31.07.2012

Dicke Überraschungen in der Brutzeit

Hallo zusammen!

vorjähriger Graureiher (Ardea cinerea) - Erstfang dieser Art im IKEA-Biotop!
Die "dicken" Überraschungen direkt zum Anfang: Ein vorjähriger Graureiher (Ardea cinerea) ging uns am 27.07. ins Netz. Diese Art konnte zuvor noch nie im Biotop gefangen werden (hauptsächlich aufgrund der Größe dieses imposanten Tiers). Es ist die nunmehr 107. Art, die von uns beringt werden konnte. Daneben gabs am 20.07. noch eine junge Ringeltaube (Columba palumbus), die vorher - auch aufgrund ihrer Größe - erst ein Mal gefangen wurde.

Mit Beginn des Monats August ging die diesjährige Brutvogelerfassung 2012 offiziell zuende. Mit 648 Neuberingungen und 469 Kontrollfängen aus 45 Arten steht ein aus unserer Sicht sehr ordentliches Ergebnis zu verbuchen.

Im Vergleich mit dem Vorjahr fallen einige quantitative Veränderungen auf, allem voran das zahlenmäßige Übergewicht 2011 mit 738 neu beringten Individuen und 608 Kontrollfängen. Dies dürfte sich aber zum Teil durch den im letzten Jahr sehr früh einsetzenden Herbstzug erklären lassen; bei den beiden letzten Juli-Fangaktionen waren 2011 schon enorme Fangzahlen festzustellen, wie sie sonst erst Anfang August auftreten. In diesem Jahr beschränkte sich die Zugtätigkeit ausschließlich auf den letzten Termin, viele Arten scheinen somit länger in ihren Brutgebieten zu verweilen. Dies konnten wir auch bei uns vor Ort feststellen, anhand von Kontrollfängen. Bei anderen Arten, wie z.B. dem Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) waren auch Zweitbruten in größerer Anzahl festzustellen.

Adulter Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus)
Trotz anfänglichem Verdacht kein Brutnachweis im Biotop
Die Artzusammensetzung des Brutvogelbestands ist dabei im großen Ganzen gleich geblieben, mit einigen wenigen Schwankungen. Der anfängliche Brutverdacht für den Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) im Gebiet konnte sich leider nicht erhärten: Alle gefangenen Individuen waren entweder Männchen oder Nichtbrüter auf dem Durchzug, auch wurde nach einer Woche Gesangstätigkeit kein weiteres Revier-/Balzverhalten oder gar Jungvögel festgestellt. Schade aus unserer Sicht, dass sich diese Art im durchaus gut geeigneten IKEA-Biotop noch nicht als Brutvogel etabliert hat.

Auch der verwandte Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) konnte in diesem Jahr nach einem starken Brutverdacht 2010 nicht als Brutvogel festgestellt werden, die gefangenen Individuen waren allesamt Durchzügler.

vorjähriger Karmingimpel (Carpodacus erythrinus)
Nach 2010 zum zweiten Mal von uns beringt.
Das Highlight der Brutzeit ohne Frage war ein Karmingimpel (Carpodacus erythrinus), der zuvor erst ein einziges Mal im Gebiet gefangen wurde und generell im Saarland sehr selten nachgewiesen wird. Bei unseren beiden Nachweisen handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Nichtbrüter, die aus den gewohnten Brutgebieten abziehen und umherstreifen, um an anderen Stellen Nahrung und Brutpartner zu finden.

Wir hoffen auf viele weitere dieser Highlights beim Herbstzug 2012, von August bis November, bei dem wir uns hoffentlich wieder öfter melden können!

Im Namen des gesamten Teams der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

Es folgt die Statistik der Brutzeiterfassung 2012:

24.06.2012

Brutvogelerfassung und neue Highlights!

Hallo!

Karmingimpel (Carpodacus erythrinus) - Zweitnachweis im IKEA-Biotop!

Nachdem wir schon länger nicht mehr haben von uns hören lassen, gibt es endlich wieder sehr erfreuliche Neuigkeiten zu berichten: Heute Morgen gelang der Fang und die Beringung eines vorjährigen Karmingimpel-Männchens (Carpodacus erythrinus). Diese Art wurde erst zum zweiten Mal nach 2010 von uns beringt und ist im Saarland nur äußerst selten zu Gast. Während die adulten Männchen dieser Art durch ihr leuchtend rotes Gefieder an Kopf und Brust unverwechselbar sind, sind die Weibchen und jungen Männchen unscheinbar bräunlich gefärbt.

Doch auch neben diesem Sensationsfang sind die letzten Monate nicht untätig geblieben. Zum Einen wurde der Frühjahrszug bis Ende April konsequent erfasst mit immerhin 449 Neuberingungen aus 39 Arten. Die gegenüber dem Herbstzug geringeren Fangzahlen sind durch die hohe Sterblichkeitsrate von Jungvögeln auf dem Zug und den breiter angelegten Heimzug zu erklären. Im Vergleich mit den Vorjahren ist dieses Ergebnis sehr erfreulich!

Neuntöter-Männchen (Lanius collurio) - Brütet im Biotopumfeld
Ab Mai haben wir dann mit der Brutvogelerfassung begonnen, einem jährlich standardisiert durchgeführten Programm, das der Überwachung dieses Brutgebiets und der Feststellung von Bestandstrends und klimatischen bzw. Gebietsveränderungen dienen soll. Dabei ist die Intensität der Beringung mit einem Termin pro 10 Tage viel geringer als zur Zugzeit. Dies geschieht vor allem, um brütende Altvögel und noch nicht voll entwickelte Jungvögel nicht unnötig zu stören. Da die einzelnen Brutvogelarten zeitlich gestaffelt eintreffen bzw. auch mehrfach brüten, läuft dieses Programm von Anfang Mai bis Ende Juli.

Kleinspecht (Dendrocopos minor) - hat ein Brutrevier im
nahe gelegenen Wald bei Lisdorf
Neben dem oben erwähnten Karmingimpel, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht in der Umgebung brütet, waren weitere erwähnenswerte Fänge ein junger Kleinspecht (Dendrocopos minor), ein Neuntöter-Paar (Lanius collurio) und 4 Drosselrohrsänger-Männchen (Acrocephalus arundinaceus), von denen einer sich auch längere Zeit im Gebiet aufhielt und durch seinen Gesang die Hoffnung auf eine Brut aufkommen ließ. Ab Anfang  Juni war dann aber alles still.  

Alles in allem kann man bis dato sehr zufrieden sein. Mit bislang 52 gefangenen Arten im Jahr 2012 - und das vor dem Herbstzug - ist dieses Jahr sehr erfolgreich angelaufen. Wir hoffen natürlich, dass das auch so weiter geht!

An dieser Stelle wieder der Hinweis: Tagesaktuelle Fanglisten gibts bei ornitho.de unter der Koordinate 'Beringungsstation "Mittleres Saartal"'.

Bis zum nächsten Mal,
das Team der Beringungsstation.

07.04.2012

Alles neu macht der April!

Hallo aus der Beringungsstation!

Die Beringungsstation mit neuer Terrasse und Beobachtungsturm

Das Jahr 2012 hat auch für die saarländische Vogelberingung wieder angefangen. Nachdem in den letzten Wochen an der Station fleißig gebaut wurde, können wir nun mit einer nagelneuen Terrasse inklusive Beobachtungsturm aufwarten. Ein großes Dankeschön gebührt in diesem Zusammenhang noch den Sponsoren und Handwerkern - allen voran IKEA Deutschland - ohne die dieses Projekt nicht zu bewältigen gewesen wäre!

Die Tüpfelralle (Porzana porzana) - ein sehr
scheuer und seltener Gast im Biotop
Doch nicht nur baulich gibt es Erfreuliches zu melden, auch die Frühjahrszugberingung 2012 hat bereits begonnen und uns das eine oder andere Highlight beschert. Allen voran gab es ganze 2 Tüpfelrallen (Porzana porzana) zu verbuchen, eine Art, welche seit 2009 nicht mehr und bis dato auch nur im Herbst gefangen werden konnte. Daneben wurden auch an nur drei Tagen stolze 5 Blaukehlchen (Luscinia svecica) gefangen, eine Zahl, die in dieser Höhe bisher nur auf dem Herbstzug erreicht wurde. Das Bild komplett macht ein Bergpieper (Anthus spinoletta), eine Art, die bereits im letzten Frühjahr gefangen werden konnte.

Zeitlich interessant war vor allem der Fang eines Wendehalses (Jynx torquilla) am 17.03., was laut ornitho.de die Erstbeobachtung 2012 dieser Art in Deutschland darstellt.

Männliches Blaukehlchen (Luscinia svecica) im Prachtkleid
Neben diesen Besonderheiten sind es aber vor allem die häufigen Arten wie Rotkehlchen (Erithacus rubecula), Zilpzalp (Phylloscopus collybita) und Rohrammer (Emberiza schoeniclus), die zurzeit verstärkt auf dem Heimzug sind, bzw. diesen bereits fast abgeschlossen haben. Auf andere Arten, wie z.B. Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) oder Dorngrasmücke (Sylvia communis) muss man wohl noch bis Mitte oder Ende April warten. Gerade dieses zeitliche Auftreten des Zuges der einzelnen Arten - die sog. Phänologie - macht das Beringen im Augenblick sehr interessant. Der Heimzug findet nämlich nicht in jedem Jahr zum gleichen Zeitpunkt statt, sondern ist gewissen zeitlichen Schwankungen unterworfen. Weil der Heimzug anders als der Wegzug auch in einem viel engeren Zeitraum statt findet, ist das Spektrum der möglichen Arten auch enorm groß. Alles in allem eine spannende Zeit, in der wir uns hoffentlich noch öfter melden dürfen (natürlich mit weiteren schönen Fängen).

Eine weitere Neuerung des Jahres 2012 ist ebenfalls bereits angelaufen. Ab sofort melden wir alle unsere Fänge zeitnah als Tageslisten bei ornitho.de unter der Koordinate 'Beringungsstation "Mittleres Saartal" / Saarlouis (SL/SLS)', so dass an dieser Stelle keine detaillierte Auflistung der Fänge mehr erfolgt. Ausgenommen davon sind natürlich Statistiken und Monatslisten, die auch weiterhin in interessanten Zeiten veröffentlicht werden.

Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch