Posts mit dem Label wendehals werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label wendehals werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

28.08.2017

Nachbericht zum Tag der offenen Tür 2017

 Hallo zusammen!

Die Ruhe vor dem Sturm am Tag der offenen Tür
Der morgentliche Nebel verzog sich schnell
und räumte das Feld für bestes Wetter, zahlreiche Vögel und Besucher
Während die aktuelle Herbstzugsaison auf vollen Touren läuft (mit extrem starken Fangzahlen!) ist der diesjährige Tag der offenen Tür mittlerweile Geschichte. Wir blicken zurück auf einen spannenden und interessanten Tag mit vielen interessierten Besuchern, interessanten Fängen und Gesprächen und vor allem: richtig gutem Wetter!

Zahlreiche Besucher fanden insbesondere am Vormittag
den Weg zur Beringungsstation und konnten einige schöne
Fänge bestaunen und unsere Arbeit miterleben.
Zumindest dieser Fluch scheint gebrochen: Bislang gab es keinen Tag der offenen Tür ohne extreme Hitze oder Regen. In diesem Jahr war es zwar sommerlich warm, aber bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen an die 30 Grad ließ es sich dann doch noch ganz gut auf unserer schattigen Terrasse aushalten. Vor allem die Vorführungen am Vormittag waren auch dementsprechend stark besucht. Insgesamt wurden über den ganzen Tag mehr als 100 Besucher gezählt, die auch reichlich Gebrauch vom Angebot an Essen und Trinken machten.
Wendehals, beringt am Tag der offenen Tür.
Derzeit starker Durchzug der Art!

Ornithologisch war der Tag der offenen Tür ein sehr ordentlicher Zugtag mit 240 gefangenen Vögeln aus 20 Arten, 207 davon wurden neu beringt. Die absoluten Publikumslieblinge waren die rekordverdächtigen 7 Wendehälse (3 beringt, 4 Kontrollfänge), die über den ganzen Tag hinweg zu allen drei Vorführungen präsentiert werden konnten. Entgegen der negativen Bestandsentwicklung dieser Art verzeichnen wir im Moment sehr starke Fangzahlen für Wendehälse, was wir allerdings einem in diesem Jahr starken Angebot an Ameisen (ihrer Hauptnahrungsquelle) im IKEA-Biotop zuschreiben.

Trauerschnäpper, Jungvogel
Weitere Highlights waren ein Trauerschnäpper, der nur gelegentlich im Gebiet rastet und eine Wachtel, die im Rahmen unseres Zugmonitoring-Projekts für diese Art gefangen werden konnte. Insbesondere der Nachweis einiger für viele Besucher unbekannten Arten (Schilfrohrsänger, Feldsperling, Klappergrasmücke, ...) führte eindrucksvoll die Bedeutung des Biotops für die Vogelwelt vor Augen und unterstrich die Bedeutung der Beringung im ornithologischen Monitoring. Vor allem wird aber die Vielfalt der Vogelarten bei so manchem Besucher in Erinnerung bleiben.


Stationsleiter Sebastian Kiepsch präsentiert eine soeben beringte Wachtel
An dieser Stelle nochmals der große Dank an alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, ohne die der Tag der offenen Tür so nicht möglich wäre und natürlich an alle Bäcker und Bäckerinnen für die Kuchenspenden!

Ein großes Dankeschön natürlich auch an alle Besucher, die uns durch ihre großzügigen Spenden unterstützt haben!

Wir hoffen, die Tradition des Tags der offenen Tür auch im nächsten Jahr wieder fortführen zu können.

Im Namen der NABU Beringungs-AG,
Sebastian Kiepsch

08.08.2017

Ankündigung: Tag der offenen Tür 2017

Das Team der Beringungsstation lädt alle Interessierten herzlich ein zu unserem 7. Tag der offenen Tür:

Am Samstag, den 26.08.2017, von 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr,
an der Beringungsstation „Mittleres Saartal“, Im Hader, Saarlouis-Lisdorf
hinter dem IKEA-Komplex, an der Lieferantenzufahrt. Parkmöglichkeiten bestehen vor Ort bzw. auf den IKEA-Parkplätzen (Link für Routenplaner)

Im Rahmen unseres Tags der offenen Tür bieten wir der breiten Bevölkerung einen Blick hinter die Kulissen der Beringungsstation und einzigartige Naturerlebnisse. Bestaunen Sie die einheimische Vogelwelt hautnah und lernen Sie die Eigenarten, Besonderheiten und interessanten Lebensweisen der verschiedensten Vogelarten kennen. Auch für das leibliche Wohl ist wie immer gut gesorgt.

Auch zwei Wendehälse waren 2016 zu bestaunen

Programm:

09:00 Uhr, 11:00 Uhr, 14:00 Uhr - Öffentliche Beringungsvorführungen (Dauer ca. 1-1,5 Stunden) mit verschiedensten Vögeln aus nächster Nähe.
Hier erfahren Sie Wissenswertes zu Vogelberingung, Biotop, Artenvielfalt und alles rund um die Arbeit an der Station. Natürlich gibt es auch zahlreiche Vögel zu sehen (und zu fotografieren).

12:30 Uhr - Geführte Kurz-Wanderung „rund um das Biotop“ (Dauer ca. 1 Stunde) mit Vorstellung des Biotops, seiner Lebensräume und seiner Umgebung.
Leider ist das IKEA-Biotop selbst zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Dennoch besteht die Möglichkeit, von außen an der einen oder anderen Stelle einen Blick hinein zu werfen. Unter fachkundiger Führung erhalten Sie Informationen zu Biotoptypen, typischen Arten (auch außerhalb der Vogelwelt) und der einzigartigen Lage des Biotops inmitten des städtischen Umfelds.

09:00-16:00 Uhr - Gelegenheit zum Blick ins IKEA-Biotop von unserem Aussichtsturm.
Unser Beobachtungsturm steht Ihnen ganztägig offen, auch mal einen Blick in das IKEA-Biotop zu werfen. Vielleicht können Sie ja die eine oder andere schöne Beobachtung machen!

Auch außerhalb der Vorführungen und Exkursion steht ihnen unser Team natürlich gerne Rede und Antwort zu Ihren Fragen.

Eintritt und die Teilnahme an Vorführungen und Exkursionen sind natürlich kostenlos.


Wir hoffen auf zahlreiche Besucher, gutes Wetter und natürlich auch spannende Fänge. Über Ihr Kommen würden wir uns sehr freuen!


Im Namen der gesamten Beringungs-AG,
Sebastian Kiepsch

09.09.2016

Nachbericht zum Tag der offenen Tür 2016

Hallo zusammen!

Gleich zwei Wendehälse konnten zum diesjährigen Tag der offenen Tür gefangen
werden. Das namensgebende Verwinden des Halses ist eine Abwehrhaltung des
höhlenbrütenden Vogels, der Angreifer an der Brutstätte mit diesen
schlangenartigen Bewegungen in die Flucht schlägt.
Der Tag der offenen Tür 2016 ist wieder erfolgreich beendet worden. Trotz des "suboptimalen" Wetters - wir hatten den wirklich einzigen Regentag in den vergangenen 5 Wochen (!) erwischt - fanden über 100 Besucher den Weg zur Beringungsstation. Wir blicken nun zurück auf diesen Tag.


Regen und wenige Vögel

Trotz durchwachsenem Wetter gut besucht - so das Fazit zum
Tag der offenen Tür 2016 (Foto: Katharina Klein)
Nachdem im vergangenen Jahr am Tag der offenen Tür noch Sonnenschein und Temperaturen über 35°C herrschten, gab es 2016 den Kontrast dazu mit Regenschauern über den kompletten Vormittag. Aber wir kennen es nicht anders: Seit dem ersten Tag der offenen Tür 2009 gab es für die Veranstaltung stets diese beiden Zustände: Unerträgliche Hitze oder Regen. Doch wie sich zeigte, waren auch in diesem Jahr die Besucher wieder hart im Nehmen.


Auch ein junges Braunkehlchen konnte gefangen und beringt
werden. Im Zuge der Veröffentlichung der neuen Roten Liste
der Brutvögel Deutschlands war diese Charakterart der
Feuchtwiesen noch jüngst in der Presse, leider mit schlechten
Aussichten: Ihr Brutbestand ist in Deutschland in extremem
Maße eingebrochen. Die Ursachen liegen dabei vor allem
in einem Lebensraumverlust durch den Wandel der
landwirtschaftlichen Nutzung, weg von extensiver
Beweidung, hin zu Intensivgrünland.
Für die Beringer bedeuten schlechte Wetterbedingungen immer Mehrarbeit, denn dann müssen die Netzkontrollen häufiger durchgeführt werden, um die Vögel so schnell wie möglich zu befreien. Doch das schlechte Wetter machte nicht nur uns das Leben schwer, auch die Zugvögel, die zumeist nachts unterwegs sind, wollten wohl bei der aufziehenden Regenfront nicht so recht losfliegen und machten sich an diesem Tag im IKEA-Biotop etwas rar. Gerade einmal 100 Fänglinge aus 16 Arten gab es über den gesamten Tag zu verzeichnen, deutlich weniger als sonst zu dieser Jahreszeit. Insbesondere zur Vorführung um 11:00 Uhr, während eines stärkeren Schauers, waren leider nur wenige Vögel in den Netzen. Zum Mittag hin verzog sich immerhin der Regen und so blieb es ab ca. 12:00 Uhr auch trocken, was die Vögel auch nachmittags ausgiebig nutzten. So konnten um 14:00 Uhr wieder mehr beringte Vögel präsentiert werden.


Einige Highlights

Ein Eisvogel war das absolute Highlight der Vorführung
am Nachmittag, welches den staunenden Besuchern von
Rolf Klein (sitzend, l.) und Sebastian Kiepsch (sitzend, r.)
präsentiert werden konnte. Gelegenheit für ein
Erinnerungsfoto gab es natürlich auch!
(Foto: Josef Huwer / Christina Klein)
Aus ornithologischer Sicht gab es trotz der geringen Fangzahl doch einige Höhepunkte. Schon vor Eintreffen der ersten Besucher konnten in der Morgendämmerung eine Wasserralle und 2 Blaukehlchen gefangen und beringt werden. Über den Tag kamen dann auch noch 2 Wendehälse, ein Braunkehlchen und ein Eisvogel dazu. Vor allem Letztgenannter sorgte bei den Besuchern der Nachmittagsvorführung für Erstaunen und Begeisterung, denn viele hatten den farbenprächtigen Fischjäger noch nie aus der Nähe zu Gesicht bekommen.


Gut besuchte Wanderung

Rolf Klein (l.) erläutert den Besuchern die besondere Lage
des IKEA-Biotops inmitten der vom Menschen geprägten
Landschaft des Saartals.
Die seit einigen Jahren angebotene Kurz-Wanderung rund um das IKEA-Biotop lockte auch in diesem Jahr wieder knapp 30 Interessierte an, die den Weg sogar trockenen Fußes zurücklegen konnten. Unter der Leitung von Rolf Klein und Sebastian Kiepsch konnten die Teilnehmer das Biotop von allen Seiten bestaunen und viel Wissenswertes über den Standort, die Lebensräume und die typischen Arten erfahren. 
Eine Sache fiel dabei auch zahlreichen Besuchern ins Auge: Der Blick ins Biotop ist nur noch an ganz wenigen Stellen möglich, was vor allem an der zunehmenden Verbuschung des Feuchtgebiets liegt - eine Problematik, die bereits oft von uns thematisiert wurde. Dass diese Entwicklung in den letzten Jahren so rasant zugenommen hat, ist für uns besorgniserregend.

Danke!

An dieser Stelle möchten wir uns nochmal bei allen bedanken, ohne die der Tag der offenen Tür nicht möglich gewesen wäre:
  • Zunächst natürlich bei den Besuchern, die auch bei Regen den Weg zu uns fanden.
  • Allen, die uns sogar eine Spende machten - Danke für Ihren Beitrag, durch den wir unsere Arbeit auch weiterhin aufrecht erhalten können!
  • Den Kuchenspendern, die bis teilweise spät abends noch in der Küche standen!
  • Allen Helfern, die teils über mehrere Tage vorbereitet und geplant haben oder einfach auch spontan angepackt haben. Ohne euch wäre diese Veranstaltung nicht möglich! 
Wir hoffen, Ihnen hat unser Tag der offenen Tür 2016 ebenso gefallen wie uns. Wir würden uns freuen, wenn wir bei Ihnen die Lust geweckt haben, auch selbst aktiv zu werden in unserem Team. Auch für ihr Feedback zur Veranstaltung unter info@beringung-saar.de sind wir dankbar!

Im Namen der gesamten Beringungs-AG,
Sebastian Kiepsch

02.09.2015

Bericht vom Tag der offenen Tür 2015

Hallo zusammen!


Die Ruhe vor dem (An-)Sturm - Nachdem sich der morgentliche Nebel lichtete,
fanden knapp 200 Besucher und über 300 Vögel den Weg
zum Tag der offenen Tür 2015 und erlebten die Beringung aus nächster Nähe
(Foto: Jörn Weiß)

Der diesjährige Tag der offenen Tür verlief in allen Belangen erfolgreich. Neben gutem Wetter und spannenden Fängen gab es vor allem eins - jede Menge Besucher! Wir möchten nun kurz resümieren.


Besucher am Tag der offenen Tür 2015
Zu den Terminen der Vorführungen wurden selbst die
Stehplätze knapp!
Knapp 200 Interessierte fanden über den ganzen Tag den Weg zur Beringungsstation und harrten bei teils schon unangenehmen heißen Temperaturen bis 35°C gespannt aus, welche Arten sich wohl in die Fangnetze verfliegen. Insbesondere zu den Beringungsvorführungen scharten sich Groß und Klein um die Beringer, um den besten Blick oder das beste Foto zu erhaschen. Der Besucherrekord aus dem Jahr 2012 konnte leider nicht ganz erreicht werden, aber dennoch zeigt der Erfolg der Veranstaltung, dass in der Bevölkerung durchaus noch Interesse an der heimischen Artenvielfalt und dem aktiven Naturschutz besteht.

Wie in den letzten Jahren üblich gab es auch eine Exkursion um das IKEA-Biotop, bei denen die einzelnen Lebensräume und deren typische Bewohner des Biotops vorgestellt wurden. Neben einem durchziehenden Wespenbussard ließ sich auch der Wanderfalke am nahe gelegenen Kraftwerk Ensdorf beobachten, so dass die ca. 30 Teilnehmer der Wanderung auch auf ihre Kosten kamen.

Wendehals, adult - hier aus dem Archiv 2014
Konnte auch am Tag der offenen Tür beringt werden
Aus ornithologischer Sicht war der Tag der offenen Tür mit 311 Fängen aus 24 Arten auch ein sehr erfolgreicher Fangtag in Qualität und vor allem Quantität. Die Highlights an diesem Tag waren 2 Rohrschwirle, 1 Blaukehlchen, 1 Wendehals und 2 Eisvögel. Gerade die beiden letztgenannten Arten versetzten die Besucher in Staunen, doch auch die häufigeren Arten lösten große Begeisterung beim Publikum aus. Daneben gelang auch noch die Beobachtung anderer Zug- und Rastvögel in und über dem Biotop, so dass die Artenliste des Tages (Beringung+Beobachtung) immerhin 47 verschiedene Vogelarten beinhaltete.

Bienenfresser, Weibchen
Beringt gemeinsam mit J. Weiß im Juli 2015
nahe Frankenthal/Pfalz
Natürlich gab es auch die Chance zum gemütlichen Beisammensein und zur Diskussion unter den Experten. Es konnten zahlreiche Aktive aus Natur- und Vogelschutz aus dem Saarland und der Umgebung begrüßt werden. Ein besonderer Gast war Jörn Weiß, der in Rheinland-Pfalz für den Schutz der seltenen Bienenfresser zuständig ist und diese auch systematisch beringt. Nachdem wir bereits im Juli bei ihm eingeladen waren und bei der Beringung helfen durften, gab es nun den Gegenbesuch: Über das Wochenende half er an der Station tatkräftig mit und stand insbesondere Sonntag auch Rede und Antwort zu "seinen" farbenprächtigen Vögeln. Wer mehr über seine Arbeit erfahren möchte, sei an seine Homepage www.bienenfresser-rlp.de verwiesen.

An dieser Stelle bleibt eigentlich nur noch eins: Wir sagen DANKE! Danke an alle, die den Weg zu uns gefunden haben und durch ihre Spenden und ihr Interesse gezeigt haben, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird.
Vor allem aber ein großer Dank an alle Helfer, die diese Veranstaltung durch ihren aktiven Einsatz, durch Kuchenspenden und Werbung auf allen Plattformen überhaupt erst ermöglicht haben!

Das Team hinter den Kulissen des Tags der offenen Tür 2015 - DANKE!!!
v.l.n.r: Marius Nicklas, Sebastian Kiepsch, Katharina Klein, Pierre Geller,
Lothar Hayo, Rolf Klein). Es fehlen: Sabrina Ertle, Anita Naumann,
Jörn Weiß, Heike Rosenke, Teresa Feld und Christoph Braunberger
(Foto: Teresa Feld)

In Kürze gibt es an dieser Stelle auch wieder mehr Ornithologisches zu lesen, der Bericht zur Brutzeit 2015 ist schon in Vorbereitung!

Im Namen des gesamten Teams der Beringungsstation,

Sebastian Kiepsch


01.10.2013

Zwischenbericht vom Herbstzug 2013


Der Herbstzug 2013 ist im IKEA-Biotop bereits im vollen Gange und für einige Arten bereits so gut wie vorüber, es ist an der Zeit schon einmal zurückzublicken auf die Ergebnisse der letzten Wochen.


Wetter: Viel Sonnenschein im August und Rekordregenmengen im September

Neuntöter (Lanius collurio)
Ein Jungvögel aus der Brut 2013, der ersten Brut des
Neuntöters im IKEA-Biotop seit über 10 Jahren
Das Wetter war in dieser ersten Zughälfte überwiegend positiv. Von Ende Juli bis Anfang September sank durch lange und beständige Phasen mit Sonnenschein der Wasserstand immer weiter ab, die Schlickflächen lagen offen. Das Nahrungsangebot für die im Biotop brütenden, bodenbewohnenden Rallen und durchziehende Watvögel war ausgezeichnet und so konnten zahlreiche Fänge und Beobachtungen von Vertretern beider Artengruppen verzeichnet werden. Auch spät brütende Arten, die Ende Juli noch mit der Jungenaufzucht beschäftigt sind, profitierten vom guten Wetter - so z.B. auch das im Biotop brütende Neuntöter-Paar, das mindestens 2 ausgeflogene Jungvögel hervorbrachte.

Das Kontrastprogramm zum freundlichen Wetter im Juli und August folgte Anfang bis Mitte September: Ein Sturmtief brachte nach langer Hochdruckphase über zwei Wochen hinweg viel Regen. Den traurigen Höhepunkt dieser Phase stellte eine Gewitterfront dar, die ausgerechnet in der Nacht auf unseren Tag der offenen Tür am 08.09. ankommen musste und mit ca. 30 l/m² das Gebiet regelrecht überflutete, aber im Gegensatz dazu die Besucherflut in Grenzen hielt.


Tag der offenen Tür: Es gibt kein schlechtes Wetter...

...nur schlechte Ausrüstung: Das erste Opfer des ankommenden Gewitters war ein Pavillon, der gegen 02:00 Uhr unter der Last extremer Regenmengen in kürzester Zeit zusammen brach und irreparabel beschädigt wurde. Dieser wurde kurzerhand morgens in ein "Sonnensegel" umfunktioniert.

Wendehals (Jynx torquilla)
Ohne Zweifel der Publikumsliebling des Tages
Noch im letzten Jahr beklagten sich einige Besucher über die extreme Hitze bei strahlendem Sonnenschein bei über 30 °C. Dieses Problem hatten wir in diesem Jahr definitiv nicht. Bis zuletzt sorgte sich unser gesamtes Team, ob man angesichts des Regens überhaupt die Netze aufmachen und fangen könnte. Zum Glück war aber mit dem ausgerufenen Beginn um 9:00 Uhr auch das Gröbste überstanden und der Beringungsbetrieb konnte regulär weiterlaufen. Über den Tag hielt das Wetter dann erstaunlich lange und lockte speziell am Nachmittag auch den einen oder anderen Interessierten ins IKEA-Biotop.

Insgesamt war der 4. Tag der offenen Tür im IKEA-Biotop einigermaßen erfolgreich und wer kam, konnte auch einige beeindruckende Fänge bestaunen, darunter eine Lachmöwe, ein Kleinspecht, mehrere Blaukehlchen und ein Wendehals.

An dieser Stelle sei nochmals allen Helfern gedankt, die zu diesem Tag beigetragen haben! Ohne euch wäre der Tag der offenen Tür nicht möglich!


Allgemeine Ergebnisse: Früher Start der Erfassung

Der Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris)
verbringt gerade einmal 3 Monate in Mitteleuropa
In diesem Jahr begann die Herbstzugerfassung bereits am 21. Juli. Dies sollte insbesondere den Zug der Sumpfrohrsänger genauer aufschlüsseln, einer der sehr früh ziehenden Arten. In den letzten Jahren lief die Brutzeiterfassung stets bis Ende Juli, erst ab August wurde mit der zeitlich intensiveren Herbstzugberingung begonnen. Zu diesem Zeitpunkt ist aber der Zughöhepunkt der Sumpfrohrsänger fast schon erreicht. Es konnte also kein verlässlicher Zeitpunkt für den Zugbeginn im Saarland angegeben werden. Ähnlich verhält es sich auch bei anderen Arten, die schon früh aufbrechen.

Gartengrasmücke (Sylvia borin)
Der Zug ins Winterquartier beginnt für sie schon im Juli
Das Ziel der Juli-Aktion lag aber auch in der Aufklärung, ob sich das Artenspektrum während des sehr frühen Zugs im Juli sich von dem im August unterscheidet. In der Vergangenheit wurde anhand großer Fangzahlen gegen Ende der Brutzeit schon vermutet, dass ein beachtlicher Teil des Zuges sozusagen "übersehen" wird. Auch die Brutzeitfänge zweier Karmingimpel 2010 und 2012 zeigten, dass mit dem Auftreten ungewöhnlicher Arten zu rechnen ist.

Was die frühe Erfassung zeigte: Große Überraschungen gab es keine, aber einige kleine. So ist der Zug bei Watvögeln wie dem Flussuferläufer und dem Waldwasserläufer gegen Ende Juli schon sehr ausgeprägt. Auch je ein Wendehals und Eisvogel wurden gefangen, die sonst erst Mitte August ihren Zug antreten.


Häufige Arten: Viele Grasmücken und späte Rohrsänger

Dorngrasmücke (Sylvia communis)
Wie die anderen Grasmücken auch frisst sie Ende August
sehr häufig an den Brombeersträuchern im IKEA-Biotop
Auffallend  waren in diesem Jahr an allererster Stelle die enormen Fangzahlen bei Dorn- und Gartengrasmücke, mit einem Rekordergebnis von jeweils über 300 Exemplaren! Insbesondere im Vergleich mit dem Mittelwert der Vorjahre sticht 2013 hervor. Die Ursachen liegen wohl in zwei Gründen: Zum Einen war der Bruterfolg 2013 für spät brütende Arten groß, da das Wetter in der zweiten Hälfte der Brutzeit sehr stabil war. Zum anderen spielt auch der Wandel der Vegetation im Biotop eine Rolle, denn gerade die sich ausbreitenden Brombeergebüsche werden von Grasmücken bei der Nahrungssuche angeflogen.

(KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
Zahl der Neuberingungen für Dorn- und Gartengrasmücke pro Tag
von Ende Juli (JL3) bis Ende Oktober (OK3), in Dekaden (10-Tages-Intervalle).
Man beachte die im Verhältnis gewaltigen Zahlen Ende August (AU3)
Trotz geringerer Beringungstätigkeit: Nach 2009 und 2010 konnten erneut über 2.500 Teichrohrsänger beringt werden und der Zug ist noch nicht ganz beendet! Sogar die Rekordzahl scheint noch in greifbarer Nähe zu sein. Dies zeigt einerseits, dass der Bruterfolg in diesem Jahr offenbar recht gut war, andererseits aber auch, dass das Gebiet den Massen rastender Rohrsänger (teils über 200 pro Tag auf 5 Hektar) genügend Nahrung bietet. Der Zug der Teichrohrsänger scheint dabei im Vergleich mit den Daten der Vorjahre zeitlich etwas nach hinten verschoben zu sein, was eventuell für eine große Zahl später Bruten sprechen könnte.
(KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN)
Zahl pro Tag neu beringter Teichrohrsänger, aufgetragen in Dekaden (10-Tages-Intervalle)
von Ende Juli (JL3) bis Ende Oktober (OK3). 2013 setzte der Zug später ein als im Mittel 2006-2012

Mittelhäufige Arten: Gewinner und Verlierer

Rekordfangzahl beim Eisvogel (Alcedo atthis)
Bisher wurden 2013 bereits 20 Exemplare beringt
Wie bereits im letzten Beitrag beschrieben ist die natürliche Sukzession (die Entwicklung der Vegetation im Biotop) ein Hauptgrund für die Veränderungen in Fangzahlen und Artenspektrum. Große Abnahmen konnten wir vor allem bei Neuntötern und Orpheusspöttern feststellen, die offene Landschaften mit einzelnen Gebüschen bevorzugen. Außer dem Neuntöter- Brutpaar und seinem Nachwuchs wurden nur wenige weitere Durchzügler gefangen. Ähnlich bei den Orpheusspöttern, der Art, die offenbar am stärksten auf die Veränderungen im Biotop reagiert.

Einen anhaltend negativen Trend sieht man bei der Rauchschwalbe, die seit Jahren immer seltener im Biotop wird. Die Schwalben suchen das Gebiet abends als Schlafplatz auf, jedoch war dieser 2013 nicht jeden Tag besetzt. Ob dies der Entwicklung des Biotops oder dem bundesweit abnehmendem Trend dieser Art geschuldet ist, bleibt offen.

Der Schilfrohrsänger, der im letzten Jahr einen Einbruch der Fangzahl um 60% zeigte, ist 2013 wieder auf den Stand der Vorjahre zurückgekehrt. Die genauen Gründe für die Entwicklung im letzten Jahr sind unklar. Vermutlich spielt auch die frühe Zugphase im Juli eine große Rolle für den Schilfrohrsänger, was die Fangzahlen dieses Jahres zeigen.

Feldschwirl (Locustella naevia)
Optisch unscheinbar, akustich unverkennbar:
Sein Gesang ähnelt den Lauten von Heuschrecken.
Steigende Trends sind vor allem bei den Arten zu erkennen, die dichtere und höhere Vegetation bevorzugen: Die Nachtigallen zeigen im Vergleich mit den Vorjahren leicht höhere Fangzahlen, der Fitis hat sogar ein Rekordergebnis erzielt (ca. 150 Beringungen). Ebenfalls Rekord-Fangzahlen stellten daneben  auch der Eisvogel (>20 Beringungen), der Wendehals, der Feldschwirl und das Blaukehlchen auf. Insbesondere bei letzterer Art spielt dabei aber wahrscheinlich auch die bundesweite Bestandsentwicklung eine Rolle, die in den letzten Jahren sehr positiv ist.

Erfreulich ist 2013 auch die Bilanz bei Teich- und Wasserrallen. Durch den niedrigen Wasserstand konnten diese Bodenbewohner, die öfter laufen als fliegen, besonders häufig gefangen werden. Gerade die späten Bruten scheinen dabei sehr erfolgreich gewesen zu sein, was der hohe Anteil noch nicht ausgewachsener Jungvögel belegt.


Seltene Arten: Wieder Zwergdommeln und Tüpfelrallen auf dem Herbstzug!

Vorab sei gesagt: Extreme Raritäten sind in diesem Jahr bislang leider keine aufgetreten, dennoch gab es einige äußerst interessante Fänge bei den Arten, die im Biotop nur selten gefangen werden.
Juvenile Zwergdommel (Ixobrychus minutus)
Erst die 3. Beringung dieser Art im IKEA-Biotop.
Man beachte die vereinzelten Flaumfedern in Kopf- und Körpergefieder
Der bemerkenswerteste Fang bestand in gleich 2 Zwergdommeln, der kleinsten einheimischen Reiherart. Die eine - ein Jungvogel - zeigte noch einige Flaumfedern im Gefieder, die Vermutung liegt daher nahe, dass dieser Jungvogel einer nahe gelegenen (übersehenen) Brut entstammt, was für das Saarland ein wertvoller Nachweis wäre! Die andere, ein adultes Weibchen, ist uns bereits sehr gut bekannt: Sie wurde 2010 beringt und tauchte auch 2011 bereits zur Zugzeit wieder auf. In diesem Jahr blieb sie für mehrere Wochen im Gebiet und wurde desöfteren gefangen. Ihr Gewicht hat sie dabei innerhalb weniger Tage um ca. 50% erhöht, ein Indiz für ein gutes Nahrungsangebot. Eine solche Standorttreue bei der Rast der Zwergdommel (außerhalb ihres eigentlichen Brutgebiets) ist unseres Wissens in der Form noch nicht festgestellt worden.

Tüpfelralle (Porzana porzana)
Nach 2010 endlich wieder Nachweise beim Herbstzug!
Ebenfalls erfreulich: Die Tüpfelralle ist nach 2010 endlich wieder auf dem Herbstzug nachgewiesen worden - und das gleich in Rekordzahl: Ganze 5 Jungvögel wurden gefangen und beringt. Dieser Bodenbewohner brütet nicht im Saarland und wird nur selten rastend beobachtet. Der Großteil der Nachweise der letzten Jahre, meist 1-2 jährlich, gelang unserem Team durch Fang und Beringung. Dass im IKEA-Biotop aber ein so reger Durchzug der Tüpfelralle herrscht, hätten auch wir nicht vermutet.


Aus saarländischer Sicht selten: Auch der Rohrschwirl war 2013 mit 5 Fängen während des Herbstzugs wieder vertreten. Diese und die beiden während des Frühjahrszugs gefangenen Rohrschwirle sind gleichzeitig laut ornitho.de die einzigen im Saarland beobachteten Vertreter ihrer Art im Jahr 2013. Definitiv eine Art, die ohne die Beringungstätigkeit übersehen bliebe.

Flussuferläufer (Actitis hypoleucos)
Im Saarland kein Brutvogel, nur auf dem Zug zu sehen
Eine echte Überraschung in diesem Jahr sind die Fangzahlen bei Limikolen (Watvögeln), allen voran ganze 7 Flussuferläufer. Vor 2013 gab es gerade mal 2 Fänge dieser Art! Ebenfalls überraschend: Unter ihnen war ein beringtes Exemplar, das mit einem Ring der Vogelwarte Stockholm gekennzeichnet wurde. Woher genau der Vogel stammt, erfahren wir aber leider erst mit Zeitverzögerung. Angesichts der wenigen Gesamtfänge dieser Art aber sehr spannend!


Schlusswort: Noch ist vieles drin...

Die bisherige Beringung 2013 war erfolgreich, aber brachte noch keine extremen Besonderheiten, wie in manch einem der Vorjahre. Doch die zweite Zughälfte ist berüchtigt für Irrflügler aller Art, die z.B. einfach in die falsche Richtung fliegen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Sibirische Arten in Mitteleuropa auftauchen. Gerade die bei Tag ziehenden Rohrammern (Ende September bis Ende Oktober) sind häufiger mit nordischen Seltenheiten vergesellschaftet. Insofern heißt es einfach dran bleiben!

Im Namen des gesamten Teams der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

07.04.2012

Alles neu macht der April!

Hallo aus der Beringungsstation!

Die Beringungsstation mit neuer Terrasse und Beobachtungsturm

Das Jahr 2012 hat auch für die saarländische Vogelberingung wieder angefangen. Nachdem in den letzten Wochen an der Station fleißig gebaut wurde, können wir nun mit einer nagelneuen Terrasse inklusive Beobachtungsturm aufwarten. Ein großes Dankeschön gebührt in diesem Zusammenhang noch den Sponsoren und Handwerkern - allen voran IKEA Deutschland - ohne die dieses Projekt nicht zu bewältigen gewesen wäre!

Die Tüpfelralle (Porzana porzana) - ein sehr
scheuer und seltener Gast im Biotop
Doch nicht nur baulich gibt es Erfreuliches zu melden, auch die Frühjahrszugberingung 2012 hat bereits begonnen und uns das eine oder andere Highlight beschert. Allen voran gab es ganze 2 Tüpfelrallen (Porzana porzana) zu verbuchen, eine Art, welche seit 2009 nicht mehr und bis dato auch nur im Herbst gefangen werden konnte. Daneben wurden auch an nur drei Tagen stolze 5 Blaukehlchen (Luscinia svecica) gefangen, eine Zahl, die in dieser Höhe bisher nur auf dem Herbstzug erreicht wurde. Das Bild komplett macht ein Bergpieper (Anthus spinoletta), eine Art, die bereits im letzten Frühjahr gefangen werden konnte.

Zeitlich interessant war vor allem der Fang eines Wendehalses (Jynx torquilla) am 17.03., was laut ornitho.de die Erstbeobachtung 2012 dieser Art in Deutschland darstellt.

Männliches Blaukehlchen (Luscinia svecica) im Prachtkleid
Neben diesen Besonderheiten sind es aber vor allem die häufigen Arten wie Rotkehlchen (Erithacus rubecula), Zilpzalp (Phylloscopus collybita) und Rohrammer (Emberiza schoeniclus), die zurzeit verstärkt auf dem Heimzug sind, bzw. diesen bereits fast abgeschlossen haben. Auf andere Arten, wie z.B. Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) oder Dorngrasmücke (Sylvia communis) muss man wohl noch bis Mitte oder Ende April warten. Gerade dieses zeitliche Auftreten des Zuges der einzelnen Arten - die sog. Phänologie - macht das Beringen im Augenblick sehr interessant. Der Heimzug findet nämlich nicht in jedem Jahr zum gleichen Zeitpunkt statt, sondern ist gewissen zeitlichen Schwankungen unterworfen. Weil der Heimzug anders als der Wegzug auch in einem viel engeren Zeitraum statt findet, ist das Spektrum der möglichen Arten auch enorm groß. Alles in allem eine spannende Zeit, in der wir uns hoffentlich noch öfter melden dürfen (natürlich mit weiteren schönen Fängen).

Eine weitere Neuerung des Jahres 2012 ist ebenfalls bereits angelaufen. Ab sofort melden wir alle unsere Fänge zeitnah als Tageslisten bei ornitho.de unter der Koordinate 'Beringungsstation "Mittleres Saartal" / Saarlouis (SL/SLS)', so dass an dieser Stelle keine detaillierte Auflistung der Fänge mehr erfolgt. Ausgenommen davon sind natürlich Statistiken und Monatslisten, die auch weiterhin in interessanten Zeiten veröffentlicht werden.

Viele Grüße im Namen des gesamten Teams,
Sebastian Kiepsch

01.09.2011

Drei weitere Fangtage

Hallo zusammen!

Eine weitere Woche neigt sich dem Ende entgegen. Während ich gerade in der Hütte sitze und die Netze schon für den nächsten Fangtag  morgen geöffnet sind, wollte ich die Gelegenheit noch nutzen, um die letzten Tage kurz zusammenzufassen.

Der Eisvogel (Alcedo atthis) ist momentan ein häufiger Gast

Die letzte Aktion des Monats August lief von 28.08. - 30.08. Mit 287 Individuen aus 20 Arten ist sie quantitativ nicht die stärkste, qualitativ war aber auch wieder der eine oder andere Fang dabei. Die zahlenmäßigen Spitzenreiter waren erneut Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) und Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla). Auch 8 weitere Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) plus ein Fremdfang mit Brüsseler Ring gingen in die Netze. Bemerkenswert ist weiterhin, dass zwei der zu Beginn und Mitte des Monats beringten Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) sich immer noch im Gebiet aufhalten. Ein kleines Zug-Hoch hatten auch die Weidenmeisen (Parus montanus), von denen an einem Tag gleich 3 Exemplare gefangen wurden.

Die Weidenmeise (Parus montanus) ist
die kleinste der einheimische Meisen
Die Highlights der Aktion waren aber ein Wendehals (Jynx torquilla) und 3 weitere Eisvögel (Alcedo atthis). Bei letzteren fällt insbesondere auf, dass ausschließlich Jungvögel gefangen wurden. Ist der Eisvogel in der Literatur auch oft als Standvogel beschrieben, so werden dennoch die Jungtiere nach der Brutzeit von den Altvögeln aus dem Revier vertrieben. Die jungen Eisvögel suchen sich dann ein neues Revier, diese Suche ist oft auch mit längeren Flugstrecken verbunden, was man anhand des Wiederfangs eines Eisvogels mit Ring der Vogelwarte Hiddensee aus dem letzten Jahr belegen kann.

An Fremdfängen gibt es diesmal zwei zu vermelden, beide aus Brüssel, beide Rohrsänger, einer Teich-, der andere der oben erwähnte Schilfrohrsänger. Bleibt zu warten, wann die ersten "weitgereisten" Fremdfänge aus Skandinavien und dem Baltikum eintreffen.

Eine interessante Beobachtung gibt es noch vom 30.08., hier wurden gleich 5 Waldwasserläufer (Tringa ochropus) im Biotop beobachtet, die jedoch allesamt nicht gefangen werden konnten.

Hier wie gewohnt die Highlights der Aktion:

Der Waldwasserläufer (Tringa ochropus)
konnte im letzten Jahr auch beringt werden
28.08.
1 Eisvogel (Alcedo atthis)
1 Wendehals (Jynx torquilla)

29.08.
1 Eisvogel
2 Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus)

30.08.
1 Eisvogel
6 Schilfrohrsänger + 1 Fremdfang aus Brüssel


Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch

23.08.2011

Wenn die Wendehälse ziehen...

... dann aber richtig!



Damit willkommen zu unserem aktuellen Beringungsbericht!

Auch diese Woche waren wir wieder fleißig. Von 20.08. bis 23.08. wurden die Fangnetze gestellt und insgesamt 670 Vögel aus 32 Arten gefangen. Diese Aktion ist somit die bisher artenreichste auf diesem Herbstzug.

Das erste Braunkehlchen (Saxicola rubetra) für das Jahr 2011
Weiterhin anhaltend sind die hohen Fangzahlen von Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) mit 373 Individuen und Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) mit 21 Exemplaren, wobei für den Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris) der Großteil schon durchgezogen ist, lediglich 28 Individuen wurden beringt.

Mönchsgrasmücken (Sylvia atricapilla)
Links Männchen, rechts Weibchen
An Intensität gewann auch vor allem der Grasmücken-Zug, insbesondere die Mönchsgrasmücken (Sylvia atricapilla) ziehen gerade verstärkt durch das Saarland, mit 119 beringten Exemplaren waren sie die zweithäufigste Art im Biotop. Der Höhepunkt dieses Zuges dürfte aber noch Anfang September bevorstehen, auch wenn die Phänologie dieses Jahr etwas verfrüht zu sein scheint.


Auffallend ist bei dieser Aktion die große Zahl der Wendehälse (Jynx torquilla), insgesamt 7 Stück konnten neu beringt werden. Alleine 5 davon gingen am 23.08. in die Netze - so viele wie noch nie zuvor an einem einzigen Tag!

Auch das erste Braunkehlchen (Saxicola rubetra) und der erste Baumpieper
(Anthus trivialis) des Jahres landeten in den Netzen.Weiterhin wurden noch 3 Blaukehlchen (Luscinia svecica), ein Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus), ein Neuntöter (Lanius collurio), ein Eisvogel (Alcedo atthis) und eine Schafstelze (Motacilla flava spec.) beringt.

Ein kleines saarländisches Highlight war ein junger Gelbspötter (Hippolais icterina): Der Gelbspötter als naher Verwandter des Orpheusspötters (Hippolais polyglotta) wurde aus dem Saarland als Brutvogel verdrängt, lediglich auf dem Zug treten auch Gelbspötter auf. Im IKEA-Biotop wurde bisher nur 2009 ein Exemplar gefangen.

Drei weitere Fremdfänge gibt es zu vermelden, darunter ein Schilfrohrsänger mit Brüsseler Ring, ein Teichrohrsänger mit Ring aus Litauen und ein weiterer Teichrohrsänger, der von der Beringungszentrale in Madrid gekennzeichnet wurde.

Kleinspecht (Dendrocopos minor), beringt 2010
Zwei interessante Beobachtungen über dem Gebiet gibt es noch zu melden: Am 22.08. konnte gegen 21:00 Uhr eine ziehende Mittelmeermöwe (Larus michahellis) gesichtet werden, sowie am 23.08. ein überfliegender Kleinspecht (Dendrocopos minor).

Und noch ein kleiner Nachtrag zur Brieftaube von letzter Woche: Das Tier wurde einem ortsansässigen Taubenzüchter übergeben und hat wohl schon den Heimweg angetreten - mit dem Auto! Wir hoffen, dass der Besitzer den "Irrflügler" wohlbehalten zurückbekommen hat.


Hier noch einmal alle Highlights im Überblick:

20.08.
1 Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) - Fremdfang Brüssel

21.08.
1 Blaukehlchen (Luscinia svecica)
1 Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus)
1 Eisvogel (Alcedo atthis)
1 Gelbspötter (Hippolais icterina)
1 Schafstelze (Motacilla flava spec.)
9 Schilfrohrsänger
1 Wendehals (Jynx torquilla)
Junge Schafstelze (Motacilla flava spec.)

22.08.
1 Blaukehlchen
9 Schilfrohrsänger
1 Wendehals

23.08.
1 Neuntöter (Lanius collurio)
3 Schilfrohrsänger
5 Wendehälse

Viele Grüße,
Sebastian Kiepsch

17.08.2011

Die ersten Blaukehlchen und ein besonderer Gast

Hallo zusammen!

Auch die dritte Woche der Herbstzugberingung neigt sich dem Ende entgegen. Unsere Beringungsaktion dieser Woche lief von 14.08.-17.08. und war sowohl zahlenmäßig als auch im Hinblick auf "Raritäten" die bisher ertragreichste. Insgesamt wurden während der vier Fangtage fast 800 Vögel aus 26 Arten neu beringt - davon etwa 475 Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus) - bei ca. 140 Wiederfunden.

juveniles Männchen Blaukehlchen (Luscinia svecica), weißsternig
Unter den Neuberingten stechen insbesondere 5 Blaukehlchen (Luscinia svecica) hervor, daneben wurde eine Bekassine (Gallinago gallinago), ein weiterer Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus) und der erste Wendehals (Jynx torquilla) des Jahres beringt. Die Zahl der Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) ist weiterhin stark mit insgesamt 28 Exemplaren an allen Fangtagen.

Fabian Feß mit von ihm gefangener Brieftaube
Nicht in die Netze, aber ins unmittelbare Umfeld der Station verirrte sich eine Brieftaube. Eine Nachfrage beim Züchter, der in Friedberg/Hessen wohnt, ergab, dass das Tier sich vermutlich bei einem Wettflug am vergangenen Wochenende von St. Wendel aus in die falsche Richtung aufmachte. Etwas entkräftet ließ sich der Vogel einfach mit der Hand fangen.
Neben einem Kanarienvogel und einem Wellensittich (beide 2010) ist dies bereits der dritte Gefangenschaftsflüchtling, der im Biotop nachgewiesen wurde.

Erfreulich waren auch insgesamt vier Fremdfänge von Teich- bzw. Sumpfrohrsängern mit Brüsseler Ringen sowie eines Sumpfrohrsängers mit Ring der Vogelwarte Helgoland.

Doch das wahre Highlight der Wiederfänge erwartete uns am Abend des 16.08.: Ein von uns im letzten August beringtes, adultes Weibchen Zwergdommel (Ixobrychus minutus) rastet auch in diesem Jahr wieder im IKEA-Biotop. Bei überhaupt erst zwei beringten Zwergdommeln im Gebiet ist dieser Wiederfund eine kleine Sensation, diese Standorttreue des Individuums auf dem Zug ist bemerkenswert.

adultes Weibchen Zwergdommel (Ixobrychus minutus)

Hier nochmal alle Highlights zum Nachlesen:

14.08.
6 Uferschwalben (Riparia riparia), darunter eine von uns im letzten Jahr Beringte.


juveniler Wendehals (Jynx torquilla)
15.08.
2 Blaukehlchen (Luscinia svecica)
1 Drosselrohrsänger (Acrocephalus arundinaceus)
3 Neuntöter (Lanius collurio)
1 Wendehals (Jynx torquilla)


16.08.
In diesem Jahr bisher stärkster Fangtag mit über 300 Vögeln
2 Blaukehlchen
2 Neuntöter
1 Zwergdommel (Ixobrychus minutus) (Wiederfund von 2010)


17.08.
1 Bekassine (Gallinago gallinago)
1 Blaukehlchen


Viele Grüße aus der Beringungsstation,
Sebastian Kiepsch