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20.04.2015

Das war 2014 - ein Rückblick

Hallo zusammen!

Sperbergrasmücke, Jungvogel - Saarländischer Erstnachweis 2014

Mit Superlativen sollte man ja bekanntermaßen immer vorsichtig sein, aber das vergangene Jahr 2014 war für die Beringung im Saarland eines der spannendsten Jahre seit Beginn der systematischen Beringungstätigkeit.Wir möchten daher kurz Bilanz ziehen und die interessantesten Entwicklungen und Fänge vorstellen.


2014 - Das war Masse UND Klasse!
Bartmeise, Männchen - zuletzt 2010 gefangen
Mit dem Beginn der Vergleichsdatenerfassung in "Klein's Garten" in Biringen und der durchgehenden und intensiven Erfassung im IKEA-Biotop lagen die Beringungszahlen im vergangenen Jahr über 12.000 Individuen - so viele Vögel wurden von unserem Team in einem Jahr noch nie beringt. Speziell im IKEA-Biotop gab es 2014 drei der zehn fangstärksten Beringungstage aller Zeiten, darunter den stärksten jemals registrierten Tag mit 510 Gesamtfängen!


Masse und Klasse schließen sich dabei auch nicht gegenseitig aus: An beiden Fangplätzen gab es extrem artenreiche Jahre. In Klein's Garten gab es insgesamt 55 Arten, ein mehr als beachtliches Ergebnis! Im IKEA-Biotop wurden 80 verschiedene Arten beringt - nur das Jahr 2010, in dem beinahe durchgehend erfasst wurde, übertrifft mit 86 Arten dieses Ergebnis. Zählt man beide Standorte zusammen, wurde diese Bestmarke sogar mit exakt 90 Arten übertroffen.

Besonders erfreulich waren natürlich auch die großen Highlights 2014, mit der Sperbergrasmücke  und den gleich 3 Gelbbrauen-Laubsängern. Daneben gab es mit einem Sprosser auch noch einen unerwarteten Zweitnachweis für das Saarland mitten in der Brutzeit und das größte Aufkommen an Zwergdommeln im IKEA-Biotop.

Steinkauz - gefangen in "Klein's Garten"
Darüber hinaus gab es auch einige Arten, die nicht jedes Jahr gefangen werden, z.B. 5 Bartmeisen und einen Kuckuck. Speziell erstgenannte Art konnte im Saarland zuletzt 2010 nachgewiesen werden, ebenfalls durch Beringung im IKEA-Biotop.

Am Standort "Klein's Garten" ging neben dem Gelbbrauen-Laubsänger auch ein Steinkauz in die Netze, sowie zahlreiche Arten, die im IKEA-Biotop fehlen, z.B. zahlreiche Wacholder- und Misteldrosseln und gleich 3 Mittelspechte.



Häufige Arten - So häufig wie nie zuvor!

2014 war das erste Jahr seit Beginn der Erfassung, in dem die vier häufigsten Arten des IKEA-Biotops (Teichrohrsänger, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen, Rohrammer) allesamt über 1000 Neuberingungen verzeichnen konnten. Neben der intensiven Erfassung ist aus unserer Sicht dabei vor allem auch die herausragende Brutsaison 2014 ein Faktor.

Rohrammer, Männchen
Insbesondere bei den Rohrammern kam in den vergangenen Jahren die Frage auf, ob diese aufgrund von Biotopsveränderungen seltener im IKEA-Biotop rasten. Diese Frage können wir nun mit "Nein" beantworten. Gerade der abfallende Trend in den Fangzahlen von 2009-2013 ist durch die Ergebnisse der letzten Fangperiode gebrochen. Wie schon im letzten Jahr vermutet, ist also wahrscheinlich die zeitliche Abdeckung des Rohrammerzuges das Problem: Der Hauptdurchzug der Rohrammern erstreckt sich von 01.-25. Oktober. Dies ist verglichen mit den anderen häufigen Arten das schmalste zeitliche Zugfenster. An jedem Fangtag in dieser Periode können potentiell große Zahlen an Rohrammern auftreten, teilweise über 100 Individuen pro Tag. Wenn gerade dann aus zeitlichen Gründen oder wegen der Wetterbedingungen die Beringung ausfällt, schlägt sich das unmittelbar auf die Fangzahlen nieder. Genau dieses methodische Problem bewirkte auch den "Pseudo-Trend" 2009-2013.

Vermutliche östliche Klappergrasmücke
Neben der Zeichnung der Schwanzfedern sprechen auch
Gesamteindruck, Flügelform und Augenfarbe gegen die
normalerweise in Mitteleuropa brütende Unterart curruca
Neben den Top-4 sind es vor allem die anderen Grasmücken, die 2014 auffallen. Wie schon im Herbst 2013 gibt es erneut Jahreshöchstzahlen bei Dorn-, Garten- und Klappergrasmücke zu vermelden. Insbesondere die Klappergrasmücke konnte im IKEA-Biotop fast doppelt so oft gefangen werden wie im Vorjahr. Diese Arten gehören auch zum häufigen Artenspektrum der Vergleichsfläche "Klein's Garten". Eine der dort gefangenen Klappergrasmücken war dabei besonders interessant: Aufgrund des optischen Eindrucks liegt die Vermutung nahe, dass sie einer der östlichen Unterarten (Südrussland) angehört. Die Bestimmung ist dabei ein großes Problem, auch wegen der Variabilität und eventueller Vermischung zwischen den Unterarten. Anhand einer entnommenen Federprobe soll jetzt mittels genetischer Untersuchung festgestellt werden, ob unser Verdacht hier richtig ist.


Mittelhäufige Arten - Stabiler Trend


Schilfrohrsänger - Eine von wenigen Arten, die 2014 einen
negativen Trend zeigten
Bei vielen mittelhäufigen Arten (z.B. Nachtigall, Beutelmeise, Orpheusspötter, ...) liegt 2014 auf dem Niveau der Vorjahre, mit teilweise sehr geringen Abweichungen in beide Richtungen. Aus zeitlicher Sicht konnte auch keine signifikante Abweichung des Zugs dieser Arten gegenüber dem langjährigen Mittel festgestellt werden.

Eine einzige Art (der Schilfrohrsänger) zeigt deutlich geringere Fangzahlen, jedoch sind hier in den Vorjahren schon immer starke Schwankungen aufgetreten, so dass man diesen Effekt nicht überbewerten sollte.


Eisvogel, Weibchen - Rekordjahr 2014
Eine sehr positive Entwicklung gab es 2014 bei den Eisvögeln. Mit 55 beringten Exemplaren wurde ein neues Jahres-Allzeithoch festgestellt (zuvor 27 Ex. 2013). Zeitweise konnten bis zu 7 Eisvögel an einem Tag gefangen werden, was für das Nahrungsangebot im Gebiet spricht.

Interessant ist auch der Fang von gleich 2 Individuen mit fremden Ringen (beide Vogelwarte Helgoland). Wir sind gespannt, aus welchem Teil des Einzugsgebiets (ganz NW-Deutschland bis Hessen) diese stammen.

Dass Eisvögel auch längere Zugstrecken überwinden können, zeigte ein Wiederfund eines von uns beringten Eisvogel-Weibchens, das in Nordspanien von anderen Beringern erneut gefangen wurde. Ebenfalls konnte schon ein in Thüringen beringter Eisvogel im IKEA-Biotop wiedergefangen werden.
 
Rotdrossel - Hübscher Beifang zu den Feldlerchen
Der seit 2012 durchgeführte Feldlerchenfang verlief 2014 äußerst erfolgreich, mit insgesamt 133 Fängen an beiden Standorten. Zum ersten Mal wurde damit die magische Marke von 100 Gesamtfängen geknackt. Klein's Garten hat sich dabei allerdings als wenig geeignet herausgestellt, mit gerade einmal 4 Fängen bei mehreren Aktionen. Interessant war dabei auch der nächtliche Fang einer Rotdrossel im IKEA-Biotop, die wohl mit den Feldlerchen unterwegs war.

