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13.02.2016

Interessante Ringfundmeldungen

Hallo zusammen!


Das IKEA-Biotop und die Beringungsstation im Februar 2016
Der Winter ist traditionell die ruhigste Jahreszeit an der NABU Beringungsstation: Im Gegensatz zu den Hunderten Durchzüglern pro Tag, die zwischen August und Oktober das IKEA-Biotop zur Rast aufsuchen, herrscht von Dezember bis März eine fast ungewohnte Ruhe. Statt Gewusel im Schilf und Gesängen und Rufen aus allen Ecken des Gebiets sind kaum Vögel zu sehen und hören, mit Ausnahme einiger wenige Wintergäste, die zum Schlafen oder zur Suche nach der nun spärlichen Nahrung einfallen. Aus diesem Grund ist auch die Beringungstätigkeit im Winter auf wenige Aktionen beschränkt, bei denen es hauptsächlich um die Erfassung der einzelnen Individuen geht. Das Ziel ist es dabei, die standorttreuen Überwinterer genauer zu studieren.
Der Winter ist aber auch eine Zeit der Auswertung und Analyse der Daten des Vorjahres. Einen Einblick in diese Tätigkeit haben wir ja bereits bezüglich der Brutzeiterfassung gegeben, ein weiteres sehr interessantes Feld soll Thema dieses Beitrags sein: Ringfundmeldungen


Hintergrund: Koordination durch Beringungszentralen

Eines der großen Ziele der Vogelberingung ist es, über Wiederfunde beringter Vögel das Wissen über Zugbewegungen, Ökologie und Verhaltensmuster zu erweitern. Die NABU-Beringungsstation ist zu diesem Zweck eingegliedert in ein grenzüberschreitendes Netz von Vogelberingungszentralen und dabei der Vogelwarte Radolfzell unterstellt. Diese ist zuständig für Süddeutschland, während der Nordwesten der Bundesrepublik durch die Vogelwarte Helgoland, sowie die neuen Bundesländer durch die Vogelwarte Hiddensee betreut werden. Die Beringungszentralen erfüllen dabei nicht nur eine Verwaltungsaufgabe, sondern sind vor allem zuständig für die Ausgabe der individuell numerierten Vogelringe an die Beringer. Im Gegenzug liefern die Beringer sämtliche erfassten Daten jährlich bei der zuständigen Vogelwarte ab, welche ein zentrales Archiv führt. Weiterhin dienen die Vogelwarten auch als Anlaufstelle für Meldungen zu beringten Vögeln, die neben den jährlichen Datensätzen der Beringer natürlich auch von Privatpersonen stammen.

Beringtes Rotkehlchen
Wenn Sie einen beringten Vogel ablesen
können oder tot auffinden, melden Sie bitte
die Daten unter www.ring.ac an die
zuständige Beringungszentrale.
JEDE MELDUNG ZÄHLT!
Wer einen beringten Vogel abliest oder tot auffindet, kann die entsprechenden Daten mittlerweile europaweit zentralisiert unter www.ring.ac eingeben. von dort werden sie an die Beringungszentralen weitergeleitet, die dann den Findern und Beringern einen Lebenslauf des Vogels übermitteln. Im Falle der NABU Beringungsstation fallen im Schnitt knapp 50 solche Ringfundmeldungen im Jahr an, die entweder von uns beringte Vögel an anderen Orten betreffen, oder aber Informationen zu von uns gefangenen Vögeln mit fremden Ringen beinhalten. Der Wermutstropfen an diesem Verfahren ist der enorme Zeitaufwand, bis alle beteiligten Personen und Institutionen kommuniziert haben: Im Schnitt dauert es vom Fang zur Fundmeldung mehrere Jahre! Aktuell sind wieder etliche Meldungen, vor allem aus den Jahren 2013 und 2014 aufgelaufen, die wir nun genauer unter die Lupe genommen haben. Darunter einige überaus interessante Fälle...


Saarlouiser Blaumeise in Ungarn

Auch Blaumeisen sind teilweise Zugvögel, die nördlichen
Populationen überwintern in Mittel- und Südeuropa
Blaumeisen gelten gemeinhin als Standvögel, was für mitteleuropäische Vögel auch weitgehend wahr ist. Was aber die Wenigsten wissen: Die nördlichen Populationen Skandinaviens und Osteuropas führen im Herbst einen ausgeprägten Zug durch. Im Saarland findet der Hauptdurchzug der Blaumeise meist Ende Oktober oder Anfang November statt. Ein solcher Durchzügler, ein Weibchen, welches am 31.10.2011 im IKEA-Biotop beringt wurde, ist am 23.10.2014 nach knapp drei Jahren von anderen Beringern wieder gefangen worden, allerdings ca. 1.100 km entfernt in Ost-Ungarn. Auch hier ist davon auszugehen, dass es sich um eine Station ihres Herbstzugs handelt.


Feldlerche in Frankreich tot aufgefunden

Seit 2012 konnten im IKEA-Biotop knapp 400 Feldlerchen
beringt werden. 2013 gab es den ersten Wiederfund.
In unserem Projekt zum Herbstzug der Feldlerche ist der erste Ringfund geglückt, leider handelt es sich jedoch um einen Totfund. Das Lerchen-Weibchen wurde von uns am 18.10.2013 beringt und wurde einen knappen Monat später, am 08.11.2013 in Trensacq - ca. 100 km südlich von Bordeaux - tot aufgefunden. Ein Vermerk bei der Beringung deutet auf eine mögliche Todesursache hin: Die Lerche hatte nur geringfügige Fettreserven. Bei einem anstrengenden Zug, insbesondere bei ungünstigen Wetterbedingungen, kann dies für das Individuum natürlich fatal enden. Wir hoffen aber in den nächsten Jahren auf weitere Wiederfunde dieser Art.


Schilfrohrsänger ziehen über Italien

Wiederfunde und Herkunft fremdberingter Schilfrohrsänger.
blau: Beringungsorte anderenorts beringter Individuen
grün: Wiederfunde von uns beringter Individuen
rot: Die Beringungsstation "Mittleres Saartal"
(Quelle: Google earth)
Bei der Beringung im IKEA-Biotop ist der Schilfrohrsänger eine der interessantesten Arten: Zum Einen ist er sehr unscheinbar und wird fast ausschließlich durch Beringung im Saarland nachgewiesen - ca. 5 Beobachtungen jährlich stehen knapp 100 Fängen bei der Beringung gegenüber! Zum Anderen ist die Quote von Wiederfunden und fremdberingten Vögeln verhältnismäßig hoch mit einem von 34 Individuen. Über die Jahre offenbart dies ein interessantes Bild über die Zugroute der Art: Die Schilfrohrsänger, die das Saarland überfliegen, scheinen zum Großteil eine Route über Italien zu wählen. Damit sind sie an der NABU Beringungsstation echte Exoten, die meisten Arten folgen der Westroute über die Iberische Halbinsel. Ein am 14.04.2013 gefangenes Schilfrohrsänger-Männchen bestätigt diese Vermutung wieder: Er trug beim Fang im IKEA-Biotop bereits einen italienischen Ring, beringt wurde er als Altvogel im August 2010 nahe Bologna.


Standorttreue Beutelmeisen
Bei einem Durchmesser von gerade einmal 2,3 mm ist
der Ring der Beutelmeise fast nur in der Hand ablesbar.
Ein Fotograf in der Schweiz hat nun das Gegenteil bewiesen.
Die Art mit der höchsten Quote an Ringfunden ist mit weitem Abstand die Beutelmeise. Im Schnitt ist jede zwölfte Beutelmeise entweder bereits anderenorts beringt worden, oder wird erneut in einem anderen Gebiet gefangen. Eine aktuelle Wiederfundmeldung ist dabei aufgrund der Umstände besonders eindrucksvoll: Eine von uns 2010 beringte Beutelmeise wurde 2014 am Genfer See wiederentdeckt - anhand eines Fotos! Die Ablesung des Rings gelang dabei nur teilweise, dennoch konnten die Buchstaben & Ziffern in Kombination mit dem Schriftzug "Radolfzell" eindeutig diesem Individuum zugeordnet werden. 

Besonders bemerkenswert ist auch die Bindung der Beutelmeisen an ihre Rastgebiete. Ganze 19 Funde der im IKEA-Biotop beringten Individuen stammen aus einem einzigen französischen Feuchtgebiet an der Gironde (Departement Charente-Maritime), umgekehrt konnten wir bereits sechs dort beringte Beutelmeisen fangen. Auch bei den aktuellen Ringfundmeldungen waren wieder zwei Mitteilungen aus diesem Gebiet zu finden. Daneben gibt es noch weitere Standorte mit mehreren Wiederfunden der Beutelmeise, z.B. den Rietzer See in Brandenburg. Nur durch die Beringung konnte diese europaweite Vernetzung von Feuchtgebieten gezeigt werden!


Mönchsgrasmücke auf Abwegen?
Dass Zugwege sich über die Jahre auch verändern können, zeigt die Mönchsgrasmücke ganz aktuell. Seit Jahren ist bekannt, dass ein Teil der Mönchsgrasmücken im Herbst nicht mehr gen Südeuropa zieht, sondern statt dessen in Großbritannien überwintert. Dieses neue Überwinterungsgebiet, wohl begünstigt durch den fortschreitenden Klimawandel, hat sich dabei mehr und mehr etabliert. Ein aktueller Wiederfund einer "saarländischen" Grasmücke passt dabei ebenfalls in dieses Bild: Von uns beringt im September 2013 wurde sie einen knappen Monat später in Nordbelgien erneut gefangen. Falls die Grasmücke diesen Kurs beibehalten hat, führte sie ihr Zug wohl zum Überwintern nach England.


Flussuferläufer aus Schweden

Die Strecke vom schwedischen Öland bis ins Saarland
(1.000 km Luftlinie) schaffte der Flussuferläufer in 4 Tagen
(Quelle: Google Maps)
Zu guter Letzt noch eine Ringfundmeldung, auf die wir schon seit Jahren gewartet haben - und das Warten hat sich gelohnt!
Im Sommer 2013 gelang der Fang eines jungen Flussuferläufers mit schwedischem Ring, wir berichteten. Dies war der erste Fremdfang für diese Watvogelart, die ohnehin bis heute erst 17 Mal im IKEA-Biotop beringt wurde. Noch spektakulärer wurde der Fang durch die Ringfundmeldung: Der Flussuferläufer wurde als Durchzügler in der 1.000 km entfernten Ottenby Vogelstation an der Südspitze Ölands (siehe Karte) beringt, sage und schreibe vier Tage vor unserem Fang. Dies beweist eindrucksvoll, zu welchen Leistungen Zugvögel im Stande sind - insbesondere auch Jungvögel, die erst 2-3 Monate alt sind.

Mit diesen spannenden Ergebnissen möchten wir diesen Bericht abschließen, schon bald soll an dieser Stelle auch der Jahresbericht 2015 erscheinen. Auch die Arbeit im IKEA-Biotop wird bald wieder aufgenommen, bis zum Frühjahr sind noch Pflegemaßnahmen im Gebiet geplant, bevor die Frühjahrszugberingung dann Mitte März startet.

Im Namen des gesamten Beringungs-Teams,
Sebastian Kiepsch

01.10.2013

Zwischenbericht vom Herbstzug 2013


Der Herbstzug 2013 ist im IKEA-Biotop bereits im vollen Gange und für einige Arten bereits so gut wie vorüber, es ist an der Zeit schon einmal zurückzublicken auf die Ergebnisse der letzten Wochen.


Wetter: Viel Sonnenschein im August und Rekordregenmengen im September

Neuntöter (Lanius collurio)
Ein Jungvögel aus der Brut 2013, der ersten Brut des
Neuntöters im IKEA-Biotop seit über 10 Jahren
Das Wetter war in dieser ersten Zughälfte überwiegend positiv. Von Ende Juli bis Anfang September sank durch lange und beständige Phasen mit Sonnenschein der Wasserstand immer weiter ab, die Schlickflächen lagen offen. Das Nahrungsangebot für die im Biotop brütenden, bodenbewohnenden Rallen und durchziehende Watvögel war ausgezeichnet und so konnten zahlreiche Fänge und Beobachtungen von Vertretern beider Artengruppen verzeichnet werden. Auch spät brütende Arten, die Ende Juli noch mit der Jungenaufzucht beschäftigt sind, profitierten vom guten Wetter - so z.B. auch das im Biotop brütende Neuntöter-Paar, das mindestens 2 ausgeflogene Jungvögel hervorbrachte.

Das Kontrastprogramm zum freundlichen Wetter im Juli und August folgte Anfang bis Mitte September: Ein Sturmtief brachte nach langer Hochdruckphase über zwei Wochen hinweg viel Regen. Den traurigen Höhepunkt dieser Phase stellte eine Gewitterfront dar, die ausgerechnet in der Nacht auf unseren Tag der offenen Tür am 08.09. ankommen musste und mit ca. 30 l/m² das Gebiet regelrecht überflutete, aber im Gegensatz dazu die Besucherflut in Grenzen hielt.


Tag der offenen Tür: Es gibt kein schlechtes Wetter...

...nur schlechte Ausrüstung: Das erste Opfer des ankommenden Gewitters war ein Pavillon, der gegen 02:00 Uhr unter der Last extremer Regenmengen in kürzester Zeit zusammen brach und irreparabel beschädigt wurde. Dieser wurde kurzerhand morgens in ein "Sonnensegel" umfunktioniert.

Wendehals (Jynx torquilla)
Ohne Zweifel der Publikumsliebling des Tages
Noch im letzten Jahr beklagten sich einige Besucher über die extreme Hitze bei strahlendem Sonnenschein bei über 30 °C. Dieses Problem hatten wir in diesem Jahr definitiv nicht. Bis zuletzt sorgte sich unser gesamtes Team, ob man angesichts des Regens überhaupt die Netze aufmachen und fangen könnte. Zum Glück war aber mit dem ausgerufenen Beginn um 9:00 Uhr auch das Gröbste überstanden und der Beringungsbetrieb konnte regulär weiterlaufen. Über den Tag hielt das Wetter dann erstaunlich lange und lockte speziell am Nachmittag auch den einen oder anderen Interessierten ins IKEA-Biotop.

Insgesamt war der 4. Tag der offenen Tür im IKEA-Biotop einigermaßen erfolgreich und wer kam, konnte auch einige beeindruckende Fänge bestaunen, darunter eine Lachmöwe, ein Kleinspecht, mehrere Blaukehlchen und ein Wendehals.

An dieser Stelle sei nochmals allen Helfern gedankt, die zu diesem Tag beigetragen haben! Ohne euch wäre der Tag der offenen Tür nicht möglich!


Allgemeine Ergebnisse: Früher Start der Erfassung

Der Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris)
verbringt gerade einmal 3 Monate in Mitteleuropa
In diesem Jahr begann die Herbstzugerfassung bereits am 21. Juli. Dies sollte insbesondere den Zug der Sumpfrohrsänger genauer aufschlüsseln, einer der sehr früh ziehenden Arten. In den letzten Jahren lief die Brutzeiterfassung stets bis Ende Juli, erst ab August wurde mit der zeitlich intensiveren Herbstzugberingung begonnen. Zu diesem Zeitpunkt ist aber der Zughöhepunkt der Sumpfrohrsänger fast schon erreicht. Es konnte also kein verlässlicher Zeitpunkt für den Zugbeginn im Saarland angegeben werden. Ähnlich verhält es sich auch bei anderen Arten, die schon früh aufbrechen.

Gartengrasmücke (Sylvia borin)
Der Zug ins Winterquartier beginnt für sie schon im Juli
Das Ziel der Juli-Aktion lag aber auch in der Aufklärung, ob sich das Artenspektrum während des sehr frühen Zugs im Juli sich von dem im August unterscheidet. In der Vergangenheit wurde anhand großer Fangzahlen gegen Ende der Brutzeit schon vermutet, dass ein beachtlicher Teil des Zuges sozusagen "übersehen" wird. Auch die Brutzeitfänge zweier Karmingimpel 2010 und 2012 zeigten, dass mit dem Auftreten ungewöhnlicher Arten zu rechnen ist.

Was die frühe Erfassung zeigte: Große Überraschungen gab es keine, aber einige kleine. So ist der Zug bei Watvögeln wie dem Flussuferläufer und dem Waldwasserläufer gegen Ende Juli schon sehr ausgeprägt. Auch je ein Wendehals und Eisvogel wurden gefangen, die sonst erst Mitte August ihren Zug antreten.


Häufige Arten: Viele Grasmücken und späte Rohrsänger

Dorngrasmücke (Sylvia communis)
Wie die anderen Grasmücken auch frisst sie Ende August
sehr häufig an den Brombeersträuchern im IKEA-Biotop
Auffallend  waren in diesem Jahr an allererster Stelle die enormen Fangzahlen bei Dorn- und Gartengrasmücke, mit einem Rekordergebnis von jeweils über 300 Exemplaren! Insbesondere im Vergleich mit dem Mittelwert der Vorjahre sticht 2013 hervor. Die Ursachen liegen wohl in zwei Gründen: Zum Einen war der Bruterfolg 2013 für spät brütende Arten groß, da das Wetter in der zweiten Hälfte der Brutzeit sehr stabil war. Zum anderen spielt auch der Wandel der Vegetation im Biotop eine Rolle, denn gerade die sich ausbreitenden Brombeergebüsche werden von Grasmücken bei der Nahrungssuche angeflogen.

(KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
Zahl der Neuberingungen für Dorn- und Gartengrasmücke pro Tag
von Ende Juli (JL3) bis Ende Oktober (OK3), in Dekaden (10-Tages-Intervalle).
Man beachte die im Verhältnis gewaltigen Zahlen Ende August (AU3)
Trotz geringerer Beringungstätigkeit: Nach 2009 und 2010 konnten erneut über 2.500 Teichrohrsänger beringt werden und der Zug ist noch nicht ganz beendet! Sogar die Rekordzahl scheint noch in greifbarer Nähe zu sein. Dies zeigt einerseits, dass der Bruterfolg in diesem Jahr offenbar recht gut war, andererseits aber auch, dass das Gebiet den Massen rastender Rohrsänger (teils über 200 pro Tag auf 5 Hektar) genügend Nahrung bietet. Der Zug der Teichrohrsänger scheint dabei im Vergleich mit den Daten der Vorjahre zeitlich etwas nach hinten verschoben zu sein, was eventuell für eine große Zahl später Bruten sprechen könnte.
(KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
Zahl pro Tag neu beringter Teichrohrsänger, aufgetragen in Dekaden (10-Tages-Intervalle)
von Ende Juli (JL3) bis Ende Oktober (OK3). 2013 setzte der Zug später ein als im Mittel 2006-2012

Mittelhäufige Arten: Gewinner und Verlierer

Rekordfangzahl beim Eisvogel (Alcedo atthis)
Bisher wurden 2013 bereits 20 Exemplare beringt
Wie bereits im letzten Beitrag beschrieben ist die natürliche Sukzession (die Entwicklung der Vegetation im Biotop) ein Hauptgrund für die Veränderungen in Fangzahlen und Artenspektrum. Große Abnahmen konnten wir vor allem bei Neuntötern und Orpheusspöttern feststellen, die offene Landschaften mit einzelnen Gebüschen bevorzugen. Außer dem Neuntöter- Brutpaar und seinem Nachwuchs wurden nur wenige weitere Durchzügler gefangen. Ähnlich bei den Orpheusspöttern, der Art, die offenbar am stärksten auf die Veränderungen im Biotop reagiert.

Einen anhaltend negativen Trend sieht man bei der Rauchschwalbe, die seit Jahren immer seltener im Biotop wird. Die Schwalben suchen das Gebiet abends als Schlafplatz auf, jedoch war dieser 2013 nicht jeden Tag besetzt. Ob dies der Entwicklung des Biotops oder dem bundesweit abnehmendem Trend dieser Art geschuldet ist, bleibt offen.

Der Schilfrohrsänger, der im letzten Jahr einen Einbruch der Fangzahl um 60% zeigte, ist 2013 wieder auf den Stand der Vorjahre zurückgekehrt. Die genauen Gründe für die Entwicklung im letzten Jahr sind unklar. Vermutlich spielt auch die frühe Zugphase im Juli eine große Rolle für den Schilfrohrsänger, was die Fangzahlen dieses Jahres zeigen.

Feldschwirl (Locustella naevia)
Optisch unscheinbar, akustich unverkennbar:
Sein Gesang ähnelt den Lauten von Heuschrecken.
Steigende Trends sind vor allem bei den Arten zu erkennen, die dichtere und höhere Vegetation bevorzugen: Die Nachtigallen zeigen im Vergleich mit den Vorjahren leicht höhere Fangzahlen, der Fitis hat sogar ein Rekordergebnis erzielt (ca. 150 Beringungen). Ebenfalls Rekord-Fangzahlen stellten daneben  auch der Eisvogel (>20 Beringungen), der Wendehals, der Feldschwirl und das Blaukehlchen auf. Insbesondere bei letzterer Art spielt dabei aber wahrscheinlich auch die bundesweite Bestandsentwicklung eine Rolle, die in den letzten Jahren sehr positiv ist.

Erfreulich ist 2013 auch die Bilanz bei Teich- und Wasserrallen. Durch den niedrigen Wasserstand konnten diese Bodenbewohner, die öfter laufen als fliegen, besonders häufig gefangen werden. Gerade die späten Bruten scheinen dabei sehr erfolgreich gewesen zu sein, was der hohe Anteil noch nicht ausgewachsener Jungvögel belegt.


Seltene Arten: Wieder Zwergdommeln und Tüpfelrallen auf dem Herbstzug!

Vorab sei gesagt: Extreme Raritäten sind in diesem Jahr bislang leider keine aufgetreten, dennoch gab es einige äußerst interessante Fänge bei den Arten, die im Biotop nur selten gefangen werden.
Juvenile Zwergdommel (Ixobrychus minutus)
Erst die 3. Beringung dieser Art im IKEA-Biotop.
Man beachte die vereinzelten Flaumfedern in Kopf- und Körpergefieder
Der bemerkenswerteste Fang bestand in gleich 2 Zwergdommeln, der kleinsten einheimischen Reiherart. Die eine - ein Jungvogel - zeigte noch einige Flaumfedern im Gefieder, die Vermutung liegt daher nahe, dass dieser Jungvogel einer nahe gelegenen (übersehenen) Brut entstammt, was für das Saarland ein wertvoller Nachweis wäre! Die andere, ein adultes Weibchen, ist uns bereits sehr gut bekannt: Sie wurde 2010 beringt und tauchte auch 2011 bereits zur Zugzeit wieder auf. In diesem Jahr blieb sie für mehrere Wochen im Gebiet und wurde desöfteren gefangen. Ihr Gewicht hat sie dabei innerhalb weniger Tage um ca. 50% erhöht, ein Indiz für ein gutes Nahrungsangebot. Eine solche Standorttreue bei der Rast der Zwergdommel (außerhalb ihres eigentlichen Brutgebiets) ist unseres Wissens in der Form noch nicht festgestellt worden.

Tüpfelralle (Porzana porzana)
Nach 2010 endlich wieder Nachweise beim Herbstzug!
Ebenfalls erfreulich: Die Tüpfelralle ist nach 2010 endlich wieder auf dem Herbstzug nachgewiesen worden - und das gleich in Rekordzahl: Ganze 5 Jungvögel wurden gefangen und beringt. Dieser Bodenbewohner brütet nicht im Saarland und wird nur selten rastend beobachtet. Der Großteil der Nachweise der letzten Jahre, meist 1-2 jährlich, gelang unserem Team durch Fang und Beringung. Dass im IKEA-Biotop aber ein so reger Durchzug der Tüpfelralle herrscht, hätten auch wir nicht vermutet.


Aus saarländischer Sicht selten: Auch der Rohrschwirl war 2013 mit 5 Fängen während des Herbstzugs wieder vertreten. Diese und die beiden während des Frühjahrszugs gefangenen Rohrschwirle sind gleichzeitig laut ornitho.de die einzigen im Saarland beobachteten Vertreter ihrer Art im Jahr 2013. Definitiv eine Art, die ohne die Beringungstätigkeit übersehen bliebe.

Flussuferläufer (Actitis hypoleucos)
Im Saarland kein Brutvogel, nur auf dem Zug zu sehen
Eine echte Überraschung in diesem Jahr sind die Fangzahlen bei Limikolen (Watvögeln), allen voran ganze 7 Flussuferläufer. Vor 2013 gab es gerade mal 2 Fänge dieser Art! Ebenfalls überraschend: Unter ihnen war ein beringtes Exemplar, das mit einem Ring der Vogelwarte Stockholm gekennzeichnet wurde. Woher genau der Vogel stammt, erfahren wir aber leider erst mit Zeitverzögerung. Angesichts der wenigen Gesamtfänge dieser Art aber sehr spannend!


Schlusswort: Noch ist vieles drin...

Die bisherige Beringung 2013 war erfolgreich, aber brachte noch keine extremen Besonderheiten, wie in manch einem der Vorjahre. Doch die zweite Zughälfte ist berüchtigt für Irrflügler aller Art, die z.B. einfach in die falsche Richtung fliegen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Sibirische Arten in Mitteleuropa auftauchen. Gerade die bei Tag ziehenden Rohrammern (Ende September bis Ende Oktober) sind häufiger mit nordischen Seltenheiten vergesellschaftet. Insofern heißt es einfach dran bleiben!

Im Namen des gesamten Teams der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch