02.09.2015

Bericht vom Tag der offenen Tür 2015

Hallo zusammen!


Die Ruhe vor dem (An-)Sturm - Nachdem sich der morgentliche Nebel lichtete,
fanden knapp 200 Besucher und über 300 Vögel den Weg
zum Tag der offenen Tür 2015 und erlebten die Beringung aus nächster Nähe
(Foto: Jörn Weiß)

Der diesjährige Tag der offenen Tür verlief in allen Belangen erfolgreich. Neben gutem Wetter und spannenden Fängen gab es vor allem eins - jede Menge Besucher! Wir möchten nun kurz resümieren.


Besucher am Tag der offenen Tür 2015
Zu den Terminen der Vorführungen wurden selbst die
Stehplätze knapp!
Knapp 200 Interessierte fanden über den ganzen Tag den Weg zur Beringungsstation und harrten bei teils schon unangenehmen heißen Temperaturen bis 35°C gespannt aus, welche Arten sich wohl in die Fangnetze verfliegen. Insbesondere zu den Beringungsvorführungen scharten sich Groß und Klein um die Beringer, um den besten Blick oder das beste Foto zu erhaschen. Der Besucherrekord aus dem Jahr 2012 konnte leider nicht ganz erreicht werden, aber dennoch zeigt der Erfolg der Veranstaltung, dass in der Bevölkerung durchaus noch Interesse an der heimischen Artenvielfalt und dem aktiven Naturschutz besteht.

Wie in den letzten Jahren üblich gab es auch eine Exkursion um das IKEA-Biotop, bei denen die einzelnen Lebensräume und deren typische Bewohner des Biotops vorgestellt wurden. Neben einem durchziehenden Wespenbussard ließ sich auch der Wanderfalke am nahe gelegenen Kraftwerk Ensdorf beobachten, so dass die ca. 30 Teilnehmer der Wanderung auch auf ihre Kosten kamen.

Wendehals, adult - hier aus dem Archiv 2014
Konnte auch am Tag der offenen Tür beringt werden
Aus ornithologischer Sicht war der Tag der offenen Tür mit 311 Fängen aus 24 Arten auch ein sehr erfolgreicher Fangtag in Qualität und vor allem Quantität. Die Highlights an diesem Tag waren 2 Rohrschwirle, 1 Blaukehlchen, 1 Wendehals und 2 Eisvögel. Gerade die beiden letztgenannten Arten versetzten die Besucher in Staunen, doch auch die häufigeren Arten lösten große Begeisterung beim Publikum aus. Daneben gelang auch noch die Beobachtung anderer Zug- und Rastvögel in und über dem Biotop, so dass die Artenliste des Tages (Beringung+Beobachtung) immerhin 47 verschiedene Vogelarten beinhaltete.

Bienenfresser, Weibchen
Beringt gemeinsam mit J. Weiß im Juli 2015
nahe Frankenthal/Pfalz
Natürlich gab es auch die Chance zum gemütlichen Beisammensein und zur Diskussion unter den Experten. Es konnten zahlreiche Aktive aus Natur- und Vogelschutz aus dem Saarland und der Umgebung begrüßt werden. Ein besonderer Gast war Jörn Weiß, der in Rheinland-Pfalz für den Schutz der seltenen Bienenfresser zuständig ist und diese auch systematisch beringt. Nachdem wir bereits im Juli bei ihm eingeladen waren und bei der Beringung helfen durften, gab es nun den Gegenbesuch: Über das Wochenende half er an der Station tatkräftig mit und stand insbesondere Sonntag auch Rede und Antwort zu "seinen" farbenprächtigen Vögeln. Wer mehr über seine Arbeit erfahren möchte, sei an seine Homepage www.bienenfresser-rlp.de verwiesen.

An dieser Stelle bleibt eigentlich nur noch eins: Wir sagen DANKE! Danke an alle, die den Weg zu uns gefunden haben und durch ihre Spenden und ihr Interesse gezeigt haben, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird.
Vor allem aber ein großer Dank an alle Helfer, die diese Veranstaltung durch ihren aktiven Einsatz, durch Kuchenspenden und Werbung auf allen Plattformen überhaupt erst ermöglicht haben!

Das Team hinter den Kulissen des Tags der offenen Tür 2015 - DANKE!!!
v.l.n.r: Marius Nicklas, Sebastian Kiepsch, Katharina Klein, Pierre Geller,
Lothar Hayo, Rolf Klein). Es fehlen: Sabrina Ertle, Anita Naumann,
Jörn Weiß, Heike Rosenke, Teresa Feld und Christoph Braunberger
(Foto: Teresa Feld)

In Kürze gibt es an dieser Stelle auch wieder mehr Ornithologisches zu lesen, der Bericht zur Brutzeit 2015 ist schon in Vorbereitung!

Im Namen des gesamten Teams der Beringungsstation,

Sebastian Kiepsch


01.08.2015

Ankündigung: Tag der offenen Tür 2015


Zum 5. Mal findet der Tag der offenen Tür der Beringungsstation statt, zu dem wir alle Interessierten herzlich einladen möchten:

Beim Tag der offenen Tür gibts für Groß und Klein viel zu erleben und zu sehen

Am Sonntag, den 30.08.2015, von 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr

An der Beringungsstation „Mittleres Saartal“, Im Hader, Saarlouis-Lisdorf
hinter dem IKEA-Komplex, an der Lieferantenzufahrt. Parkmöglichkeiten bestehen vor Ort bzw. auf den IKEA-Parkplätzen.


Im Rahmen unseres Tags der offenen Tür bieten wir der breiten Bevölkerung einen Blick hinter die Kulissen der Beringungsstation und einzigartige Naturerlebnisse. Bestaunen Sie die einheimische Vogelwelt hautnah und lernen sie die Eigenarten, Besonderheiten und interessanten Lebensweisen der verschiedensten Vogelarten kennen.



Programm:


09:00 Uhr, 11:00 Uhr, 14:00 Uhr - Öffentliche Beringungsvorführungen (Dauer ca. 1-1,5 Stunden) mit verschiedensten Vögeln aus nächster Nähe.
Hier erfahren Sie Wissenswertes zu Vogelberingung, Biotop, Artenvielfalt und alles rund um die Arbeit an der Station. Natürlich gibt es auch zahlreiche Vögel zu sehen (und zu fotografieren).

12:30 Uhr - Geführte Kurz-Wanderung „rund um das Biotop“ (Dauer ca. 1 Stunde) mit Vorstellung des Biotops, seiner Lebensräume und seiner Umgebung.

Leider ist das Biotop selbst zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Dennoch besteht die Möglichkeit, von außen an der einen oder anderen Stelle einen Blick hinein zu werfen. Unter fachkundiger Führung erhalten Sie Informationen zu Biotoptypen, typischen Arten (auch außerhalb der Vogelwelt) und der einzigartigen Lage des IKEA-Biotops inmitten des städtischen Umfelds.

09:00-16:00 Uhr - Gelegenheit zum Blick ins IKEA-Biotop von unserem Aussichtsturm.
Unser Beobachtungsturm steht Ihnen ganztägig offen, auch mal einen Blick in das IKEA-Biotop zu werfen. Vielleicht können Sie ja die eine oder andere schöne Beobachtung machen!

Auch außerhalb der Vorführungen und Exkursion steht ihnen unser Team natürlich gerne Rede und Antwort zu Ihren Fragen.

Für das leibliche Wohl ist wie immer auch bestens gesorgt. Kaffee, Kuchen und Grillwürstchen stehen wie auch bei den vergangenen Malen bereit.


Der Eintritt und die Teilnahme an Vorführungen und Exkursionen sind natürlich kostenlos.

 


Mehr Informationen zur Station:

Eine Lachmöwe war eines der Highlights zum
letzten Tag der offenen Tür 2013
Die seit 2008 bestehende NABU-Beringungsstation "Mittleres Saartal" ist über die letzten Jahre zur größten süddeutschen Vogelberingungsstation herangewachsen. Durch den kontinuierlichen Einsatz des ehrenamtlichen Teams werden jährlich ca. 10.000 Vogel gefangen, beringt, vermessen und wieder frei gelassen. Mittlerweile konnten 173 Vogelarten im IKEA-Biotop nachgewiesen werden, von denen auch 112 gefangen und beringt werden konnten - darunter 5 Arten, die zuvor noch nicht im Saarland nachgewiesen waren. Die so erhobenen Daten fließen in großangelegte Untersuchungen ein und finden auch lokal Anwendung in neuen Schutzmaßnahmen. 
Neben der wissenschaftlichen Arbeit legt das Team der Beringungsstation viel Wert auf umweltpädagogische Arbeit und stellt die interessante, herausfordernde und spannende Tätigkeit eines Vogelberingers im Rahmen von Beringungsvorführungen interessierten Gruppen vor.


Wir hoffen auf zahlreiche Besucher, gutes Wetter und natürlich auch spannende Fänge. Über Ihr Kommen würden wir uns sehr freuen!

Im Namen der gesamten Beringungs-AG,
Sebastian Kiepsch & Rolf Klein

23.07.2015

Beringung "on Tour": 10 Jahre Rosseltal-Renaturierung

Hallo zusammen!

Das Rosseltal zwischen Völklingen-Ludweiler und Großrosseln
Früher wüste Landschaft, heute Naturparadies
Am 22.07.2015 feierten die RAG AG und  der NABU Saar e.V den 10. Jahrestag zum Abschluss der Renaturierungsarbeiten im Rosseltal. Auch die Beringungs-AG war mit einer mobilen Beringungsaktion beteiligt, bei der es einige spannende Fänge und viele interessierte Besucher gab. Ein Mitglied der Beringungs-AG hat eine ganz besondere Bindung zu diesem Ort: Lothar Hayo.


Das Rosseltal: "Unten am schwarzen Fluss"

Das Saarland ist traditionell von zwei Industriezweigen bestimmt worden: Kohleförderung und Stahlproduktion. Gerade der Bereich des Saartals und der umliegenden Nebenflüsse - zu denen auch die Rossel zählt - war ein Ballungsraum für Industrie. Der Bereich zwischen Völklingen, Saarbrücken und der französichen Grenze, der größtenteils bewaldet ist, wurde über die Jahrzehnte unterirdisch intensiv genutzt, um Steinkohle zu Tage zu bringen. Dabei entstanden enorme Mengen Abraums, die auf Bergehalden und in Schlammweiher abgeladen wurden. Die umliegenden Gewässer und die Natur litten über die Jahrzehnte entsprechend unter dieser Praxis, nicht selten entstanden wüste und ausgeräumte Landschaften.

Typische Auenlandschaft an der Rossel: Offene Flussbereiche,
breiter Schilfgürtel und Auwald im Randbereich
Das Bergwerk Velsen stellte die Kohleförderung 2005 ein, ab dann wurde alles daran gesetzt, den entstandenen Schaden in der Umgebung rückgängig zu machen. Der "schwarze Fluss" wurde zu einer der Lebensaufgaben von Lothar Hayo, der auch bis heute eine der Leitfiguren der Vogelberingung im Saarland ist. Mit seiner fachkundigen und engagierten Begleitung und mit großem Arbeitseinsatz im Verbund von NABU und der RAG AG wurde dem Fluss in einem Bereich von ca. 3 km Länge und 500 Metern Breite sein natürliches Gesicht zurückgegeben. Im Rosseltal ist in den vergangenen 10 Jahren nicht nur Gras über seine bewegte Vergangenheit gewachsen, sondern vor allem Schilf. Der Bereich zwischen der Grube Velsen und Ludweiler ist einer der größten zusammenhängenden Schilfbereiche im Umland. Wo einst Bagger und Maschinen unterwegs waren, fühlen sich heute Biber, Ringelnatter und Teichrohrsänger wohl.

Akteure von damals und heute (v.l.n.r):
Rolf Klein, Wolfram Dörr, Lothar Hayo und Reinhold Jost
(Der Umweltminister, nicht der Eisvogel - siehe Text!)
Die positive Entwicklung dieses Naturschutzprojektes wurde nun in einer gemeinsamen Aktion von NABU und der RAG AG gefeiert im Rahmen einer Vorführung des Projekts für Schulklassen. Natürlich waren auch einige Akteure des Naturschutzes von damals und heute mit dabei. Auch eine mobile Beringungsaktion stand auf dem Programm. Erneuter Gast war der saarländische Umweltminister Reinhold Jost.



Spannende Fänge und "Reinhold"

Was soll man von einer Beringungsaktion erwarten, bei der gerade mal ein Zehntel der Netze steht, die in der Beringungsstation normalerweise zum Einsatz kommen. Die Antwort darauf lautet: Einiges!

Da darf das Erinnerungsfoto nicht fehlen!
Junges Kleinspecht-Männchen. Eines der Tages-Highlights
In knapp 4 Stunden wurden in nur vier Netzen 26 Vögel gefangen, ein in der Relation zur Beringungsstation überdurchschnittlich starker Fang. Dies beweist die Qualität des Rosseltals als Nahrungsfläche für insektenfressende Vogelarten. Eines der Highlights für alle Beteiligten war ein junges Kleinspecht-Männchen. Der Kleinspecht ist die kleinste Spechtart Mitteleuropas und ist etwa so groß wie ein Spatz. Dennoch hackt er wie die größeren Spechte auch Höhlen in Bäume, meistens in Weichholzarten wie Weiden, Erlen und Pappeln. Auch ist er sehr anspruchsvoll an seinen Lebensraum, wo er vorkommt gibt es oft vermehrt Totholz, was auf eine naturnahe Landschaft hindeutet. 

Noch spannender war aber der Fang eines Eisvogels. Das besondere an ihm: Er wurde von uns am Tag der Artenvielfalt gefangen und beringt - aber in Saarlouis-Lisdorf. Und es wird noch kurioser! Auch damals war unser Landes-Umweltminister Reinhold Jost vor Ort. Grund genug, das junge Eisvogel-Männchen kurzerhand auf den Namen "Reinhold" zu taufen. Mit einem so spannenden Fang hatte nun wirklich niemand bei so einer kleinen Aktion gerechnet!


Schlusswort: Bleiben Sie auf Sendung!


In Lisdorf steht nun der Herbstzug unmittelbar bevor und der August wird wohl prallgefüllt sein mit Terminen und Fangtagen. Vielleicht gibt es ja auch wieder die eine oder andere Seltenheit.

Auch der diesjährige Tag der offenen Tür findet am 30.08.2015 statt. Mehr Informationen dazu gibt es Anfang August an dieser Stelle! 

Im Namen der gesamten Beringungs-AG,
Sebastian Kiepsch