Kernbeißer, Weibchen - Nur einer dieser typischen Wintergäste
ging 2014 im IKEA-Biotop in die Netze
Die späten Durchzügler (Heckenbraunelle, Zaunkönig, Amsel, Blau- und Kohlmeise), welche in der Vergangenheit schon mehrmals durch invasionsartige Ansammlungen aufgefallen sind, waren letztes Jahr allesamt nur durchschnittlich vertreten. Dies repräsentiert ganz gut den Wetterverlauf im Spätherbst 2014, der sehr mild ausfiel und nur wenige Frostnächte brachte, so dass viele Kurzstreckenzieher bereits nördlich des Saarlands ihr Winterquartier bezogen. Dadurch waren auch typische Wintergäste nur selten oder gar nicht aufgetreten: Gerade mal 1 Kernbeißer und 6 Erlenzeisige konnten im Herbst gefangen werden, Birkenzeisige und Bergfinken sind (zumindest im IKEA-Biotop) ganz ausgeblieben.


Seltene Arten - Erstnachweise, Zweitnachweise und mehr! 

Gelbbrauen-Laubsänger - Nicht 1, nicht 2, gleich 3 beringte
Exemplare dieser bundesweit seltenen Art gab es 2014
an beiden Fangstandorten.
Dass 2014 für uns auch das Jahr der großen Sensationen war, konnte man ja schon den letzten 3 Posts entnehmen.

Die Sensation 2014 war der nunmehr 5. Saarländische Erstnachweis an der Beringungsstation mit der Sperbergrasmücke. Sie war eine Art, die seit Beginn der systematischen Beringung unter den heißen Kandidaten vermutet und nun endlich nachgewiesen werden konnte - ein enormer Erfolg für das ganze Team!
 
Am "grünen Tisch" wird wohl über einen weiteren vermeintlichen Erstnachweis für das Saarland diskutiert werden müssen: Gleich 3 (!!!) Gelbbrauen-Laubsänger waren 2014 unter den Fänglingen. Den Anfang machte ein Fang in "Klein's Garten" am 29.09., was eigentlich schon Grund genug zur Freude ist. Aber das Team IKEA konnte knapp 3 Wochen später mit gleich 2 Fängen an einem Tag nachlegen. Im Saarland gab es vorher einen (aus unserer Sicht) zweifelhaften Nachweis aus den 60er Jahren, der vor allem zeitlich vollkommen aus dem Rahmen fällt. Zur damaligen Zeit war aber noch extrem wenig über diese in Mitteleuropa selten auftretende Art bekannt, so dass der Nachweis akzeptiert wurde. Wahrscheinlich muss die Avifaunistische Kommission des Saarlandes (AKSL), welche die zuständige wissenschaftliche Instanz ist, diesen Fall erneut aufrollen. Bis dahin werden wir unsere Fänge selbstverständlich als Zweit-, Dritt- und Viertnachweis führen.


Sprosser, Weibchen - Saarländischer Zweitnachweis,
mit Brutfleck und in aktiver Handschwingen-Mauser
Ein definitiver Zweitnachweis gelang uns schon in der Brutzeit mit einem Sprosser, dem östlichen Verwandten der Nachtigall. Gerade die bizarren Umstände dieses Fangs machen ihn aber umso interessanter: Ein adultes Weibchen ging mitten in der Brutzeit ins Netz. Es waren noch Reste des sogenannten "Brutflecks" zu erkennen, einer kahlen Stelle am Bauch, an denen brütende Vögel sich Federn ausrupfen, um das Gelege besser wärmen zu können. Außerdem führte der Vogel eine Großgefiedermauser durch, es fehlten zahlreiche Schwingen im Handflügel, sowie der komplette Schwanz, die Flugfähigkeit war dadurch erheblich eingeschränkt. Soweit wäre das nicht unbedingt überraschend, wäre nicht das Brutgebiet ca. 600 km Luftlinie entfernt. Aus unserer Sicht sind 2 Szenarien denkbar: Entweder es gab eine Brutaufgabe im angestammten Gebiet und der Vogel ist von dort abgewandert und begann anderenorts die Mauser; oder es gab in der Umgebung des Biotops eine (missglückte) Mischbrut von Nachtigall und Sprosser. Was zutrifft, lässt sich (noch) nicht abschließend klären. Da Brutvögel aber dazu neigen, einen angestammten Brutplatz im nächsten Jahr wieder aufzusuchen, sind wir gespannt ob wir 2015 vielleicht den beringten Sprosser erneut fangen.


Zwergdommel, Jungvogel - 1 von 4 Exemplaren 2014
in arttypischer Schreckhaltung ("Pfahlstellung")
Gegenüber diesen extremen Ausnahmeerscheinungen sind die anderen Seltenheiten fast zur Nebensächlichkeit verkommen. Sicherlich nicht verdient haben das aber die vier (!!) juvenilen Zwergdommeln, welche im August und September 2014 im IKEA-Biotop beringt werden konnten. Diese Anzahl stellt nicht nur einen Jahresrekord dar, sondern übertrifft auch die Summe aller zuvor beringten Zwergdommeln (3) im Gebiet. Dies zeigt unmittelbar, dass auch nicht im Gebiet brütende Vogelarten enorm von der Fläche profitieren. Der Aufwärtstrend bei der Zwergdommel lässt auch auf eine mittelfristige Ansiedelung hoffen.


Schlusswort - Das bringt 2015

Schönes Wetter beim vorletzten Tag der offenen Tür 2012,
hoffentlich auch wieder 2015!
Das kommende Jahr wird kein einfaches Jahr an der Beringungsstation sein. Die Intensität der Beringung, wie sie 2014 vorherrschte, wird in dieser Form nicht mehr durchführbar sein. Der größte Segen 2014 wird in Zukunft auch der größte Fluch sein: Hohe Fangzahlen erfordern mehr Beringungshelfer. An Spitzentagen müssen durchgehend mindestens 4 gut ausgebildete Personen vor Ort sein, um das Aufkommen an Vögeln zu bewältigen. Die große Frage steht im Raum, wie man wissenschaftliche Erfassung mit kleinerem Aufwand betreiben kann oder wie man weitere Leute für diese Art der ehrenamtlichen Tätigkeit im wissenschaftlichen Naturschutz motivieren kann.


Nicht zuletzt deshalb wird es 2015 nach dem Ausfall im letzten Jahr wieder einen Tag der offenen Tür geben. Ziel ist es, das Projekt der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Doch auch aus dem Kreis der Beringer und der Aktiven im Naturschutz möchten wir deutschlandweit zur Mitarbeit aufrufen: Wer sich dafür interessiert, an der Station ehrenamtlich auszuhelfen (1 Tag, 1 Wochenende, 1 Woche, ...) sollte nicht zögern und uns kontaktieren. Wir würden uns freuen, insbesondere andere Beringer begrüßen zu können.


Wir hoffen jedenfalls auf ein spannendes und artenreiches 2015!

Im Namen der Beringungs-AG,
Sebastian Kiepsch

09.01.2013

Herbstzug 2012 - die 2. Zughälfte

Hallo und frohes neues Jahr an alle Leser!

Nach 2010 auch 2012 wieder gefangen: Eine Rotdrossel (Turdus iliacus)
Wie schon mehrfach versprochen hier die Zusammenfassung der 2. Zughälfte (Mitte September bis Ende November) inklusive der noch ausstehenden Monatszusammenfassung. Den entsprechenden Beitrag zur 1. Zughälfte finden Sie hier.


Allgemein: Aus wenig Zeit viel herausgeholt

Die zweite Hälfte Herbstzug war 2012 deutlich besser zeitlich abgedeckt als die ersten beiden Monate, dennoch war der Stationsbetrieb weit von dem Maß der Jahre 2009 und 2010 entfernt. Da eigentlich jeder in unserem Team mittlerweile berufstätig ist und nicht mehr die berühmten Semesterferien hat, mussten wir zeitlich doch Einschnitte machen. Aber wann immer es sich einrichten ließ, wurde doch mal einen Vormittag oder auch abends mal beringt. Da jedoch in den wenigsten Fällen ganztägig beringt wurde, kann dies die erhobenen Daten etwas verfälschen, doch dazu später mehr.

Immerhin ein Bergfink (Fringilla montifringilla)
konnte 2012 auf dem Herbstzug beringt werden
Das Wetter war besser als im Vorjahr, so war der Wasserstand lange Zeit recht günstig und die Zugbedingungen an manchen Tagen sehr gut, mit einem besonders hohen Aufkommen am 10. Oktober. Eine beständige Wetterlage um diese Zeit ließ aber den in anderen Jahren häufiger auftretenden "Zugstau" ausbleiben: Bei instabilem Wetter bleibt der Vogelzug an manchen Tagen fast ganz aus und konzentriert sich auf die Tage mit guten Bedingungen.

Erfreulich in die hohe Zahl der gefangenen Arten mit 76, was das drittbeste Ergebnis aller Jahre ist und um ganze 11 Arten höher liegt als noch 2011. Desweiteren kam mit der Feldlerche die bislang 108. beringte Art für das IKEA-Biotop hinzu, bei allen Lerchenaktionen kamen insgesamt 72 Fänge dieser Art zusammen.


Häufige Arten: Abnahme bei der Rohrammer?

Rohrammern (Emberiza schoeniclus) (l.) sind 2012 weniger häufig
gefangen worden als im Mittel 2006-2011. (KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
In jedem Jahr stehen die vier stärksten Arten eigentlich schon fest, mit dem Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus), der Rohrammer (Emberiza schoeniclus), dem Rotkehlchen (Erithacus rubecula) und der Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla). Dies war auch 2012 nicht anders, allerdings gab es bei den Rohrammern einen großen Einbruch in den Fangzahlen, so dass diese Art zum ersten Mal seit Beginn der Beringung im IKEA-Biotop nur auf dem vierten Platz landet. Ursache für diese Entwicklung könnte entweder ein schlechtes Brutjahr sein (was sich bei uns vor Ort ganz ähnlich andeutete), oder es könnte ein Methodikproblem vorliegen: Rohrammern sind typische Tagzieher, die zwischen Sonnenauf- und -untergang mehr oder weniger den ganzen Tag unterwegs sind und an geeigneter Stelle zwischendurch kurz rasten. Weil wir aber häufig nicht ganztägig vor Ort waren, sind aus diesem Grund wohl auch zahlreiche Rohrammern einfach nicht erfasst worden, denn gerade an guten Tagen können über 100 Exemplare an einem Tag zusammenkommen. Aufschluss kann an dieser Stelle also nur der Vergleich mit den Daten anderer Beringergemeinschaften geben.
  

Mittelhäufige Arten: Licht und Schatten

Grund zum Jubeln: Rekordjahr bei Gimpeln (Pyrrhula pyrrhula)
Von den späten Ziehern gibt es erfreuliche Zahlen insbesondere bei Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola), Kernbeißern (Coccothraustes coccothraustes) und Gimpeln (Pyrrhula pyrrhula), von denen die letzten beiden Arten sogar in Rekord-Häufigkeit auftraten. Auch Erlenzeisige (Carduelis spinus), typische Invasionsvögel, waren häufig vertreten im IKEA-Biotop.

Den umgekehrten Trend bemerkten wir vor allem bei Beutelmeisen (Remiz pendulinus), mit lediglich 16 beringten Individuen. Dies ist das niedrigste Ergebnis seit Beginn der systematischen Beringung 2006. Ursache könnte analog zu den Rohrammern auch das vermehrte Auftreten der Beutelmeisen in der Mittagszeit sein, die von uns kaum abgedeckt wurde, oder aber in Veränderungen in Biotop bzw. Bestand zu begründen sein. Gerade die von Beutelmeisen oft aufgesuchten Rohrkolbenbestände sind im IKEA-Biotop in den letzten Jahren stark zurückgegangen.


Highlights: Taiga-Birkenzeisig, sonst nix...

Männchen des Taiga-Birkenzeisigs (Carduelis [flammea] flammea)
Nachdem in den letzten Jahren doch eigentlich immer ein echtes Jahreshighlight zu vermelden war, wurde 2012 lediglich ein mehr oder weniger besonderer Fang gemacht, mit einem Taiga-Birkenzeisig (Carduelis [flammea] flammea). Diese Unterart des Birkenzeisigs, die in Nordeuropa brütet, überwintert zwar alljährlich in Deutschland, aber kommt nur in den wenigsten Jahren Jahren so weit südlich vor, dass man sie auch im Saarland beobachten kann. Dieser Fang war entsprechend auch eine positive Überraschung und ein Erstnachweis der Unterart für das Gebiet.


Phänologie: Keine Extremwerte doch so mancher Unterschied

Vom zeitlichen Verlauf des Zuges her gab es wenige Überraschungen. Insgesamt waren nur sehr wenige "Nachzügler" zu vermelden, die größte Überraschung war der Fang einer sehr späten Rauchschwalbe (Hirundo rustica) im Oktober.
Bei einigen Arten ließ sich eine mehr oder weniger starke Verschiebung des Zugs bemerken, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Besonders deutlich wurde dies bei den Mönchsgrasmücken, die 2012 etwa 10 Tage später zogen als sonst.


Phänomen: Invasionsmeisen und -drosseln

Invasion: Absolutes Rekordjahr mit etwa 450 Fängen
bei den Blaumeisen (Parus caeruleus)
Sehr bemerkenswert ist das enorme Aufkommen von Blau- und Kohlmeise (Parus caeruleus bzw. Parus major) sowie Amsel und Singdrossel (Turdus merula bzw. Turdus philomelos), die in deutlich höherer Fangzahl als im Vorjahr vorkamen. Zumindest bei den Meisen war dieses Invasionsphänomen auch von anderen Beobachtern zu verfolgen, weil die ziehenden Kohlmeisen durch einen charakteristischen Ruf in weiten Teilen Deutschlands auf sich aufmerksam machten. An unserem Standort war ein ähnliches Bild auch bei den Drosseln der Fall, insbesondere Singdrosseln waren 2012 so häufig wie nie zuvor mit 150 Fängen, das sind mehr als dreimal so viele Individuen wie im Vorjahr.

(KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
Enorme Fangzahlen bei Meisen (l.) und Drosseln (r.) 2012
im Vergleich mit dem Durchschnitt 2006-2011

Nachtrag: Monatszusammenfassung November


Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch

04.12.2011

Monatszusammenfassung November

Hallo an alle Leser!

In diesem Jahr seltener: Der Stieglitz (Carduelis carduelis) - auch Distelfink genannt
Nach dreieinhalb spannenden und erfolgreichen Monaten ist die Herbstzugberingung 2011 nun zu Ende gegangen. Der Monat November, der klimatisch durch die extreme Trockenheit und die milden Temperaturen in Erinnerung bleiben wird, konnte leider mit den letzten Monaten nicht ganz mithalten. Im Vergleich mit dem Jahr 2010 fällt der frühere Zugverlauf, der sich bereits in den Vormonaten andeutete, sehr ins Gewicht. Viele Arten, die im letzten Jahr noch stark auf dem Zug waren, z.B. Rotkehlchen (Erithacus rubecula), waren dieses Jahr deutlich seltener unterwegs. Andere Arten, die nur noch vereinzelt gefangen werden konnten, allen voran der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus), blieben 2011 gänzlich aus. Dennoch gelang uns der Fang einiger Arten, die ihren Zug bereits abgeschlossen haben sollten, so z.B. des Zilpzalps (Phylloscopus collybita). Für die Phänologie, also die wissenschaftliche Untersuchung des jahreszeitlichen Auftretens natürlicher Ereignisse, sind gerade diese Nachweise interessant.

Im letzten Jahr gefangen: Die Lachmöwe (Larus ridbundus)
ging vor allem bei starkem Nebel ins Netz
Sollte man in diesem Monat Highlights benennen, so wären es ohne Frage die große Zahl der noch ziehenden Beutelmeisen (Remiz pendulinus), die auf ein erfolgreiches Brutjahr 2011 hindeutet. Außerdem ging der späteste Eisvogel (Alcedo atthis) aller Zeiten in die Netze der Beringungsstation, neben einem Kontrollfang eines Altvogels am gleichen Tag. Speziell letzterer Fang könnte eventuell ein Hinweis auf ein neues Revier in der Nähe des Biotops sein. Wir sind gespannt, ob es weitere Funde dieses Individuums geben wird.

Der Bergfink (Fringilla montifringilla) (M links; W rechts)
konnte in diesem Jahr noch nicht beobachtet werden
Im letzten Jahr fiel vor allem der starke Einflug von Waldvögeln auf, allen voran Kohlmeisen (Parus major) und Blaumeisen (Parus caeruleus). Dieses Jahr blieb eine vergleichbare Migrationsbewegung aus, dies macht sich natürlich auch in den Fangzahlen der Waldarten bemerkbar. Die für Arten wie Erlenzeisig (Carduelis spinus), Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) und Bergfink (Fringilla montifringilla) typischen, invasionsartigen Einflüge sind in diesem Jahr wohl auch wegen der milden Temperaturen bislang noch nicht im Saarland vorgekommen. Speziell Bergfinken konnten im Biotopsumfeld auch noch nicht ziehend gesichtet werden. Doch es gibt auch eine Art, die stärker als im Vorjahreszeitraum vertreten war: Die Rotdrossel (Turdus iliacus). Diese Drosselart schaffte es zwar, an keinem Tag in die Netze zu gehen, aber an den Beringungstagen waren in der Morgendämmerung fast immer die typischen Rufe zu hören.

Hier die Statistik der Neuberingungen des Monats November:


Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch

05.11.2011

Neuer Monat, neues Glück

Hallo zusammen!

Rotdrossel (Turdus iliacus) - 2010 wurde auch 1 Ex. beringt
Nun ist also der November angebrochen, der letzte Monat der Herbstzugberingung 2011. Der November ist weniger geprägt durch große Zahlen, weder im Artenspektrum, noch bei Individuenzahlen. Der Fokus in diesem Monat liegt hauptsächlich in der Phänologie, also dem zeitlichen Verlauf des Zugs. Interessant ist hierbei vor allem, welche Arten noch so spät unterwegs sind, denn für viele Vogelarten ist der Zug hierzulande eigentlich bereits abgeschlossen. Daneben ziehen natürlich weiterhin nordische Arten zum Überwinterungsgebiet, wie z.B. Rotdrosseln (Turdus iliacus) und Bergfinken (Fringilla montifringilla). Im letzten Jahr konnten neben diesen beiden Arten auch zahlreiche Waldvögel beringt werden, welche zum Winter hin zur Nahrungssuche in offenere Landstriche ausfliegen. Außerdem besteht immer noch die Chance auf extreme Seltenheiten, denn gerade jetzt ziehen noch Vögel aus den Brutgebieten im extremen Norden und Nordosten Europas durch. Man darf also auch in diesem Monat gespannt sein, was denn da noch so kommen mag.

Erlenzeisig (Carduelis spinus) - junges Männchen
 Natürlich wurde im November auch bereits beringt. In der letzten Woche wurden insgesamt 174 Individuen aus 14 Arten beringt. Unangefochtener Spitzenreiter sind die Rotkehlchen (Erithacus rubecula), die mit 114 Exemplaren noch stark auf dem Zug sind, gefolgt von der Rohrammer (Emberiza schhoeniclus) mit 18 und der Heckenbraunelle (Prunella modularis) mit 10 Neuberingungen. Man sieht, die Fangzahlen vieler Arten werden immer geringer. Interessante Nachweise für den November gelangen bereits mit einem Zilpzalp (Phylloscopus collybita) und 3 Mönchsgrasmücken (Sylvia atricapilla).

Junge Teichralle (Gallinula chloropus),
häufig auch "Teichhuhn" genannt
Auch die ersten Highlights konnten für diesen Monat schon verzeichnet werden. Neben einer weiteren Beutelmeise (Remiz pendulinus) und 2 Erlenzeisigen (Carduelis spinus) gelang auch der Fang einer Teichralle (Gallinula chloropus) in einer Bodenfalle, trotz des hohen Wasserstands. Ein weiterer Fremdfang war uns auch noch vergönnt, dabei handelt es sich um eine Rohrammer mit Ring aus Paris.
 
Man kann nur hoffen, dass dieser Monat so weiter geht. Sollten die milden Temperaturen anhalten, werden wir natürlich auch weiterhin beringen. Wie immer gibts hier noch die Auflistung aller interessanten Fänge:

01.11.
1 Beutelmeise (Remiz pendulinus)

02.11.
1 Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)
1 Zilpzalp (Phylloscopus collybita)

05.11.
2 Erlenzeisige (Carduelis spinus)
2 Mönchsgrasmücken
1 Teichralle (Gallinula chloropus)
Rohrammer (Emberiza schoeniclus) - Fremdfang Paris

Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch