24.06.2012

Brutvogelerfassung und neue Highlights!

Hallo!

Karmingimpel (Carpodacus erythrinus) - Zweitnachweis im IKEA-Biotop!

Nachdem wir schon länger nicht mehr haben von uns hören lassen, gibt es endlich wieder sehr erfreuliche Neuigkeiten zu berichten: Heute Morgen gelang der Fang und die Beringung eines vorjährigen Karmingimpel-Männchens (Carpodacus erythrinus). Diese Art wurde erst zum zweiten Mal nach 2010 von uns beringt und ist im Saarland nur äußerst selten zu Gast. Während die adulten Männchen dieser Art durch ihr leuchtend rotes Gefieder an Kopf und Brust unverwechselbar sind, sind die Weibchen und jungen Männchen unscheinbar bräunlich gefärbt.

Doch auch neben diesem Sensationsfang sind die letzten Monate nicht untätig geblieben. Zum Einen wurde der Frühjahrszug bis Ende April konsequent erfasst mit immerhin 449 Neuberingungen aus 39 Arten. Die gegenüber dem Herbstzug geringeren Fangzahlen sind durch die hohe Sterblichkeitsrate von Jungvögeln auf dem Zug und den breiter angelegten Heimzug zu erklären. Im Vergleich mit den Vorjahren ist dieses Ergebnis sehr erfreulich!

Neuntöter-Männchen (Lanius collurio) - Brütet im Biotopumfeld
Ab Mai haben wir dann mit der Brutvogelerfassung begonnen, einem jährlich standardisiert durchgeführten Programm, das der Überwachung dieses Brutgebiets und der Feststellung von Bestandstrends und klimatischen bzw. Gebietsveränderungen dienen soll. Dabei ist die Intensität der Beringung mit einem Termin pro 10 Tage viel geringer als zur Zugzeit. Dies geschieht vor allem, um brütende Altvögel und noch nicht voll entwickelte Jungvögel nicht unnötig zu stören. Da die einzelnen Brutvogelarten zeitlich gestaffelt eintreffen bzw. auch mehrfach brüten, läuft dieses Programm von Anfang Mai bis Ende Juli.

Kleinspecht (Dendrocopos minor) - hat ein Brutrevier im
nahe gelegenen Wald bei Lisdorf
Neben dem oben erwähnten Karmingimpel, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht in der Umgebung brütet, waren weitere erwähnenswerte Fänge ein junger Kleinspecht (Dendrocopos minor), ein Neuntöter-Paar (Lanius collurio) und 4 Drosselrohrsänger-Männchen (Acrocephalus arundinaceus), von denen einer sich auch längere Zeit im Gebiet aufhielt und durch seinen Gesang die Hoffnung auf eine Brut aufkommen ließ. Ab Anfang  Juni war dann aber alles still.  

Alles in allem kann man bis dato sehr zufrieden sein. Mit bislang 52 gefangenen Arten im Jahr 2012 - und das vor dem Herbstzug - ist dieses Jahr sehr erfolgreich angelaufen. Wir hoffen natürlich, dass das auch so weiter geht!

An dieser Stelle wieder der Hinweis: Tagesaktuelle Fanglisten gibts bei ornitho.de unter der Koordinate 'Beringungsstation "Mittleres Saartal"'.

Bis zum nächsten Mal,
das Team der Beringungsstation.

07.04.2012

Alles neu macht der April!

Hallo aus der Beringungsstation!

Die Beringungsstation mit neuer Terrasse und Beobachtungsturm

Das Jahr 2012 hat auch für die saarländische Vogelberingung wieder angefangen. Nachdem in den letzten Wochen an der Station fleißig gebaut wurde, können wir nun mit einer nagelneuen Terrasse inklusive Beobachtungsturm aufwarten. Ein großes Dankeschön gebührt in diesem Zusammenhang noch den Sponsoren und Handwerkern - allen voran IKEA Deutschland - ohne die dieses Projekt nicht zu bewältigen gewesen wäre!

Die Tüpfelralle (Porzana porzana) - ein sehr
scheuer und seltener Gast im Biotop
Doch nicht nur baulich gibt es Erfreuliches zu melden, auch die Frühjahrszugberingung 2012 hat bereits begonnen und uns das eine oder andere Highlight beschert. Allen voran gab es ganze 2 Tüpfelrallen (Porzana porzana) zu verbuchen, eine Art, welche seit 2009 nicht mehr und bis dato auch nur im Herbst gefangen werden konnte. Daneben wurden auch an nur drei Tagen stolze 5 Blaukehlchen (Luscinia svecica) gefangen, eine Zahl, die in dieser Höhe bisher nur auf dem Herbstzug erreicht wurde. Das Bild komplett macht ein Bergpieper (Anthus spinoletta), eine Art, die bereits im letzten Frühjahr gefangen werden konnte.

Zeitlich interessant war vor allem der Fang eines Wendehalses (Jynx torquilla) am 17.03., was laut ornitho.de die Erstbeobachtung 2012 dieser Art in Deutschland darstellt.

Männliches Blaukehlchen (Luscinia svecica) im Prachtkleid
Neben diesen Besonderheiten sind es aber vor allem die häufigen Arten wie Rotkehlchen (Erithacus rubecula), Zilpzalp (Phylloscopus collybita) und Rohrammer (Emberiza schoeniclus), die zurzeit verstärkt auf dem Heimzug sind, bzw. diesen bereits fast abgeschlossen haben. Auf andere Arten, wie z.B. Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) oder Dorngrasmücke (Sylvia communis) muss man wohl noch bis Mitte oder Ende April warten. Gerade dieses zeitliche Auftreten des Zuges der einzelnen Arten - die sog. Phänologie - macht das Beringen im Augenblick sehr interessant. Der Heimzug findet nämlich nicht in jedem Jahr zum gleichen Zeitpunkt statt, sondern ist gewissen zeitlichen Schwankungen unterworfen. Weil der Heimzug anders als der Wegzug auch in einem viel engeren Zeitraum statt findet, ist das Spektrum der möglichen Arten auch enorm groß. Alles in allem eine spannende Zeit, in der wir uns hoffentlich noch öfter melden dürfen (natürlich mit weiteren schönen Fängen).

Eine weitere Neuerung des Jahres 2012 ist ebenfalls bereits angelaufen. Ab sofort melden wir alle unsere Fänge zeitnah als Tageslisten bei ornitho.de unter der Koordinate 'Beringungsstation "Mittleres Saartal" / Saarlouis (SL/SLS)', so dass an dieser Stelle keine detaillierte Auflistung der Fänge mehr erfolgt. Ausgenommen davon sind natürlich Statistiken und Monatslisten, die auch weiterhin in interessanten Zeiten veröffentlicht werden.

Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch

04.12.2011

Monatszusammenfassung November

Hallo an alle Leser!

In diesem Jahr seltener: Der Stieglitz (Carduelis carduelis) - auch Distelfink genannt
Nach dreieinhalb spannenden und erfolgreichen Monaten ist die Herbstzugberingung 2011 nun zu Ende gegangen. Der Monat November, der klimatisch durch die extreme Trockenheit und die milden Temperaturen in Erinnerung bleiben wird, konnte leider mit den letzten Monaten nicht ganz mithalten. Im Vergleich mit dem Jahr 2010 fällt der frühere Zugverlauf, der sich bereits in den Vormonaten andeutete, sehr ins Gewicht. Viele Arten, die im letzten Jahr noch stark auf dem Zug waren, z.B. Rotkehlchen (Erithacus rubecula), waren dieses Jahr deutlich seltener unterwegs. Andere Arten, die nur noch vereinzelt gefangen werden konnten, allen voran der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus), blieben 2011 gänzlich aus. Dennoch gelang uns der Fang einiger Arten, die ihren Zug bereits abgeschlossen haben sollten, so z.B. des Zilpzalps (Phylloscopus collybita). Für die Phänologie, also die wissenschaftliche Untersuchung des jahreszeitlichen Auftretens natürlicher Ereignisse, sind gerade diese Nachweise interessant.

Im letzten Jahr gefangen: Die Lachmöwe (Larus ridbundus)
ging vor allem bei starkem Nebel ins Netz
Sollte man in diesem Monat Highlights benennen, so wären es ohne Frage die große Zahl der noch ziehenden Beutelmeisen (Remiz pendulinus), die auf ein erfolgreiches Brutjahr 2011 hindeutet. Außerdem ging der späteste Eisvogel (Alcedo atthis) aller Zeiten in die Netze der Beringungsstation, neben einem Kontrollfang eines Altvogels am gleichen Tag. Speziell letzterer Fang könnte eventuell ein Hinweis auf ein neues Revier in der Nähe des Biotops sein. Wir sind gespannt, ob es weitere Funde dieses Individuums geben wird.

Der Bergfink (Fringilla montifringilla) (M links; W rechts)
konnte in diesem Jahr noch nicht beobachtet werden
Im letzten Jahr fiel vor allem der starke Einflug von Waldvögeln auf, allen voran Kohlmeisen (Parus major) und Blaumeisen (Parus caeruleus). Dieses Jahr blieb eine vergleichbare Migrationsbewegung aus, dies macht sich natürlich auch in den Fangzahlen der Waldarten bemerkbar. Die für Arten wie Erlenzeisig (Carduelis spinus), Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes) und Bergfink (Fringilla montifringilla) typischen, invasionsartigen Einflüge sind in diesem Jahr wohl auch wegen der milden Temperaturen bislang noch nicht im Saarland vorgekommen. Speziell Bergfinken konnten im Biotopsumfeld auch noch nicht ziehend gesichtet werden. Doch es gibt auch eine Art, die stärker als im Vorjahreszeitraum vertreten war: Die Rotdrossel (Turdus iliacus). Diese Drosselart schaffte es zwar, an keinem Tag in die Netze zu gehen, aber an den Beringungstagen waren in der Morgendämmerung fast immer die typischen Rufe zu hören.

Hier die Statistik der Neuberingungen des Monats November:


Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch