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27.08.2014

2014 bisher - milder Winter, neue Fläche, gute Brut

Hallo zusammen!

Sprosser (Luscinia luscinia) - adultes Weibchen - Das Highlight der Brutzeit 2014
Es war etwas länger still um uns geworden, was nicht etwa heißen soll, dass die Beringung aufgegeben wurde - im Gegenteil, in diesem Jahr läuft es ganz gut. Einzig die Zeit, die Daten auch mal anzuschauen und auszuwerten hat bislang gefehlt. Doch mit dem Ende der Brutzeiterfassung wird es mal wieder Zeit, auf den Beginn des Beringungsjahres zurückzublicken und Bilanz zu ziehen.


Allgemein - Biotopmaßnahmen und ungebetene Besucher

Neue Flachwasserzone für das Biotop!
Die umgestaltete Fläche kurz nach Fertigstellung

Mit besonderer Freude erfuhren wir im Winter, dass wir in diesem Frühjahr die Möglichkeit zu einer biotopverbessernden Maßnahme bekommen. Unter der Federführung von Ulrich Leyhe (Vorsitzender NABU OG Saarlouis) und in Zusammenarbeit mit der Firma Meyers konnte Ende Februar eine etwa 200 m² große Wiesenfläche in eine teilüberschwemmte Flachwasserzone mit geringer Uferschräge umgewandelt werden. Auch der angrenzende Schilfgürtel wurde in Rahmen der Aktion etwas abgetragen, um der angrenzenden offenen Wasserfläche den Charakter eines Altarms zu geben. Die Flachwasserzone (auf dem Foto der Stand kurz nach dem Ausbaggern) hat sich seither bestens entwickelt und bietet, sofern genügend Wasser vorhanden ist, beste Rastbedingungen für Watvögel und Rallen im Biotop.

Hier befindet sich die neu gestaltete Fläche
(Klick zum Vergrößern)
Nach dieser durchweg positiven Aktion gab es aber auch ein sehr unerfreuliches Ereignis: Durch einen Unbekannten Täter wurden Anfang April Teile des Fanggeräts und Stegs beschädigt. Der Sachschaden beläuft sich auf über 1000 €, die Polizei ermittelt. Umso schlimmer: Große Teile der beschädigten Netze waren komplett neu angeschafft für die 2014er Saison. Das so entstandene Finanzloch konnte bis heute nicht gestopft werden und so klaffen bis dato auch noch Löcher in vielen Fangnetzen. Eines zeigt diese Aktion ganz klar auf: Ohne große Sponsoren oder andere längerfristige Zuwendungen wird das Projekt Beringungsstation über kurz oder lang nicht mehr zu betreiben sein...


Frühjahrszug - milder Winter = weniger Vögel?

Wenn man den Winter 2013/2014 mit einem Wort zusammenfassen sollte, wäre es wahrscheinlich "Herbst". Die Temperaturen lagen tagsüber nur selten unterhalb des Gefrierpunkts, Schnee gabs nur im Fernsehen und im Saarland typische Wintergäste wie Erlenzeisige, Raubwürger oder Kornweihen blieben lieber noch etwas weiter nördlich.

Bergpieper (Anthus spinoletta)
Eines der Highlights in diesem Frühjahr
Auch bei der Beringung  hat sich dieser sehr spezielle Winter bemerkbar gemacht. Speziell im Vergleich mit dem Frühjahr 2013, in dem durch einen Zugstau wegen des Wintereinbruchs im März eine gewaltige Zahl von Vögeln notgedrungen im Saarland und auch im IKEA-Biotop rasten mussten, fällt das Fazit dieses Jahr wesentlich unspektakulärer aus.
Subjektiv hatte man bereits bei den Beringungsaktionen den Eindruck, dass viele Arten und Individuen eine längere Rast vermeiden und lieber schnell ins Brutgebiet durchstarten, teilweise lagen die absoluten Fangzahlen sehr niedrig mit gerade mal 20-30 Beringungen pro Fangtag. Auch die Aufenthaltszeiten im Biotop waren vergleichsweise kurz, gerade im Vorjahr blieben z.B. die Blaukehlchen über eine Woche im Gebiet, in diesem Jahr gerade mal 1-2 Tage.

Auch der DDA (Dachverband Deutscher Avifaunisten) hat die beiden Frühjahre 2013 und 2014 in einem kürzlich erschienenen Artikel unter die Lupe genommen, was interessante Ergebnisse zeigt. Sehr lesenswert!

Auch die gehen mal ins Netz:
Pierre Geller mit gefangener belgischer Brieftaube
Trotz geringer Fangzahlen hatte der Frühjahrszug auch so seine Momente: Die Highlights der diesjährigen Beringung waren vor allem ein Bergpieper (01.04.2014) und eine Zwergschnepfe (13.04.2014), aber auch ein interessanter Kontrollfang eines Schafstelzen-Männchen mit Ring der Vogelwarte Paris. Alle diese Arten ziehen regelmäßig durch und über das Gebiet, werden aber nicht jedes Jahr gefangen. Wir freuen uns daher über jeden Nachweis im Frühjahr.

Die neu gestaltete Fläche konnte nach ihrer Fertigstellung bereits zahlreiche rastende Watvögel anziehen. Es konnten so auf dem Frühjahrszug bereits 3 Waldwasserläufer gefangen und beringt werden! Wir sind gespannt, ob die neue Flachwasserzone unsere Erwartungen erfüllt.


Brutzeit 2014 - Verlierer und Gewinner

Feldschwirl (Locustella naevia) - Großer Verlierer 2014?
Bereits im letzten Jahr hat sich die eine oder andere Veränderung des Brutbestands angedeutet, vor allem bei den im Randbereich des Biotops brütenden Orpheusspöttern, denen durch die wachsenden Heckenstrukturen langsam aber sicher die Brutplätze ausgehen. Diese Trends haben sich auch in diesem Jahr fortgesetzt, der Orpheusspötter brütet nur noch mit maximal 2 Paaren im Biotop, wie auch schon im Vorjahr.
Zudem gab es einen massiven Einbruch beim Feldschwirl, der zum ersten Mal seit Beginn der Brutzeiterfassung keine erfolgreiche Brut im Gebiet hatte. Ob dies eine Folge der veränderten Vegetationsstruktur des Gebiets oder lediglich eine natürliche Schwankung ist, werden die nächsten Jahre zeigen

Doch diese zwei Arten bilden die absolute Ausnahme in diesem
Jahr: Die Saison 2014 war aufgrund der langen Schönwetterperiode im Mai und Juni ausgesprochen gut zur Aufzucht von Jungvögeln geeignet. Für viele Arten (allen voran Blau- und Kohlmeisen sowie sämtliche Grasmücken) wurden hohe Zahlen ausgeflogener Jungvögel festgestellt und durchweg mehrere Bruten hintereinander! Insbesondere bei Mönchsgrasmücken waren diese Mehrfachbruten anhand der Entwicklungsstadien gefangener Jungvögel gut nachzuvollziehen.

Auch andere typische Bewohner des Gebiets hatten großen Bruterfolg: Bei den Teichrohrsängern gab es im Vergleich mit dem Durchschnitt der Vorjahre eine spürbar höhere Zahl gefangener Jungvögel, auffällig war vor allem auch das zeitlich sehr frühe Ausfliegen der Jungen bereits Mitte Juni! Einige Paare brüteten daher gleich noch einmal, so dass auch Mitte August noch gerade erst flügge gewordene Jungvögel gefangen wurden.


Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus)
Wieder kurzzeitiger Brutverdacht 2014!
Auch in diesem Jahr gab es wieder ein singendes Drosselrohrsänger-Männchen im Gebiet, welches auch gefangen werden konnte. Interessanterweise trug dieser einen Ring der Beringungszentrale Brüssel - wo er aber genau beringt wurde, wissen wir noch nicht. Im Gegensatz zum Vorjahr, als ein Drosselrohrsänger während der gesamten Brutzeit singend beobachtet werden konnte, beschränkte sich in diesem Jahr die Gesangsaktivität auf ca. eine Woche. Danach gab es auch keine weiteren Fänge mehr.



Kurzzeitiger Brutverdacht bestand auch beim Zwergtaucher, der in der Kernbrutzeit mehrfach balzrufend aus dem Schilfgürtel gehört werden konnte. Jungvögel wurden allerdings nicht gesichtet. Im letzten Jahr konnten noch mehrere Zwergtaucher gefangen werden, was bislang 2014 nicht gelang.


Brutzeit 2014 - Highlights

Sprosser (Luscinia luscinia) - Flügel
Trotz aktiver Handschwingenmauser
ohne Zweifel als Sprosser zu identifizieren.
Für die Experten: 1. HS < HD, 2. HS auf 4.
Flügellänge: 92,0 mm (!!)


Das größte Highlight vorweg: Vollkommen unerwartet wurde am 19.06. mitten in der Brutzeit ein adultes Sprosser-Weibchen gefangen. Dieser Fang stellt (Anerkennung vorbehalten) einen Zweitnachweis für das Saarland dar.
Der Sprosser ist sehr nahe mit der Nachtigall verwandt und brütet im äußersten Norden und Osten Deutschlands. Seine Zugstrecke führt ihn nach Osten über den Balkan und die Arabische Halbinsel bis nach Ostafrika.
Bereits 2009 wurde während des Herbstzuges ein junger Sprosser gefangen, der vermutlich die falsche Zugroute nach Südwesten eingeschlagen hatte. Dieses Phänomen ist als "Spiegelzug" bekannt. Oftmals finden die betroffenen Vögel dann keine geeigneten Rast- und Überwinterungsgebiete auf der Zugstrecke, für diese endet der erste Herbstzug daher tödlich
Bei diesem Altvogel (der den Zugweg bereits erfolgreich mindestens 1x hin und zurück absolviert hatte) ist ein solches Zugverhalten absolut rätselhaft, vermutlich durchstreifte er nach einer erfolglosen Brut (Brutfleck war vorhanden!) die Umgebung. Bei Langstreckenziehern wie dem Sprosser kann das Wort "Umgebung" dann schon einmal mehrere hundert Kilometer Strecke umfassen. Umso erstaunlicher: Der Vogel befand sich mitten in der Mauser und erneuerte gerade die Handschwingen, welche die Hauptantriebsfedern beim Flug sind.

Kuckuck (Cuculus canorus), kuckuck, ruft's aus dem Netz
Nach 2011 gelang außerdem zum zweiten Mal der Fang eines Kuckucks im IKEA-Biotop. Auc
h diesmal handelte es sich wieder um ein Weibchen, das am frühen Morgen in eines der beiden großmaschigen Netze ging. Kuckucke sind von April bis Juni/Juli regelmäßige Gäste im Gebiet, wo sie als Brutparasit vermutlich Nester von Wirtsvögeln für ihre Eier suchen (z.B. Teichrohrsänger).
Junge Kuckucke konnten seit Beginn der Beringungstätigkeit allerdings noch nicht im Gebiet gesichtet, geschweige denn gefangen werden.




Ausblick - Aushilfen für den Herbstzug gesucht!

We want you - als Beringungshelfer!
Auch diesen Herbst wird wieder beringt, soweit es die Zeit aller Beteiligten erlaubt. Das Team der Beringungsstation sucht dafür wieder Verstärkung! Wer gerne in der Natur unterwegs ist und praktischen Naturschutz erleben möchte, ist herzlich eingeladen, im Rahmen eines Schnupper-Tags unsere Arbeit kennenzulernen und gerne auch regelmäßig auszuhelfen. Besondere Vorkenntnisse sind dafür nicht erforderlich (werden im Rahmen der Tätigkeit vermittelt), Artenkenntnis der heimischen Vogelwelt ist jedoch hilfreich und ein Fernglas zur Beobachtung des Gebiets von Vorteil.
Und der obligatorische Hinweis: Die Arbeit an der Station ist rein ehrenamtlich - es kann leider keine Erstattung von Fahrtkosten oder finanzielle Aufwandsentschädigung erfolgen.

Wir würden uns freuen, von Ihnen zu hören!



Anhang - Brutzeit-Statistik 2014

(vgl. auch 2013 bzw. 2012)

Die Fangzahl in diesem Jahr lag etwas höher als 2013, vor allem durch den großen Bruterfolg einiger Arten. In der Auflistung fehlen spät ausgeflogene Jungvögel, z.B. beim Teichrohrsänger!





Nicht gefangene Brutvogelarten

Blässhuhn - sichere Brut
Bluthänfling - Brutverdacht im näheren Umfeld
Stieglitz - Brutverdacht im näheren Umfeld
Zwergtaucher - Brutverdacht


22.07.2013

Brutzeiterfassung 2013


Grauspecht (Picus canus), Weibchen, die 110. im IKEA-Biotop beringte Art
Die Brutzeit 2013 ist für viele Arten abgeschlossen und auch wir haben unsere Erfassung des Brutvogelbestands im IKEA-Biotop beendet. Wie in jedem Jahr wurde pro 10-Tage-Intervall ("Dekade") eine Beringungsaktion durchgeführt, bei der ab Sonnenaufgang über 6 Stunden gefangen wurde. Diese Intensität entspricht der Empfehlung der Vogelwarte, um dem Brutvogelbestand vor Ort keinen Schaden zuzufügen und dennoch eine möglichst genaue Bestandsermittlung zu gewährleisten.

Ausgerechnet am letzten Erfassungstag wurde "zur Belohnung" eine neue Art für das IKEA-Biotop nachgewiesen und konnte auch gefangen und beringt werden: Der Grauspecht. Dieser Laubwaldbewohner, der nur in Ausnahmefällen außerhalb der Wälder anzutreffen ist, wurde völlig überraschend in einem der Auwaldbereiche gefangen. Die Artenzahl im Biotop steigt damit auf 170, davon 110 Arten, die auch beringt werden konnten.



Das Wetter - von Hagelsturm bis Sonnenschein 

Blick vom Beobachtungsturm ins IKEA-Biotop
Nach dem Rekordwinter 2012/13, der auch im IKEA-Biotop der Vogelwelt zu schaffen machte, zeigte sich das Wetter in der Kernbrutzeit erneut von seiner hässlichen Seite. Der Mai brachte im Saartal in kurzer Zeit enorme Regenmengen und im Juni gab es zwei orkanartige Stürme mit Hagel und Starkregen, bei denen sogar einzelne Bäume im Biotop umgestürzt sind. Die Auswirkungen auf den Bruterfolg können im Augenblick noch nicht vollständig abgeschätzt werden, sicher ist aber, dass manche Arten einen Brutverlust oder Teilverluste hinnehmen mussten. Während des Herbstzugs wird man dann spätestens sehen, ob diese auch deutschlandweit ähnlichen Verhältnisse einen signifikanten Einfluss haben.
Als Kontrast zu diesen stürmischen Zeiten war der Juli ein extrem sonniger und trockener Monat mit sehr stabilem Wetter, was vielleicht für Spätbrüter positive Auswirkungen hat. Wenn sich diese Bedingungen bis zur Zugzeit nicht ändern, ist das Gebiet mit dem aktuell niedrigen Wasserstand außerdem prädestiniert für die Rast von Watvögeln.



Erste Ergebnisse - Biotopentwicklung und ihre Folgen

Eine kleine Randnotiz vorab:. Neben diesen Ergebnissen werden im Rahmen der Brutzeitberingung auch Gesangsaktivität und Beobachtungen nicht gefangener Brutvögel erfasst, was einen noch genaueren Einblick in Reviere und Brutgeschehen ermöglicht. Dabei zeigt sich vor allem ein großer Trend: Die natürliche Entwicklung der Vegetationsstruktur (Sukzession)  hat gerade im Vergleich mit dem letzten Jahr große Auswirkungen auf das Artenspektrum der Brutvögel.

Orpheusspötter (Hippolais polyglotta)
Für die Orpheusspötter im IKEA-Biotop ist die aktuelle Entwicklung ungünstig. Die wärmeliebenden Vögel bevorzugen halbhohe Hecken und Gebüsche, die meist in einem Zwischenstadium der Sukzession auftreten. Nachdem in den Vorjahren stets mindestens 4 Brutpaare festgestellt werden konnten, ist der Bestand in diesem Jahr um die Hälfte zurückgegangen. Der Orpheusspötter, der erst ab Mitte der 1980er Jahre von Südwesten nach Deutschland eingewandert ist, ist bundesweit selten und in seinem Vorkommen auf Südwestdeutschland beschränkt. Das Saarland beherbergt dabei den Großteil des deutschen Brutbestands.

Goldammer (Emberiza citrinella), links W, rechts M
Während dieser Trend von uns kritisch beobachtet wird, hat er einer Art doch genutzt. In diesem Jahr besteht starker Brutverdacht für den Neuntöter. Im Randbereich des IKEA-Biotops hat der "Greifvogel unter den Singvögeln" wohl sein Nest in einer großen Brombeerhecke gebaut. Leider konnte der Verdacht (noch) nicht durch weitere Fänge oder Beobachtungen bestätigt werden. Neuntöter erbeuten große Insekten und sogar kleine Mäuse, die sie ähnlich einer Vorratskammer auf Dornen oder Stacheldraht aufspießen.

UPDATE 04.08.2013: 
Das Neuntöter-Paar konnte Ende Juli mit frisch ausgeflogenen Jungen fütternd beobachtet werden, das Weibchen und mindestens ein Jungvogel der Brut konnten auch gefangen und beringt werden. Dies bedeutet den Brutnachweis für den Neuntöter im Gebiet!
 
Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus)
Im Zuge der Biotopentwicklung ist es von großer Wichtigkeit, dass die Spezialisten des IKEA-Biotops nicht negativ beeinflusst werden. Viele von ihnen sind auf spezielle Lebensräume innerhalb des Feuchtgebiets angewiesen und reagieren schnell auch auf kleinste Veränderungen. Gerade in diesem Zusammenhang ist es erfreulich, dass auch 2013 wieder zwei singende Drosselrohrsänger festgestellt wurden. Auch wenn diese im Saarland seltenen Schilfbewohner wie auch 2012 erneut unverpaart blieben und nicht brüteten, zeigt die Anwesenheit eines Männchens von Mai bis Anfang Juli doch, dass das Gebiet zumindest für diese Art noch hervorragend geeignet ist.



Highlights der Brutzeit - Grauspecht & Watvögel

Sperber (Accipiter nisus), Männchen
Neben den üblichen Verdächtigen gab es in diesem Jahr die eine oder andere kleine und große Überraschung. Den Anfang machten ein Rohrschwirl Anfang Mai, sowie ein zweiter Zwergtaucher Ende Mai, nachdem dieses Jahr auf dem Frühjahrszug der erste Fang seit 1999 gelang. Für den Zwergtaucher bestand kurzzeitig Brutverdacht, vermutlich verhinderte das widrige Wetter im Mai und Juni aber eine Brut im IKEA-Biotop.

Der Höhepunkt des Monats Juni war ein adultes Sperber-Männchen, das bei der Jagd ins Netz ging. Diese Greifvögel jagen überwiegend Kleinvögel und gehen dabei auch manchmal in die Netze. Zum letzten Mal war dies 2010 der Fall, damals gab es sogar drei Fänge dieser Art über das gesamte Jahr.


Der Juli schließlich war neben dem Erstnachweis des Grauspechts geprägt von Watvögeln, den sog. Limikolen. Der Herbstzug für einige Arten in dieser Artengruppe beginnt schon ab Mitte Juni. Wir konnten seitdem mit 1 Waldwasserläufer und 3 Flussuferläufern so viele fangen wie in keinem Jahr zuvor - das heißt, bisher! Der Limikolenzug erstreckt sich noch geraume Zeit und der Wasserstand ist günstig.

Waldwasserläufer (Tringa ochropus)

Ausblick - Vorfreude auf den Herbstzug


Das war also wieder die Brutzeiterfassung, doch diese geht nahtlos über in die Herbstzugberingung, die in diesem Jahr testweise schon eine Woche früher startet. Gerade die Zeit Ende Juli ist für manche Arten schon Hauptzugzeit, allerdings wurde in der Vergangenheit häufig erst Anfang August beringt. Ob das ein Fehler war und welche Überraschungen es noch geben wird, sehen wir dann in den nächsten Wochen.



Anhang - Statistik

(vgl. auch 2012)
Die Unterschiede in Fangzahlen begründen sich durch mehr Termine im letzten Jahr, als Anfang Mai noch außerplanmäßige Fangtage zur Erfassung des späten Frühjahrszugs angesetzt wurden. Außerdem wurde der letzte planmäßige Julitermin sehr spät durchgeführt, so dass bereits reges Zuggeschehen herrschte. Die absoluten Zahlen können somit nicht als Indikator für ein gutes oder schlechtes Brutjahr genutzt werden, die Rohdaten müssen noch genauer ausgewertet werden.


Nicht gefangene Brutvogelarten:

Teichhuhn - sichere Brut
Blässhuhn - sichere Brut
Stieglitz - Brutverdacht im Umfeld


31.10.2011

Der Oktober geht vorüber


Hallo zusammen!

Adulter Bergpieper (Anthus spinoletta) - Erste Herbstberingung seit 2008

Leider hat uns das mobile Internet auf Helgoland einen Strich durch die Rechnung gemacht, daher heute  nach einer weiteren Beringungswoche die verspätete Meldung. Ein Reisebericht wird aber definitiv noch folgen!

Auch 5 Feldsperlinge (Passer montanus) konnten
bei dieser Aktion beringt werden.
In der letzten Oktoberwoche wurden insgesamt 391 Vögel aus 21 Arten beringt, für diese Zugphase ist diese Anzahl an Neuberingungen überraschend gut, was nicht zuletzt auf das milde Klima zurückzuführen ist. Stärkste Art der Beringungsaktion ist erwartungsgemäß das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) mit 187 Exemplaren, vor der Rohrammer (Emberiza schoeniclus) mit 75 gefangenen Individuen und einem geteilten dritten Platz mit je 21 Staren (Sturnus vulgaris) und Zaunkönigen (Troglodytes troglodytes). Für diese Zeit des Jahres überraschend stark vertreten war auch die Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) mit 5 Neuberingungen. Dennoch scheint der Zug vieler Arten in diesem Jahr bereits früher als im vergangenen Jahr abgeschlossen zu sein.

Stare (Sturnus vulgaris) suchen momentan fast alltäglich
in großen Trupps die Schilfgürtel als Schlafplatz auf
Neben den häufigen Arten wurden auch dieses Mal wieder einige sehr erfreuliche Fänge gemacht. Neben einer weiteren Beutelmeise (Remiz pendulinus), einer Bekassine (Gallinago gallinago) und einer Wasserralle (Rallus aquaticus) war vor allem ein Bergpieper (Anthus spinoletta) der Star dieser Aktion. Es wurde zwar bereits im Frühjahr ein Bergpieper auf dem Zug ins Brutgebiet beringt, dieser Fang ist aber die erste Herbstberingung dieser Art seit 2008. Insgesamt geht diese Art trotz zahlreicher Durchzügler sehr selten ins Netz, da als Rastbiotope Schilfgebiete eher gemieden werden.

Ein weiterer Fremdfang ist zu verbuchen: Dabei handelt es sich um eine Rohrammer mit Ring aus Stockholm. Eine weitere interessante Beobachtung aus dem Gebiet waren 2 Waldwasserläufer (Tringa ochropus), welche am 31.10. bei einem Rundgang aufflogen und leider abzogen, bevor sie gefangen werden konnten.

Hier noch einmal alle Highlights im Überblick:

25.10.
1 Wasserralle (Rallus aquaticus)

27.10.
1 Beutelmeise (Remiz pendulinus)

28.10.
1 Bekassine (Gallinago gallinago)
Rohrammer (Emberiza schoeniclus) - Wiederfang Stockholm

29.10.
1 Bergpieper (Anthus spinoletta)

Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

01.09.2011

Drei weitere Fangtage

Hallo zusammen!

Eine weitere Woche neigt sich dem Ende entgegen. Während ich gerade in der Hütte sitze und die Netze schon für den nächsten Fangtag  morgen geöffnet sind, wollte ich die Gelegenheit noch nutzen, um die letzten Tage kurz zusammenzufassen.

Der Eisvogel (Alcedo atthis) ist momentan ein häufiger Gast

Die letzte Aktion des Monats August lief von 28.08. - 30.08. Mit 287 Individuen aus 20 Arten ist sie quantitativ nicht die stärkste, qualitativ war aber auch wieder der eine oder andere Fang dabei. Die zahlenmäßigen Spitzenreiter waren erneut Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) und Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla). Auch 8 weitere Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) plus ein Fremdfang mit Brüsseler Ring gingen in die Netze. Bemerkenswert ist weiterhin, dass zwei der zu Beginn und Mitte des Monats beringten Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) sich immer noch im Gebiet aufhalten. Ein kleines Zug-Hoch hatten auch die Weidenmeisen (Parus montanus), von denen an einem Tag gleich 3 Exemplare gefangen wurden.

Die Weidenmeise (Parus montanus) ist
die kleinste der einheimische Meisen
Die Highlights der Aktion waren aber ein Wendehals (Jynx torquilla) und 3 weitere Eisvögel (Alcedo atthis). Bei letzteren fällt insbesondere auf, dass ausschließlich Jungvögel gefangen wurden. Ist der Eisvogel in der Literatur auch oft als Standvogel beschrieben, so werden dennoch die Jungtiere nach der Brutzeit von den Altvögeln aus dem Revier vertrieben. Die jungen Eisvögel suchen sich dann ein neues Revier, diese Suche ist oft auch mit längeren Flugstrecken verbunden, was man anhand des Wiederfangs eines Eisvogels mit Ring der Vogelwarte Hiddensee aus dem letzten Jahr belegen kann.

An Fremdfängen gibt es diesmal zwei zu vermelden, beide aus Brüssel, beide Rohrsänger, einer Teich-, der andere der oben erwähnte Schilfrohrsänger. Bleibt zu warten, wann die ersten "weitgereisten" Fremdfänge aus Skandinavien und dem Baltikum eintreffen.

Eine interessante Beobachtung gibt es noch vom 30.08., hier wurden gleich 5 Waldwasserläufer (Tringa ochropus) im Biotop beobachtet, die jedoch allesamt nicht gefangen werden konnten.

Hier wie gewohnt die Highlights der Aktion:

Der Waldwasserläufer (Tringa ochropus)
konnte im letzten Jahr auch beringt werden
28.08.
1 Eisvogel (Alcedo atthis)
1 Wendehals (Jynx torquilla)

29.08.
1 Eisvogel
2 Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus)

30.08.
1 Eisvogel
6 Schilfrohrsänger + 1 Fremdfang aus Brüssel


Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch