19.09.2019

Die Dürre macht auch vor dem IKEA Biotop nicht halt

Der zweite trockene Sommer in Folge hat deutliche Spuren im IKEA Biotop hinterlassen. Gut ein drittel des Gebietes bestehen aus Feucht- und Wasserflächen mit bis zu einem Meter tiefe. Für gewöhnlich entstehen hier im Sommer Schlickflächen, welche besonders für Limikolen und Rallen interessante Rastflächen bieten. Der Eintrag von Biomasse und Sedimenten im Zusammenhang mit dem Warmen und niederschlagsarmen Sommer 2019 haben dazu geführt, dass die Wasserflächen erstmalig in der Geschichte des Biotops vollständig ausgetrocknet sind!

Blick auf die ehemalige Wasserfläche durch das Netz für Wasservögel (Bild:T.Hoffmeister)
Aufgerissener Boden wie in den Tropen. Vielleicht kam deshalb der Buschspötter...(Bild: T.Hoffmeister)
Die wenigen Regengüsse des Sommers haben zwar kurzzeitig für Erfrischung gesorgt, doch das Gebiet war nur scheinbar wieder mit Wasser gefüllt. Die Oberflächenwässer, sowie das Dachwasser des IKEA Gebäudes sind genau so schnell wieder versickert wie sie gekommen sind.
Nur von kurzer Dauer. Nach wenigen Stunden sah es wieder aus wie auf dem ersten Bild. (Bild: T.Hoffmeister)

Das wenige Wasser hat leider dazu geführt, dass dieses Jahr kaum Limikolen und Rallen gefangen wurden. Das erste mal seit langem wurde in diesem Jahr kein Tüpfelsumpfhuhn gefangen. Auch für die Limikolen ist es dieses Jahr zu trocken bei uns. Nur jeweils 3 Bekasinen und Flussuferläufer konnten im Sommer gefangen werden.
Ein gutes hat die Dürre jedoch: Das trockene Gebiet wirkte attraktiv auf Flussregenpfeifer, die erstmalig gefangen werden konnten!

Einer von insgesamt 3 Flussregenpfeifern (Bild: T.Hoffmeister)

05.09.2019

Buschspötter - Saarländischer Erstnachweis an der NABU-Beringungsstation

Hallo zusammen!

Buschspötter (Iduna caligata), 1.KJ, Erster Nachweis für das Saarland
durch Fang und Beringung im IKEA-Biotop am 05.09.2019
(Foto: Sebastian Kiepsch)
 Aus aktuellem Anlass eine kurze Neuigkeit der Beringerinnen und Beringer aus dem IKEA-Biotop:

Fangstandort des Buschspötters inmitten des Schilfgürtels.
(Foto: Sebastian Kiepsch)
Heute wurde gegen 08:00 Uhr ein junger Buschspötter (Iduna caligata) im IKEA-Biotop gefangen und beringt. Für die Art ist dies der erste Nachweis überhaupt im Saarland.

Der Vogel hing auf einem der morgentlichen Rundgänge in einem Fangnetz inmitten eines Schilfbestands und wurde vom Team um Thorin Hoffmeister sofort am Netz als auffällig erkannt.




Busch oder Steppe - Das ist hier die Frage

Buschspötter - zu erkennen sind die warm braune Oberseite und
der deutlich ausgedehnte Überaugenstreif.
Ebenfalls die für Spötter typischen, hellen Schwanzaußenkanten.
(Foto: Sebastian Kiepsch)
Als kleiner brauner Vogel ist der Buschspötter in Gesellschaft einiger sehr ähnlicher Arten, die sich nur in Details unterscheiden, wie z.B. geringen Farbabweichungen in der Gefiederzeichnung, kleinen Unterschieden in Kopfform und Schnabelform bzw. auch in der Flügelform.

Eine sehr nahe verwandte Art, der Steppenspötter (Iduna rama) muss daher auch bei der Bestimmung sicher ausgeschlossen werden. Für Buschspötter spricht im Falle dieses Vogels das sehr rundliche Kopfprofil, die warm braune Oberseite und die deutliche Ausdehnung des hellen Überaugenstreifs. Untypisch sind hingegen die einfarbigen Beine ohne deutlich abgesetzte Füße sowie die recht kräftige Schnabelform und helle Schnabelfärbung. Doch gerade bei Hornteilen ist bei jungen Vögeln noch eine abweichende Färbung möglich, so dass zumindest dieser Zweifel weitgehend unbegründet scheint.

Buschspötter beim Wiegen. Deutlich zu erkennen sind
hier die – untypisch für die Art – einfarbigen Beine.
(Foto: Sebastian Kiepsch)
In der Summe handelt es sich aufgrund der Vielzahl passender Merkmale daher nach unserer Beurteilung um einen Buschspötter, wir sind aber natürlich offen für weitere Einschätzungen. Letztendlich planen wir aber auch, an entnommenen Federproben eine genetische Untersuchung durchzuführen. Das wird uns dann absolute Klarheit geben.


Vielen Dank an dieser Stelle auch an alle, die uns spontan mit ihren Bestimmungshinweisen geholfen haben!





Buschspötter - Seltener Irrflügler aus dem Osten

Flügel des Buschspötters. Bestimmungsrelevant ist u.a.
die Länge der äußersten langen Handschwinge (rechts)
im Vergleich mit den restlichen Flügelfedern.
(Foto: Sebastian Kiepsch)
Der Buschspötter ist eigentlich eine Brutvogelart Westasiens und überwintert in Indien. Zurzeit dehnt sich die Verbreitung Richtung Westen aus, der Buschspötter brütet bereits in Ostfinnland und im Baltikum. Auf seiner gewohnten Zugroute käme der Buschspötter eigentlich niemals in Westeuropa vor, dennoch gibt es gelegentlich auch Herbstnachweise in Deutschland, zuletzt am 13.09.2018 auf Helgoland. Allerdings ist die Art alles andere als regelmäßig vorzufinden und wird bei weitem nicht jedes Jahr festgestellt.

Bei diesen Irrgästen handelt es sich möglicherweise um genetisch fehlgeprägte Vögel, die einen sogenannten "Spiegelzug" in die falsche Himmelsrichtung durchführen. Beim Buschspötter, wie bei vielen anderen ziehenden Kleinvogelarten, werden Zugwege und -zeitpunkte nicht von Altvögeln erlernt, sondern durch ein "genetisches Gedächtnis" vererbt. Hier kann es durch zufällige Mutationen zu Fehlern kommen, so dass sich entweder eine Verschiebung oder sogar eine Umkehr von Zugrouten ergibt. In vielen Fällen endet dies für die Vögel leider tödlich, da keine geeigneten Rast- und Überwinterungsbiotope auf der falschen Route zu finden sind. Bei anderen Arten (wie z.B. Gelbbrauen-Laubsängern) wird aber auch diskutiert, ob sich auf diese Art und Weise eine neue Zugroute etablieren kann.


Herbstzug 2019 - Zusammenfassung in aller Kürze

Ein kurzes Update zur momentanen Herbstzugsaison sei an dieser Stelle auch noch erlaubt: Bislang gab es einige wirklich starke Tagen mit vielen Rohrsängern, unter anderem wurde sogar der Tagesrekord mit 535 gefangenen Vögeln am 17.08.2019 gebrochen. Außerdem sind auch schon einige weitere Höhepunkte an Arten zu verzeichnen. Gleich drei neue Erstberingungen mit dem Flussregenpfeifer, dem Pirol und dem Habicht, die alle noch nie zuvor gefangen wurden konnten. Außerdem gelangen noch zwei Zweitfänge für das Gebiet mit dem Ortolan und der Sperbergrasmücke. Letztere wurde erst zum zweiten Mal im Saarland nachgewiesen (nach unserem Fang 2014).

Auf alle Fälle ist der Buschspötter unser bislang spannendster Fang 2019. Wir hoffen natürlich auf weitere Highlights, einige spannende Wochen stehen uns noch bevor!

Im Namen der gesamten Beringungs-AG,
Sebastian Kiepsch

07.08.2019

Einladung zum Tag der offenen Tür 2019

Das Team der NABU-Beringungsstation lädt alle Interessierten herzlich ein zu unserem 9. Tag der offenen Tür:

Am Samstag, den 31.08.2019, von 08:30 Uhr bis 16:00 Uhr,
an der NABU-Beringungsstation „Mittleres Saartal“, 
Im Hader, Saarlouis-Lisdorf
hinter dem IKEA-Komplex, an der Lieferantenzufahrt. Parkmöglichkeiten bestehen vor Ort bzw. auf den IKEA-Parkplätzen (Link für Routenplaner)

Im Rahmen unseres Tags der offenen Tür bieten wir alljährlich der breiten Bevölkerung einen Blick hinter die Kulissen der Beringungsstation.

Beim Tag der offenen Tür 2018 beringter Kernbeißer (Bild T.Hoffmeister)


Programm:
08:30 Uhr - "Early-Bird"-Beringungsvorführung für Frühaufsteher mit verschiedensten Vögeln aus nächster Nähe (Dauer ca. 1-1,5 Stunden)
Je früher der Morgen, desto größer die Aktivität und Artenvielfalt im IKEA-Biotop. Wer die frühe Phase des Tages mal selbst miterleben und dem Team bei seiner Arbeit über die Schulter schauen möchte, sei herzlich zu einer Vorführung vor dem offiziellen Start eingeladen. Natürlich gibt es auch zahlreiche Vögel zu sehen (und zu fotografieren)!

10:00 Uhr - Offizielle Eröffnung mit großer Beringungsvorführung (Dauer ca. 1 Stunde)
Seit mittlerweile 10 Jahren gibt es die Beringungsstation, jedes Jahr werden mehr als 10.000 Vögel gefangen und beringt. Im Rahmen einer großen Beringungsvorführung möchten wir die Arbeit rund um Fang, Beringung und Datenerfassung vorstellen, die Geschichte des Biotops und der Station Revue passieren lassen und auch erste Ergebnisse der Arbeit präsentieren. Natürlich werden auch viele Vögel zu sehen sein!

Ab 12:00 Uhr - Stündliche Kurzvorführungen mit Vögeln aus nächster Nähe (Dauer ca. 30 Minuten)
An der Station wird zur Herbstzugzeit von Ende Juli bis November nach Möglichkeit jeden Tag von Sonnenauf- bis -untergang beringt. Alle Besucher haben die Möglichkeit, die Beringung der Vögel live mitzuerleben, die bei den stündlichen Rundgängen von den Beringungshelfern aus den Netzen befreit werden. Dabei ist auch Gelegenheit, verschiedene Vogelarten aus nächster Nähe zu sehen und zu fotografieren.

Zwischen den Vorführungen - Führungen mit Kleinstgruppen in das IKEA-Biotop (Teilnehmerzahl stark begrenzt, festes Schuhwerk nötig!)
Normalerweise ist das IKEA-Biotop zum Schutz der sensiblen Tier- und Pflanzenwelt nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Zum diesjährigen Tag der offenen Tür möchten wir der Bevölkerung die Chance bieten, das Gebiet auch bei einem kurzen Rundgang mal aus der Nähe kennenzulernen. Unter fachkundiger Führung in Kleingruppen erfahren Sie alles Wissenswerte zu Lebensräumen, typischen Arten (auch außerhalb der Vogelwelt) und der einzigartigen Lage des Biotops inmitten des städtischen Umfelds. Interessierte werden gebeten, festes Schuhwerk mitzubringen. Die Teilnehmerzahl ist auf maximal 20 Personen beschränkt, gutes Wetter vorbehalten.

Gegen 16:00 Uhr - Ende

Auch außerhalb der Vorführungen und Exkursion steht ihnen unser Team natürlich gerne Rede und Antwort.

Eintritt und die Teilnahme an Vorführungen und Exkursionen sind natürlich kostenlos. Für das leibliche Wohl ist auch wie immer gut gesorgt!


Wir hoffen auf zahlreiche Besucher, gutes Wetter und natürlich auch spannende Fänge.

Über Ihr Kommen würden wir uns sehr freuen!


Im Namen der gesamten Beringungs-AG,
Thorin Hoffmeister