (noch) nicht abschließend klären. Da Brutvögel aber dazu neigen, einen angestammten Brutplatz im nächsten Jahr wieder aufzusuchen, sind wir gespannt ob wir 2015 vielleicht den beringten Sprosser erneut fangen.


Zwergdommel, Jungvogel - 1 von 4 Exemplaren 2014
in arttypischer Schreckhaltung ("Pfahlstellung")
Gegenüber diesen extremen Ausnahmeerscheinungen sind die anderen Seltenheiten fast zur Nebensächlichkeit verkommen. Sicherlich nicht verdient haben das aber die vier (!!) juvenilen Zwergdommeln, welche im August und September 2014 im IKEA-Biotop beringt werden konnten. Diese Anzahl stellt nicht nur einen Jahresrekord dar, sondern übertrifft auch die Summe aller zuvor beringten Zwergdommeln (3) im Gebiet. Dies zeigt unmittelbar, dass auch nicht im Gebiet brütende Vogelarten enorm von der Fläche profitieren. Der Aufwärtstrend bei der Zwergdommel lässt auch auf eine mittelfristige Ansiedelung hoffen.


Schlusswort - Das bringt 2015

Schönes Wetter beim vorletzten Tag der offenen Tür 2012,
hoffentlich auch wieder 2015!
Das kommende Jahr wird kein einfaches Jahr an der Beringungsstation sein. Die Intensität der Beringung, wie sie 2014 vorherrschte, wird in dieser Form nicht mehr durchführbar sein. Der größte Segen 2014 wird in Zukunft auch der größte Fluch sein: Hohe Fangzahlen erfordern mehr Beringungshelfer. An Spitzentagen müssen durchgehend mindestens 4 gut ausgebildete Personen vor Ort sein, um das Aufkommen an Vögeln zu bewältigen. Die große Frage steht im Raum, wie man wissenschaftliche Erfassung mit kleinerem Aufwand betreiben kann oder wie man weitere Leute für diese Art der ehrenamtlichen Tätigkeit im wissenschaftlichen Naturschutz motivieren kann.


Nicht zuletzt deshalb wird es 2015 nach dem Ausfall im letzten Jahr wieder einen Tag der offenen Tür geben. Ziel ist es, das Projekt der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Doch auch aus dem Kreis der Beringer und der Aktiven im Naturschutz möchten wir deutschlandweit zur Mitarbeit aufrufen: Wer sich dafür interessiert, an der Station ehrenamtlich auszuhelfen (1 Tag, 1 Wochenende, 1 Woche, ...) sollte nicht zögern und uns kontaktieren. Wir würden uns freuen, insbesondere andere Beringer begrüßen zu können.


Wir hoffen jedenfalls auf ein spannendes und artenreiches 2015!

Im Namen der Beringungs-AG,
Sebastian Kiepsch

01.10.2013

Zwischenbericht vom Herbstzug 2013


Der Herbstzug 2013 ist im IKEA-Biotop bereits im vollen Gange und für einige Arten bereits so gut wie vorüber, es ist an der Zeit schon einmal zurückzublicken auf die Ergebnisse der letzten Wochen.


Wetter: Viel Sonnenschein im August und Rekordregenmengen im September

Neuntöter (Lanius collurio)
Ein Jungvögel aus der Brut 2013, der ersten Brut des
Neuntöters im IKEA-Biotop seit über 10 Jahren
Das Wetter war in dieser ersten Zughälfte überwiegend positiv. Von Ende Juli bis Anfang September sank durch lange und beständige Phasen mit Sonnenschein der Wasserstand immer weiter ab, die Schlickflächen lagen offen. Das Nahrungsangebot für die im Biotop brütenden, bodenbewohnenden Rallen und durchziehende Watvögel war ausgezeichnet und so konnten zahlreiche Fänge und Beobachtungen von Vertretern beider Artengruppen verzeichnet werden. Auch spät brütende Arten, die Ende Juli noch mit der Jungenaufzucht beschäftigt sind, profitierten vom guten Wetter - so z.B. auch das im Biotop brütende Neuntöter-Paar, das mindestens 2 ausgeflogene Jungvögel hervorbrachte.

Das Kontrastprogramm zum freundlichen Wetter im Juli und August folgte Anfang bis Mitte September: Ein Sturmtief brachte nach langer Hochdruckphase über zwei Wochen hinweg viel Regen. Den traurigen Höhepunkt dieser Phase stellte eine Gewitterfront dar, die ausgerechnet in der Nacht auf unseren Tag der offenen Tür am 08.09. ankommen musste und mit ca. 30 l/m² das Gebiet regelrecht überflutete, aber im Gegensatz dazu die Besucherflut in Grenzen hielt.


Tag der offenen Tür: Es gibt kein schlechtes Wetter...

...nur schlechte Ausrüstung: Das erste Opfer des ankommenden Gewitters war ein Pavillon, der gegen 02:00 Uhr unter der Last extremer Regenmengen in kürzester Zeit zusammen brach und irreparabel beschädigt wurde. Dieser wurde kurzerhand morgens in ein "Sonnensegel" umfunktioniert.

Wendehals (Jynx torquilla)
Ohne Zweifel der Publikumsliebling des Tages
Noch im letzten Jahr beklagten sich einige Besucher über die extreme Hitze bei strahlendem Sonnenschein bei über 30 °C. Dieses Problem hatten wir in diesem Jahr definitiv nicht. Bis zuletzt sorgte sich unser gesamtes Team, ob man angesichts des Regens überhaupt die Netze aufmachen und fangen könnte. Zum Glück war aber mit dem ausgerufenen Beginn um 9:00 Uhr auch das Gröbste überstanden und der Beringungsbetrieb konnte regulär weiterlaufen. Über den Tag hielt das Wetter dann erstaunlich lange und lockte speziell am Nachmittag auch den einen oder anderen Interessierten ins IKEA-Biotop.

Insgesamt war der 4. Tag der offenen Tür im IKEA-Biotop einigermaßen erfolgreich und wer kam, konnte auch einige beeindruckende Fänge bestaunen, darunter eine Lachmöwe, ein Kleinspecht, mehrere Blaukehlchen und ein Wendehals.

An dieser Stelle sei nochmals allen Helfern gedankt, die zu diesem Tag beigetragen haben! Ohne euch wäre der Tag der offenen Tür nicht möglich!


Allgemeine Ergebnisse: Früher Start der Erfassung

Der Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris)
verbringt gerade einmal 3 Monate in Mitteleuropa
In diesem Jahr begann die Herbstzugerfassung bereits am 21. Juli. Dies sollte insbesondere den Zug der Sumpfrohrsänger genauer aufschlüsseln, einer der sehr früh ziehenden Arten. In den letzten Jahren lief die Brutzeiterfassung stets bis Ende Juli, erst ab August wurde mit der zeitlich intensiveren Herbstzugberingung begonnen. Zu diesem Zeitpunkt ist aber der Zughöhepunkt der Sumpfrohrsänger fast schon erreicht. Es konnte also kein verlässlicher Zeitpunkt für den Zugbeginn im Saarland angegeben werden. Ähnlich verhält es sich auch bei anderen Arten, die schon früh aufbrechen.

Gartengrasmücke (Sylvia borin)
Der Zug ins Winterquartier beginnt für sie schon im Juli
Das Ziel der Juli-Aktion lag aber auch in der Aufklärung, ob sich das Artenspektrum während des sehr frühen Zugs im Juli sich von dem im August unterscheidet. In der Vergangenheit wurde anhand großer Fangzahlen gegen Ende der Brutzeit schon vermutet, dass ein beachtlicher Teil des Zuges sozusagen "übersehen" wird. Auch die Brutzeitfänge zweier Karmingimpel 2010 und 2012 zeigten, dass mit dem Auftreten ungewöhnlicher Arten zu rechnen ist.

Was die frühe Erfassung zeigte: Große Überraschungen gab es keine, aber einige kleine. So ist der Zug bei Watvögeln wie dem Flussuferläufer und dem Waldwasserläufer gegen Ende Juli schon sehr ausgeprägt. Auch je ein Wendehals und Eisvogel wurden gefangen, die sonst erst Mitte August ihren Zug antreten.


Häufige Arten: Viele Grasmücken und späte Rohrsänger

Dorngrasmücke (Sylvia communis)
Wie die anderen Grasmücken auch frisst sie Ende August
sehr häufig an den Brombeersträuchern im IKEA-Biotop
Auffallend  waren in diesem Jahr an allererster Stelle die enormen Fangzahlen bei Dorn- und Gartengrasmücke, mit einem Rekordergebnis von jeweils über 300 Exemplaren! Insbesondere im Vergleich mit dem Mittelwert der Vorjahre sticht 2013 hervor. Die Ursachen liegen wohl in zwei Gründen: Zum Einen war der Bruterfolg 2013 für spät brütende Arten groß, da das Wetter in der zweiten Hälfte der Brutzeit sehr stabil war. Zum anderen spielt auch der Wandel der Vegetation im Biotop eine Rolle, denn gerade die sich ausbreitenden Brombeergebüsche werden von Grasmücken bei der Nahrungssuche angeflogen.

(KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
Zahl der Neuberingungen für Dorn- und Gartengrasmücke pro Tag
von Ende Juli (JL3) bis Ende Oktober (OK3), in Dekaden (10-Tages-Intervalle).
Man beachte die im Verhältnis gewaltigen Zahlen Ende August (AU3)
Trotz geringerer Beringungstätigkeit: Nach 2009 und 2010 konnten erneut über 2.500 Teichrohrsänger beringt werden und der Zug ist noch nicht ganz beendet! Sogar die Rekordzahl scheint noch in greifbarer Nähe zu sein. Dies zeigt einerseits, dass der Bruterfolg in diesem Jahr offenbar recht gut war, andererseits aber auch, dass das Gebiet den Massen rastender Rohrsänger (teils über 200 pro Tag auf 5 Hektar) genügend Nahrung bietet. Der Zug der Teichrohrsänger scheint dabei im Vergleich mit den Daten der Vorjahre zeitlich etwas nach hinten verschoben zu sein, was eventuell für eine große Zahl später Bruten sprechen könnte.
(KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
Zahl pro Tag neu beringter Teichrohrsänger, aufgetragen in Dekaden (10-Tages-Intervalle)
von Ende Juli (JL3) bis Ende Oktober (OK3). 2013 setzte der Zug später ein als im Mittel 2006-2012

Mittelhäufige Arten: Gewinner und Verlierer

Rekordfangzahl beim Eisvogel (Alcedo atthis)
Bisher wurden 2013 bereits 20 Exemplare beringt
Wie bereits im letzten Beitrag beschrieben ist die natürliche Sukzession (die Entwicklung der Vegetation im Biotop) ein Hauptgrund für die Veränderungen in Fangzahlen und Artenspektrum. Große Abnahmen konnten wir vor allem bei Neuntötern und Orpheusspöttern feststellen, die offene Landschaften mit einzelnen Gebüschen bevorzugen. Außer dem Neuntöter- Brutpaar und seinem Nachwuchs wurden nur wenige weitere Durchzügler gefangen. Ähnlich bei den Orpheusspöttern, der Art, die offenbar am stärksten auf die Veränderungen im Biotop reagiert.

Einen anhaltend negativen Trend sieht man bei der Rauchschwalbe, die seit Jahren immer seltener im Biotop wird. Die Schwalben suchen das Gebiet abends als Schlafplatz auf, jedoch war dieser 2013 nicht jeden Tag besetzt. Ob dies der Entwicklung des Biotops oder dem bundesweit abnehmendem Trend dieser Art geschuldet ist, bleibt offen.

Der Schilfrohrsänger, der im letzten Jahr einen Einbruch der Fangzahl um 60% zeigte, ist 2013 wieder auf den Stand der Vorjahre zurückgekehrt. Die genauen Gründe für die Entwicklung im letzten Jahr sind unklar. Vermutlich spielt auch die frühe Zugphase im Juli eine große Rolle für den Schilfrohrsänger, was die Fangzahlen dieses Jahres zeigen.

Feldschwirl (Locustella naevia)
Optisch unscheinbar, akustich unverkennbar:
Sein Gesang ähnelt den Lauten von Heuschrecken.
Steigende Trends sind vor allem bei den Arten zu erkennen, die dichtere und höhere Vegetation bevorzugen: Die Nachtigallen zeigen im Vergleich mit den Vorjahren leicht höhere Fangzahlen, der Fitis hat sogar ein Rekordergebnis erzielt (ca. 150 Beringungen). Ebenfalls Rekord-Fangzahlen stellten daneben  auch der Eisvogel (>20 Beringungen), der Wendehals, der Feldschwirl und das Blaukehlchen auf. Insbesondere bei letzterer Art spielt dabei aber wahrscheinlich auch die bundesweite Bestandsentwicklung eine Rolle, die in den letzten Jahren sehr positiv ist.

Erfreulich ist 2013 auch die Bilanz bei Teich- und Wasserrallen. Durch den niedrigen Wasserstand konnten diese Bodenbewohner, die öfter laufen als fliegen, besonders häufig gefangen werden. Gerade die späten Bruten scheinen dabei sehr erfolgreich gewesen zu sein, was der hohe Anteil noch nicht ausgewachsener Jungvögel belegt.


Seltene Arten: Wieder Zwergdommeln und Tüpfelrallen auf dem Herbstzug!

Vorab sei gesagt: Extreme Raritäten sind in diesem Jahr bislang leider keine aufgetreten, dennoch gab es einige äußerst interessante Fänge bei den Arten, die im Biotop nur selten gefangen werden.
Juvenile Zwergdommel (Ixobrychus minutus)
Erst die 3. Beringung dieser Art im IKEA-Biotop.
Man beachte die vereinzelten Flaumfedern in Kopf- und Körpergefieder
Der bemerkenswerteste Fang bestand in gleich 2 Zwergdommeln, der kleinsten einheimischen Reiherart. Die eine - ein Jungvogel - zeigte noch einige Flaumfedern im Gefieder, die Vermutung liegt daher nahe, dass dieser Jungvogel einer nahe gelegenen (übersehenen) Brut entstammt, was für das Saarland ein wertvoller Nachweis wäre! Die andere, ein adultes Weibchen, ist uns bereits sehr gut bekannt: Sie wurde 2010 beringt und tauchte auch 2011 bereits zur Zugzeit wieder auf. In diesem Jahr blieb sie für mehrere Wochen im Gebiet und wurde desöfteren gefangen. Ihr Gewicht hat sie dabei innerhalb weniger Tage um ca. 50% erhöht, ein Indiz für ein gutes Nahrungsangebot. Eine solche Standorttreue bei der Rast der Zwergdommel (außerhalb ihres eigentlichen Brutgebiets) ist unseres Wissens in der Form noch nicht festgestellt worden.

Tüpfelralle (Porzana porzana)
Nach 2010 endlich wieder Nachweise beim Herbstzug!
Ebenfalls erfreulich: Die Tüpfelralle ist nach 2010 endlich wieder auf dem Herbstzug nachgewiesen worden - und das gleich in Rekordzahl: Ganze 5 Jungvögel wurden gefangen und beringt. Dieser Bodenbewohner brütet nicht im Saarland und wird nur selten rastend beobachtet. Der Großteil der Nachweise der letzten Jahre, meist 1-2 jährlich, gelang unserem Team durch Fang und Beringung. Dass im IKEA-Biotop aber ein so reger Durchzug der Tüpfelralle herrscht, hätten auch wir nicht vermutet.


Aus saarländischer Sicht selten: Auch der Rohrschwirl war 2013 mit 5 Fängen während des Herbstzugs wieder vertreten. Diese und die beiden während des Frühjahrszugs gefangenen Rohrschwirle sind gleichzeitig laut ornitho.de die einzigen im Saarland beobachteten Vertreter ihrer Art im Jahr 2013. Definitiv eine Art, die ohne die Beringungstätigkeit übersehen bliebe.

Flussuferläufer (Actitis hypoleucos)
Im Saarland kein Brutvogel, nur auf dem Zug zu sehen
Eine echte Überraschung in diesem Jahr sind die Fangzahlen bei Limikolen (Watvögeln), allen voran ganze 7 Flussuferläufer. Vor 2013 gab es gerade mal 2 Fänge dieser Art! Ebenfalls überraschend: Unter ihnen war ein beringtes Exemplar, das mit einem Ring der Vogelwarte Stockholm gekennzeichnet wurde. Woher genau der Vogel stammt, erfahren wir aber leider erst mit Zeitverzögerung. Angesichts der wenigen Gesamtfänge dieser Art aber sehr spannend!


Schlusswort: Noch ist vieles drin...

Die bisherige Beringung 2013 war erfolgreich, aber brachte noch keine extremen Besonderheiten, wie in manch einem der Vorjahre. Doch die zweite Zughälfte ist berüchtigt für Irrflügler aller Art, die z.B. einfach in die falsche Richtung fliegen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Sibirische Arten in Mitteleuropa auftauchen. Gerade die bei Tag ziehenden Rohrammern (Ende September bis Ende Oktober) sind häufiger mit nordischen Seltenheiten vergesellschaftet. Insofern heißt es einfach dran bleiben!

Im Namen des gesamten Teams der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

02.09.2011

Monatszusammenfassung August

Hallo zusammen!

Zwergdommel (Ixobrychus minutus) - beringt 2010, wiedergefangen 2011
Der erste Herbstzugmonat 2011 ist beendet. Die Ergebnisse können sich dabei durchaus sehen lassen, mit einigen Besonderheiten und zahlreichen Arten war der August ein sehr zufriedenstellender Monat. Der beste Fang des Monats war dabei eindeutig die beringte Zwergdommel (Ixobrychus minutus), welche im vergangenen Jahr von uns an gleicher Örtlichkeit beringt wurde. Zum Zugverlauf gibt es vor allem zu sagen, dass viele Arten den Weg ins Winterquartier deutlich früher antreten, als es in den letzten Jahren der Fall war, vor allem Rotkehlchen (Erithacus rubecula). Insgesamt fällt aber auch auf, dass in diesem Jahr mit etwas geringerer Intensität beringt wird, die Gesamtfangzahl ist etwas niedriger als im vorigen Jahr.

Die Grünfinken (Carduelis chloris) sind nach dem
riesigen Bruterfolg 2010 in diesem Jahr nicht so häufig
Der hohe Wasserstand aufgrund der starken Regenfälle im Juli macht uns aber etwas zu schaffen, insbesondere Watvögel und Rallen, die fast ausschließlich in Bodenfallen auf den Schlickflächen gefangen werden, bleiben aus, da Schlickflächen momentan kaum vorhanden sind. Andere Arten sind in diesem Jahr deutlich seltener vorhanden, so wurde z.B. auf dem Herbstzug noch kein Rohrschwirl (Locustella luscinioides) gefangen, der sonst regelmäßig in die Netze geht. Auch Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla) blieben in diesem Jahr bislang aus, in den vergangenen Jahren wurden hingegen stets einige Exemplare gefangen. Die Grünfinken (Carduelis chloris), welche im letzten Jahr mit über 600 Gesamtfängen ein Sensationsjahr hatten, sind zum Niveau der Vorjahre zurückgekehrt. Ein großer Verlierer sind auch Drosseln wie Amsel (Turdus merula) und Singdrossel (Turdus philomelos).

Die Wasserralle (Rallus aquaticus) konnte dieses Jahr aufgrund
des hohen Wasserstands leider noch nicht gefangen werden
Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass Arten wie Wendehals (Jynx torquilla), Blaukehlchen (Luscinia svecica) und Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) in schöner Regelmäßigkeit gefangen wurden, trotz der geringeren Zahl der Beringungstage.

Hier die Statistik der Neuberingungen in aller Ausführlichkeit:


Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

17.08.2011

Die ersten Blaukehlchen und ein besonderer Gast

Hallo zusammen!

Auch die dritte Woche der Herbstzugberingung neigt sich dem Ende entgegen. Unsere Beringungsaktion dieser Woche lief von 14.08.-17.08. und war sowohl zahlenmäßig als auch im Hinblick auf "Raritäten" die bisher ertragreichste. Insgesamt wurden während der vier Fangtage fast 800 Vögel aus 26 Arten neu beringt - davon etwa 475 Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) - bei ca. 140 Wiederfunden.

juveniles Männchen Blaukehlchen (Luscinia svecica), weißsternig
Unter den Neuberingten stechen insbesondere 5 Blaukehlchen (Luscinia svecica) hervor, daneben wurde eine Bekassine (Gallinago gallinago), ein weiterer Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) und der erste Wendehals (Jynx torquilla) des Jahres beringt. Die Zahl der Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) ist weiterhin stark mit insgesamt 28 Exemplaren an allen Fangtagen.

Fabian Feß mit von ihm gefangener Brieftaube
Nicht in die Netze, aber ins unmittelbare Umfeld der Station verirrte sich eine Brieftaube. Eine Nachfrage beim Züchter, der in Friedberg/Hessen wohnt, ergab, dass das Tier sich vermutlich bei einem Wettflug am vergangenen Wochenende von St. Wendel aus in die falsche Richtung aufmachte. Etwas entkräftet ließ sich der Vogel einfach mit der Hand fangen.
Neben einem Kanarienvogel und einem Wellensittich (beide 2010) ist dies bereits der dritte Gefangenschaftsflüchtling, der im Biotop nachgewiesen wurde.

Erfreulich waren auch insgesamt vier Fremdfänge von Teich- bzw. Sumpfrohrsängern mit Brüsseler Ringen sowie eines Sumpfrohrsängers mit Ring der Vogelwarte Helgoland.

Doch das wahre Highlight der Wiederfänge erwartete uns am Abend des 16.08.: Ein von uns im letzten August beringtes, adultes Weibchen Zwergdommel (Ixobrychus minutus) rastet auch in diesem Jahr wieder im IKEA-Biotop. Bei überhaupt erst zwei beringten Zwergdommeln im Gebiet ist dieser Wiederfund eine kleine Sensation, diese Standorttreue des Individuums auf dem Zug ist bemerkenswert.

adultes Weibchen Zwergdommel (Ixobrychus minutus)

Hier nochmal alle Highlights zum Nachlesen:

14.08.
6 Uferschwalben (Riparia riparia), darunter eine von uns im letzten Jahr Beringte.


juveniler Wendehals (Jynx torquilla)
15.08.
2 Blaukehlchen (Luscinia svecica)
1 Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus)
3 Neuntöter (Lanius collurio)
1 Wendehals (Jynx torquilla)


16.08.
In diesem Jahr bisher stärkster Fangtag mit über 300 Vögeln
2 Blaukehlchen
2 Neuntöter
1 Zwergdommel (Ixobrychus minutus) (Wiederfund von 2010)


17.08.
1 Bekassine (Gallinago gallinago)
1 Blaukehlchen


Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch