Posts mit dem Label orpheusspötter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label orpheusspötter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

27.10.2015

Brutzeiterfassung - Ein Blick hinter die Kulissen

Hallo zusammen!

Teichrohrsänger im Schilf
So frei wie hier lässt sich diese in der dichten Vegetation brütende Art nur selten beobachten. Meist wird der Brutbestand daher über Gesangserfassungen abgeschätzt. Wir möchten hier zum ersten Mal Einblick in eine alternative Methodik geben, die über Fang und Beringung eine Angabe des Brutbestands erlaubt, mit interessanten Ergebnissen!
Bevor demnächst der eigentliche Brutzeitbericht 2015 folgt, möchten wir vorab zum ersten Mal überhaupt auch einen Einblick in unsere Auswertearbeit gewähren. Ein großer Teil der Arbeit des Teams entfällt neben der Tätigkeit im Gelände auch auf die Eingabe, Kontrolle und vor allem Auswertung der über 10.000 Datensätze pro Jahr. Ein sehr anschauliches Beispiel der Auswertung ist die Angabe des Brutbestands im Gebiet, welcher in der konventionellen Feldornithologie oft mit vielen Abschätzungen, Hochrechnungen und Unsicherheiten verbunden ist. Die Beringung im IKEA-Biotop zeigt hier, wie sehr Schätzung und Realität voneinander abweichen können.


Geschichtliches und Motivation

Das IKEA-Biotop damals und heute
Schön zu erkennen ist der deutliche Wandel in der Vegetationsstruktur. Zwar war diese sogenannte Sukzession in den Anfangsjahren am stärksten ausgeprägt, doch sind bis heute noch Effekte spürbar, wie z.B. die andauernde Verlandung des Gebiets. Die großen Unterschiede in der Vegetationsstruktur haben einen direkten Einfluss auf den Brutbestand im Gebiet. Ein Ziel der Brutzeituntersuchung ist es auch, Qualitätsindikatoren für den Gebietszustand zu ermitteln, um Pflegemaßnahmen besser planen zu können.
Mit der Schaffung des IKEA-Biotops wurde heiß diskutiert, ob eine solch isolierte und vergleichsweise kleine Ausgleichsfläche überhaupt nennenswerten Nutzen für Brut- und Zugvögel hat. Durch Beobachtung des Gebiets wurde schnell klar, dass man diese Frage aufgrund der Zahl der auftretenden, teils seltenen Arten nur mit JA! beantworten kann. Was jedoch unklar blieb, ist das quantitative Ausmaß zu Brut- und Zugzeit, da eine verlässliche Zählung von Vögeln im dichten Schilf mit dem Fernglas alleine unmöglich ist. Aus diesem Grund wurde praktisch seit Anbeginn auch die systematische Beringung im IKEA-Biotop durchgeführt. Zunächst war die Erfassung dabei vor allem auf die Zugzeit ausgelegt; ergänzend dazu wird seit 2007 auch eine standardisierte Beringung zur Brutzeit durchgeführt.

Zu keiner anderen Jahreszeit wird der methodische Vorteil der Vogelberingung so deutlich wie zur Brutzeit: Gerade dann halten sich viele Vögel sehr lange im Gebiet auf, um ihre Nester zu bauen, zu brüten und ihre Jungen aufzuziehen. Vor allem in der Kernbrutzeit im IKEA-Biotop, zwischen Mai und Juli, gibt es eine enge räumliche Bindung der Vögel an ihren Brutplatz. Ist ein solcher Vogel erst einmal mit einem Ring markiert, lässt sich bei einem Wiederfund die Identität anhand der Ringnummer eindeutig feststellen. Dies hebt die Beringung gegenüber der reinen Beobachtung oder Gesangserfassung ab, die im Normalfall keine individuelle Erkennung zulässt.

Adulte Wasserralle, gefangen zur Brutzeit 2014.
Die Wasserralle ist zwar alljährlich Brutvogel im IKEA-Biotop,
entzieht sich aber aufgrund ihrer Lebensweise in Bodennähe
dem Fang mit Netzen. Die alternative Fangmethode mit Bodenfallen
ist stark von den Bedingungen im Gebiet abhängig (Wechselnde
Fangplätze je nach Wasserstand). Für die Wasserralle wird der
Brutbestand also auch weiterhin geschätzt werden müssen.
Trotz dieses immensen Vorteils ist natürlich auch die Beringung nicht perfekt: Einige Vogelarten lassen sich über Fang und Beringung kaum erfassen. Insbesondere Großvögel, Wasservögel und Bodenbewohner wie z.B. Wasserrallen sind über Fang und Beringung nicht oder nur unzureichend nachzuweisen. Doch auch manche Kleinvogelarten werden nicht zu 100% gefangen, so z.B. der Orpheusspötter, der eine extrem enge Bindung zum Neststandort in "seiner" Hecke hat und diese auch zum Gesang und zur Nahrungssuche nur selten verlässt. Diese Erfassungsproblematik kann nur dadurch umgangen werden, dass beide Verfahren, Revierkartierung und Beringung gleichzeitig zum Einsatz kommen.


Methodik und Datenerhebung

Im Beringungskalender beginnt die Brutzeiterfassung am 01.05. und endet am 20.07. des jeweiligen Jahres. Nahtlos voran geht eine Frühjahrszugerfassung und im Anschluss folgt die intensiv gestaltete Erfassungstätigkeit zum Herbstzug, so dass auch Daten aus den Zeiträumen vorher und nachher für die Auswertung in Betracht gezogen werden können (frühe/späte Bruten). Die konkrete Beringungsarbeit zur Brutzeit ist auf eine Beringungsaktion pro 10-Tages-Intervall festgelegt, um die Störung während dieser für die Vögel sehr anstrengenden Jahreszeit so gering wie möglich zu halten. An Fangtagen wird ab Sonnenaufgang für 6 Stunden gefangen, mit stündlichen Netzkontrollen. Die Standorte der ca. 40 Fangnetze sind dabei von Jahr zu Jahr immer gleich. Ändert sich also im Bereich der Netze die Vegetationsstruktur und damit verbunden das Artenspektrum, erwartet man entsprechende Auswirkungen in den Beringungsdaten. Speziell über mehrere Jahre können so langfristige Veränderungen im Gebiet dokumentiert werden.

(KLICK ZUM VERGRÖSSERN)
Beispiel einer Revieranalyse für ein Teichrohrsänger-Männchen (Ringnr. B2V4605), welches über 6 Jahre als Brutvogel im Gebiet nachgewiesen werden konnte und dabei 44 Kontrollfänge (!!) erbrachte. Oben eingezeichnet in rot sind die Fangstandorte, bei Mehrfachfängen entsprechend dicker gezeichnet, dazu in blau die vermuteten Reviergrenzen.

Zu den gefangenen Vögeln werden neben den Grunddaten (Fangzeitpunkt, Ort, Art, Alter, Geschlecht) auch biometrische Daten zu Flügellänge und Gewicht erfasst und vor allem auch der exakte Netzstandort des Fangs. Letzterer erlaubt bei mehrfachen Fängen auch eine Angabe zum vermuteten Revierstandort. Im Falle standorttreuer Brutvögel können über Jahre hinweg gleiche Reviere festgestellt werden.


Datenauswertung - Vom Fang zur Bestandsangabe

Nach der Feldarbeit folgt die Auswertung. Um von den reinen Fanglisten zu einer Bestandsangabe zu gelangen, haben wir uns eine eigene Methodik definiert, welche die Rahmenbedingungen der Erfassung und einige Besonderheiten berücksichtigt. Da noch eine Publikation des Verfahrens aussteht, können wir an dieser Stelle nicht ins letzte Detail gehen. Grob gesagt erfolgt eine Auswertung in 2 Schritten: Erst werden die gefangenen Vögel kategorisiert, dann werden anhand dieser Einteilung mehrere Bestandsindikatoren definiert - einer davon ist ein geschätzter Brutbestand (Anzahl Brutpaare).

Sprosser, adultes Weibchen
Zur Brutzeit können auch Vögel gefangen
werden, die im Biotop nicht brüten oder
wie in diesem Fall sogar hunderte Kilometer
vom Brutgebiet entfernt sind.
Auch ein Brutfleck ist kein sicheres Merkmal
für Brutvögel, denn auch dieser trat beim oben
gezeigten Sprosser auf.
Nicht jeder Altvogel, der im Sommer auftritt, ist automatisch Brutvogel! Der erste Schritt unserer Methodik ist die Abgrenzung der potentiellen Brutvögel von rastenden Zugvögeln oder Nichtbrütern, welche nicht selten zur gleichen Zeit auftreten können. Dies geschieht über die Anzahl und zeitliche Verteilung der Fänge eines Individuums. Ist ein Vogel als Brutvogel identifiziert, erfolgt eine genauere Kategorisierung, man unterscheidet "mögliche" (Kat. A), "wahrscheinliche" (Kat. B) und "sichere" Brutvögel (Kat. C).

Im nächsten Schritt erfolgt die Auflistung der Brutvögel nach Art und Geschlecht. In den meisten Fällen werden systematisch mehr Männchen als Weibchen gefangen; dies erklärt sich unter anderem durch Unterschiede im Verhalten: Bei vielen Arten kümmert sich das Weibchen alleine um das Bebrüten der Eier, während das Männchen das Revier abgrenzt und verteidigt. Die viel mobileren Männchen sind in dieser Zeit daher einfacher durch Fang nachzuweisen. Aus dem Katalog an Brutvögeln können dann unter Berücksichtigung dieser Eigenheit Minimalbestand (nur Kat. C), geschätzter Bestand (B+C) und Maximalbestand (A+B+C) berechnet werden. Verfolgt man diese drei Kennwerte über mehrere Jahre, so kann aus den Mittelwerten ein Brutbestand (Schätzung und Abweichung +/-)  definiert werden, siehe unten stehende Abbildung).
(KLICK ZUM VERGRÖSSERN)
Langjähriger Brutbestand einiger regelmäßiger Brutvogelarten im IKEA-Biotop
Die drei Kennwerte für Maximum, Schätzung und Minimum des Bestands ergeben sich direkt aus der Kategorisierung (A, B, C) der potentiellen Brutvögel und dem bestimmten Geschlecht.


Ergebnisse - Über unscheinbare Schilfbewohner, Schwankungen und Trends

Wie sehr konventionelle Revierkartierung und Beringung auseinander liegen können, zeigt vor allem das Beispiel des Teichrohrsängers. Der Bestand des zweifellos häufigsten Brutvogels im ca. 5 Hektar großen Gebiet ist wurde stets auf etwa 10 Brutpaare geschätzt, was ziemlich genau dem Eindruck zur Gesangsaktivität entspricht. Durch die systematische Beringung wurde offensichtlich, dass es wohl eher 20-25 Brutpaare sind. Der Grund für diese große Differenz liegt wohl in der zeitlichen Staffelung der Bruten: Sowohl Ankunftszeiten der Altvögel als auch Ausflugzeiten flügger Jungvögel erstrecken sich über mehrere Wochen. Dennoch hört man zwischen Ende April und Juli permanent nur 5-10 singende Männchen im Gebiet. Die naheliegende Erklärung: Hier handelt es sich vermutlich um unterschiedliche Sänger je nach Fortschritt der jeweiligen Brut.
(KLICK ZUM VERGRÖSSERN)
Brutbestand des Teichrohrsängers von 2007 bis 2014, ermittelt nach oben erläuterter Methodik aus Beringungsdaten.
Der langjährige Bestand wird mit ca. 22 +/- 5 Brutpaaren angegeben. Auffällig ist das "Ausnahme"-Jahr 2010, welches sich durch besonders günstige Wetter- und Vegetationsbedingungen in diesem Jahr erklären lässt.


Auffallend in der Bestandsentwicklung der Teichrohrsänger ist vor allem das Jahr 2010, welches für diese Art ein extrem starkes Brutjahr war. Der Grund dafür lag vermutlich in den extrem günstigen Bedingungen dieses Jahres: Das warme, trockene Frühjahr brachte einen frühen Aufwuchs des Schilfs mit sich. Durch hohe Niederschlagsmengen im Mai wurden zwischenzeitlich ausreichend Reserven für das weitere Wachstum getankt, die dann im weiteren Verlauf der Brutzeit in sehr warmen und sonnenreichen Phasen restlos in Biomasse umgesetzt worden. Das Resultat: Ein im Vergleich mit anderen Jahren früher aufkommender, dichterer und höherer Schilfbestand, der mehr Brutplätze und Nahrung bot als sonst und einen Bestandssprung auf ~37 Brutpaare in diesem Jahr zur Folge hatte. Gerade diese kurzzeitigen Schwankungen bei Kleinvögeln sind ohne Beringung fast nicht nachweisbar.
(KLICK ZUM VERGRÖSSERN)
Entwicklung der Brutbestandsindikatoren für die Habitattypen Feuchtvegetation und Bäume/Gebüsche (gleitende Mittelwerte). Die Indikatoren setzen sich zusammen aus der Summe der Brutbestände für verschiedene Arten.
Feuchtvegetation beinhaltet Teichrohrsänger, Sumpfrohrsänger, Rohrammer, Feldschwirl.
Bäume/Gebüsche beinhaltet Mönchs-, Klapper-, Dorn-, Gartengrasmücke, Kohl-, Blaumeise, Zilpzalp, Nachtigall, Amsel, Heckenbraunelle


Ähnlich steht es um langfristige Trends, wie z.B. dem Wandel der Vegetationsstruktur des Gebiets (Sukzession). Über die Jahre konnte man im IKEA-Biotop beobachten, dass das Gebiet durch Eintrag von Biomasse und Flugsand von nahe gelegenen Baustellen immer weiter verlandete. Umgekehrt fehlen die typischen Hochwässer im Gebiet, dank Kanalisierung und reguliertem Wasserstand der Saar. In der Summe bewirkte dies ein fortschreitendes Absinken des Wasserstands und damit verbunden eine Ausbreitung der Pflanzen, die etwas trockenere Lebensraumansprüche als Schilf, Rohrkolben und Feuchtgräser aufweisen, z.B. Weiden, Gebüsche, etc. Die Feuchtpflanzen in den entsprechenden Bereichen wurden zunehmend verdrängt. Diese schleichende Entwicklung über viele Jahre ist anhand der Artzusammensetzung im Brutbestand nachweisbar. Insbesondere typische Heckenbewohner wie z.B. Mönchs- und Klappergrasmücke verzeichneten in den letzten Jahren stetig Zugewinne, während Arten mit Bezug zu Feuchtvegetation und Schilf, wie z.B. Feldschwirl, Rohrammer und Sumpfrohrsänger kontinuierlich im Bestand abnahmen. Diese Entwicklung, die bereits seit Jahren von uns so vorhergesagt wurde, ist zutiefst Besorgnis erregend und gefährdet den Charakter des IKEA-Biotops in hohem Maße.



Fazit - Sinnvolle Methodik

  • Die Beringung ist als Methodik zur Bestandserfassung und zum kontinuierlichen Monitoring eines Brutgebiets für Singvögel sehr geeignet. In Kombination mit einer Revierkartierung wird das qualitative und quantitative Bild vervollständigt.
  • Der Zugriff auf einzelne Individuen erlaubt neben der Ermittlung individueller Revierstandorte auch eine genauere Erhebung der Zahl der anwesenden Brutvögel als durch Gesangserfassung.
  • Die Übereinstimmung der Größenordnung der Bestandszahlen über mehrere Jahre zeigt, dass unsere Arbeitsweise verlässliche Daten liefert. Die Entwicklung über mehrere Jahre kann daher als Indikator für Veränderungen im Gebiet herangezogen werden. 
  • Neben langfristigen Trends bilden die Beringungsdaten auch kurzzeitige Ereignisse ab (mehr dazu auch im kommenden "Brutzeit 2015"-Artikel!). Der direkte Nachweis dieser Eindrücke aus dem Feld in den erhobenen Daten zeugt von der Qualität der Methodik in Feld- und Auswertearbeit.


Schlusswort - Mehr Brutzeit in Kürze!

Wir hoffen, dass dieser kleine Exkurs in die wissenschaftliche Arbeit unseres Teams für Sie interessant war. Im nächsten Artikel möchten wir uns etwas konkreter mit der abgelaufenen Brutzeit beschäftigen, die einige interessante Ergebnisse geliefert hat. Währenddessen ist auch die Herbstzugebringung noch in vollem Gang, im Falle einer Seltenheit würden wir natürlich auch nochmal von uns hören lassen.

Im Namen des gesamten Teams der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

27.08.2014

2014 bisher - milder Winter, neue Fläche, gute Brut

Hallo zusammen!

Sprosser (Luscinia luscinia) - adultes Weibchen - Das Highlight der Brutzeit 2014
Es war etwas länger still um uns geworden, was nicht etwa heißen soll, dass die Beringung aufgegeben wurde - im Gegenteil, in diesem Jahr läuft es ganz gut. Einzig die Zeit, die Daten auch mal anzuschauen und auszuwerten hat bislang gefehlt. Doch mit dem Ende der Brutzeiterfassung wird es mal wieder Zeit, auf den Beginn des Beringungsjahres zurückzublicken und Bilanz zu ziehen.


Allgemein - Biotopmaßnahmen und ungebetene Besucher

Neue Flachwasserzone für das Biotop!
Die umgestaltete Fläche kurz nach Fertigstellung

Mit besonderer Freude erfuhren wir im Winter, dass wir in diesem Frühjahr die Möglichkeit zu einer biotopverbessernden Maßnahme bekommen. Unter der Federführung von Ulrich Leyhe (Vorsitzender NABU OG Saarlouis) und in Zusammenarbeit mit der Firma Meyers konnte Ende Februar eine etwa 200 m² große Wiesenfläche in eine teilüberschwemmte Flachwasserzone mit geringer Uferschräge umgewandelt werden. Auch der angrenzende Schilfgürtel wurde in Rahmen der Aktion etwas abgetragen, um der angrenzenden offenen Wasserfläche den Charakter eines Altarms zu geben. Die Flachwasserzone (auf dem Foto der Stand kurz nach dem Ausbaggern) hat sich seither bestens entwickelt und bietet, sofern genügend Wasser vorhanden ist, beste Rastbedingungen für Watvögel und Rallen im Biotop.

Hier befindet sich die neu gestaltete Fläche
(Klick zum Vergrößern)
Nach dieser durchweg positiven Aktion gab es aber auch ein sehr unerfreuliches Ereignis: Durch einen Unbekannten Täter wurden Anfang April Teile des Fanggeräts und Stegs beschädigt. Der Sachschaden beläuft sich auf über 1000 €, die Polizei ermittelt. Umso schlimmer: Große Teile der beschädigten Netze waren komplett neu angeschafft für die 2014er Saison. Das so entstandene Finanzloch konnte bis heute nicht gestopft werden und so klaffen bis dato auch noch Löcher in vielen Fangnetzen. Eines zeigt diese Aktion ganz klar auf: Ohne große Sponsoren oder andere längerfristige Zuwendungen wird das Projekt Beringungsstation über kurz oder lang nicht mehr zu betreiben sein...


Frühjahrszug - milder Winter = weniger Vögel?

Wenn man den Winter 2013/2014 mit einem Wort zusammenfassen sollte, wäre es wahrscheinlich "Herbst". Die Temperaturen lagen tagsüber nur selten unterhalb des Gefrierpunkts, Schnee gabs nur im Fernsehen und im Saarland typische Wintergäste wie Erlenzeisige, Raubwürger oder Kornweihen blieben lieber noch etwas weiter nördlich.

Bergpieper (Anthus spinoletta)
Eines der Highlights in diesem Frühjahr
Auch bei der Beringung  hat sich dieser sehr spezielle Winter bemerkbar gemacht. Speziell im Vergleich mit dem Frühjahr 2013, in dem durch einen Zugstau wegen des Wintereinbruchs im März eine gewaltige Zahl von Vögeln notgedrungen im Saarland und auch im IKEA-Biotop rasten mussten, fällt das Fazit dieses Jahr wesentlich unspektakulärer aus.
Subjektiv hatte man bereits bei den Beringungsaktionen den Eindruck, dass viele Arten und Individuen eine längere Rast vermeiden und lieber schnell ins Brutgebiet durchstarten, teilweise lagen die absoluten Fangzahlen sehr niedrig mit gerade mal 20-30 Beringungen pro Fangtag. Auch die Aufenthaltszeiten im Biotop waren vergleichsweise kurz, gerade im Vorjahr blieben z.B. die Blaukehlchen über eine Woche im Gebiet, in diesem Jahr gerade mal 1-2 Tage.

Auch der DDA (Dachverband Deutscher Avifaunisten) hat die beiden Frühjahre 2013 und 2014 in einem kürzlich erschienenen Artikel unter die Lupe genommen, was interessante Ergebnisse zeigt. Sehr lesenswert!

Auch die gehen mal ins Netz:
Pierre Geller mit gefangener belgischer Brieftaube
Trotz geringer Fangzahlen hatte der Frühjahrszug auch so seine Momente: Die Highlights der diesjährigen Beringung waren vor allem ein Bergpieper (01.04.2014) und eine Zwergschnepfe (13.04.2014), aber auch ein interessanter Kontrollfang eines Schafstelzen-Männchen mit Ring der Vogelwarte Paris. Alle diese Arten ziehen regelmäßig durch und über das Gebiet, werden aber nicht jedes Jahr gefangen. Wir freuen uns daher über jeden Nachweis im Frühjahr.

Die neu gestaltete Fläche konnte nach ihrer Fertigstellung bereits zahlreiche rastende Watvögel anziehen. Es konnten so auf dem Frühjahrszug bereits 3 Waldwasserläufer gefangen und beringt werden! Wir sind gespannt, ob die neue Flachwasserzone unsere Erwartungen erfüllt.


Brutzeit 2014 - Verlierer und Gewinner

Feldschwirl (Locustella naevia) - Großer Verlierer 2014?
Bereits im letzten Jahr hat sich die eine oder andere Veränderung des Brutbestands angedeutet, vor allem bei den im Randbereich des Biotops brütenden Orpheusspöttern, denen durch die wachsenden Heckenstrukturen langsam aber sicher die Brutplätze ausgehen. Diese Trends haben sich auch in diesem Jahr fortgesetzt, der Orpheusspötter brütet nur noch mit maximal 2 Paaren im Biotop, wie auch schon im Vorjahr.
Zudem gab es einen massiven Einbruch beim Feldschwirl, der zum ersten Mal seit Beginn der Brutzeiterfassung keine erfolgreiche Brut im Gebiet hatte. Ob dies eine Folge der veränderten Vegetationsstruktur des Gebiets oder lediglich eine natürliche Schwankung ist, werden die nächsten Jahre zeigen

Doch diese zwei Arten bilden die absolute Ausnahme in diesem
Jahr: Die Saison 2014 war aufgrund der langen Schönwetterperiode im Mai und Juni ausgesprochen gut zur Aufzucht von Jungvögeln geeignet. Für viele Arten (allen voran Blau- und Kohlmeisen sowie sämtliche Grasmücken) wurden hohe Zahlen ausgeflogener Jungvögel festgestellt und durchweg mehrere Bruten hintereinander! Insbesondere bei Mönchsgrasmücken waren diese Mehrfachbruten anhand der Entwicklungsstadien gefangener Jungvögel gut nachzuvollziehen.

Auch andere typische Bewohner des Gebiets hatten großen Bruterfolg: Bei den Teichrohrsängern gab es im Vergleich mit dem Durchschnitt der Vorjahre eine spürbar höhere Zahl gefangener Jungvögel, auffällig war vor allem auch das zeitlich sehr frühe Ausfliegen der Jungen bereits Mitte Juni! Einige Paare brüteten daher gleich noch einmal, so dass auch Mitte August noch gerade erst flügge gewordene Jungvögel gefangen wurden.


Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus)
Wieder kurzzeitiger Brutverdacht 2014!
Auch in diesem Jahr gab es wieder ein singendes Drosselrohrsänger-Männchen im Gebiet, welches auch gefangen werden konnte. Interessanterweise trug dieser einen Ring der Beringungszentrale Brüssel - wo er aber genau beringt wurde, wissen wir noch nicht. Im Gegensatz zum Vorjahr, als ein Drosselrohrsänger während der gesamten Brutzeit singend beobachtet werden konnte, beschränkte sich in diesem Jahr die Gesangsaktivität auf ca. eine Woche. Danach gab es auch keine weiteren Fänge mehr.



Kurzzeitiger Brutverdacht bestand auch beim Zwergtaucher, der in der Kernbrutzeit mehrfach balzrufend aus dem Schilfgürtel gehört werden konnte. Jungvögel wurden allerdings nicht gesichtet. Im letzten Jahr konnten noch mehrere Zwergtaucher gefangen werden, was bislang 2014 nicht gelang.


Brutzeit 2014 - Highlights

Sprosser (Luscinia luscinia) - Flügel
Trotz aktiver Handschwingenmauser
ohne Zweifel als Sprosser zu identifizieren.
Für die Experten: 1. HS < HD, 2. HS auf 4.
Flügellänge: 92,0 mm (!!)


Das größte Highlight vorweg: Vollkommen unerwartet wurde am 19.06. mitten in der Brutzeit ein adultes Sprosser-Weibchen gefangen. Dieser Fang stellt (Anerkennung vorbehalten) einen Zweitnachweis für das Saarland dar.
Der Sprosser ist sehr nahe mit der Nachtigall verwandt und brütet im äußersten Norden und Osten Deutschlands. Seine Zugstrecke führt ihn nach Osten über den Balkan und die Arabische Halbinsel bis nach Ostafrika.
Bereits 2009 wurde während des Herbstzuges ein junger Sprosser gefangen, der vermutlich die falsche Zugroute nach Südwesten eingeschlagen hatte. Dieses Phänomen ist als "Spiegelzug" bekannt. Oftmals finden die betroffenen Vögel dann keine geeigneten Rast- und Überwinterungsgebiete auf der Zugstrecke, für diese endet der erste Herbstzug daher tödlich
Bei diesem Altvogel (der den Zugweg bereits erfolgreich mindestens 1x hin und zurück absolviert hatte) ist ein solches Zugverhalten absolut rätselhaft, vermutlich durchstreifte er nach einer erfolglosen Brut (Brutfleck war vorhanden!) die Umgebung. Bei Langstreckenziehern wie dem Sprosser kann das Wort "Umgebung" dann schon einmal mehrere hundert Kilometer Strecke umfassen. Umso erstaunlicher: Der Vogel befand sich mitten in der Mauser und erneuerte gerade die Handschwingen, welche die Hauptantriebsfedern beim Flug sind.

Kuckuck (Cuculus canorus), kuckuck, ruft's aus dem Netz
Nach 2011 gelang außerdem zum zweiten Mal der Fang eines Kuckucks im IKEA-Biotop. Auc
h diesmal handelte es sich wieder um ein Weibchen, das am frühen Morgen in eines der beiden großmaschigen Netze ging. Kuckucke sind von April bis Juni/Juli regelmäßige Gäste im Gebiet, wo sie als Brutparasit vermutlich Nester von Wirtsvögeln für ihre Eier suchen (z.B. Teichrohrsänger).
Junge Kuckucke konnten seit Beginn der Beringungstätigkeit allerdings noch nicht im Gebiet gesichtet, geschweige denn gefangen werden.




Ausblick - Aushilfen für den Herbstzug gesucht!

We want you - als Beringungshelfer!
Auch diesen Herbst wird wieder beringt, soweit es die Zeit aller Beteiligten erlaubt. Das Team der Beringungsstation sucht dafür wieder Verstärkung! Wer gerne in der Natur unterwegs ist und praktischen Naturschutz erleben möchte, ist herzlich eingeladen, im Rahmen eines Schnupper-Tags unsere Arbeit kennenzulernen und gerne auch regelmäßig auszuhelfen. Besondere Vorkenntnisse sind dafür nicht erforderlich (werden im Rahmen der Tätigkeit vermittelt), Artenkenntnis der heimischen Vogelwelt ist jedoch hilfreich und ein Fernglas zur Beobachtung des Gebiets von Vorteil.
Und der obligatorische Hinweis: Die Arbeit an der Station ist rein ehrenamtlich - es kann leider keine Erstattung von Fahrtkosten oder finanzielle Aufwandsentschädigung erfolgen.

Wir würden uns freuen, von Ihnen zu hören!



Anhang - Brutzeit-Statistik 2014

(vgl. auch 2013 bzw. 2012)

Die Fangzahl in diesem Jahr lag etwas höher als 2013, vor allem durch den großen Bruterfolg einiger Arten. In der Auflistung fehlen spät ausgeflogene Jungvögel, z.B. beim Teichrohrsänger!





Nicht gefangene Brutvogelarten

Blässhuhn - sichere Brut
Bluthänfling - Brutverdacht im näheren Umfeld
Stieglitz - Brutverdacht im näheren Umfeld
Zwergtaucher - Brutverdacht


22.07.2013

Brutzeiterfassung 2013


Grauspecht (Picus canus), Weibchen, die 110. im IKEA-Biotop beringte Art
Die Brutzeit 2013 ist für viele Arten abgeschlossen und auch wir haben unsere Erfassung des Brutvogelbestands im IKEA-Biotop beendet. Wie in jedem Jahr wurde pro 10-Tage-Intervall ("Dekade") eine Beringungsaktion durchgeführt, bei der ab Sonnenaufgang über 6 Stunden gefangen wurde. Diese Intensität entspricht der Empfehlung der Vogelwarte, um dem Brutvogelbestand vor Ort keinen Schaden zuzufügen und dennoch eine möglichst genaue Bestandsermittlung zu gewährleisten.

Ausgerechnet am letzten Erfassungstag wurde "zur Belohnung" eine neue Art für das IKEA-Biotop nachgewiesen und konnte auch gefangen und beringt werden: Der Grauspecht. Dieser Laubwaldbewohner, der nur in Ausnahmefällen außerhalb der Wälder anzutreffen ist, wurde völlig überraschend in einem der Auwaldbereiche gefangen. Die Artenzahl im Biotop steigt damit auf 170, davon 110 Arten, die auch beringt werden konnten.



Das Wetter - von Hagelsturm bis Sonnenschein 

Blick vom Beobachtungsturm ins IKEA-Biotop
Nach dem Rekordwinter 2012/13, der auch im IKEA-Biotop der Vogelwelt zu schaffen machte, zeigte sich das Wetter in der Kernbrutzeit erneut von seiner hässlichen Seite. Der Mai brachte im Saartal in kurzer Zeit enorme Regenmengen und im Juni gab es zwei orkanartige Stürme mit Hagel und Starkregen, bei denen sogar einzelne Bäume im Biotop umgestürzt sind. Die Auswirkungen auf den Bruterfolg können im Augenblick noch nicht vollständig abgeschätzt werden, sicher ist aber, dass manche Arten einen Brutverlust oder Teilverluste hinnehmen mussten. Während des Herbstzugs wird man dann spätestens sehen, ob diese auch deutschlandweit ähnlichen Verhältnisse einen signifikanten Einfluss haben.
Als Kontrast zu diesen stürmischen Zeiten war der Juli ein extrem sonniger und trockener Monat mit sehr stabilem Wetter, was vielleicht für Spätbrüter positive Auswirkungen hat. Wenn sich diese Bedingungen bis zur Zugzeit nicht ändern, ist das Gebiet mit dem aktuell niedrigen Wasserstand außerdem prädestiniert für die Rast von Watvögeln.



Erste Ergebnisse - Biotopentwicklung und ihre Folgen

Eine kleine Randnotiz vorab:. Neben diesen Ergebnissen werden im Rahmen der Brutzeitberingung auch Gesangsaktivität und Beobachtungen nicht gefangener Brutvögel erfasst, was einen noch genaueren Einblick in Reviere und Brutgeschehen ermöglicht. Dabei zeigt sich vor allem ein großer Trend: Die natürliche Entwicklung der Vegetationsstruktur (Sukzession)  hat gerade im Vergleich mit dem letzten Jahr große Auswirkungen auf das Artenspektrum der Brutvögel.

Orpheusspötter (Hippolais polyglotta)
Für die Orpheusspötter im IKEA-Biotop ist die aktuelle Entwicklung ungünstig. Die wärmeliebenden Vögel bevorzugen halbhohe Hecken und Gebüsche, die meist in einem Zwischenstadium der Sukzession auftreten. Nachdem in den Vorjahren stets mindestens 4 Brutpaare festgestellt werden konnten, ist der Bestand in diesem Jahr um die Hälfte zurückgegangen. Der Orpheusspötter, der erst ab Mitte der 1980er Jahre von Südwesten nach Deutschland eingewandert ist, ist bundesweit selten und in seinem Vorkommen auf Südwestdeutschland beschränkt. Das Saarland beherbergt dabei den Großteil des deutschen Brutbestands.

Goldammer (Emberiza citrinella), links W, rechts M
Während dieser Trend von uns kritisch beobachtet wird, hat er einer Art doch genutzt. In diesem Jahr besteht starker Brutverdacht für den Neuntöter. Im Randbereich des IKEA-Biotops hat der "Greifvogel unter den Singvögeln" wohl sein Nest in einer großen Brombeerhecke gebaut. Leider konnte der Verdacht (noch) nicht durch weitere Fänge oder Beobachtungen bestätigt werden. Neuntöter erbeuten große Insekten und sogar kleine Mäuse, die sie ähnlich einer Vorratskammer auf Dornen oder Stacheldraht aufspießen.

UPDATE 04.08.2013: 
Das Neuntöter-Paar konnte Ende Juli mit frisch ausgeflogenen Jungen fütternd beobachtet werden, das Weibchen und mindestens ein Jungvogel der Brut konnten auch gefangen und beringt werden. Dies bedeutet den Brutnachweis für den Neuntöter im Gebiet!
 
Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus)
Im Zuge der Biotopentwicklung ist es von großer Wichtigkeit, dass die Spezialisten des IKEA-Biotops nicht negativ beeinflusst werden. Viele von ihnen sind auf spezielle Lebensräume innerhalb des Feuchtgebiets angewiesen und reagieren schnell auch auf kleinste Veränderungen. Gerade in diesem Zusammenhang ist es erfreulich, dass auch 2013 wieder zwei singende Drosselrohrsänger festgestellt wurden. Auch wenn diese im Saarland seltenen Schilfbewohner wie auch 2012 erneut unverpaart blieben und nicht brüteten, zeigt die Anwesenheit eines Männchens von Mai bis Anfang Juli doch, dass das Gebiet zumindest für diese Art noch hervorragend geeignet ist.



Highlights der Brutzeit - Grauspecht & Watvögel

Sperber (Accipiter nisus), Männchen
Neben den üblichen Verdächtigen gab es in diesem Jahr die eine oder andere kleine und große Überraschung. Den Anfang machten ein Rohrschwirl Anfang Mai, sowie ein zweiter Zwergtaucher Ende Mai, nachdem dieses Jahr auf dem Frühjahrszug der erste Fang seit 1999 gelang. Für den Zwergtaucher bestand kurzzeitig Brutverdacht, vermutlich verhinderte das widrige Wetter im Mai und Juni aber eine Brut im IKEA-Biotop.

Der Höhepunkt des Monats Juni war ein adultes Sperber-Männchen, das bei der Jagd ins Netz ging. Diese Greifvögel jagen überwiegend Kleinvögel und gehen dabei auch manchmal in die Netze. Zum letzten Mal war dies 2010 der Fall, damals gab es sogar drei Fänge dieser Art über das gesamte Jahr.


Der Juli schließlich war neben dem Erstnachweis des Grauspechts geprägt von Watvögeln, den sog. Limikolen. Der Herbstzug für einige Arten in dieser Artengruppe beginnt schon ab Mitte Juni. Wir konnten seitdem mit 1 Waldwasserläufer und 3 Flussuferläufern so viele fangen wie in keinem Jahr zuvor - das heißt, bisher! Der Limikolenzug erstreckt sich noch geraume Zeit und der Wasserstand ist günstig.

Waldwasserläufer (Tringa ochropus)

Ausblick - Vorfreude auf den Herbstzug


Das war also wieder die Brutzeiterfassung, doch diese geht nahtlos über in die Herbstzugberingung, die in diesem Jahr testweise schon eine Woche früher startet. Gerade die Zeit Ende Juli ist für manche Arten schon Hauptzugzeit, allerdings wurde in der Vergangenheit häufig erst Anfang August beringt. Ob das ein Fehler war und welche Überraschungen es noch geben wird, sehen wir dann in den nächsten Wochen.



Anhang - Statistik

(vgl. auch 2012)
Die Unterschiede in Fangzahlen begründen sich durch mehr Termine im letzten Jahr, als Anfang Mai noch außerplanmäßige Fangtage zur Erfassung des späten Frühjahrszugs angesetzt wurden. Außerdem wurde der letzte planmäßige Julitermin sehr spät durchgeführt, so dass bereits reges Zuggeschehen herrschte. Die absoluten Zahlen können somit nicht als Indikator für ein gutes oder schlechtes Brutjahr genutzt werden, die Rohdaten müssen noch genauer ausgewertet werden.


Nicht gefangene Brutvogelarten:

Teichhuhn - sichere Brut
Blässhuhn - sichere Brut
Stieglitz - Brutverdacht im Umfeld


12.08.2011

Die Neuntöter kommen!

Hallo allerseits!

Die zweite Beringungsaktion des Herbstzuges 2011 wurde durchaus erfolgreich abgeschlossen.

Rolf Klein mit beringtem juv. Neuntöter (Lanius collurio)
Trotz eines zwischenzeitlichen Stromausfalls aufgrund von Bauarbeiten am IKEA-Komplex wurde vom 08.08.-12.08. fleißig beringt, insgesamt kamen diesmal 450 Vögel aus 29 Arten zusammen. Unangefochtener Spitzenreiter war (wie immer) der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) mit ca. 180 Exemplaren, aber auch 18 Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) waren unter den Neuberingungen.

In den Zeitraum dieser Beringungsaktion fiel auch der von uns gekürte "saarländische Tag des Seggenrohrsängers", der 10. August. An genau diesem Tag wurde der seltene Vogel in den vergangenen beiden Jahren gefangen, mit 1 Exemplar 2009 und 2 weiteren Exemplaren 2010. Die schlechte Nachricht vorweg: In diesem Jahr setzte sich diese Erfolgsserie leider nicht fort. Doch auch ohne Seggenrohrsänger (Acrocephalus paludicola) gab es einige schöne Fänge, vor allem die große Zahl von 7 beringten Neuntötern über die gesamte Aktion ist erfreulich.

beringter juv. Eisvogel (Alcedo atthis) - Eisvögel fliegen nicht auf, wenn sie auf dem Rücken liegen

Zwei weitere Fremdfänge gingen ebenfalls in die Netze, dies waren ein Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) mit Ring der Beringungszentrale Brüssel und ein Teichrohrsänger mit Ring "ICONA Madrid". Interessant ist, dass dies bereits der dritte "spanische" Rohrsänger in diesem Jahr ist, der von uns wiedergefangen wurde.

Hier noch ein Überblick über die Highlights der einzelnen Tage:

Orpheusspötter (Hippolais polyglotta)
08.08.:
2 junge Schafstelzen (Motacilla flava spec.)

09.08.:
2 Orpheusspötter (Hippolais polyglotta)


10.08.:
1 Grünspecht (Picus viridis)
2 Neuntöter (Lanius collurio)
1 Orpheusspötter

11.08.:
1 Eisvogel (Alcedo atthis)
2 Neuntöter


Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch